Brodswinden

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Koordinaten: 49° 15′ 50″ N, 10° 36′ 34″ O

Brodswinden
Stadt Ansbach
Höhe: 431 (428–476) m
Einwohner: 1500 (2014)
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 91522
Vorwahl: 0981
Brodswinden
Brodswinden
St. Bartholomäuskirche
Das Wendelsbad
Brodswinden vom Wendelsbuck aus gesehen

Brodswinden (ugs. Bratswín [1]) ist ein Ortsteil der kreisfreien Stadt Ansbach, Mittelfranken.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Pfarrdorf fließt der Brodswindener Bach, der mit dem Meinhardswindener Graben (links) zum Silberbach zusammenfließt, der ein rechter Zufluss der Fränkischen Rezat ist. Im Südwesten beginnt das Waldgebiet Holzfeld, im Südosten das Schellenholz. Westlich liegt das Hardtfeld, im Süden das Mittelfeld, ca. 0,5 km östlich das Göttelhoffeld. Der Kernort ist von vier Industriegebieten umgeben und ist mit den nächstliegenden Orten Wallersdorf und Wolfartswinden zusammengewachsen.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

911 wurde von König Konrad I. auf dem Reichstag zu Forchheim beschlossen, Wenden aus dem Maingebiet dem St. Gumbertuskloster Ansbach zuzuweisen. Diese wurden im 10. Jahrhundert in einem Ring um Ansbach angesiedelt. An der Endung „–winden“ ist erkennbar, dass es sich bei diesem Ort um eine solche Wendensiedlung handelt. Im Jahr 1240 wurde der Ort als „Gozbrehteswinden“ erstmals namentlich erwähnt. Der Ortsname enthält den slawischen Personennamen Gozbreht, der wohl das Oberhaupt dieser Siedlergemeinschaft war. Erst in den 1430er Jahren bekam er durch Sprachverschleifung seine heutige Form „Protzwinden“.[1]

Die erste Kapelle befand sich auf dem sogenannten Wendelsbuck und war dem heiligen Wendelin geweiht. Im 15. Jahrhundert wurde eine dem heiligen Bartholomäus geweihte Kirche in der Ortsmitte errichtet. Es wurden Überreste der Wendelinskapelle im Chor verbaut, ab 1556 folgte der Saalbau. Bis 1467 gehörte Brodswinden zur Urpfarrei Sachsen bei Ansbach.

Im 16. Jahrhundert wurde Brodswinden wegen eines Heilbades überregional bekannt. Das Wasser sollte gegen Krätze und Gicht helfen. Eine Untersuchung im Jahr 1936 ergab jedoch, dass das Wasser ganz normales Trinkwasser war. Die tonnengewölbte Brunnenstube auf dem Wendelinsbuck ist heute noch erhalten geblieben. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts zeugten auch weggeworfene Krücken in der Umgegend davon.

In dem Geographischen statistisch-topographischen Lexikon von Franken (1799) wird der Ort folgendermaßen beschrieben:[3]

„ein Pfarrdorf im Kameralamte Ansbach von 26 Unterthanen. Ein Gut allda ist eichstättisch, wurde im J. 1611 zum Bisthume angekauft und gehört in die Ehaft Großenried zum Kastenamte Herrieden.“

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde im Jahr 1808 das Steuerdistrikt Brodswinden gebildet, zu dem Bernhardswinden, Brodswinden, Brodswindermühle[4], Deßmannsdorf, Gösseldorf, Hammerschmiede, Höfstetten, Höfstettermühle[4], Louismühle, Meinhardswinden, Oberrammersdorf, Ratzenwinden, Silbermühle, Wallersdorf, Obere und Untere Walkmühle[5] und Wolfartswinden gehörten. Die Ruralgemeinde Brodswinden wurde im Jahr 1811 gegründet[6] und war deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Ansbach und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Ansbach (ab 1920: Finanzamt Ansbach). In der Folgezeit kam es zur Aufspaltung der Ruralgemeinde Brodswinden:

  • 10. August 1836: Bildung der Ruralgemeinde Ratzenwinden mit Oberrammersdorf, Oberen und Unteren Walkmühle,[7]
  • 20. September 1860: Bildung der Ruralgemeinde Bernhardswinden mit Louismühle, Meinhardswinden und Deßmannsdorf.[8]
  • Seither gehörten zur Ruralgemeinde Brodswinden nur noch Brodswindermühle, Gösseldorf, Höfstetten, Höfstettermühle, Hammerschmiede, Silbermühle, Wallersdorf und Wolfartswinden.

