Brzeg Dolny

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Brzeg Dolny
Wappen von Brzeg Dolny
Brzeg Dolny (Polen)
Brzeg Dolny
Brzeg Dolny
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Wołów
Fläche: 17,20 km²
Geographische Lage: 51° 16′ N, 16° 43′ OKoordinaten: 51° 16′ 15″ N, 16° 43′ 15″ O
Höhe: 102–199 m n.p.m.
Einwohner: 12.460
(31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 56-120 bis 56-122
Telefonvorwahl: (+48) 71
Kfz-Kennzeichen: DWL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: WołówBreslau
Schienenweg: PKP–Linie 273: Breslau–Stettin
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 13 Schulzenämter
Fläche: 94,40 km²
Einwohner: 16.059
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 170 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0222013
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Stanisław Jastrzębski[2]
Adresse: ul. Kolejowa 29
56-120 Brzeg Dolny
Webpräsenz: www.brzegdolny.pl



Brzeg Dolny [ˈbʒɛk ˈdɔlnɨ] (deutsch Dyhernfurth) ist eine Stadt im Landkreis Powiat Wołowski in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in Niederschlesien an nördlichen Ufer der Oder, etwa 25 Kilometer nordwestlich von Breslau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urkundlich erstmals erwähnt wurde Brsega[3] 1353. Es gehörte zum Herzogtum Breslau, das Herzog Heinrich VI. bereits 1327 als ein Lehen an den böhmischen König Johann von Luxemburg übergeben hatte. Wirtschaftlich eher unbedeutend, verfügte es ab dem 15. Jahrhundert über das Privileg einer Fähre über die Oder.

Nachdem im Jahre 1345 der jüdische Friedhof in Breslau geschlossen werden musste, entstand in Brzeg ein neuer Friedhof für die Breslauer Juden und nachfolgend eine große Jüdische Gemeinde.

1660 erwarb der Oberamtskanzler Schlesiens, Georg Abraham Freiherr von Dyhrn, die Grundherrschaft und begann mit dem Ausbau des Ortes. 1663 wurde Brzeg in Dyhernfurth umbenannt. Zugleich verlieh Kaiser Leopold I., in seiner Eigenschaft als König von Böhmen, Dyhernfurth das Stadtrecht. 1667 erlangte der Grundherr das Recht zur Errichtung einer Buchdruckerei. Unter seinem Nachfolger, dem Landeshauptmann Julius Ferdinand Graf von Jaroschin, wurde in Dyhernfurth eine jüdische Druckerei gegründet, die einen bedeutenden Ruf erlangte.

Das zwischen 1780 und 1785 erbaute Schloss Dyhernfurth
Pfarrkirche der hl. Muttergottes vom Skapulier

Nach dem Schlesischen Krieg 1742 fiel Dyhernfurth wie der größte Teil Schlesiens an Preußen.

Ab 1770 war die Herrschaft Dyhernfurth im Besitz der Familie des schlesischen Provinzialministers Carl Georg Heinrich von Hoym, dem der preußische König Friedrich Wilhelm II. 1786 die Grafenwürde verlieh. Er ließ zwischen 1780 und 1785 ein Schloss und verschiedene Bauten für den Schlosspark nach Plänen des Architekten Carl Gotthard Langhans erbauen.

Mit der Dyhernfurther Privilegierten Zeitung (1771–1772) erschien hier die erste jüdische Zeitung im Heiligen Römischen Reich, wobei für den deutschen Text die hebräische Schrift benutzt wurde.

Nach der Neugliederung Preußens gehörte die Stadtgemeinde Dyhernfurth[4] ab 1816 zum Landkreis Breslau und ab 1818 zum Landkreis Wohlau, mit dem es bis 1945 verbunden blieb.

1860 wurde ein kleines Hospital gegründet. Mit dem Anschluss an das Schienennetz erfolgte ab 1875 ein wirtschaftlicher Aufschwung. Im selben Jahr errichteten die I.G. Farben und die Schickert-Werke Bad Lauterberg in Dyhernfurth eine Produktionsstätte für chemische Kampfstoffe wie Tabun und Sarin. 1939 hatte Dyhernfurth 2013 Einwohner. Während des Zweiten Weltkrieges entstanden die beiden Außenlager Dyhernfurth I und II des KZ Groß Rosen in der Stadt.

Am 26. Januar 1945 erreichte die Rote Armee den Ort. Am 5. Februar gelang der deutschen Kampfgruppe Sachsenheimer ein Gegenangriff. Während der Kämpfe brannte das Schloss aus, das chemische Werk überstand sie unzerstört. Im März 1945 übergab die Rote Armee Dyhernfurth zusammen mit fast ganz Schlesien der Verwaltung der Volksrepublik Polen. Diese führte für Dyhernfurth die Ortsbezeichnung Brzeg Dolny ein. Die deutsche Bevölkerung wurde 1945/46 vertrieben. Nachfolgend wurde Brzeg Dolny mit Polen besiedelt. Durch den Rückgang der Bevölkerung verlor Brzeg Dolny das Stadtrecht.

