Brucknerhaus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Brucknerhaus
Das Foyer des Brucknerhauses während der Ars Electronica 2008
Vor dem Brucknerhaus: beliebter Treffpunkt der Linzer Jugend in der Abendsonne

Das Brucknerhaus ist ein nach Anton Bruckner benanntes Konzerthaus an der Donau in der Landeshauptstadt Linz in Oberösterreich.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1930 fand im Linzer Kaufmännischen Vereinshaus ein vom Oberösterreichischen Heimatverein veranstaltetes Konzert zur Schaffung eines Bruckner-Konzerthauses statt. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 plante Adolf Hitler neben anderen Kulturbauten auch ein Konzerthaus an der Blumau, etwa im Bereich des heutigen Musiktheaters, wovon jedoch nichts realisiert wurde.[1] Nach dem Zweiten Weltkrieg organisierten 1949 der Brucknerbund, der Konzertveranstalter Gerhard Schröder und Domkapellmeister Josef Kronsteiner Benefizkonzerte zur Errichtung einer Brucknerhalle in Linz, diese fanden 1950 und 1951 unter dem Dirigat von Herbert von Karajan im Turnsaal der Diesterwegschule statt. 1960 fassten Bürgermeister Ernst Koref und Landeshauptmann Heinrich Gleißner den Grundsatzbeschluss für den Bau, den Architektenwettbewerb gewann 1962 der finnische Architekt Heikki Sirén. Jedoch brachen über das Projekt politische Streitigkeiten aus, vor allem, ob eine Sporthalle oder ein Konzerthaus vordringlicher zu errichtendes Projekt sei, was den Bau abermals verzögerte. 1969 erfolgte schließlich der Spatenstich zum Bau des Brucknerhauses.[2]

Das Konzert- und Veranstaltungshaus, geführt von der Linzer Veranstaltungsgesellschaft mbH (LIVA), wurde 1974 nach den Plänen der finnischen Architekten Kaija und Heikki Sirén erbaut und mit besonderem Bedacht auf hervorragende akustische Eigenschaften geplant. Die Eröffnung des Brucknerhauses mit dem Dirigenten Herbert von Karajan und den Wiener Philharmonikern erfolgte am 23. März 1974 mit einer Live-Übertragung des Festaktes im 1. Programm des Österreichischen Fernsehens.[3] Horst Stadlmayr war der erste GD des Brucknerhauses.[4] Musikdirektorin war Margareta Wöss. Aus Stadlmayr folgte Karl Gerbel als GD. Die Musikdirektoren in seiner Zeit waren Reinhard Kannonier und Thomas Schlee. Erst mit Wolfgang Winkler, ab 1998, wurde die Direktion des Hauses mit der künstlerischen Leitung in eine Hand zusammengeführt.

Mit dem Brucknerhaus wurde das Brucknerfest als Musikfestival begonnen, bei dem jedes Jahr hochkarätige internationale Künstler und Ensembles auftreten. Das Bruckner Orchester Linz ist mit dem Konzerthaus eng verbunden. Wirklich präsent in den Konzertprogrammen war das Orchester aber erst seit 2000, als Dennis Russell Davies der designierte Chefdirigent und Opernchef wurde. Er und der künstlerische Leiter des Hauses, Wolfgang Winkler, gaben dem Orchester seinen gebührenden Platz im Konzertangebot.

