Buddy – Forum neue Lernkultur

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Der buddY E.V. – Forum Neue Lernkultur (buddy = engl. für Kumpel) war ein deutscher Träger von Bildungsprogrammen. Er hat sich umbenannt und heißt jetzt EDUCATION Y Bildung. Gemeinsam. Gestalten.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Verbund der zentralen Bildungsinstitutionen Kita, Schule, Familie und Hochschule entwickelte die Organisation in den Handlungsfeldern Schule, Familie, Kita und Hochschule vier Programme - buddY, familY, mY Kita und studY. Der gemeinnützige Verein[1] buddY E.V. mit Sitz in Düsseldorf wurde im Jahr 2005 gegründet. Das Ziel des Vereins ist es, die Kompetenzen und Potenziale von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Deshalb setzt er sich für eine veränderte Lernkultur ein, die den Bedarf der Heranwachsenden in den Mittelpunkt stellt. In der Geschäftsstelle arbeiten rund 30 Mitarbeiter.[2] Seit 2013 gibt es eine Zweigstelle in München. Unter den 24 Mitgliedern des Vereins befinden sich drei Institutionen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Projekt wurde 1999 nach einer Idee des Straßenkinderhilfe-Vereins "Off Road Kids" von der Vodafone Stiftung Deutschland (damals Mannesmann Mobil) ins Leben gerufen. Das präventive Programm sollte gefährdete Kinder und Jugendliche vor dem Abrutschen auf die Straße bewahren. Durch jährliche Aktionen wie den Buddy-Schülerwettbewerb 2005/2006 sowie durch die Verbreitung der Materialien erlangte das Buddy-Projekt größere Bekanntheit und erreichte immer mehr Schulen. Im Jahr 2000 wurde das bisherige Präventionsprojekt für Straßenkinder und -Jugendliche inhaltlich neu ausgerichtet. Erst 2005 wurde das Buddy-Projekt in einen eigenständigen Verein buddY E.V. überführt. Dieser entwickelte das gleichnamige buddY-Projekt zum Programm weiter. Es zielte auf den Erwerb sozialer Handlungskompetenzen und wurde zunächst an Schulen in den Klassen 3 bis 10 umgesetzt. Gemäß dem Motto „Aufeinander achten. Füreinander da sein. Miteinander lernen“ stärkt es Schüler und soll dazu führen, dass sie Verantwortung für sich und andere übernehmen und Konflikte konstruktiv lösen. In diesem Ziele-Kontext handelt es sich um ein weitgefächertes Bausteine-Programm primärer Gewaltprävention an Schulen. Inzwischen nehmen daran alle Schulformen teil; es werden Schüler von der ersten bis zur 13. Klasse erreicht.

Für jede Schule erarbeiten speziell ausgebildete buddY-Trainer und -Lehrer schulspezifische Praxisprojekte. Darin übernehmen Schüler etwa Patenschaften für jüngere Mitschüler, helfen anderen beim Lernen, setzen sich als Streitschlichter ein. Anhand der Erfahrungen, die sie in diesen Projekten machen, entwickeln sie Werte und Kompetenzen fürs Leben. Im Hinblick auf Problemfelder wie z.B. Gewalt, Sucht oder Ausgrenzung wirkt das buddY-Programm primärpräventiv, denn es stärkt die vorhandenen Ressourcen und vermittelt fehlende soziale Handlungskompetenzen der Schüler. Somit kann es als eigenständiges Präventionsprogramm in der Schule eingesetzt werden. Durch sein offenes und bedarfsbezogenes Konzept eignet es sich aber auch zur Ergänzung und Vernetzung bereits bestehender Projekte und Angebote (z.B. Streitschlichtung/Konfliktlotsen oder Anti-Mobbing-Fibel). Bei den Schülern stärkt es soziale Kompetenzen wie Perspektivenwechsel, Reflexionsfähigkeit, Kooperations- und Konfliktfähigkeit sowie Kommunikationskompetenz. Das Programm wird vielseitig eingesetzt, beispielsweise um einen Beitrag zur Sucht- und Gewaltprävention zu leisten, kooperatives Lernen zu fördern, die Schülermitverwaltung zu stärken oder auf Schulverweigerer einzuwirken.