1947 nahm das chemische Werk die Produktion wieder auf. Es entwickelte sich unter der Bezeichnung Rokita-Werk zu einem der größten polnischen Chemiehersteller. 1954 erhielt Brzeg Dolny das Stadtrecht zurück, und bei einer Zählung 1959 lebten etwa 9000 Menschen in der Stadt. Das Schloss wurde wieder aufgebaut, jedoch ging dabei seine ursprüngliche Gestalt verloren.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1900 1.389 meist Evangelische[5]
1933 1.761 [6]
1939 2.013 [6]

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Brzeg Dolny gehören neben der Stadtgemeinde weitere 13 Ortsteile [7] mit einem Schulzenamt:

  • Bukowice (Frauenwaldau)
  • Godzięcin (Thiergarten)
  • Grodzanów (Grosen)
  • Jodłowice (Tannwald)
  • Naborów (Neudorf)
  • Pogalewo Małe (Klein Pogul)
  • Pogalewo Wielkie (Groß Pogul)
  • Pysząca (Bschanz, 1937–1945 Schanzberg)
  • Radecz (Seifersdorf)
  • Stary Dwór (Althof)
  • Wały (Reichwald)
  • Żerków (Groß Sürchen)
  • Żerkówek (Klein Sürchen)

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von der Schlossterrasse auf die Oder
St.-Hedwigs-Kapelle
  • 1281 wurde auf dem Platz einer bereits 1261 erwähnten Kirche im damaligen Dorf Wahren (Warzyń), der jetzt ein Vorort von Brzeg Dolny ist, die Kirche Allerheiligen erbaut. Um 1580 wurde sie im Stil der Renaissance umgebaut. Der Hauptaltar im Stil des Neubarocks enthält ein Allerheiligengemälde. Am Pfeiler des Westportals befindet sich ein Bußkreuz mit einer Figur der Maria Immaculata.
  • Das Schloss Dyhernfurth wurde 1780–1785 vom damaligen Grundherrn Carl Georg Heinrich Graf Hoym nach Plänen des Architekten Carl Gotthard Langhans errichtet und im 19. Jahrhundert von französischen Architekten umgebaut. Bei Kriegsende 1945 wurde es zum großen Teil zerstört, später teilweise wieder aufgebaut und 1998 renoviert.
  • Neben dem Schloss befindet sich das sogenannte Kleine Schloss, das als Beamtenwohnhaus diente.
  • Der Schlosspark wurde ebenfalls nach Entwurf des Architekten Carl Gotthard Langhans nach dem Vorbild des Wörlitzer Parks angelegt. Er war ursprünglich in drei Zonen gegliedert: Lustgarten (mit Teich und Inseln sowie Teehaus, Weinberghäuschen, Badesalon, Wasserspiel und Fasanerie), Nutzgarten (mit Mühle, Seidenraupenzucht und jüdischer Druckerei) und Meditationsgarten (mit Ruine einer neugotischen Kapelle, Eremitage, Grotte, Jüdischem Friedhof sowie dem Mausoleum der Familie von Hoym im Stil eines griechischen Tempels). Es diente bis 1945 als letzte Ruhestätte des Erbauers Carl Georg Heinrich Graf Hoym und seiner Nachfahren.
  • Die St.-Hedwigs-Kapelle auf dem Friedhof wurde 1666 erbaut.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Stadt verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henriette Hanke (1785–1862), Schriftstellerin aus Jauer, verbrachte viele Jahre als Gemahlin des dortigen Pfarrers in Dyhernfurth und beschrieb oft das Schloss und das Mausoleum in ihren Werken.
  • Sabbatai Ben Josef (1641–1718), jüdischer Schriftsteller und Sänger, Gründer der ersten jüdischen Buchdruckerei im Jahre 1687.
  • Hans Otte (1926–2007), Komponist, Pianist und Rundfunkredakteur, verbrachte seine Jugend in Dyhernfurth.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Brzeg Dolny – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. Website der Stadt, Urząd Miejski w Brzegu Dolnym (Memento des Originals vom 7. Februar 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.brzegdolny.pl, abgerufen am 27. Januar 2015
  3. Weitere Schreibweisen waren Brziegk, Brzig, Brzeg, Borsik, Brsege, Persig, Prizig, Przieck, Przigk
  4. Stadtgemeinde Dyhernfurth
  5. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 5, Leipzig/Wien 1905, S. 321.
  6. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. wohlau.html#ew39wohldyhern. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2001).
  7. Das Genealogische Orts-Verzeichnis