Während des jährlichen Festivals Ars Electronica, das ursprünglich eine Abteilung des Brucknerhauses war, finden im Brucknerhaus Symposien, Konzerte und die Gala zur Verleihung des Prix Ars Electronica statt. Das Foyer dient in dieser Zeit der Präsentation einzelner Projekte und Performances. Die jährliche Linzer Klangwolke wird vom Brucknerhaus und bis ca. 2008 vom Landesstudio OÖ des ORF veranstaltet.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel des Brucknerhauses wurde 1973 von der Orgelbaufirma Flentrop (Schiedam) erbaut. Das Schleifladen-Instrument hat 51 Register auf drei Manualwerken und Pedal. Die Spieltraktur sind mechanisch. Die Registertraktur sind elektrisch.[5] Aufgrund des maroden Zustands und in Mangel der Möglichkeit der Wartung der alten Orgel wird die bestehende Orgel ab Juni 2018 von der österreichischen Orgelbaufirma Rieger neu aufgebaut. Die Fassade der alten Orgel bleibt erhalten.[6] Im Rahmen des Internationalen Brucknerfestes Linz 2018 wird die neue Orgel am 10. September 2018 von der Titularorganistin der Hamburger Elbphilharmonie, Iveta Apkalna, offiziell eingeweiht.[7]

Hauptwerk C–g3
Grossprinzipal 16′
Prinzipal 8′
Gedackt 8′
Oktave 4′
Blockflöte 4′
Quinte 223
Superoktave 2′
Waldflöte 2′
Mixtur V-VII
Scharf V
Trompete 16′
Trompete 8′
Trompete 4′
Oberwerk C–g3
Prinzipal 8′
Rohrflöte 8′
Koppel 8′
Oktave 4′
Koppelflöte 4′
Nasat 223
Oktave 2′
Spitzflöte 2′
Quinte 113
Sesquialtera II
Scharf V
Zimbel III
Dulzian 16′
Krummhorn 8′
Tremulant
Positiv C–g3
Holzgedackt 8′
Spitzgamba 8′
Prästant 4′
Rohrflöte 4′
Oktave 2′
Flachflöte 2′
Quinte 113
Prinzipal 1′
Terzian II
Mixtur V
Zimbel III
Vox humana 8′
Pedalwerk C–f1
Prinzipalbass 16′
Subbass 16′
Oktavbass 8′
Holzflöte 8′
Superoktave 4′
Gemshorn 4′
Rohrpfeife 2′
Hintersatz V
Fagott 16′
Posaune 16′
Trompete 8′
Trompete 4′

Künstlerische Leiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. Februar 2017 wurde bekannt gegeben, dass Dietmar Kerschbaum zum Nachfolger von Hans-Joachim Frey bestellt wurde, dessen Vertrag mit Jahresende 2017 ausläuft.[9][10] Am 05. Dezember 2017 war seine Amtseinführung als künstlerischer Vorstandsdirektor des Brucknerhauses.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Brucknerhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hitlers Kulturhauptstadt, Oberösterreichische Nachrichten, 13. September 2008
  2. Das Brucknerhaus wird 40: Alles Gute, altes Haus!, Oberösterreichische Nachrichten, 20. März 2014
  3. AZ TV-PROGRAMM HEUTE In: Arbeiterzeitung vom 23. März 1974
  4. Karl Gerbel: 20 Jahre Brucknerhaus, Linz 1994.
  5. Informationen zur Orgel
  6. PK Neue Orgel. (brucknerhaus.at [abgerufen am 13. Juli 2018]).
  7. Oberösterreichische Nachrichten: OÖN-Leser entscheiden, wie die neue Orgel im Brucknerhaus heißen wird. (nachrichten.at [abgerufen am 13. Juli 2018]).
  8. Hedwig Kainberger: Brucknerhaus: Bahnt sich da ein Kulturskandal an? Salzburger Nachrichten, 11. April 2016, abgerufen am 9. Mai 2016.
  9. orf.at vom 14. Februar 2017: Dietmar Kerschbaum neuer Brucknerhaus-Chef; abgerufen am 14. Februar 2017
  10. nachrichten.at vom 6. Oktober 2016: Frey zieht es nach Russland; abgerufen am 14. Februar 2017
  11. PK Amtsantritt Mag. Dietmar Kerschbaum. Brucknerhaus Linz, 5. Dezember 2017, abgerufen am 9. Februar 2018.

Koordinaten: 48° 18′ 37″ N, 14° 17′ 33″ O