Bromellit

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Bromellit
Bromellite, Phenakite, Chrysoberyl-151157.jpg
Mineral-Aggregat aus zentimetergroßen, farblosen und leicht gelblichen Bromellit-Kristallen, zementiert von weißer, zuckerartig-körniger Phenakitmasse und umgeben mit einer Kruste aus olivgrünem Chrysoberyll aus der Grube Malyshevskaya, Jekaterinburg, Ural, Russland (Sichtfeld: ≈ 4,3 cm × 3 cm)
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen

Berylliumoxid

Chemische Formel BeO[1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Oxide und Hydroxide
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
4.AB.20 (8. Auflage: IV/A.03)
04.02.02.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem hexagonal
Kristallklasse; Symbol dihexagonal-pyramidal; 6mm[2]
Raumgruppe P63mc (Nr. 186)Vorlage:Raumgruppe/186[1]
Gitterparameter a = 2,70 Å; c = 4,38 Å[1]
Formeleinheiten Z = 2[1]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 9
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,017; berechnet: 3,044[3]
Spaltbarkeit deutlich nach {1010}[3]
Farbe farblos, weiß bis cremeweiß, blassgelb
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 1,705 bis 1,719[4]
nε = 1,733[4]
Doppelbrechung δ = 0,028[4]
Optischer Charakter einachsig positiv
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale pyroelektrisch, gelblichweiße Fluoreszenz,[3] hochgiftig

Bromellit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der chemischen Zusammensetzung BeO und ist damit chemisch gesehen Berylliumoxid.

Bromellit ist durchsichtig bis durchscheinend und kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem, entwickelt jedoch meist nur kleine, farblose oder weiße bis cremeweiße, gelegentlich auch blassgelbe Kristalle im Millimeterbereich mit glasähnlichem Glanz auf den Oberflächen. Bekannt sind aber auch Kristallgrößen von bis zu 10 Zentimeter.[3]

Mit einer Mohshärte von 9 gehört Bromellit zu den harten Mineralen, dass wie das Referenzmineral Korund nur von diamantharten Werkstoffen geritzt werden kann.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Magnus von Bromell (Bleistiftzeichnung von Lars Roberg)

Erstmals gefunden wurde Bromellit in der schwedischen Grubengemeinde Långban und 1925 beschrieben durch Gregori Aminoff, der das Mineral zu Ehren des schwedischen Arztes und Mineralogen Magnus von Bromell (1679–1731) nach diesem benannte.[5]

Typmaterial des Minerals wird im Naturhistoriska riksmuseet in Stockholm (Schweden) aufbewahrt.[6]

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Bromellit zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung der „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 1 : 1 und 2 : 1 (M2O, MO)“, wo er als Namensgeber die „Bromellit-Reihe“ mit der System-Nr. IV/A.03 und dem weiteren Mitglied Zinkit bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Bromellit ebenfalls in die Abteilung der „Metall : Sauerstoff = 2 : 1 und 1 : 1“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach dem genauen Stoffmengenverhältnis und falls nötig der relativen Größe der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Kation:Anion (M : O) = 1 : 1 (und bis 1 : 1,25); mit nur kleinen bis mittelgroßen Kationen“ zu finden ist, wo es zusammen mit Zinkit die „Zinkitgruppe“ mit der System-Nr. 4.AB.20 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Bromellit in die Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort in die Abteilung der „Oxide“ ein. Hier ist er ebenfalls zusammen mit Zinkit in der unbenannten Gruppe 04.02.02 innerhalb der Unterabteilung „Einfache Oxide mit einer Kationenladung von 2+ (AO)“ zu finden.

Chemismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In reiner Form besteht Bromellit zu 36,03 % aus Beryllium und zu 63,97 % aus Sauerstoff[2] und hat damit von allen bekannten Mineralen die höchste Berylliumkonzentration.[7] Als Fremdbeimengungen wurden jedoch bereits bei der ersten Analyse durch G. K. Almström Calcium, Barium und Magnesium beobachtet werden. Die ebenfalls festgestellten geringen Beimengungen von Sb2O5 und Al2O3 sind dagegen Almström zufolge eher auf eine Verunreinigung der Proben mit dem Mineral Swedenborgit zurückzuführen.[5]

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kristallstruktur von Bromellit

Bromellit kristallisiert isotyp mit Zinkit im hexagonalen Kristallsystem in der Raumgruppe P63mc (Raumgruppen-Nr. 186)Vorlage:Raumgruppe/186 mit den Gitterparametern a = 2,70 Å und c = 4,38 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Morphologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kristalle des Bromellit sind meist gut entwickelt und von prismatischem Habitus, gestreckt nach [0001] und einseitig (hemimorph) pyramidalem Abschluss. Auch tafelige Kristalle parallel {0001} und rosettenförmige Mineral-Aggregate sind möglich.