Der Verein trug zunächst den Zusatz "Verein zur Förderung Sozialen Lernens". Später, im Zuge der Entwicklung des "familY-Programms", wurde der Vereinszusatz in "Forum Neue Lernkultur" geändert. Seit 2010 entstanden weiter Programme: mY kita und studY-Programm. Seit Oktober 2016 firmiert der Verein unter dem Namen EDUCATION Y (Y=Why) mit dem Claim "Bildung. Gemeinsam. Gestalten."

Programme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein arbeitet z.Z. mit vier Programmen, die jeweils in den zentralen Bildungsinstitutionen wirken:

  • Das in der Schule eingesetzte buddY-Programm fördert die sozialen Kompetenzen von Schülern. Sie übernehmen als BuddYs in Vorhaben sowie im Unterricht Verantwortung für sich und andere und werden dadurch in ihrer Persönlichkeit gestärkt[3][4].[5]
  • Das familY-Programm arbeitet mit den Eltern als prägende Bildungspartner ihrer Kinder.[6] Das Programm ist bildungszentriert und richtet seinen Fokus nicht auf Erziehungsfragen.
  • Das mY kita-Programm wirkt auf eine gelingende Zusammenarbeit zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften im Sinne einer gemeinsamen und wohlwollenden Unterstützung für das Kind.
  • Das studY-Programm hat das Ziel, die Ausbildung von Lehrern qualitativ weiterzuentwickeln. Im Fokus steht dabei die Vertiefung des Praxisbezugs. Lehramtsstudenten sollen Einsicht in Schulen nehmen können, die sich durch besonders gute Arbeit auszeichnen. Die Auswahl "herausragender Schulen" erfolgt angelehnt an die Kriterien des Deutschen Schulpreises.

Sozialpädagogischer Ansatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die buddY-Programme sind systemisch fundiert. Besondere Betonung wird gelegt auf zwei Aspekte:

  • Peergroup Education

Gleichaltrige sind näher am Geschehen als Eltern und andere Erwachsene. Freunde oder Freundinnen genießen Vertrauen. Den großen Einfluss, den Gleichaltrige auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen haben, macht sich die Peergroup-Education zu Nutze. Sie bezieht die Problemlösungskompetenzen der „Peers“ ein, Freunde in einer Szene von Personen ähnlichen Alters - die wichtigste Säule des Buddy-Projekts. Im Zentrum steht das „Empowerment“, das heißt die Befähigung der Jugendlichen, als Experten für ihre eigenen Belange zu handeln. In den Buddy-Praxisprojekten lernen Jugendliche von Gleichaltrigen oder Schülern, die wenig älter sind als sie: Fünftklässler schauen sich beispielsweise von Paten aus der 9. Klasse Tipps und Tricks ab, um sich in der neuen Schule zurechtzufinden. Streithähne lernen von Pausen-Buddys, ihre Konflikte auf dem Pausenhof friedlich auszutragen. Manchmal erklärt ein Gleichaltriger die Mathematikaufgabe besser als ein Lehrer. In diesem Lernprozess erwerben beide Seiten wichtige Kompetenzen. Peergroup-Education bewirkt auch, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, u.z. in vielen Lebenslagen.

  • Lebensweltorientierung

Betroffene werden zu Handelnden. Buddy-Programme knüpfen an den realen Problemen und somit an der Lebenswelt der Schüler an. Die Schüler erwerben ihre Kompetenzen an Fragen, die sie sich im Schulalltag ohnehin stellen: Wie kann ich meinem Freund helfen, der immer von den anderen geärgert wird? Wie können wir das Rauchen auf dem Schulhof verhindern – ohne „uncool“ zu sein? Die Lösung solcher Probleme gibt ihnen das Gefühl, ihre Kompetenz als Helfer einzusetzen und als Person wirksam zu sein. Schüler und Lehrer entscheiden auch gemeinsam, was für sie relevant ist und was sie im Rahmen eines Praxisprojekts bearbeiten wollen. Der Verein möchte eine neue Lernkultur in den zentralen Bildungsinstitutionen Kindertagesstätte, Familie, Schule und Universität erreichen. Der Bedarf der Kinder und Jugendlichen steht im Mittelpunkt.[7] Hierbei geht es um einen erweiterten Bildungsbegriff, der umfasst, dass ein Mensch in der Lage ist, eigenständig Entscheidungen über sein Leben zu treffen, dass er seine Potenziale erkennt und entfaltet und am sozialen wie politischen Leben teilnehmen kann gemäß dem Capability Approach.

