Brunnenviertel

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Der Gleimtunnel – durch die Berliner Mauer geschlossen, heute beliebter Ort für Lichtinstallationen

Das Brunnenviertel ist ein Wohnquartier im Berliner Ortsteil Gesundbrunnen des Bezirks Mitte. Es befindet sich zwischen der Bernauer Straße und dem Bahnhof Berlin Gesundbrunnen beiderseits der Brunnenstraße. Das Viertel wird an drei Seiten von ehemaligen oder noch betriebenen Bahnanlagen begrenzt: Im Norden von der Ringbahn; im Osten von den ehemaligen Gleisanlagen und dem Bahndamm der Berliner Nordbahn, die von 1961 bis 1989 den Grenzverlauf der Berliner Mauer darstellten und heute als Mauerpark genutzt werden; im Westen schließlich von den ehemaligen Bahnanlagen der Stettiner Bahn, ebenfalls Grenzanlage zur Zeit der Berliner Mauer, auf deren Gelände sich heute der Park am Nordbahnhof befindet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beamtentor am teilweise neu bebauten AEG-Gelände
Ehemalige Montagehalle der AEG an der Ecke Volta-/Hussitenstraße

Das Gebiet des heutigen Brunnenviertels wurde bis ins 19. Jahrhundert landwirtschaftlich genutzt. Heute wahrnehmbarer Beleg dafür sind Straßennamen wie Acker- und Gartenstraße. Auch der außerhalb der Stadt gelegene Richtplatz mit dem Galgen befand sich dort – er wurde zuletzt im Jahr 1837 genutzt.

Mit der industriellen Entwicklung musste preiswerter Wohnraum für die Industriearbeiter geschaffen werden. (AEG siedelte sich an der Brunnenstraße an, in der Liesenstraße entstand mit der Eisengießerei und Maschinen-Fabrik von L. Schwartzkopff ein Zentrum des Lokomotivbaus). Die Quartiere hatten einen sehr einfachen Standard, es gab kein Bad und die Toilette befand sich auf halber Treppe. Ein herausragendes Beispiel für die Wohnverhältnisse in diesem sozial sehr schwierigem Viertel war bis zum Abriss im Jahr 1972 „Meyers Hof“ in der Ackerstraße 132/133, eine Mietskaserne mit sechs Hinterhöfen.

Der Berliner Senat erklärte schließlich das Brunnenviertel zum Sanierungsgebiet und ließ großzügige Neubauten mit Fahrstuhl, Essecken und großen Balkons errichten. Die ehemaligen Bewohner wurden teilweise ins Märkische Viertel umgesetzt. Die Neuordnung des Viertels fand ein geteiltes Echo: Die neuen Bewohner waren zufrieden, endlich mit ihren Kindern in geräumige Wohnungen mit viel Grün auf den Höfen zu ziehen, viele junge Leute protestierten, weil ihnen der alte Wohnungsbestand billigen Wohnraum und damit Unabhängigkeit geboten hatte. Später veränderte sich die Bewohnerstruktur wieder durch den Zuzug von Migranten.

Seit 1999 gibt es ein Quartiersmanagement, das mit Bewohnern Ideen für die Entwicklung des Viertels erarbeitet. Im Rahmen dieser Arbeit wurde nach Umfragen unter den Bewohnern der Name „Brunnenviertel“ für das bis dahin nicht explizit benannte Gebiet ausgewählt. Seine Akzeptanz spiegelt sich in der verbreiteten Annahme wider, dass das Viertel schon immer so geheißen habe.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Beispiele für Industriearchitektur sind die alten Fabrikgebäude der Firmen Siemens und AEG, die heute dem Technologie und Innovationspark als Büro- und Gewerberäume dienen. Neben anderen haben sich hier die Deutsche Welle und Fachbereiche der Technischen Universität niedergelassen. Über der Kreuzung Liesen- /Garten- /Acker- /Schering- und Gerichtsstraße ist die alte Eisenbahnbrücke aus Stahlfachwerk zu besichtigen, über die die fertiggestellten Lokomotiven die Fabrik verließen. Ebenfalls sehenswert ist der denkmalgeschützte Gleimtunnel.
  • Als Kirchen sind St. Sebastian als drittgrößtes Gotteshaus von Berlin und die Friedenskirche Zum Heiligen Sava erwähnenswert.
  • Im Verlauf der Bernauer Straße befindet sich auf dem ehemaligen Grenzstreifen zwischen Brunnenstraße und Gartenstraße das Gedenkstättenensemble Berliner Mauer.
  • Die drei hauptsächlich genutzten Grünanlagen in diesem Bereich sind der 1869 errichtete Volkspark Humboldthain im Norden zwischen der Gustav-Meyer-Allee, der Brunnenstraße und der Bahntrasse, der seit 1992 errichtete Mauerpark, der auf den ehemaligen Bahnanlagen der Nordbahn und dem Grenzstreifen der Berliner Mauer angelegt wurde sowie der 2009 eröffnete Park am Nordbahnhof.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 52° 33′ N, 13° 24′ O