British South American Airways

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British South American Airways
Wunstorf, 1948: Tudor V G-AKBZ, während der Berliner Luftbrücke
IATA-Code: (ohne)
ICAO-Code: (ohne)
Rufzeichen:
Gründung: 1945
Betrieb eingestellt: 1950
Sitz: Heathrow
Heimatflughafen:

Flughafen London

Flottenstärke: 29
Ziele: Südamerika und Karibik
British South American Airways hat den Betrieb 1950 eingestellt. Die kursiv gesetzten Angaben beziehen sich auf den letzten Stand vor Einstellung des Betriebes.

British South American Airways (BSAA) war eine britische Linienfluggesellschaft mit Sitz in Heathrow bei London, die von 1946 bis 1949 hauptsächlich Strecken nach Lateinamerika betrieb und zum 1. Januar 1950 vollständig in die staatliche British Overseas Airways Corporation (BOAC) als deren Südamerika-Abteilung integriert wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesellschaft wurde ursprünglich bereits im Februar 1944 von mehreren Reedereien als British Latin American Airways gegründet, der Name dann aber im Oktober 1945 in British South American Airways geändert.[1] Der Flugbetrieb begann am 1. Januar 1946 mit einem ersten Streckenerprobungsflug nach Buenos Aires.

Die Gesellschaft nutzte zunächst den in Berkshire gelegenen Werksflugplatz Langley des Unternehmens Hawker Aircraft als Basis, zog aber kurz danach auf den nur sechs Kilometer südöstlich gelegenen Flughafen London um (1966 in "London-Heathrow" umbenannt). Eine Avro Lancastrian der BSAA war die erste Maschine, die auf diesem im März 1946 eröffneten Flughafen landete.

BSAA nahm ihre erste Linienverbindung am 15. März 1946 auf der Strecke nach Buenos Aires über Lissabon, Bathurst, Natal, Rio de Janeiro und Montevideo auf und beflog diese Route 14-täglich. Sechs Monate später wurden Liniendienste in die Karibik eingerichtet und Bermuda, Jamaika und Caracas bedient. Alle Flüge erfolgten mit modifizierten Bombern des Typs Avro Lancastrian, die keine Druckkabine besaßen und lediglich sehr beengten Platz für 13 Passagiere boten. Weil die meisten transatlantischen Flüge mit Hilfe von Astronavigation durchgeführt wurden, erhielten allen Maschinen individuelle Taufnamen, die mit dem Wort "Star" (Stern) begannen. Mit der Übernahme von geräumigeren Avro York konnten jeweils 21 Passagiere deutlich komfortabler befördert werden. Parallel dazu wurde der afrikanische Zwischenlandepunkt von Bathurst nach Dakar verlegt. Im Januar 1947 folgte eine neue Strecke nach Santiago de Chile über die Karibik, Bogotá und Lima.

Die neu ins Amt gekommene Labour-Regierung verstaatlichte BSAA mit Wirkung vom 1. August 1946.

Im Mai 1947 begann BSAA Versuche mit Luftbetankung, um Nonstopflüge von London nach Bermuda ohne Zwischenlandung auf den Azoren zu ermöglichen. Dabei wurde die Linienmaschine von einer anderen, auf den Azoren stationierten Avro Lancaster im Flug betankt und konnte die Strecke von 6400 km in rund 20 Stunden bewältigen.[2] Trotz etlicher erfolgreicher Nonstopflüge wurde das Projekt nicht weiter verfolgt.

Wunstorf, 1948: Tudor V G-AKBZ, während der Berliner Luftbrücke

Im Jahr 1947 kaufte BSAA die in der Karibik mit Vickers Viking aktive British West Indian Airways (BWIA) auf. Im Januar 1949 wurde dann auch die Bahamas Airways übernommen, die u. a. Strecken nach Miami und Palm Beach in Florida betrieb. Auf diesen Routen kamen Flugboote der Typen Grumman Goose, Consolidated Catalina, Consolidated Commodore sowie Republic Seabee zum Einsatz.[3]

Ebenfalls 1947 wurden sechs der allerersten Düsenflugzeuge des Typs De Havilland Comet 1 bestellt, die allerdings nicht mehr zur Auslieferung kamen. Als Übergangslösung wurde aus patriotischen Gründen keines der modernen US-amerikanischen Flugzeugmuster gewählt, sondern die britische Avro Tudor, die von der staatlichen British Overseas Airways Corporation (BOAC) als „völlig ungeeignet“ abgelehnt worden war, aber immerhin über eine Druckkabine verfügte.[2]

Eine unerwartete Einnahmequelle eröffnete sich durch die Teilnahme von BSAA an der Berliner Luftbrücke. Fünf günstig erworbene Avro Tudor V wurden neun Monate lang zur Frachtbeförderung von Wunstorf aus eingesetzt.[4]