Von 1862 an wurde Brodswinden von dem Bezirksamt Ansbach (ab 1938: Landkreis Ansbach) verwaltet. Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1870 beim Landgericht Ansbach, 1870–1879 Stadt- und Landgericht Ansbach, seit 1880 Amtsgericht Ansbach.[9] Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 8,492 km².[10]

In den 1950er Jahren wurde die Silbermühle abgebrochen.

Am 1. Juli 1972 wurde Brodswinden mit seinen Ortsteilen im Zuge der Gebietsreform nach Ansbach eingemeindet. Das Gebiet, auf der die Silbermühle stand, wurde nach Sachsen bei Ansbach eingemeindet.[11]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu der Kirchengemeinde St. Bartholomäus gehören Claffheim, Gösseldorf, Höfstetten, Winterschneidbach, Wallersdorf und Wolfartswinden. Die Gemeinde hat ca. 1500 Mitglieder.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde Brodswinden

Jahr 1818[12] 1846[13] 1856[14] 1867[15] 1875[16] 1900[17] 1910[18] 1925[19] 1933[20] 1939[20] 1950[21] 1961[10] 1970[22]
Einwohner 925 755 762 459 458 465 438 462 458 469 693 566 630
Wohngebäude 163 144 144 94 94 88 101 114

Ort Brodswinden

Jahr 1807[23] 1818[12] 1831[24] 1846[13] 1856[14] 1867[15] 1875[16] 1900[17] 1925[19] 1950[21] 1961[10] 1970[22] 1987[25] 2014
Einwohner 168 164 164 167 174 194 181 186 193 239 228 215 617 1500
Wohngebäude 31 32 36 36 42 36 38 47 167

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ev.-luth. Pfarrkirche St. Bartholomäus (vorher St. Sixtus): Chor bezeichnet 1442, von erstem Anheber (= Stifter?) Hans Bischoff († 1483), Saalbau 1556ff., bezeichnet 1567 und 1577
  • Brodswinder Mühle, Haus Nr. 30. Wassermühle: Türsturz bezeichnet 1711; eingeschossiger Bau mit Walmdach und Schleppgauben. Ofen bezeichnet 1766 Ch. Zw., gusseiserne Ofenplatten mit brandenburgischem Wappen.
  • Tonnengewölbte Brunnenstube aus Sandsteinquadern, das sogenannte „Wendelsbad“, auf dem Wendelinsbuck; darüber erhob sich ehemals eine Papst Sixtus geweihte Kapelle, deren Steine dann zum Bau der Pfarrkirche mit verwendet wurden

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Ansbach#Brodswinden

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • evangelisch-lutherischer Kindergarten „Lummerland“ (3 Gruppen)
  • Grundschule (1.-4. Klasse)

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gewerbegebiet „Hardtstraße Brodswinden“: Westmittelfränkische Lebenshilfe, BGU (Baugeräteunion) u. a.
  • Gewerbe- und Industriegebiet „Brodswinden-Süd“: Cloppenburg, Geiger, Mader Logistik, Transnova Ruf, Wüst Logistik u. a.
  • Gewerbegebiet „Brodswinden-Ost“: Oechsler AG, Robert Bosch GmbH u. a.
  • Gewerbegebiet „Rastanlage Ansbach“: Rastanlage, Zollamt

