Bruttosozialprodukt (Lied)

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Bruttosozialprodukt
Dicke Lippe
Veröffentlichung 1978
Genre(s) Neue Deutsche Welle, Ska[1]
Autor(en) Friedel Geratsch, Reinhard Baierle
Album Jagdfieber
Coverversion
1982 Geier Sturzflug

Bruttosozialprodukt ist ein Lied von Friedel Geratsch und Reinhard Baierle. Das 1978 erstmals unter dem Titel Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt veröffentlichte Lied wurde 1982 als Debütsingle der deutschen Band Geier Sturzflug ein Nummer-eins-Hit in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Damit gehört es zu den erfolgreichsten Stücken der Neuen Deutschen Welle und blieb der größte Hit der Band.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bruttosozialprodukt entstand 1977, als Friedel Geratsch mit Reinhard Baierle als Straßenmusiker-Duo Dicke Lippe unterwegs war.[2] Eine andere Quelle nennt bereits 1972 als Entstehungsjahr.[3] Zum ersten Mal war der Song unter dem Titel Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt 1978[4] in einer akustischen Fassung auf dem Sampler Die Zeitungslose – Die Schreckliche Zeit … Ist Bald Vorbei für die taz des Trikont-Sublabels Unsere Stimme enthalten,[2] bevor es einige Monate desselben Jahres[2] auf dem Dicke-Lippe-Album Jagdfieber beim selben Label in einer Auflage von 1000 Stück erschien.[3] 1982 produzierte Geratsch den Titel erneut mit seiner neuen Band Geier Sturzflug im Stil der Neuen Deutschen Welle, der es in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Platz 1 der Single-Verkaufscharts schaffte. Im selben Jahr wurde das Lied in Frankreich von Nanard als PNB (produit national brut) gecovert.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Plattenfirma Ariola hatte die Band wegen dieses Titels unter Vertrag genommen – er passte gut zur damaligen „Wende“ hin zur schwarz-gelben Bundesregierung in Deutschland. Während des Wahlkampfes wurde der Titel zumeist nicht im Radio gespielt, da die Sender befürchteten, dass ihnen Stimmungsmache vorgeworfen würde.[3] Einen Tag nach der Wahl Helmut Kohls zum Bundeskanzler traten Geier Sturzflug erstmals im Fernsehen auf. Das Lied schilderte ironisch die Arbeitsmoral der Deutschen. In der Presse wurde der Song oft missverstanden, z. B. als „zynische Ballade vom deutschen Arbeitsethos“ (Vorwärts), „das neue Evangelium“ (Bunte), „Mailied, das die Gewerkschafter lieber nicht mehr mitsummen“ (Die Welt), oder „Parteitags-Song der CDU“ (Quick).[3] Teilweise wurde im Rundfunk eine entschärfte Version gespielt, in der es statt „Sie amputierten ihm sein letztes Bein“ beschönigend hieß: „Sie operierten ihn am rechten Bein.“[5] Obwohl Dieter Thomas Heck sich weigerte, das Lied anzusagen[6] und Geier Sturzflug es in der ZDF Hitparade anstatt in der originalen Version („…und am Mittwoch kommt die Müllabfuhr und holt den ganzen Plunder…“) mit der alternativen Textzeile „…und am Mittwoch kommt die Müllabfuhr und holt sich einen runter…“ sang,[2] schaffte es die Band auf Platz eins der Musiksendung sowie auf die Spitzenposition der Media Control Charts.[7] Die Band bekam eine Goldene Schallplatte dafür.[3] Die Single wurde bis heute über 600.000 Mal verkauft.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.geschichte.nrw.de/artikel.php?artikel%5Bid%5D=696
  2. a b c d Interview mit Friedel Geratsch
  3. a b c d e www.zeit.de: Der Witz mit dem Hit
  4. Eintrag des Samplers in der Deutschen Nationalbibliothek
  5. vgl. Holger Stürenburg Forever Young. Die Klänge der Kühlen Dekade 2001, S. 143
  6. Gespräch mit Friedel Geratsch (WDR 4), 29. November 2011 (nicht mehr im Internet abrufbar)
  7. Chartverfolgung auf Musicline.de