Broumov

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Dieser Artikel beschreibt die Stadt Broumov in Tschechien; zu der gleichnamigen Gemeinde siehe Broumov u Zadního Chodova.
Broumov
Wappen von Broumov
Broumov (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Královéhradecký kraj
Bezirk: Náchod
Fläche: 2.226 ha
Geographische Lage: 50° 35′ N, 16° 20′ OKoordinaten: 50° 34′ 59″ N, 16° 19′ 59″ O
Höhe: 395 m n.m.
Einwohner: 7.604 (1. Jan. 2016)[1]
Postleitzahl: 549 83 - 550 01
Verkehr
Straße: 302, 303
Bahnanschluss: Meziměstí–Ścinawka Średnia
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 8
Verwaltung
Bürgermeister: Milan Kotrnec (Stand: 2010)
Adresse: třída Masarykova 239
550 14 Broumov 1
Gemeindenummer: 573922
Website: www.broumov-mesto.cz

Broumov (deutsch Braunau) ist eine Stadt mit 7.753 Einwohnern (Stand 1. Jan. 2014) in Tschechien an der Grenze zur polnischen Woiwodschaft Niederschlesien.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Braunau südöstlich von Landeshut in Schlesien und Liebau auf einer Landkarte von 1905.

Broumov liegt am Fluss Steine im nordöstlichen Teil Böhmens, etwa 30 km südlich von Wałbrzych (Waldenburg/Schesien), 34 km nordwestlich von Kłodzko (Glatz) und 30 km nordöstlich des Okressitzes Náchod (Nachod) und gehört zur Region Königgrätz.

Westlich der Stadt befinden sich die Braunauer Wände und die Adersbacher und Weckelsdorfer Felsen, zwei Naturdenkmale. Aufgrund der dort vorhandenen bizarren Felsformationen sind sie ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen. Die Stadt ist das Zentrum des Braunauer Ländchens (Broumovsko).

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Broumov besteht aus den Gemeindeteilen Broumov (Braunau), Olivětín (Ölberg), Poříčí (Sand), Nové Město (Neue Heimat), Kolonie 5. května (Schafferbergsiedlung), Velká Ves (Großdorf), Benešov (Straßenau) und Rožmitál (Rosental).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mariensäule auf dem Marktplatz von Broumov
Auf dem Marktplatz
Das Kloster um 1850
Stift Broumov

Die Stadt Braunau wurde vom Zeitpunkt ihrer Gründung an über sieben Jahrhunderte durch die Tätigkeit des Benediktinerordens in der Abtei des Heiligen Wenzel geprägt. Der rasche Aufstieg der Stadt hing wesentlich mit der Prosperität des Tuchmachergewerbes zusammen, dessen Absatzmärkte sich vor allem im Inneren Böhmens sowie im benachbarten Schlesien befanden.

Das Braunauer Land wurde durch die Benediktinerabtei Břevnov kolonisiert. Vermutlich im Jahr 1255 wurde Braunau als Marktort gegründet und bildete fortan den wirtschaftlichen Mittelpunkt sowie das Verwaltungszentrum der Grundherrschaft des Ordens. 1348 wurden dem Abt des Stiftes Břevnov von Kaiser Karl IV. dieselben Rechte über dessen Untertanen verliehen, wie sie die königlichen Städte Glatz und Königgrätz damals besaßen.[2]

Der historische Stadtkern von Braunau hat einen typisch schlesischen Grundriss. Dabei begrenzen zwei parallel verlaufende Hauptstraßen von zwei Seiten den großen Marktplatz und treffen an den sich gegenüber liegenden Stadttoren zusammen. Der Rand eines Felsenvorsprungs wurde nach der Planung des Lokators einer Burg und der Pfarrkirche vorbehalten. Unterhalb der Stadtmauern wurden Vorstädte mit Mühlen, Walken, befestigtem Meierhof, Bad und Hospital gegründet.

Die ursprüngliche aus dem Mittelalter stammende hölzerne Verbauung ist bis auf die Friedhofskirche "Unserer Lieben Frau" nach mehreren Bränden verschwunden. Nach einem Brand im Jahr 1306 wurde die Burg zu einem befestigten Kloster mit der Kirche St. Adalbert umgebaut. Ebenso wie die Klosterkirche wurde auch die Pfarrkirche St. Peter und Paul aus Stein erbaut.

Braunau wurde im Verlauf des 14. Jahrhunderts zu einem der bedeutendsten Kulturzentren in Nordostböhmen. Mit dem Bau der Stadtmauer wurde im Jahr 1357 begonnen. Die Arbeiten waren 1380 beendet. Wachsender Wohlstand führte zum Bau von steinernen Häusern auf dem Ringplatz und den anliegenden Gassen. Im Stil der Renaissance wurde nach dem großen Brand im Jahr 1549 auch das Kloster wieder aufgebaut.

In der Zeit des Barock kam es zu einem allgemeinen Aufstieg der Abtei Břevnov. Nach Überwindung der katastrophalen Folgen des Dreißigjährigen Krieges, erlangte der Orden besonders unter den Äbten Thomas Sartorius (1663–1700) und Othmar Daniel Zinke (1700–1738) beachtliche wirtschaftliche Einnahmen. Diese ermöglichten in Braunau die Erneuerung aller Kirchen und des von der Feuersbrunst vernichteten Klosters nach Entwürfen des Baumeisters Martin Allio. Unter der Leitung von Christoph Dientzenhofer wurden die Terrassen und Höfe errichtet, das Stifts-Gymnasium und die Stifts-Apotheke gebaut. Schließlich wurden auch die Entwürfe des Kilian Ignaz Dientzenhofer realisiert, zu denen der gesamte Umbau des Braunauer Klosters in den Jahren 1728–38 zählte.

