Bromellit

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Bromellit
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel BeO[1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Oxide und Hydroxide
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
4.AB.20 (8. Auflage: IV/A.03)
04.02.02.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem hexagonal
Kristallklasse; Symbol dihexagonal-pyramidal; 6mm[2]
Raumgruppe P63mc (Nr. 186)Vorlage:Raumgruppe/186[1]
Gitterparameter a = 2,70 Å; c = 4,38 Å[1]
Formeleinheiten Z = 2[1]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 9
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,017; berechnet: 3,044[3]
Spaltbarkeit deutlich nach {1010}[3]
Farbe farblos, weiß
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 1,705 bis 1,719[4]
nε = 1,733[4]
Doppelbrechung δ = 0,028[4]
Optischer Charakter einachsig positiv
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale pyroelektrisch, fluoreszierend,[3] hochgiftig

Bromellit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“. Es kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung BeO, ist also chemisch gesehen ein Berylliumoxid, und entwickelt meist nur kleine, farblose oder weiße Kristalle im Millimeterbereich.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Magnus von Bromell (Bleistiftzeichnung von Lars Roberg)

Erstmals gefunden wurde Bromellit 1925 in der schwedischen Grubengemeinde Långban und beschrieben durch Gregori Aminoff, der das Mineral zu Ehren des schwedischen Arztes und Mineralogen Magnus von Bromell (1679–1731) nach diesem benannte.[5]

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Bromellit zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung der „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 1 : 1 und 2 : 1 (M2O, MO)“, wo er als Namensgeber die „Bromellit-Reihe“ mit der System-Nr. IV/A.03 und dem weiteren Mitglied Zinkit bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Bromellit ebenfalls in die Abteilung der „Metall : Sauerstoff = 2 : 1 und 1 : 1“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach dem genauen Stoffmengenverhältnis und falls nötig der relativen Größe der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Kation:Anion (M : O) = 1 : 1 (und bis 1 : 1,25); mit nur kleinen bis mittelgroßen Kationen“ zu finden ist, wo es zusammen mit Zinkit die „Zinkitgruppe“ mit der System-Nr. 4.AB.20 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Bromellit in die Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort in die Abteilung der „Oxide“ ein. Hier ist er ebenfalls zusammen mit Zinkit in der unbenannten Gruppe 04.02.02 innerhalb der Unterabteilung „Einfache Oxide mit einer Kationenladung von 2+ (AO)“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Struktur von Bromellit

Bromellit kristallisiert isotyp mit Zinkit im hexagonalen Kristallsystem in der Raumgruppe P63mc (Raumgruppen-Nr. 186)Vorlage:Raumgruppe/186 mit den Gitterparametern a = 2,70 Å und c = 4,38 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle[1].

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Morphologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kristalle des Bromellit sind meist gut entwickelt und von prismatischem Habitus, gestreckt nach [0001] und einseitig (hemimorph) pyramidalem Abschluss. Auch tafelige Kristalle parallel {0001} und rosettenförmige Mineral-Aggregate sind möglich.

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bromellit ist pyroelektrisch, lädt sich also bei intervallartig wechselnder Temperatur elektrisch auf. Bei Bestrahlung mit langwelligem oder kurzwelligem UV-Licht zeigt sich gelblichweiße Fluoreszenz.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bromellit bildet sich durch hydrothermale Vorgänge in Calcit-Adern, in Hämatit-Skarnen und skarnisiertem Kalkstein, in Natrolith-Drusen, hydrothermal umgeformtem Nephelin, sowie in Syenit-Pegmatiten. Begleitminerale sind unter anderem Chamosit, Diaspor, Manganophyllit, Natrolith, Richterit und Swedenborgit.

Bisher konnte das Mineral weltweit erst an neun Fundorten (Stand: 2009) nachgewiesen werden: In der „Bollingers Mine“ bei Torrington (New South Wales) in Australien; in der Xianghualing-Mine im Kreis Linwu (Provinz Hunan) in China; im Bergwerk „Costabonne“ bei Prats-de-Mollo-la-Preste in Frankreich; bei Sagåsen in der norwegischen Provinz Telemark; Pitkyaranta, Kola und Jekaterinburg in Russland; sowie an seiner Typlokalität Långban und bei Pajsberg in Schweden.[6]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bromellit ist ein guter Wärmeleiter und wird unter anderem in Thermoelement-Schutzrohren, Schmelztiegeln, Zündkerzen und in der Elektronik als Wärmesenke für Halbleiterbauelemente sowie in der Reaktortechnik verwendet.

Vorsichtsmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bromellit ist als hochgiftige Verbindung für eine private Mineralsammlung nicht geeignet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 184.
  2. Webmineral – Bromellite (englisch)
  3. a b c Bromellite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 60 kB]).
  4. a b c Mindat – Bromellite (englisch)
  5. G. Aminoff: Über Berylliumoxyd als Mineral und dessen Kristallstruktur. In: Riksmuseets mineralogiska avdelning. Stockholm März 1925, S. 113–122 (rruff.info [PDF; 1 kB; abgerufen am 18. Oktober 2007]).
  6. Fundortliste für Bromellit beim Mineralienatlas und bei Mindat