Budapester

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Dieser Artikel beschreibt das Schuhmodell Budapester. Für die Bewohner der ungarischen Hauptstadt siehe Budapest.
Budapester Schuhdesign

Mit Budapester wird ein klassisches Herrenschuhmodell bezeichnet.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist nicht überliefert, woher die Bezeichnung Budapester stammt und wer sie zum ersten Mal verwendet hat. Bekannt ist nur, dass dieses Schuhmodell typische osteuropäische Merkmale aufweist (z. B. Lochungsmuster und Leistenform) und seit Ende des 19. Jahrhunderts in Budapest gefertigt wird. Vermutlich ist der Modellname auf den Ursprung des Schuhs in der ungarischen Metropole zurückzuführen. Dort nennt man diesen Schuhtyp Karlsbader.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Budapester zeichnet sich durch die Kombination der folgenden Merkmale aus:

  • auf einem breiten, relativ geraden Leisten gefertigt
  • der Leisten / Schuh zeigt eine hohe („aufgeworfene“) und relativ breit gerundete Spitze (fast in einem Winkel von 90 Grad)
  • zwiegenähte Machart (kann zwiegenäht sein, muss jedoch nicht)
  • doppelte Sohle
  • Derby-Schaftschnitt (offene Schnürung) mit aufgesetzter Hinterkappe
  • Flügelkappe
  • Fullbrogue-Lochverzierung (kann mit Verzierung sein, muss jedoch nicht, wie beim Plain-Derby)

Unter Fachleuten ist das Hauptkennzeichen des Budapesters die unverwechselbare Leistenform (man spricht in diesem Zusammenhang auch vom Budapester Leisten). Weitläufig wird gesagt, dass der Budapester ein mit aufgesetzter Fersenkappe, Flügelkappe und Lyralochung verzierter, zwiegenähter Derby mit offener Schnürung ist.

Verwechslungsgefahr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im allgemeinen Sprachgebrauch von Laien werden manchmal Fullbrogues im Derby-Schnitt als Budapester bezeichnet. Dennoch ist der Budapester im Profil anhand seiner hohen Schuhspitze gut vom Fullbrogue zu unterscheiden, die anderen genannten Merkmale gehören ebenso zu diesem Modell.

Hersteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland gibt es einen bekannten Hersteller von Budapestern: die Bietigheimer Firma Heinrich Dinkelacker, die mit eigenen Mitarbeitern in Budapest-Budafok die Schuhe in Handarbeit herstellt. Ebenfalls weithin bekannte Schuhhersteller dieses klassischen Herrenschuhmodells sind die ungarische Firma László Vass sowie die Firma Oliver Grey.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Budapester ist ein reiner Herrenschuh. Aufgrund seiner insgesamt recht klobig wirkenden Form eignet er sich weniger für schlanke Männer, sondern ist ein Schuh, der optisch ideal und gut mit fülligen Männern von größerem Wuchs harmoniert (da auch belastbar). Die Lochverzierungen (Broguings) wie auch die Zwienaht oberhalb der Sohle geben diesem Modell eine sportliche, teils aber auch schlichte Note. Deshalb passt der Budapester eher zu Textilien wie Jeans oder Cord.

Ein Schuhpaar kostet zwischen 400 und 1.200 Euro, doch bei richtiger Pflege hält der Budapester etwa 20 Jahre und länger.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helge Sternke: Alles über Herrenschuhe. 2. Auflage. Nicolai, Berlin 2011, ISBN 978-3-89479-252-7.
  • László Vass, Magda Molnár: Herrenschuhe handgearbeitet. Könemann, Köln / Tandem, Königswinter 2000, ISBN 3-89508-111-6.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Meister der «Budapester». Dokumentarfilm, Deutschland, 2006, 26 Min., Buch und Regie: Mari Cantu, Produktion: Prounen Film, ZDF, arte, Reihe: Gesichter Europas, Erstsendung: 26. Januar 2007 bei arte, Inhaltsangabe von arte.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Meister der «Budapester». In: arte, 2006.