Die Schlesischen Kriege hatten verhängnisvolle Auswirkungen auf die Stadt Braunau. Zum einen kam es zu Plünderungen durch vorbeiziehende Truppen, zum anderen wurden durch die preußische Besetzung von Schlesien und Glatz jahrhundertealte Handels- und Kulturbeziehungen unterbrochen. Durch die Kriegsereignisse beschränkte sich die Bautätigkeit des Ordens auf Instandsetzungen nach den Bränden in den Jahren 1757 und 1759. In ihrer volkstümlichen Ausformung überlebte die Barockkultur im Braunauer Ländchen bis 1848.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden mit Beginn der Industrialisierung die ersten Industrieanlagen und außerhalb der Stadtmauer Villen der Fabrikanten und Mietshäuser für die Werktätigen. Am 14. Juli 1847 ging zwischen Braunau und Hauptmannsdorf der Braunauer Meteorit nieder. 1856 errichtete Josef von Schroll in Ölberg eine erfolgreiche, mechanische Weberei, der 1860 und 1876 noch zwei weitere Fabriken in Braunau folgten. Nach dem Ende der Erbuntertänigkeit wurde Braunau 1850 Sitz eines Bezirksgerichts (Gerichtsbezirk Braunau).

Der Deutsche Krieg von 1866 und seine wirtschaftlichen Folgen hatten eine Auswanderungswelle nach Lateinamerika, vor allem nach Chile, zur Folge. So wurde 1875 nördlich von Puerto Montt der Ort Nueva Braunau gegründet.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Zerfall der Monarchie Österreich-Ungarn kam Braunau am 28. Oktober 1918 wie ganz Böhmen durch den Vertrag von Saint-Germain im September 1919 zur neugegründeten Tschechoslowakei und wurde von tschechischen Truppen besetzt. Nach dem Münchner Abkommen vom 30. September 1938 wurde die Stadt mit dem neu gegründeten Reichsgau Sudetenland ins Deutschen Reich eingegliedert und war Kreisstadt des Landkreises Braunau. Am 9. Mai 1945 zu Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Braunau von Einheiten der Roten Armee besetzt und die politische Verwaltung übernahmen die sich bildenden tschechoslowakischen Machtorgane. Hatte die Stadt am 1. Dezember 1930 noch 7.356 Einwohner, so waren es am 17. Mai 1939 6.383 und am 22. Mai 1947 nach der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei nur noch 4.557.[3] In der Umbruchsituation der ersten Nachkriegswochen kam es zu Plünderungen. Grundstücke, Häuser und das Gewerbe wurden von Neusiedlern aus den anliegenden Bezirken Ostböhmens, der Slowakei und Re-Immigranten aus dem Ausland übernommen. Somit war die Bevölkerung Braunaus weitgehend tschechischsprachig geworden. In der Zeit nach 1945 gelangten die Patres des Stift Broumov als Heimatvertriebene nach dem Kloster Rohr (Niederbayern), seit 1803 den Augustiner-Chorherren säkularisiert, wurden dort ansässig und gründeten 1947 das Johannes-Nepomuk-Gymnasium Rohr in Niederbayern.

1961 verlor die Stadt ihren Status als Bezirksstadt und kam zum Okres Náchod.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenzelskirche
Mariakirche
  • Stadtbefestigung
  • Benediktinerstift Broumov
  • Brücke am Weg nach Hauptmannsdorf (Hejtmánkovic) mit Statuen des Hl. Johann Nepomuk und des Hl. Wenzel (19. Jahrhundert)
  • Kirche der Hl. Peter und Paul (Kostel svatého Petra a Pavla)
  • Kirche des Hl. Wenzel (Kostel svatého Václava)
  • Statue des Hl. Florian auf dem Kleinen Platz
  • Pestsäule mit Statue der Jungfrau Maria auf dem Hauptplatz

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stiftsgymnasium
Söhne und Töchter der Stadt
Ehrenbürger
Sonstige Personen
  • Alois Jirásek (1851–1930), Schriftsteller und Historiker, besuchte das Stiftsgymnasium
  • Jiří Petr (1931–2014), Rektor Emeritus Prag-Suchdol, erwarb im Stiftsgymnasium sein Abitur

Kuriosum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg dachte zeit seines Lebens, dass Adolf Hitler, der in Braunau am Inn in Oberösterreich geboren wurde, aus dem böhmischen Braunau stammen würde, und nannte ihn deshalb stets den „böhmischen Gefreiten“.[4] Auch in der deutschen Presse war diese Verwechslung teilweise verbreitet. So fragte Carl von Ossietzky im Juni 1930 in der Zeitschrift Die Weltbühne: „Warum hat eigentlich noch keine deutsche Regierung daran gedacht, Herrn Adolf Hitler aus Braunau (Tschechoslowakei) endlich des Landes zu verweisen?“[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lillian Schacherl: Böhmen, Kulturbild einer Landschaft. Prestel Verlag München 1966; dort: Das Braunauer Ländchen, S. 277–281 mit Bebilderung.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Broumov – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2016 (PDF; 371 KiB)
  2. Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen, S. 280.
  3. http://www.verwaltungsgeschichte.de/sud_braunau.html
  4. Konrad Heiden: Adolf Hitler. Das Zeitalter der Verantwortungslosigkeit. Europa Verlag, Zürich 1936, Reprint 2007, S. 288.
  5. Carl von Ossietzky: "Der Pabst", in: Die Weltbühne, 24. Juni 1930, S. 937.