Buchbinder Wanninger

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Buchbinder Wanninger ist ein Sketch des Münchner Komikers Karl Valentin. In der Szene, die auch in einer Schallplattenaufnahme vorliegt, versucht der Buchbinder Wanninger vergeblich, telefonisch bei seinem Auftraggeber (der Baufirma Meisel & Compagnie) in Erfahrung zu bringen, ob er die Rechnung für die von ihm fertiggestellten Bücher der Lieferung gleich beilegen soll, wird dabei aber nur von einem zum anderen Ansprechpartner innerhalb der auftraggebenden Firma weiterverbunden, ohne die erhoffte Information zu erhalten. Das Ganze endet mit der geknurrten Aussage des verzweifelten Buchbinders „Saubande, dreckade!“

Einen weiteren komischen Effekt erzielte Valentin dadurch, dass jeder neue Gesprächspartner in der Firma hierarchisch höher stand und sich auch auf einer jedes Mal höheren Sprachebene ausdrückte. Dies forderte den Münchner Dialekt sprechenden Buchbinder zusätzlich heraus, da er vergeblich versuchte, sich dem jeweiligen Sprachregister anzupassen.

Die letzte Ansprechpartnerin der Firma Meisel & Compagnie ist offensichtlich die richtige Zielperson. Allerdings gibt auch sie nicht die gewünschte Information, da genau in diesem Moment eine Klingel ertönt und die Dame nur antwortet: „Wir haben jetzt Büroschluss, rufen Sie doch morgen bitte wieder an.“

„Sich wie Buchbinder Wanninger vorkommen“ wird – vor allem im süddeutschen Raum – als geflügeltes Wort gebraucht für Situationen, in denen Ämter oder Unternehmen einen Antragsteller von Mitarbeiter zu Mitarbeiter weiter verweisen, ohne dass er jemals zu seinem eigentlichen Ziel kommt, ähnlich wie „von Pontius zu Pilatus laufen“ oder der Passierschein A38.

Der Sketch Buchbinder Wanninger wurde 1964 von Horst Manfred Adloff als zwölfminütiger Kurzfilm verfilmt.

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Valentin: Buchbinder Wanninger. Sprachclownerien und Grotesken. Hrsg. von Helmut Bachmaier (= Reclams Universal-Bibliothek, Nr. 8941). Reclam, Stuttgart 1993, ISBN 3-150-08941-7.
  • Karl Valentin: Buchbinder Wanninger. Hörbuch. Mit Karl Valentin und Liesl Karlstadt. Hrsg. von Helmut Bachmeier. CD, Der Hörverlag, München 2001, ISBN 3-89584-881-6.
  • Der Buchbinder Wanninger, mit Karl Valentin; Georg Blädt; Hans Posegga; Erwin Linder, Arri-Film, München, VHS-Video, 1 Videokassette (VHS, 12 Minuten): s/w OCLC 313862970.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Henze: Der sabotierte Alltag: die phänomenologische Komik Karl Valentins, Mikrofiche-Ausgabe, 4 Mikrofiches: 24x, Konstanz 1995, DNB 946697930 (Dissertation Universität Konstanz 25. September 1995, 279 Seiten, Referent: Helmut Bachmaier, Zweiter Referent: Manfred Faust, Volltext 2 PDF-Dateien, kostenfrei, 198 + 7 Seiten, 1'113 und 108 KB, die Seitenzählung im PDF-Dokument entspricht nicht der Vorlage, DNB 958774641).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]