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es führen Gemeindeverbindungsstraßen nach Höfstetten, Wallersdorf, Winterschneidbach, Wolfartswinden und zur B 13.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alexander Biernoth: 25 Jahre Eingemeindungen in die Stadt Ansbach. Ein Abriß der Ortsgeschichten von Bernhardswinden, Brodswinden, Claffheim, Elpersdorf, Hennenbach, Neuses und Schalkhausen. Ansbach 1997.
  • Johann Kaspar Bundschuh: Brodswinden. In: Geographisches, statistisch-topographisches Lexikon von Franken. Band 1: A–Ei. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1799, DNB 790364298, OCLC 833753073, Sp. 445 (franconica.uni-wuerzburg.de).
  • Wolfgang Düngfelder: Bartholomäuskirche Brodswinden. 550 Jahre Kirche und Gemeindeleben. Brodswinden 1992.
  • Elisabeth Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach. Inaugural-Dissertation. Erlangen 1955, DNB 480570132, S. 53–54.
  • Günther P. Fehring: Stadt und Landkreis Ansbach. In: Bayerische Kunstdenkmale. Band 2. Deutscher Kunstverlag, München 1958, DNB 451224701, S. 84–85.
  • Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken. I, 35). Band 2. Michael Laßleben, Kallmünz 2009, ISBN 978-3-7696-6856-8, S. 842, 980–981.
  • Karl Heinrich von Lang; Heinrich Christoph Büttner; Julius W. Schulz: Landgericht Ansbach. In: Historische und statistische Beschreibung des Rezatkreises. Nr. 1. Johann Lorenz Schmidmer, Nürnberg 1809, S. 10 f. (Digitalisat).
  • Konrad Rosenhauer u. a. (Hrsg.): Der Landkreis Ansbach. Vergangenheit und Gegenwart. Verl. f. Behörden u. Wirtschaft Hoeppner, Aßling-Pörsdorf/Obb. 1964, DNB 450093387, S. 119–120.
  • Gottfried Stieber: Brotswinden. In: Historische und topographische Nachricht von dem Fürstenthum Brandenburg-Onolzbach. Johann Jacob Enderes, Schwabach 1761, S. 260–262 (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Brodswinden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b E. Fechter, S. 54.
  2. Bayern Atlas, Brodswinden
  3. J. K. Bundschuh, Bd. 1, Sp. 445.
  4. a b Wird in den Statistiken nach 1885 nicht mehr als Ortsteil geführt.
  5. Die beiden Mühlen werden 1818 als Ratzenwinderwalkmühlen bezeichnet.
  6. Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Ansbach 1808–17. Zitiert nach M. Jehle, Bd. 2, S. 961.
  7. M. Jehle, Bd. 2, S. 949; K. Rosenhauer, S. 10.
  8. M. Jehle, Bd. 2, S. 946f.; K. Rosenhauer, S. 10.
  9. M. Jehle, Bd. 2, S. 980f.
  10. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 752–753 (Digitalisat).
  11. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 600.
  12. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann meherer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 12 (Digitalisat). Für die Gemeinde Brodswinden zuzüglich der Einwohner von Bernhardswinden (S. 9), Brodswindermühle (S. 12), Deßmannsdorf (S. 18), Gösseldorf (S. 30), Hammerschmiede (S. 36), Höfstetten (S. 42), Höfstettermühle (S. 42), Louismühle (S. 56), Meinhardswinden (S. 57), Oberrammersdorf (S. 73), Ratzenwinden (S. 74), Ratzenwinderwalkmühle (S. 74), Silbermühle (S. 86), Wallersdorf (S. 99) und Wolfartswinden (S. 105).
  13. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 36 (Digitalisat). Der Ort Brodswinden inkl. Brodswindermühle.
  14. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Brügel’sche Officin, Ansbach 1856, S. 45 (Digitalisat). Der Ort Brodswinden inkl. Brodswindermühle.
  15. a b Joseph Heyberger (Hrsg.): Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabethischem Ortslexikon. Literar.-artist. Anst. der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 983, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  16. a b kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Koenigreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarr-, Schul- u. Postzugehörigkeit. ... mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt, Sp. 1147, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  17. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1151 (Digitalisat).
  18. Gemeindeverzeichnis.de, Bezirksamt Ansbach
  19. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1187 (Digitalisat).
  20. a b Verwaltungsgeschichte.de, Stadt und Landkreis Ansbach
  21. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern - Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1023 (Digitalisat).
  22. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 167 (Digitalisat).
  23. Rosenhauer: Der Landkreis Ansbach, S. 119f.
  24. Joseph Anton Eisenmann, Karl Friedrich Hohn (Hrsg.): Topo-geographisch-statistisches Lexicon vom Königreiche Bayern. Band 1: A–L. Palm und Enke, Erlangen 1831, S. 206 (Digitalisat).
  25. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 323 (Digitalisat).