Bruce Dern
Bruce MacLeish Dern (* 4. Juni 1936 in Chicago) ist ein US-amerikanischer Schauspieler, der seit den 1960er-Jahren vor allem durch seine Darstellungen von Schurken oder Sonderlingen bekannt wurde. Für seine Rollen in den Filmen Coming Home – Sie kehren heim und Nebraska erhielt er Oscar-Nominierungen.
Herkunft und Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Bruce Dern ist deutscher und schottischer Abstammung. Sein Großvater George Henry Dern (1872–1936) war der Sohn deutscher Einwanderer aus Hausen bei Gießen; er war Gouverneur des US-Bundesstaates Utah und zwischen 1933 und 1936 amerikanischer Kriegsminister unter Franklin D. Roosevelt. Bruce Derns Patentante war Eleanor Roosevelt.
Dern war von 1957 bis 1959 mit Marie Dawn Pierce und von 1960 bis 1969 mit der Schauspielerin Diane Ladd verheiratet. Die erste Tochter (* 1960) des Paares ertrank im Alter von 18 Monaten in einem Swimmingpool, die zweite (Laura Dern, * 1967) avancierte in den 1980er-Jahren mit Filmen wie Blue Velvet, Wild at Heart oder Jurassic Park zum Hollywood-Star. Seit 1969 ist Dern mit Andrea Beckett verheiratet. Der passionierte Läufer absolvierte bereits mehrere Ultra-Marathonläufe.
Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Bruce Dern brach sein Studium an der University of Pennsylvania ab, um am prestigeträchtigen Actors Studio von Lee Strasberg Schauspiel zu studieren.[1] Er war ab 1960 als Fernsehdarsteller tätig und spielte bis in die frühen 1970er-Jahre regelmäßig kleinere Rollen in bekannten Fernsehserien wie 77 Sunset Strip oder Bonanza. 1964 debütierte er in zwei Psychothrillern als Filmschauspieler. In Alfred Hitchcocks Marnie verkörperte er einen Seemann, in Wiegenlied für eine Leiche einen verheirateten Geliebten von Bette Davis, dem der Kopf abgehackt wird.
1966 spielte er neben Peter Fonda, Nancy Sinatra und seiner Ehefrau Diane Ladd in dem erfolgreichen Rocker-Film Die wilden Engel, der eine kurzlebige Motorradfilmwelle auslöste und Dern vor allem in der Counterculture zu einem beliebten Schauspieler machte.[1] Ab 1967 war Dern ein gefragter Nebendarsteller in Western, vor allem in Schurkenrollen – unter anderem in Die Gewaltigen (1967), Wasserloch Nr. 3 (1967), Hängt ihn höher (1968) und Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe (1969) und mehrmals an der Seite von John Wayne. Er war einer der wenigen Darsteller, von denen Wayne auf der Leinwand erschossen wurde, nämlich in seiner brutalen Rolle in Die Cowboys (1972). Im Jahr davor hatte Dern seinen vorläufig letzten Fernsehauftritt, da er sich nun auf seine mittlerweile erfolgreiche Filmkarriere konzentrierte.
Mit Filmen wie Nur Pferden gibt man den Gnadenschuß (1969) oder Lautlos im Weltraum (1972) etablierte sich der hochgewachsene Darsteller mit dem blonden Kraushaar als markanter und profilierter Charakterdarsteller des New-Hollywood-Kinos. Er spielte häufig exzentrische, psychotische oder neurotische Figuren und wurde von bekannten New-Hollywood-Regisseuren wie Sydney Pollack, Bob Rafelson oder Hal Ashby eingesetzt. Seine Karriere verlief bis Mitte der 1970er-Jahre in ähnlichen Bahnen wie die von Jack Nicholson, mit dem er gut bekannt ist und auch mehrfach zusammengearbeitet hat, etwa in Drive, He Said (1971) oder in Der König von Marvin Gardens (1972). Doch während Nicholson – er hielt Dern für den besten Schauspieler seiner Generation – zu einem führenden Hollywood-Star aufstieg, konnte Dern ab den 1980er-Jahren nur noch selten an seine früheren Erfolge anknüpfen.
