Budde (Adelsgeschlecht)

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Wappen derer von Budde (Pommern und Oesel)

Budde, auch Budden, ist der Name eines erloschenen pommerschen Adelsgeschlechts, dass sich auch nach Dänemark und von dort nach Oesel ausbreiten konnte.

Die Familie ist nicht mit dem gleichnamigen rügischen ebenfalls erloschenen Adelsgeschlecht Budde und weiterhin auch nicht mit dem osnabrückisch-tecklenburgischen, ebenfalls gleichnamigen und erloschenen Adelsgeschlecht Budde, welches sich nach Kurland ausbreiten konnte, zu verwechseln. Auch zu einer 1904 nobilitierten Familie Budde besteht keine Verwandtschaft.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft

Während Klempin und Kratz das Geschlecht unmittelbar an die rügischen und diese wiederum an die westfälischen anschließen lassen,[1] geht die Forschung heute auf Grund der mannigfachen Wappendiversität von mehreren nichtverwandten Geschlechtern aus.

Pommern

Die Budde erscheinen zuerst in Vorpommern mit den verwandten Drewes Budde, sowie Hans und Matthias Budde welche 1517 von Herzog Bogislaw X. eine Anwartschaft auf 2 Hufen am Dorf Neetzow erhalten und 1518 auch damit belehnt werden. Mit Joachim von Budde († 1617) konnte das Geschlecht die einflussreiche Stelle des Hofmarschall des Herzogtums Pommern-Wolgast besetzten. Die Familie konnte später auch in Hinterpommern sesshaft werden, wo sie sich mit einflussreichen Familien wie den Podewils oder den Blanckenburg ehelich verbunden hat. Christoph von Budde war zu Beginn des 17. Jahrhunderts pommerscher Hofmeister, Hof- und Landrat sowie Domherr zu Kamin und Kolberg. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts sind die Budde in Pommern erloschen.

Christian Friedrich August von Meding sieht in seinen "Nachrichten von adeligen Wappen, Band I, S. 86 (1786)" die Familie auch in Mecklenburg ausgebreitet.[2]

Oesel, Dänemark und Norwegen

Im Jahre 1570 erscheinen die Enkel des obigen Drewes und der Margaretha Winterfeldt, Godslev († 1622) und Matthias von Budde († 1591) am dänischen Hof. Die von Godslev gestiftete Linie verbreitete sich mit seinem Sohn nach Oesel, erlosch jedoch bereits mit seinen Enkeln in der Mitte des 17. Jahrhunderts. Helle Budde († 1684), vermählt mit dem Generalmajor Reinhold von Hove († 1686) war die letzte Angehörige.

Die Linie welche auf den dänischen Statthalter auf Oesel Matthias von Budde zurückgeht, konnte sich nachhaltig nach Oesel ausbreiten, jedoch ist die Bindung nach Dänemark stets stark geblieben. Mehrere Glieder kehrten dorthin aber auch nach Norwegen, welches mit Dänemark in Personalunion verbunden war, zurück.[3] Mit Töllist hatten die Budde auf Oesel ihr Stammgut, das jedoch bereits am 8. April 1685 verkauft wurde. 1740 erfolgte die Immatrikulation bei der Oeselschen Ritterschaft (Nr. 13) für die Familie. Wenig später müssen die Budde auch auf Oesel ihren Ausgang gefunden haben. Die norwegische Linie erlosch in Dänemark wohl mit Anna Sophia Budde 1796 in Hjørring. In Norwegen bediente sich eine Familie Budøe des Namens und Wappens der Buddes.[4]

Historischer Besitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stammwappen zeigt in Blau ein aus schräglinkem blau-goldenen Schach wachsendes silbernes Einhorn. Auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken das Einhorn wachsend.

Das Wappen steht in naher Verwandtschaft zur Wappengruppe Hirsch über Schach, wobei es dem der von Lockstaedt am ähnlichsten ist. Die von Lockstaedt führen keine Helmkrone und verwenden eine abweichende Tingierung.