Verbreitung des Buddy-Ansatzes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der buddy E.V. wurde über Trainings in Kooperation mit einigen Kultusministerien in bestimmten Bundesländern eingeführt. Den Anfang machte Niedersachsen 2005 (93 weiterführende Schulen), das das Buddy-Projekt damals im Rahmen des Gewaltpräventionserlasses eingeführt hat. In Berlin lief das Projekt/Programm seit 2006 nach dem Rütli-Schule-Skandal an etwa 400 Grundschulen als Bestandteil der Maßnahmen zur Sucht- und Gewaltprävention des Berliner Bildungssenats. In Hessen nehmen Schüler von 151 weiterführenden Schulen am Buddy-Landesprogramm teil. In Nordrhein-Westfalen erfolgte über ein Modellprojekt in Düsseldorf sowie ein Pilotprogramm für Hauptschulen in Ostwestfalen-Lippe der Einstieg. Thüringen hat 2007 ein Landesprogramm für 110 Schulen aufgelegt. Ein aktives Netzwerk gibt es im Donnersbergkreis (Rheinland-Pfalz), wo sich 14 Schulen engagieren. An Buddy-Programmen nahmen bundesweit mehr als 800 Schulen mit 400.000 Schülern teil.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vorstand[8] besteht aus fünf Mitgliedern:

  • Rita Süssmuth – Präsidentin
  • Roman R. Rüdiger – Geschäftsführender Vorstand
  • Wolfgang Assmann
  • Bärbel Bergerhoff-Wodopia
  • Michael Hein
  • Anke Kliewe
  • Michael Okrob
  • Leonard Sommer

Dem Vorstand ist ein Kuratorium zugeordnet, Mitglieder sind[9]

Ausgelobte Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein zeichnet zusammen mit der Vodafone Stiftung Deutschland alle zwei Monate gelungene buddY-Praxisprojekte aus.[10]

Zeitschrift[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einmal im Jahr erscheint der "Geschäftsbericht"[11], der sich an Kooperationspartner, Förderer, Kommunalpolitiker, Lehrer, Präventionsagenten, Politik und Verwaltung wendet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Satzung des Vereins https://education-y.de/wp-content/uploads/2016/11/2014_04_24_satzung_buddy_ev.pdf
  2. Mitarbeiter: https://education-y.de/ueber-uns/das-team/
  3. buddY-Programm an der Montessori-Hauptschule Düsseldorf, http://www.wir-buddys.de/
  4. Freie Universität Berlin, Evaluation des buddY-Landesprogramms Niedersachsen https://education-y.de/wp-content/uploads/2016/08/evaluation_buddy_niedersachsen.pdf
  5. DIPFF, Evaluation des buddY-Landesprogramms Hessen https://education-y.de/wp-content/uploads/2016/10/Evaluation_FU_DIPF_buddY_Hessen.pdf
  6. Wissenschaftliche Expertise: Familie schafft Chancen https://education-y.de/wp-content/uploads/2016/11/expertise_familie_schafft_chancen.pdf
  7. „Soziales Lernen ist immer und überall“, Schulmagazin-5-10 http://www.oldenbourg-klick.de/zeitschriften/schulmagazin-5-10/archiv-downloads/view/artikel/download/artikelnummer/smz20131051/
  8. Vorstand: https://education-y.de/ueber-uns/vorstand/
  9. Kuratorium: https://education-y.de/ueber-uns/kuratorium/
  10. "BuddYs schlichten Streit", Nassauische Neue Presse und nnp-online.de, 26. September 2013: http://www.nnp.de/lokales/limburg-lahn/Buddys-schlichten-Streit;art680,641147
  11. Geschäftsbericht/Wirkungsberichtwww.education-y.de/publikationen