In den 1970er-Jahren übernahm Bruce Dern häufig Rollen in kommerziell ausgerichteten Filmen wie Massenmord in San Francisco (1973, als Polizeidetektiv neben Walter Matthau), als Terrorist in Schwarzer Sonntag (1977) oder erneut als Polizeidetektiv in Driver (1978). 1974 war er neben Robert Redford in Der große Gatsby in der Rolle des Tom Buchanan zu sehen. Dazu merkten Kritiker an, Dern wäre als Darsteller der innerlich zerrissenen Hauptfigur geeigneter gewesen als Redford, der eher als romantischer Held bekannt war.[2] Eine seiner bekanntesten Hauptrollen spielte Bruce Dern 1976 als Taxifahrer (und erfolgloser Schauspieler) in Hitchcocks letztem Film, dem komödiantischen Thriller Familiengrab.
1978 war Dern in dem Anti-Vietnamkrieg-Film Coming Home – Sie kehren heim neben Jane Fonda und Jon Voight als verbitterter Militär zu sehen. Für diese Rolle erhielt er seine erste Oscarnominierung (der Preis ging an Christopher Walken). Der große Gatsby und Coming Home – Sie kehren heim brachten dem Darsteller außerdem Golden-Globe-Nominierungen ein. In dem Psychothriller Tattoo – Jede große Liebe hinterläßt ihre Spuren (1981), der bei der Kritik durchfiel, übernahm Dern die Hauptrolle. Auf der 33. Berlinale wurde der Schauspieler 1983 für den Film Saison der Sieger als bester Schauspieler mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet.
Ab Mitte der 1980er-Jahre wurde es ruhiger um den Charakterdarsteller, für den sich kaum noch profilierte Kinorollen fanden. Dern übernahm nun meist Nebenrollen und viele seiner Filmen stießen bei Kritik und Publikum auf wenig Resonanz stießen. Ab Mitte der 1980er-Jahre arbeitete er auch wieder als Fernsehdarsteller. 2012 hatte Dern in Quentin Tarantinos Django Unchained einen Kurzauftritt als sadistischer Sklavenhalter.
2013 konnte Dern wieder einen größeren Erfolg erzielen: Für seine Darstellung des senilen Alkoholikers „Woody Grant“ in Alexander Paynes Film Nebraska erhielt er bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes den Preis für den besten Hauptdarsteller sowie eine Nominierung für den Oscar in derselben Kategorie. Vielfach wurde dieser Auftritt als Comeback gewertet, wenngleich Dern auch davor stetig – wenngleich meist nur in Nebenrollen – in Filmen aufgetreten war.[3] Auch das Filmstudio hatte lange mit dem Einverständnis zur Besetzung Derns gezögert, da sie einen größeren Namen wollten.[4] Im Anschluss kam es zu zwei weiteren Zusammenarbeiten mit Tarantino: In The Hateful Eight (2015) spielte er einen ehemaligen Südstaaten-General und in Once Upon a Time in Hollywood (2019) den heruntergekommenen Filmranch-Besitzer George Spahn, wobei er in dieser Rolle den kurz vor Drehbeginn verstorbenen Burt Reynolds ersetzte.[5]
Im Laufe seiner Karriere erhielt zahlreiche internationale Filmpreise und wurde insgesamt dreimal mit einem Golden Globe ausgezeichnet. Im November 2010 wurde er auf dem Hollywood Walk of Fame mit einem Stern der Kategorie Film (6270 Hollywood Boulevard) geehrt. Auch mit über 80 Jahren bleibt er seiner Schauspielarbeit treu. Jedes Jahr ist er in mehreren Film- oder TV-Produktionen zu sehen, allein im Jahr 2017 wurden zwölf Filme mit Bruce Dern verzeichnet.
Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- 1964: Marnie – Regie: Alfred Hitchcock
- 1964: Wiegenlied für eine Leiche (Hush… Hush, Sweet Charlotte) – Regie: Robert Aldrich
- 1966: Die wilden Engel (The Wild Angels) – Regie: Roger Corman
- 1967: Die Gewaltigen (The War Wagon) – Regie: Burt Kennedy
- 1967: Chicago-Massaker (The St. Valentine’s Day Massacre) – Regie: Roger Corman
- 1967: The Trip (The Trip)
- 1967: Wasserloch Nr. 3 (Waterhole No. 3) – Regie: William A. Graham
- 1968: Hängt ihn höher (Hang ’em high) – Regie: Ted Post
- 1968: Der Verwegene (Will Penny) – Regie: Tom Gries
- 1968: Psych-Out – Regie: Richard Rush
- 1969: Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe (Support Your Local Sheriff!) – Regie: Burt Kennedy
- 1969: Number One – Regie: Tom Gries
- 1969: Cycle Savages (The Cycle Savages) – Regie: Bill Brame
- 1969: Das Schloß in den Ardennen (Castle Keep) – Regie: Sydney Pollack
- 1969: Nur Pferden gibt man den Gnadenschuß (They Shoot Horses, Don’t They?) – Regie: Sydney Pollack
- 1970: Bloody Mama – Regie: Roger Corman
- 1970: Rebel Riders (Rebel Rousers) – Regie: Martin B. Cohen
- 1971: Der Mann mit den zwei Köpfen (The Incredible 2-Headed Transplant) – Regie: Anthony M. Lanza
- 1971: Drive, He said – Regie: Jack Nicholson
- 1972: Die Cowboys (The Cowboys) – Regie: Mark Rydell
- 1972: Lautlos im Weltraum (Silent Running) – Regie: Douglas Trumbull
- 1972: Der König von Marvin Gardens (The King of Marvin Gardens) – Regie: Bob Rafelson
- 1973: Massenmord in San Francisco (The Laughing Policemen) – Regie: Stuart Rosenberg
- 1974: Der große Gatsby (The Great Gatsby) – Regie: Jack Clayton
- 1974: Lauter nette Mädchen… (Smile) – Regie: Michael Ritchie
- 1974: Männer des Gesetzes (Posse) – Regie: Kirk Douglas
- 1975: Won Ton Ton – der Hund, der Hollywood rettete (Won Ton Ton, the dog who saved Hollywood) – Regie: Michael Winner
- 1976: Familiengrab (Family Plot) – Regie: Alfred Hitchcock
- 1976: Die verrückten Reichen (Folies bourgeoises) – Regie: Claude Chabrol
- 1977: Schwarzer Sonntag (Black Sunday) – Regie: John Frankenheimer
- 1978: Coming Home – Sie kehren heim (Coming Home) – Regie: Hal Ashby
- 1978: Driver (The Driver) – Regie: Walter Hill
- 1980: Middle Age Crazy – Regie: John Trent
- 1981: Tattoo – Jede große Liebe hinterläßt ihre Spuren (Tattoo) – Regie: Bob Brooks
- 1982: Harry Tracy – Der letzte Desperado (Harry Tracy, Desperado) – Regie: William A. Graham
- 1982: Champions (That Championship Season) – Regie: Jason Anthony Miller
- 1984: Runner (On the Edge) – Regie: Rob Nilsson
- 1985: Space – Regie: Joseph Sargent, Lee Philips
- 1985: Der Ausweg (Toughlove) – Regie: Glenn Jordan
- 1987: Onkel Toms Hütte (Uncle Tom’s Cabin) – Regie: Stan Lathan
- 1987: Rosen der Rache (Roses Are For the Rich) – Regie: Michael Miller
- 1987: Chicago Blues (The Big Town) – Regie: Ben Bolt
- 1987: Lost World – Die letzte Kolonie (World Gone Wild) – Regie: Lee H. Katzin
- 1988: Die Generation von 1969 (1969) – Regie: Ernest Thompson
- 1989: Meine teuflischen Nachbarn (The Burbs) – Regie: Joe Dante
- 1989: Ananas und blaue Bohnen (Trenchcoat in Paradise) – Regie: Martha Coolidge
- 1990: After Dark, My Sweet – Regie: James Foley
- 1991: Carolina Skeletons (TV)
- 1991: Das Ende des Schweigens (End of Silence) – Regie: John Erman
- 1991: Land der Vergessenen (Into the Badlands) – Regie: Sam Pillsbury
- 1992: Ihr größter Coup (Midnight Sting) – Regie: Michael Ritchie
- 1992: Bounty Hunter – Eine Frau will Rache (It’s Nothing Personal) – Regie: Bradford May