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bromellit ist pyroelektrisch, lädt sich also bei intervallartig wechselnder Temperatur elektrisch auf. Bei Bestrahlung mit langwelligem oder kurzwelligem UV-Licht zeigt sich gelblichweiße Fluoreszenz.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Farblose bis leicht gelbliche Bromellit-Kristallen, zementiert von weißer, zuckerartig-körniger Phenakitmasse aus einem Phlogopit-Schiefer, umgeben mit einer olivgrünem Chrysoberyll-Kruste. Fundort: Grube Malyshevskaya, Jekaterinburg, Ural, Russland (Größe 8 cm × 5 cm × 3 cm)

Bromellit bildet sich durch hydrothermale Vorgänge in Calcit-Adern, in Hämatit-Skarnen und skarnisiertem Kalkstein, in Natrolith-Drusen, hydrothermal umgeformtem Nephelin, sowie in Syenit-Pegmatiten. Begleitminerale sind unter anderem Chamosit, Diaspor, Manganophyllit, Natrolith, Richterit und Swedenborgit.

Bisher konnte das Mineral weltweit erst an neun Fundorten (Stand: 2009) nachgewiesen werden: In der „Bollingers Mine“ bei Torrington (New South Wales) in Australien; in der Xianghualing-Mine im Kreis Linwu (Provinz Hunan) in China; im Bergwerk „Costabonne“ bei Prats-de-Mollo-la-Preste in Frankreich; bei Sagåsen in der norwegischen Provinz Telemark; Pitkyaranta, Kola und Jekaterinburg in Russland; sowie an seiner Typlokalität Långban und bei Pajsberg in Schweden.[8]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bromellit ist ein guter Wärmeleiter und wird unter anderem in Thermoelement-Schutzrohren, Schmelztiegeln, Zündkerzen und in der Elektronik als Wärmesenke für Halbleiterbauelemente sowie in der Reaktortechnik verwendet.

Bromellit gehört zu den seltenen Sammlermineralien,[9] ist aber gelegentlich auch in geschliffener Form erhältlich.[10]

Vorsichtsmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bromellit sollte als hochgiftige Verbindung nur in staubdichten Behältern aufbewahrt werden. Das Mineral ist als haut- und lungenschädigend eingestuft,[11] daher sollte die Aufnahme in den Körper vor allem über die Atemwege (Inhalation) auf jeden Fall verhindert und zur Sicherheit direkter Körperkontakt vermieden sowie beim Umgang mit dem Mineral Mundschutz und Handschuhe getragen werden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • G. Aminoff: Über Berylliumoxyd als mineral und dessen kristallstruktur. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band 62, 1925, S. 113–122 (rruff.info [PDF; 1,9 MB; abgerufen am 22. November 2017]).
  • Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 499 (Erstausgabe: 1891).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bromellite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 184.
  2. a b Webmineral – Bromellite (englisch)
  3. a b c d Bromellite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 60 kB]).
  4. a b c Mindat – Bromellite (englisch)
  5. a b G. Aminoff: Über Berylliumoxyd als Mineral und dessen Kristallstruktur. In: Riksmuseets mineralogiska avdelning. Stockholm März 1925, S. 113–122 (rruff.info [PDF; 1 kB; abgerufen am 18. Oktober 2007]).
  6. Naturhistoriska riksmuseet – Type specimens, Holotypes and some important cotypes (englisch)
  7. Webmineral – Mineral Species sorted by the element Be (Beryllium)
  8. Fundortliste für Bromellit beim Mineralienatlas und bei Mindat
  9. Liste seltener Sammlermineralien auf diamant-boerse.com vom 25. Juli 2008 (Abgerufen: 22. November 2017)
  10. Sinhalite.org – Bromellit (mit Bildbeispielen geschliffener Bromellite)
  11. Eintrag zu CAS-Nr. 1304-56-9 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 13. März 2011 (JavaScript erforderlich).