Bruno Labbadia

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Bruno Labbadia

Bruno Labbadia (2016)

Spielerinformationen
Geburtstag 8. Februar 1966
Geburtsort DarmstadtDeutschland
Größe 178 cm
Position Stürmer
Vereine in der Jugend
1972–1976
1977–1983
1983–1984
FSV Schneppenhausen
SV Weiterstadt
SV Darmstadt 98
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1984–1987
1987–1989
1989–1991
1991–1994
1994–1995
1996–1998
1998–2001
2001–2003
SV Darmstadt 98
Hamburger SV
1. FC Kaiserslautern
FC Bayern München
1. FC Köln
Werder Bremen
Arminia Bielefeld
Karlsruher SC
105 (43)
41 (11)
67 (20)
82 (28)
41 (15)
63 (18)
98 (50)
60 (18)
Nationalmannschaft
1987
1992–1995
Deutschland U-21
Deutschland
6 0(3)
2 0(0)
Stationen als Trainer
2003–2006
2007–2008
2008–2009
2009–2010
2010–2013
2015–2016
SV Darmstadt 98
SpVgg Greuther Fürth
Bayer 04 Leverkusen
Hamburger SV
VfB Stuttgart
Hamburger SV
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Bruno Labbadia (* 8. Februar 1966 in Darmstadt) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und jetziger -trainer italienischer Abstammung. Von 1984 bis 2003 spielte der Stürmer in der 1. und 2. Bundesliga und wurde u. a. zweimal Deutscher Meister (mit dem 1. FC Kaiserslautern und dem FC Bayern München) sowie DFB-Pokal-Sieger.

Er trainierte mehrere deutsche Bundesligisten, zuletzt zum zweiten Mal den Hamburger SV.

Familie, Kindheit und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Labbadias Eltern waren 1956[1] aus Lenola[2] als italienische Gastarbeiter nach Deutschland gezogen und hatten sich in Schneppenhausen unweit von Darmstadt niedergelassen.[3] Sein Vater arbeitete als Tiefbauarbeiter, seine Mutter in einer Gardinenstangenfabrik und hatte einen Nebenjob als Putzfrau.[2] Labbadia wuchs als eines von neun Kindern in einfachen Verhältnissen zusammen mit seinen Geschwistern zum größten Teil in vier Zimmern[2] auf einem Bauernhof in Schneppenhausen auf, auf dem die Familie zur Miete wohnte. Die Familie sparte sich Geld zusammen und nahm ein Bankdarlehen auf, um ein Haus in Weiterstadt zu kaufen, das sie dann 1976 mit dem damals zehnjährigen Labbadia bezog.[2] In der Grundschule wurde er von seinen Mitschülern aufgrund seiner italienischen Wurzeln gemobbt und als „Spaghettifresser“ tituliert;[3] mit seinen Eltern sprach er Italienisch, doch mit seinen Geschwistern sprach er wegen des Mobbings die Sprache nicht mehr.[2]

Nach dem Erwerb der Mittleren Reife absolvierte er eine Berufsausbildung zum Versicherungskaufmann.[3] Seit seinem 18. Lebensjahr besitzt Labbadia die deutsche Staatsbürgerschaft.[3] Diese hatte Labbadia – entgegen dem Willen seines Vaters – beantragt, da seinerzeit im Fußball nur zwei Ausländer eingesetzt werden durften, beim SV Darmstadt 98 damals allerdings drei Ausländer unter Vertrag standen.[2] Außerdem stand damals eine Einladung in die deutsche U-21-Nationalmannschaft im Raum.[3]

Labbadia ist verheiratet, Vater einer Tochter und eines Sohnes[4][5][6] und lebt in Hamburg.[7]

Karriere als Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Labbadia spielte in der Jugend beim FSV Schneppenhausen und dem SV Weiterstadt. 1984 wurde er vom Zweitligisten SV Darmstadt 98 verpflichtet. Nach drei Jahren in der 2. Liga, in der er insgesamt 44 Tore schoss,[8] wurde er zur Saison 1987/88 vom Hamburger SV in die 1. Bundesliga geholt. Hier wurde er zunächst von Josip Skoblar trainiert und spielte u. a. mit seinem späteren Vorgesetzten beim HSV, Dietmar Beiersdorfer, zusammen. In seinem ersten Spiel am 1. August 1987 gegen den FC Schalke 04 wurde er zur Halbzeit eingewechselt und schoss in der 90. Minute das Tor zum 5:2-Endstand.[9] In seiner ersten Saison erzielte er elf Tore.

Zu Jahresbeginn 1989 wechselte Labbadia zum 1. FC Kaiserslautern. Unter Trainer Karl-Heinz Feldkamp wurde er 1990 DFB-Pokal-Sieger, wobei er im Finale gegen Werder Bremen zwei Treffer zum 3:2-Sieg erzielte. Ein Jahr später – er bildete mit Stefan Kuntz ein erfolgreiches Sturmduo – wurde er 1991 Deutscher Meister.

Der FC Bayern München verpflichtete Labbadia im Sommer 1991. Trainiert wurde er zunächst von Jupp Heynckes. 1994 wurde Labbadia mit dem FC Bayern Meister. Im Sommer 1994 verließ er die Bayern, da der neue Trainer Giovanni Trapattoni auf die neu verpflichteten Angreifer wie Jean-Pierre Papin und Alain Sutter setzte. Er wechselte für eine Saison zum 1. FC Köln, danach zu Werder Bremen und den Zweitligisten Arminia Bielefeld und Karlsruher SC. Im Jahr 1999 wurde er mit 28 Treffern für Arminia Bielefeld Torschützenkönig der 2. Bundesliga.

In Anlehnung an seine Rolle als neuntes Kind der Familie trug er dabei meist das Trikot mit der Nummer 9. Er erzielte in 328 Bundesligaspielen 103 Tore[10] und in 229 Spielen in der 2. Liga 101 Tore.

Nationalmannschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Labbadia trug am 11. August 1987 erstmals das Nationaltrikot, als er für die U-21-Nationalmannschaft im Moselstadion in Trier bei der 0:2-Heimniederlage gegen Frankreich in der 46. Minute für Maurizio Gaudino eingewechselt wurde. Sein erstes Länderspieltor erzielte er am 8. September beim 2:0-Sieg über die Englische U-21-Nationalmannschaft in Lüdenscheid.

Fünf Jahre später wurde er beim 4:1-Sieg im Test-Länderspiel in Montevideo gegen Uruguay erstmals in die A-Nationalmannschaft berufen. Seinen zweiten und letzten Einsatz erhielt er 1995 in einem weiteren Test-Länderspiel, das Deutschland mit 2:1 Toren im damals neueröffneten Brüsseler König-Baudouin-Stadion gegen Belgien gewann.[11]

Karriere als Trainer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ende seiner Laufbahn als professioneller Spieler kehrte Bruno Labbadia im Mai 2003 zu SV Darmstadt 98 als Trainer zurück, wo einst seine professionelle Karriere begann. Er war dort bis zum Ende der Saison 2005/06 tätig. Gleich im ersten Jahr als Verantwortlicher stieg er mit dem Verein in die Regionalliga auf. In der folgenden Saison führte er sein Team auf Platz fünf der Abschlusstabelle. In seinem letzten Jahr in Darmstadt verpasste er mit dem gleichen Tabellenrang das von ihm selbst und von Vereinsseite gesteckte Ziel, in die 2. Fußball-Bundesliga aufzusteigen.

Über Fürth in die Bundesliga[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Saison 2007/08 trainierte er die SpVgg Greuther Fürth in der 2. Bundesliga, schloss auf Tabellenplatz sechs ab und verpasste damit den Aufstieg in die Bundesliga. Obwohl er in Fürth bis 2009 unter Vertrag stand, wechselte er zur Saison 2008/09 zum Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen und ersetzte Michael Skibbe. Nach einer starken Hinrunde brach die Mannschaft in der Rückrunde ein und beendete die Saison auf einem - für die zuvor ausgegebenen höheren Ziele - enttäuschenden neunten Rang. Allerdings wurde am 30. Mai 2009 das DFB-Pokal-Finale erreicht (0:1 gegen Werder Bremen), das jedoch von Diskussionen um Labbadias vorzeitigen Abgang überschattet wurde. Am 5. Juni 2009 wurde Labbadia beurlaubt und von Jupp Heynckes, der einst Labbadia bei Bayern München trainierte, ersetzt.

Erste Station beim Hamburger SV[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Sommerpause 2009 wechselte Labbadia als Nachfolger von Martin Jol als Cheftrainer zum Hamburger SV.[12] Die Saison 2009/2010 verlief ähnlich wie die vorangegangene in Leverkusen: Nach starkem Beginn rutschte der Verein in der Rückrunde aus dem oberen Tabellendrittel ins Mittelfeld ab. In der Europa League führte Labbadia die Mannschaft bis ins Halbfinale. Am 26. April 2010 trennte sich der HSV drei Spieltage vor Ende der Bundesligasaison von Labbadia.[13]

VfB Stuttgart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 12. Dezember 2010 wurde Labbadia neuer Cheftrainer beim VfB Stuttgart und ersetzte damit Jens Keller.[14] Er verlängerte seinen Vertrag mit dem VfB am 30. Januar 2013 bis Ende Juni 2015.[15] In der Saison 2012/13 erreichte er mit Stuttgart das Finale im DFB-Pokal, das die Mannschaft mit 2:3 gegen den FC Bayern München verlor. Nach einem schwachen Start in die Saison 2013/14 mit drei Niederlagen trennte sich der VfB am 26. August 2013 von Labbadia.[16]