- 1992: Ihr größter Coup (Diggstown) – Regie: Michael Ritchie
- 1993: Blutige Vergeltung (Dead Man’s Revenge) – Regie: Alan J. Levi
- 1994: Amelia Earhart – Der letzte Flug (Amelia Earhart: The Final Flight) – Regie: Yves Simoneau
- 1995: Wild Bill – Regie: Walter Hill
- 1995: Der teuflische Plan der verrückten Mrs. Munck (Mrs. Munck) – Regie: Diane Ladd
- 1995: Die Bitte einer Mutter; auch: Gebt meinem Sohn ein Zuhause! Das Flehen einer Mutter (Mother’s Prayer) – Regie: Larry Elikann
- 1996: Mission: Rohr frei! (Down Periscope) – Regie: David S. Ward
- 1996: Nach eigenen Regeln (Mulholland Falls) – Regie: Lee Tamahori
- 1996: Last Man Standing – Regie: Walter Hill
- 1998: In den Fängen der Bestie (Perfect Prey) – Regie: Howard McCain
- 1999: Logan: Das zweite Gesicht (The Premonition) – Regie: David S. Cass
- 1999: Das Geisterschloss (The Haunting) – Regie: Jan de Bont
- 2000: All die schönen Pferde (All the Pretty Horses) – Regie: Billy Bob Thornton
- 2001: The Glass House – Regie: Daniel Sackheim
- 2001: Madison – Regie: William Bindley
- 2003: Masked and Anonymous – Regie: Larry Charles
- 2003: Monster – Regie: Patty Jenkins
- 2006–2011: Big Love (Fernsehserie, 29 Episoden)
- 2007: Astronaut Farmer (The Astronaut Farmer) – Regie: Michael Polish
- 2007: The Cake Eaters – Regie: Mary Stuart Masterson
- 2008: Swamp Devil – Regie: David Winning
- 2009: The Hole – Wovor hast Du Angst? (The Hole) – Regie: Joe Dante
- 2011: Twixt – Virginias Geheimnis (Twixt) – Regie: Francis Ford Coppola
- 2012: Django Unchained – Regie: Quentin Tarantino
- 2012: Coffin Baby – The Toolbox Killer is Back – Regie: Dean C. Jones
- 2013: Nebraska – Regie: Alexander Payne
- 2013: Immer wieder Weihnachten (Pete’s Christams) – Regie: Nisha Granata
- 2014: Cut Bank – Kleine Morde unter Nachbarn (Cut Bank) – Regie: Matt Shakman
- 2015: The Hateful Eight – Regie: Quentin Tarantino
- 2017: American Violence – Regie: Timothy Woodward jr.
- 2017: Class Rank – Regie: Eric Stoltz
- 2017: Unsere Seelen bei Nacht (Our Souls at Night) – Regie: Ritesh Batra
- 2018: White Boy Rick – Regie: Yann Demange
- 2018: Freaks – Sie sehen aus wie wir (Freaks) – Regie: Adam Stein und Zach Lipovsky
- 2019: The Mustang – Regie: Laure de Clermont-Tonnerre
- 2019: The Peanut Butter Falcon – Regie: Tyler Nilson und Michael Schwartz
- 2019: Once Upon a Time in Hollywood – Regie: Quentin Tarantino
- 2020: Emperor
Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Bruce Dern, in: Internationales Biographisches Archiv 29/2013 vom 16. Juli 2013, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Bruce Dern in der Internet Movie Database (englisch)
Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- ↑ a b Allmovie.com: Bruce Dern. Abgerufen am 30. Januar 2021 (englisch).
- ↑ Roger Ebert: The Great Gatsby movie review (1974) | Roger Ebert. Abgerufen am 30. Januar 2021 (englisch).
- ↑ Film & Serien - Bruce Dern, der Langstreckenläufer von Hollywood. 5. November 2015, abgerufen am 30. Januar 2021.
- ↑ Just Short of Forever. Abgerufen am 30. Januar 2021 (englisch).
- ↑ General-Anzeiger Bonn: Neues aus Hollywood: Bruce Dern nach Tod von Burt Reynolds in Tarantino-Film. 28. September 2018, abgerufen am 30. Januar 2021.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Dern, Bruce |
| ALTERNATIVNAMEN | Dern, Bruce MacLeish (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Schauspieler |
| GEBURTSDATUM | 4. Juni 1936 |
| GEBURTSORT | Chicago, Illinois, Vereinigte Staaten |