Brocken-Benno

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Brocken-Benno, eigentlich Benno Schmidt (* 22. Mai 1932),[1] aus Wernigerode ist ein Rekordwanderer, der den Brocken im Harz mehr als achttausend Mal bestiegen hat.[2][3]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wuchs im Harz auf und war schon früh in den Wäldern des Gebirges unterwegs. Von 1947 bis 1950 absolvierte er eine Lehre im Landratsamt des Landkreises Wernigerode in Wernigerode. Später absolvierte er ein Fachschulstudium, das er als Handels-Ökonom abschloss.[4] Schmidt arbeitete als Referatsleiter Planung im Kreisamt für Handel und Versorgung des Kreises Wernigerode.[5] Ab 1983 war er Bereichsdirektor in der Konsumgenossenschaft.[6]

Häufig hielt er sich mit Freunden in den Harzer Wäldern auf. Vielfach wanderte er von Wernigerode aus auch auf den Brocken. Diese Wanderungen hörten 1961 abrupt auf. Der Gipfel des Brocken lag nahe der innerdeutschen Grenze und ein Zugang war seit 1961 zeitgleich zum Bau der Berliner Mauer nicht mehr möglich. Der im Grenzgebiet der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland liegende Berg wurde zum militärischen Sperrgebiet erklärt und mit gegen den Westen gerichteten Abhöranlagen ausgestattet.

Auch in der Zeit der DDR betrat Benno Schmidt das gesperrte Grenzgebiet. Er hatte zwar einen dienstlichen Passierschein, der jedoch nur für die jeweiligen Orte, nicht für die Waldgebiete galt. In den 1970er Jahren wurde er bei einer solchen Tour im Ilsetal verhaftet. Er erhielt hierfür letztlich einen dienstlichen Verweis. Eine strenge Rüge erhielt er, als von ihm nicht angegebene Westkontakte bekannt wurden. Seitdem war er ein Beobachtungsziel der Staatssicherheit.[7]

Für Zivilisten wurde der Brocken erst wieder am 3. Dezember 1989 erreichbar,[2] kurz nach dem Fall der Berliner Mauer. Brocken-Benno zählte an diesem Tag zu einem von mehreren hundert Menschen, die auf den Zugang drängten.[2] Im Juni 1990 wurde Brocken-Benno nahe dem Bahnhof Brocken von einem der sowjetischen Wachhunde ins Bein gebissen.[8]

Nachdem der Brocken wieder frei zugänglich war, nahm Benno Schmidt seine Wanderungen auf den Brocken wieder auf, wobei es zunächst nicht um Rekorde, sondern um das Naturerlebnis ging. Am 26. August 1995 beging er seinen tausendsten Aufstieg und erhielt an diesem Tag von Wanderfreunden des Harzklubs Wernigerode den Beinamen Brocken Benno.[9] Am Tag der Deutschen Einheit 2016 erreichte er den Gipfel zum achttausendsten Mal und besteigt auch weiterhin fast täglich,[2] auch bei Orkan,[2][10] den Berg.

Immer wieder wurde über Brocken-Benno in der Presse berichtet.[2] Er wurde in den Jahren 1997, 1998 und 2000 mit Einträgen in das Guinness-Buch der Rekorde als „tüchtigster Brockenwanderer“ geehrt. Bei seinen Auf- und Abstiegen wurde er auch schon von Prominenten wie Reinhold Messner, Christian Wulff oder Edmund Stoiber[11] begleitet.

Brocken-Benno ist aktiver Wanderführer im Harz und setzt sich für den Natur- und Umweltschutz im Nationalpark Harz ein. Außerdem ist er Sonderbotschafter der Harzer Wandernadel.

Schmidt ist verheiratet und Vater zweier Töchter. Auch seine Ehefrau Helga hatte 2016 über eintausend Aufstiege hinter sich gebracht.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brocken-Benno wurde 2009 mit der Ehrennadel des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet.[12]
Am 25. Juli 2018 wurde Benno Schmidt auf dem Brocken durch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff für sein großes ehrenamtliches Engagement um den Brocken und die gesamte Harzregion mit dem Verdienstorden des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet.[13]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mit hunderten Wanderfreunden feierte Brocken-Benno seinen 80. Geburtstag und seinen 6666. Brockenaufstieg, 2012.
  2. a b c d e f Torsten Hampel: Ein Harz und eine Seele. Der Tagesspiegel, 2. März 2018.
  3. Jährlich 6000 km zu Fuß unterwegs. Nach einer Herzerkrankung begibt sich Bernhard Heym aus Blankenstein täglich auf Wanderpfade. In: Ostthüringer Zeitung. 29. Dezember 2016, S. 14.
  4. Benno Schmidt, Brocken Benno, Joh. Heinr. Meyer Verlag Braunschweig 2018, ISBN 978-3-926701-89-3, Seite 37
  5. Benno Schmidt, Brocken Benno, Joh. Heinr. Meyer Verlag Braunschweig 2018, ISBN 978-3-926701-89-3, Seite 35
  6. Benno Schmidt, Brocken Benno, Joh. Heinr. Meyer Verlag Braunschweig 2018, ISBN 978-3-926701-89-3, Seite 24
  7. Benno Schmidt, Brocken Benno, Joh. Heinr. Meyer Verlag Braunschweig 2018, ISBN 978-3-926701-89-3, Seite 24 f.
  8. Benno Schmidt, Brocken Benno, Joh. Heinr. Meyer Verlag Braunschweig 2018, ISBN 978-3-926701-89-3, Seite 33
  9. Benno Schmidt, Brocken Benno, Joh. Heinr. Meyer Verlag Braunschweig 2018, ISBN 978-3-926701-89-3, Seite 48
  10. Regina Urbat: Aus heutiger Sicht „purer Leichtsinn“. Volksstimme. 18. Januar 2017, abgerufen am 29. Januar 2017.
  11. Jürgen Bock: „Ich höre erst auf, wenn ich umfalle“. Stuttgarter Nachrichten. 19. März 2010, abgerufen am 29. Januar 2017.
  12. Ministerialblatt für das Land Sachsen-Anhalt 20/10, 19. Juli 2010, abgerufen am 30. Januar 2017 (PDF)
  13. Pressemitteilung der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt vom 25. Juli 2018