Angehörige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joachim von Budde († 1617), Hofmarschall des Herzogs von Pommern-Wolgast
  • Matthias Budde († 1591), dänischer Sekretär der deutschen Kanzlei, Hofjunker, Lehnsnehmer, Gesandter in Polen und England, schließlich Statthalter auf Oesel

Weitere Familien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen derer von Budde (Westfalen)
Westfalen und Kurland

Die ältesten Budde entfalteten sich nach Kneschke vom 12. bis zum 16. Jahrhundert im Raum Osnabrück-Tecklenburg-Minden, wo sie in Buddenburg, Buddemühlen, Drantum, Hange, Herslage und Tecklenburg auftraten.

Zuerst genannt wurde Hermann Budde von Tranthem, urkundlich 1189–1226.[6] Mit Dietrich Budde konnte die Familie 1585 einen Domherren in Minden stellen. Hugo Budde war von 1551 bis 1567 Domdechant in Paderborn.

Ein Zweig konnte sich nach Kurland ausbreiten und blühte dort bis ins 17. Jahrhundert. Im Bestand des "Kurländisch-Livländischen Archivs" sind 33 Personenkarten bzw. -eintragungen ab dem 16. Jahrhundert zur Familie bekannt. Wolter von Plettenberg belehnte Jürgen Budde im Jahre 1532 mit Alt Odern. 1542 trat dieser unter dem Namen Jürgen von Soest, 1562 als Jürgen von Soest genannt Budde und späterhin nur als von Budde auf. Sein Enkel Johann Budde, Erbherr auf Odern, hat 1631 um die Aufnahme in die kurländische Ritterbank ersucht, wurde jedoch ebenso wie 1634 wegen fehlender Adelsnachweise abgewiesen. Am 30. Juni 1648 schließlich wurde ihm von der herzoglichen Kanzlei der Titel "Edel" doch noch zugeschrieben und er konnte in die Matrikel der kurländischen Ritterschaft (Nr. 125, später Nr. 183) eingetragen werden.[6][7]

Das Stammwappen zeigt in Gold einen schwarzen Wolkenbalken. Auf dem Helm der Schild mit fünf schwarzen Hahnenfedern. In Kurland sind zwei Varianten des Wappens bekannt: a) Den Schild von Gold und Schwarz dreimal mit Wolken geteilt, auf dem Helm ein querliegendes goldenes Stirnbrett mit sieben abgestumpften goldenen Federn besteckt, darin ein schwarzer Wolkenbalken; b) im Schild zwei Wolkenschnitte, auf dem Helm ein ebenso gezeichneter Hut ohne Spitze, oben besteckt mit einem T, das oben vier Pfauenfedern trägt.[6]

In Westfalen werden mindestens noch zwei weitere Adelsfamilien Budde existiert haben, soweit lässt sich zumindest aus zwei zum vorhergehenden grundverschiedenen Wappen schließen.[8]

Rügen und Mecklenburg

Die rügischen Budde erscheinen im Umfeld der rügischen Fürsten. In der Gründungsurkunde der Stadt Damgur vom Jahr 1258 erscheint Johannes Budde. In den Jahren 1295 bis 1302 wurde Domini Ernesti Budde mehrfach urkundlich erwähnt. Bereits 1295 erschien er auch unter werlischen Ritterschaft.[2] 1349 verkauft ein Johannes Budde deinen Hof Glevitz der Stadt Greifswald. Schließlich 1449 cediert Henning Sleffe dem Stralsunder Bürger Henning Budde einige Hufen an Papenhagen und Müggenwalde.

Weiterhin hatten die rügischen Budde die Güter Buddenhagen, Gnemersdorp, Hoykenhagen und Splietsdorf in ihrem Besitz. Das Wappen zeigte im Schild eine Eule.[5]

Späterhin sind keine Nachrichten von dieser Familie überliefert, gemeinhin geht die Forschung davon aus, dass diese noch im 15. Jahrhundert ihren Ausgang gefunden hat.