Rückkehr zum Hamburger SV[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. April 2015 übernahm Labbadia sechs Spieltage vor Ende der Saison 2014/15 erneut den auf dem letzten Tabellenplatz stehenden Hamburger SV. Er erhielt einen ligaunabhängigen, bis zum 30. Juni 2016 laufenden Vertrag.[17] Mit Labbadia holte der HSV 10 von 18 möglichen Punkten und erreichte am letzten Spieltag den Relegationsplatz. In der Relegation gegen den Karlsruher SC hielt er mit dem HSV nach einem 1:1 im Hinspiel und einem 2:1 n. V. im Rückspiel die Klasse.[18]

In der Hinrunde der Saison 2015/16 stabilisierte Labbadia das Team und schloss die Hinserie auf dem zehnten Tabellenplatz ab. Im Dezember 2015 wurde er für seine „hervorragende Leistung, einen schon fast totgeglaubten HSV zu neuen sportlichen Erfolgen geführt zu haben“ vom Fernsehsender Hamburg 1 in der Kategorie Sport zum Hamburger des Jahres gewählt.[19] In der Winterpause verlängerten Labbadia und der HSV seine Vertragslaufzeit um eine Spielzeit bis zum 30. Juni 2017.[20] Am 25. September 2016 beurlaubte ihn der HSV nach nur einem gewonnenen Punkt aus den ersten fünf Bundesligaspielen der Saison 2016/17.[21]

Erfolge als Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Labbadia ist der einzige Fußballprofi, der sowohl in der ersten als auch in der zweiten deutschen Fußballbundesliga jeweils über 100 Tore erzielte.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hamburger des Jahres (Kategorie Sport): 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bruno Labbadia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Philipp Simon und Florian Rebien: Deutsch-Italiener Bruno Labbadia Wem drückt der HSV-Coach die Daumen? In: Hamburger Morgenpost. Morgenpost Verlag GmbH, 2. Juli 2016, abgerufen am 28. August 2016.
  2. a b c d e f Kai Schiller und Peter Wenig: Bruno Labbadia: "Als Kind war ich der Spaghettifresser". In: Hamburger Abendblatt. Zeitungsgruppe Hamburg GmbH, 27. August 2016, abgerufen am 28. August 2016.
  3. a b c d e Geil aufs Gewinnen; in: Der Spiegel 41/1991 vom 7. Oktober 1991; S. 258–262; abgerufen am 26. August 2013.
  4. Bruno Labbadia glaubt an die alten Werte. In: RP Online. RP Digital GmbH, 16. Oktober 2009, abgerufen am 26. März 2015.
  5. Alexander Laux und Dieter Matz: Freude, Arbeit, Leidenschaft. In: Hamburger Abendblatt. Zeitungsgruppe Hamburg GmbH, abgerufen am 26. März 2015.
  6. Tillmann Mehl: VfB-Trainer Bruno Labbadia zeigt Gefühle. In: Augsburger Allgemeine. Presse-Druck- und Verlags-GmbH (Augsburger Allgemeine Online), 1. Juni 2013, abgerufen am 26. März 2015.
  7. Sport1 GmbH (Hrsg.): Labbadia bietet sich dem HSV an. In: sport1.de. 28. März 2015, abgerufen am 17. August 2015.
  8. Leistungsdaten auf www.transfermarkt.de
  9. Spielbericht auf www.transfermarkt.de
  10. Matthias Arnhold: Bruno Labbadia - Matches and Goals in Bundesliga. Rec.Sport.Soccer Statistics Foundation. 1. Oktober 2015. Abgerufen am 9. Oktober 2015.
  11. Matthias Arnhold: Bruno Labbadia - International Appearances. Rec.Sport.Soccer Statistics Foundation. 1. Oktober 2015. Abgerufen am 9. Oktober 2015.
  12. Bruno Labbadia wird neuer Trainer des HSV; (Memento vom 11. Juni 2009 im Internet Archive) Pressemeldung des Hamburger SV vom 5. Juni 2009.
  13. Moniz ist „200 Prozent HSV“; in: Kicker, 26. April 2010
  14. Labbadia ist neuer Cheftrainer beim VfB (Memento vom 14. September 2012 im Webarchiv archive.is)
  15. Labbadia unterschreibt bis 2015; Pressemeldung des VfB Stuttgart vom 30. Januar 2013
  16. Trennung von Bruno Labbadia; Pressemeldung des VfB Stuttgart vom 26. August 2013
  17. Hamburger SV: Mit Labbadia in die Zukunft, 15. April 2015, abgerufen am 15. April 2015.
  18. [1]
  19. Hamburger Abendblatt: Von Dohnanyi und Labbadia sind Hamburger des Jahres, abgerufen am 17. Dezember 2015
  20. Hamburger SV: HSV und Bruno Labbadia verlängern Vertrag, 11. Januar 2016, abgerufen am 11. Januar 2016.
  21. HSV beurlaubt Trainer Labbadia hsv.de, abgerufen am 25. September 2016