Die Cockpitbesatzungen bestanden zum größten Teil aus früheren Bomberpiloten. Für die zivile Luftfahrt entscheidende Sicherheitsfaktoren wie Benutzung von Checklisten, Einhaltung von Höchstdienstzeiten oder Typenerfahrung spielten im Flugbetrieb der BSAA oft keine allzu große Rolle.[2] Daher blieben Flugunfälle auf den anspruchsvollen Strecken nicht aus, die durch lange Überwasserstrecken, fehlende Bodennavigationshilfen, schlechte Funkverbindungen, Überfliegen hoher Bergketten und Wetterprobleme gekennzeichnet waren. In den vier Jahren ihrer Existenz verzeichnete BSAA zehn Totalverluste, davon 6 tödliche Unfälle[5] (siehe unten: Zwischenfälle).

Nachdem schon im Januar 1948 eine Avro Tudor auf dem Weg nach Bermuda im Westatlantik mit 31 Personen an Bord spurlos verschollen war, verschwand fast genau ein Jahr später eine andere Tudor zwischen Bermuda und Kingston (Jamaika) ebenso mysteriös, diesmal mit 20 Menschen. Daraufhin wurde ein Flugverbot für die Tudor IV als Passagierflugzeug verhängt. Dies alles erhöhte weder das Vertrauen in den Flugzeugtyp noch in BSAA und löste letztlich die Übernahme der Gesellschaft durch die BOAC aus, die am 30. Juli 1949 wirksam wurde.[4] Zum 1. Januar 1950 wurde BSAA dann vollständig in die BOAC als deren Südamerika-Abteilung integriert und verschwand auch als Marke.

Flotte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BSAA's Avro Anson G-AIKM, Manchester 1949

Bei der Übernahme durch BOAC im September 1949 bestand die Flotte aus[4]

Als Verbindungs- und Crewtransportflugzeug war vorher noch eingesetzt:

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Woodford 1949: Tudor IVB G-AHNI, Schwestermaschine der beiden im Atlantik verschwundenen Tudors

Bei zehn Unfällen der BSAA mit Totalverlusten in zweieinhalb Jahren kamen insgesamt 95 Menschen ums Leben.[6]

  • 13. April 1947 – Flughafen Dakar-Yoff. Bei einer Bruchlandung einer Avro York (G-AHEZ) in schlechter Sicht wurden sechs Passagiere getötet, die anderen neun Insassen überlebten.[8]
Prestwick, 1944: Transportversion der Avro Lancaster
  • Am 2. August meldete die Besatzung der Avro 691 Lancastrian G-AGWH auf dem Flug von Buenos Aires nach Santiago de Chile ihren Anflug auf Santiago de Chile, die Maschine kam dort aber nie an. Offenbar hatte die Besatzung die eigene Position falsch berechnet und war in einem Schneesturm in etwa 4600 m Höhe gegen den Berggipfel des Tupungato, Argentinien, geflogen. Alle sechs Passagiere und fünf Besatzungsmitglieder wurden getötet. Das Flugzeug blieb vermisst, bis man im Jahr 2000 einige Wrackteile in den Anden fand (siehe: Star-Dust-Absturz).[9]
Eine Avro York, hier: der Dan-Air
  • 5. Januar 1949 – Caravelas Bay, Brasilien. Bei einer Avro York (G-AHEX) brach im Steigflug ein nicht löschbarer Triebwerksbrand aus. Bei der erforderlichen Notlandung wurden drei Passagiere getötet, die anderen zwölf Insassen überlebten.[13]

1) Alle Arten von Flug- und Schiffsunfällen im sogenannten "Bermudadreieck" machten zu jener Zeit sofort Schlagzeilen auf den Titelseiten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Maurice J Wickstead: Airlines of the British Isles since 1919. Staplefield, W Sussex, UK: Air-Britain (Historians) Ltd., 2014, ISBN 978-0-85130-456-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Airlines of the British Isles, S. 149
  2. a b c Airlines of the British Isles, S. 150
  3. Flight International, 20. Januar 1949
  4. a b c Airlines of the British Isles, S. 151
  5. Aviation Safety Network, Statistik BSAA
  6. Aviation Safety Network, Statistik BSAA
  7. Unfallbericht G-AHEW, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 21. Januar 2016.
  8. Unfallbericht G-AHEZ, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 21. Januar 2016.
  9. Unfallbericht Lancastrian G-AGWH, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 23. November 2017.
  10. Unfallbericht G-AGWK, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 21. Januar 2016.
  11. Unfallbericht G-AGWG, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 21. Januar 2016.
  12. Unfallbericht G-AHNP, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 21. Januar 2016.
  13. Unfallbericht G-AHEX, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 21. Januar 2016.
  14. Unfallbericht G-AGRE, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 21. Januar 2016.