1316 siegelt ein Eckard Budde mit einem Fuß eines Raubvogels im Schild. Ein Henning Budde auf Lexow wurde 1342, ein Dietrich von Budde auf Walow wurde 1357 urkundlich. Beide siegeln wohl mit einer Wolfsangel im Schild und werden einem früh abgegangenen mecklenburgischen Geschlecht Budde zugerechnet, jedoch nicht ohne einen familiären Zusammenhang mit den rügischen Budde auszuschließen.[2]

Budde (1904)

Stammvater dieser Familie ist Dr. phil. Wilhelm Budde (Dortmund 1813; † 1885), königlich preußischer Oberlehrer am Kadettenhaus in Bensberg. Er gehörte keiner der vorgenannten Familien an. Sein Sohn Hermann Friedrich Hans von Budde (* 15. November 1851 in Bensberg; † 28. April 1906 in Berlin), preußischer Generalmajor, Staatsminister und Minister der öffentlichen Arbeiten, wurde am 1. Mai 1904 für seine Verdienste in den erblichen Adelsstand erhoben sowie am 1. April 1905 zum Ritter des Schwarzen Adlerordens geschlagen. Aus zweiter Ehen wurden ihm zwei Söhne, Horst von Budde (* 7. Februar 1891 in Düsseldorf) und Hans Hermann von Budde (* 5. Mai 1897 in Berlin-Charlottenburg) sowie die Tochter Edith von Budde (* 29. Dezember 1892 in Cosel) geboren. Der jüngere Sohn war Leutnant a.D. und diente zuletzt vor 1918 im Kürassier-Regiment „von Seydlitz“ (Magdeburgisches) Nr. 7.[9] Die Familie wurde von 1908 bis 1929 im Gotha ausgebreitet, über das Fortbestehen liegen keine Informationen vor.

Das Wappen von 1904 ist gespalten, rechts in Silber auf grünem Berg ein natürlicher Lindenbaum, über den eine rot-bewehrten silberne Taube mit grünem Ölzweig im Schnabel fliegt, links in Rot aufwärts-geschrägt ein gold-begrifftes blankes Schwert und eine silberne Schreibfeder. Auf dem Helm mit schwarz-silber-roten Decken ein rechts schwarz-, links rot-geflügeltes silbernes Rad.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Matrikeln und Verzeichnisse der pommerschen Ritterschaft vom 14.–19. Jahrhundert. Bath, Berlin 1863, S. 17
  2. a b c George Adalbert von Mülverstedt: J. Siebmachers großes Wappenbuch. Neue Siebmacher. 6. Band, 10. Abteilung: Ausgestorbener mecklenburgischer Adel. Nürnberg 1902, S. 19, Tfl. 9
  3. Danmarks Adels Aarbog (1890 mit korr. 1891, 1893, 1897, 1901, 1906, 1915, 1929, 1944)
  4. Personalhistorisk Tidsskrift (Dä/No) 1884.
  5. a b Leopold Freiherr von Ledebur: Adelslexikon der preußischen Monarchie, Berlin 1855, Band 1, S. 115
  6. a b c Maximilian Gritzner: J. Siebmachers großes Wappenbuch. Neue Siebmacher. 3. Band, 11. Abteilung: Der Adel der russischen Ostseeprovinzen. Nürnberg 1898, S. 266, Tfl. 82 (Oesel); S. 505, Tfl. 210 (Kurland)
  7. Astaf von Transehe-Roseneck: Analecta zur Genealogie der Familien Budde. In: Jahrbuch für Genealogie, Heraldik und Sphragistik 1899, S. 187–188
  8. Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels. Görlitz 1901-1903, Buch 2, Tafel 57
  9. Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum, Band 10, Hamburg 1942, Hanseatische Verlagsanstalt, S. 106–108, Nr. 3106
  10. Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band II, Band 58 der Gesamtreihe, S. 155, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1974, ISSN 0435-2408