Bučina (Kvilda)

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Bučina
Bučina führt kein Wappen
Bučina (Kvilda) (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihočeský kraj
Bezirk: Prachatice
Gemeinde: Kvilda
Fläche: 127 ha
Geographische Lage: 48° 58′ N, 13° 36′ OKoordinaten: 48° 58′ 3″ N, 13° 35′ 41″ O
Höhe: 1162 m n.m.
Einwohner: 0 (1. März 2001)
Postleitzahl: 384 93
Kfz-Kennzeichen: C
Verkehr
Straße: Kvilda - Finsterau
Kapelle des hl. Michael
Hotel Alpská vyhlídka

Bučina (deutsch Buchwald) ist ein Ortsteil der Gemeinde Kvilda in Tschechien. Er liegt sechs Kilometer südlich von Kvilda an der deutschen Grenze und gehört zum Okres Prachatice.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bučina liegt auf halbem Wege zwischen Kvilda und Finsterau auf der Planie am Kamm des Böhmerwaldes. Nördlich erheben sich die Stolová hora (Tafelberg, 1254 m) und der Vysoký stolec (1251 m), westlich der Siebensteinkopf (Sedmiskalí, 1263 m) sowie im Nordwesten die Černá hora (Schwarzberg, 1315 m) und der Stráž (Postberg, 1308 m). Zweieinhalb Kilometer nordwestlich entspringt die Moldau, westlich der Grenzbach Teufelsbach/Čertová voda.

Nachbarorte sind Hraběcí Huť und Kvilda im Norden, Svinná Lada und Borová Lada im Nordosten, Nová Boubská im Osten, Knížecí Pláně im Südosten, Finsterau im Südwesten sowie Modrava und Vchynice-Tetov II im Nordwesten.

Bučina befindet sich im Nationalpark Šumava, die Straße zwischen Kvilda und der Staatsgrenze ist für den allgemeinen Kraftfahrzeugverkehr gesperrt. Von Kvilda nach Bučina verkehren die Grünen Busse, ebenso besteht eine Igelbusverbindung von Finsterau bis zur Staatsgrenze.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts führte durch den Urwald auf der Planie mit dem Bergreichensteiner Steig ein wichtiger Handelsweg zwischen Böhmen und Bayern. Er verlor später an Bedeutung und wurde im 17. Jahrhundert zugunsten anderer Routen des Goldenen Steig aufgegeben.

Buchwald entstand wahrscheinlich im 1770 als Ansiedlung von Holzfällern. Die erste urkundliche Erwähnung der aus 13 Anwesen bestehenden und zum Gut Groß-Zdikau gehörigen Ansiedlung erfolgte im Jahre 1790. Johann Freiherr von Malowitz ließ das Gut Groß-Zdikau vom Familienfideikommiss der Malowetz von Cheynow abtrennen und allodieren; er verkaufte es 1799 an Franz Graf von und zu Sickingen. Dieser veräußerte das Gut 1803 an den k.k. Oberst Jakob Freiherr von Wimmer. Die Wimmerschen Erben verkauften Zdíkov im Jahre 1822 an Ferdinand Graf Palffy von Erdöd. Von diesem kaufte 1829 der Prager Bürger Jakob Wimmer das Gut. 1837 erwarb es Ferdinand Ritter von Bischof. Im Jahre 1840 bestand Buchwald aus 17 Häusern mit 140 deutschsprachigen Einwohnern. Im Dorf bestanden ein Jägerhaus, ein Wirtshaus und abseitig eine Mühle am Teufelsbach. Zu Buchwald gehörte die südlich im Tal des Teufelsbaches gelegene und aus fünf Bauernhäusern, der Mühle und einer Grenzwachkaserne bestehende Ansiedlung Hüttel. Pfarrort war Außergefild.[1] Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war der Ort Amtsdorf des Allodialgutes Groß-Zdikau.

Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften bildete Buchwald/Bučina ab 1850 mit dem Ortsteil Hüttel eine Gemeinde in der Bezirkshauptmannschaft Prachatice. Im Jahre 1890 war das Dorf auf 30 angewachsen und hatte 466 Einwohner.

Nach dem Münchner Abkommen wurde Buchwald 1938 als Teil des Landkreises Prachatitz dem Deutschen Reich zugeschlagen. Im Jahre 1930 lebten in der Gemeinde 347 Personen, 1939 waren es nur noch 320, darunter 29 Tschechen.[2] Buchwald bestand aus 26 Häusern entlang der Straße, die von Finsterau kommend über Buchwald nach Außergefild führt. Zur Gemeinde gehörten noch die Ortsteile Hüttl mit 11 Häusern und Mühlreuterhäuser – Froschau genannt – mit 10 Häusern. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam Buchwald zur Tschechoslowakei zurück und die deutschen Bewohner wurden vertrieben. Das Gebiet entlang der Grenze wurde zur militärischen Sperrzone erklärt und nicht mehr besiedelt, dadurch verfielen die Häuser in Bučina. Nachdem während des Kalten Krieges der Eiserne Vorhang errichtet wurde, erfolgte 1956 der Abriss des Dorfes. Erhalten blieben ein Hotel, das als Kaserne Verwendung fand, sowie die Kapelle.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erlebte Bučina einen Aufschwung durch Wanderer. Diese Belebung führte zur Rekonstruktion der Pešlova chata als Hotel (jetzt "Alpská Vyhlídka"). Die beiden Nationalparke Böhmerwald und Bayerischer Wald, sowie die an ihnen beteiligten Landkreise, erschlossen dieses Gebiet mit ihrem jeweiligen Bussystemen, dem „Igel-Bus“ von deutscher Seite, welcher mit einer Linie aus Richtung Spiegelau bis an die Grenze direkt in der Nähe von Bučina fährt. Eine Linie der „Grünen Busse“ der ČSAD verkehrt zwischen Horská Kvilda und Kvilda-Bučina, einem Haltepunkt 800 m von Bučina entfernt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kapelle des hl. Michael, die 1891 errichtete Hofkapelle eines landwirtschaftlichen Anwesens blieb 1956 von der Zerstörung des Dorfes ausgenommen, sie verfiel jedoch. Nach der Grenzöffnung wurde sie wiedererrichtet und am 4. Oktober 1992 eingeweiht
  • Gedenkstätte des Eisernen Vorhangs, am Weg nach Finsterau
  • Alpenblick, Aussichtspunkt im ehemaligen Oberdorf
  • Hotel "Alpská Vyhlídka", ehemals Peschlerhütte, das bei gutem Wetter einen Ausblick auf die Alpen bietet

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Peter (1858–1935), österreichischer Schriftsteller

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herbert Fastner: Erinnerungen an Buchwald. Morsak-Verlag, Grafenau 1985, ISBN 3-87553-252-X.
  • Erna Dittrich: So is’ g’wen - Erinnerungen an der bayerisch-böhmischen Grenze. Eigenverlag.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johann Gottfried Sommer Das Königreich Böhmen, Bd. 8 Prachiner Kreis, 1840, S. 338-339
  2. Demografische Angaben

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bučina (Kvilda) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien