Buddy – Forum neue Lernkultur

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Der buddY e.V. – Forum Neue Lernkultur (buddy = engl. für Kumpel) ist ein deutscher Träger von Bildungsprogrammen.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Verbund der zentralen Bildungsinstitutionen Kita, Schule, Familie und Hochschule entwickelte der Träger drei Programme - buddY, familY und studY. Der gemeinnützige Verein[1] mit Sitz in Düsseldorf wurde im Jahr 2005 gegründet. Das Ziel des Vereins ist es, die Kompetenzen und Potenziale von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Deshalb setzt er sich für eine veränderte Lernkultur ein, die den Bedarf der Minderjährigen in den Mittelpunkt stellt. In der Geschäftsstelle arbeiten 28 Mitarbeiter.[2] Seit 2013 gibt es eine Zweigstelle in München. Unter den nur 27 Mitgliedern befinden sich drei Institutionen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Projekt wurde 1999 nach einer Idee des Straßenkinderhilfe-Vereins "Off Road Kids" von der Vodafone-Stiftung ins Leben gerufen. Das präventive Programm sollte gefährdeten Kindern und Jugendlichen helfen. Durch jährliche Aktionen wie den „Buddy-Schülerwettbewerb“ 2005/2006 sowie durch die Verbreitung der Materialien erlangte das Buddy-Projekt größere Bekanntheit und erreichte immer mehr Schulen. Im Jahr 2000 wurde das bisherige Präventionsprojekt für Straßenkinder und -Jugendliche inhaltlich neu ausgerichtet. Erst 2005 wurde das Buddy-Projekt in einen eigenständigen Verein überführt. Er verantwortete Programme zum Erwerb sozialer Handlungskompetenzen, die an Schulen vor allem der Klassen 3 bis 10 umgesetzt wurde und wird. Gemäß dem Motto „Aufeinander achten. Füreinander da sein. Miteinander lernen“ stärkt es Schüler und soll dazu führen, dass sie Verantwortung für sich und andere übernehmen und Konflikte konstruktiv lösen. In diesem Ziele-Kontext handelt es sich um ein weitgefächertes Bausteine-Programm primärer Gewaltprävention an Schulen.

Für jede Schule erarbeiten speziell ausgebildete Buddy-Trainer und -Lehrer schulspezifische Praxisprojekte. Darin übernehmen Schüler etwa Patenschaften für jüngere Mitschüler, helfen anderen beim Lernen, setzen sich als Streitschlichter ein oder engagieren am Ort, wie es aus sicht der Krisenteams sinnvoll und möglich erscheint. Anhand der Erfahrungen, die sie in diesen Projekten machen, entwickeln sie Werte und Kompetenzen fürs Leben. Aufgabe der Programme ist die Stärkung sozialer Kompetenz wie Perspektivenwechsel, Reflexionsfähigkeit, Kooperations- und Konfliktfähigkeit sowie Kommunikationskompetenz. Das Programm wird vielseitig eingesetzt, beispielsweise um einen Beitrag zur Sucht- und Gewaltprävention zu leisten, kooperatives Lernen zu fördern, die Schülermitverwaltung zu stärken oder auf Schulverweigerer einzuwirken. Der Verein trug den Zusatz "Verein zur Förderung Sozialen Lernens". Später, im Zuge der Entwicklung des "familY-Programms" wurde der Vereinszusatz in "Forum Neue Lernkultur" geändert.

Im Hinblick auf Problemfelder wie z.B. Gewalt, Sucht oder Ausgrenzung wirkt das Buddy-Programm primärpräventiv, denn es stärkt die vorhandenen Ressourcen und vermittelt fehlende soziale Handlungskompetenzen der Schüler. Somit kann es als eigenständiges Präventionsprogramm in der Schule eingesetzt werden. Durch sein offenes und bedarfsbezogenes Konzept eignet es sich aber auch zur Ergänzung und Vernetzung bereits bestehender Projekte und Angebote (z.B. Streitschlichtung/Konfliktlotsen oder Anti-Mobbing-Fibel).

Programme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein arbeitet z.Z. mit drei Programmen, die jeweils in den zentralen Bildungsinstitutionen wirken:

  • Das in der Schule eingesetzte buddY-Programm fördert die sozialen Kompetenzen von Schülern. Sie übernehmen als Buddys in Vorhaben sowie im Unterricht Verantwortung für sich und andere und werden dadurch in ihrer Persönlichkeit gestärkt[3][4].[5]
  • Das familY-Programm arbeitet mit den Eltern als prägende Bildungspartner ihrer Kinder.[6] Das Programm ist bildungszentriert und richtet seinen Fokus nicht auf Erziehungsfragen.
  • Das studY-Programm hat das Ziel, die Ausbildung von Lehrern qualitativ weiterzuentwickeln. Im Fokus steht dabei die Vertiefung des Praxisbezugs. Lehramtsstudenten sollen Einsicht in Schulen nehmen können, die sich durch besonders gute Arbeit auszeichnen. Die Auswahl "herausragender Schulen" erfolgt angelehnt an die Kriterien des Deutschen Schulpreises.

Sozialpädagogischer Ansatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Buddy-Programme sind systemisch fundiert. Besondere Betonung wird gelegt auf zwei Aspekte:

  • Peergroup Education

Gleichaltrige sind näher am Geschehen als Eltern und andere Erwachsene. Freunde oder Freundinnen genießen Vertrauen. Den großen Einfluss, den Gleichaltrige auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen haben, macht sich die Peergroup-Education zu Nutze. Sie bezieht die Problemlösungskompetenzen der „Peers“ ein, Freunde in einer Szene von Personen ähnlichen Alters - die wichtigste Säule des Buddy-Projekts. Im Zentrum steht das „Empowerment“, das heißt die Befähigung der Jugendlichen, als Experten für ihre eigenen Belange zu handeln. In den Buddy-Praxisprojekten lernen Jugendliche von Gleichaltrigen oder Schülern, die wenig älter sind als sie: Fünftklässler schauen sich beispielsweise von Paten aus der 9. Klasse Tipps und Tricks ab, um sich in der neuen Schule zurechtzufinden. Streithähne lernen von Pausen-Buddys, ihre Konflikte auf dem Pausenhof friedlich auszutragen. Manchmal erklärt ein Gleichaltriger die Mathematikaufgabe besser als ein Lehrer. In diesem Lernprozess erwerben beide Seiten wichtige Kompetenzen. Peergroup-Education bewirkt auch, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, u.z. in vielen Lebenslagen.

  • Lebensweltorientierung

Betroffene werden zu Handelnden. Buddy-Programme knüpfen an den realen Problemen und somit an der Lebenswelt der Schüler an. Die Schüler erwerben ihre Kompetenzen an Fragen, die sie sich im Schulalltag ohnehin stellen: Wie kann ich meinem Freund helfen, der immer von den anderen geärgert wird? Wie können wir das Rauchen auf dem Schulhof verhindern – ohne „uncool“ zu sein? Die Lösung solcher Probleme gibt ihnen das Gefühl, ihre Kompetenz als Helfer einzusetzen und als Person wirksam zu sein. Schüler und Lehrer entscheiden auch gemeinsam, was für sie relevant ist und was sie im Rahmen eines Praxisprojekts bearbeiten wollen. Der Verein möchte eine neue Lernkultur in den zentralen Bildungsinstitutionen Kindertagesstätte, Familie, Schule und Universität erreichen. Der Bedarf der Kinder und Jugendlichen steht im Mittelpunkt.[7] Hierbei geht es um einen erweiterten Bildungsbegriff, der umfasst, dass ein Mensch in der Lage ist, eigenständig Entscheidungen über sein Leben zu treffen, dass er seine Potenziale erkennt und entfaltet und am sozialen wie politischen Leben teilnehmen kann gemäß dem Capability Approach.

Verbreitung des Buddy-Ansatzes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der "Buddy e.V." wurde über Trainings in Kooperation mit einigen Kultusministerien in bestimmten Bundesländern eingeführt. Den Anfang machte Niedersachsen 2005 (93 weiterführende Schulen), das das Buddy-Projekt damals im Rahmen des Gewaltpräventionserlasses eingeführt hat. In Berlin lief das Projekt/Programm seit 2006 nach dem Rütli-Schule-Skandal an etwa 400 Grundschulen als Bestandteil der Maßnahmen zur Sucht- und Gewaltprävention des Berliner Bildungssenats. In Hessen nehmen Schüler von 151 weiterführenden Schulen am Buddy-Landesprogramm teil. In Nordrhein-Westfalen erfolgte über ein Modellprojekt in Düsseldorf sowie ein Pilotprogramm für Hauptschulen in Ostwestfalen-Lippe der Einstieg. Thüringen hat 2007 ein Landesprogramm für 110 Schulen aufgelegt. Ein aktives Netzwerk gibt es im Donnersbergkreis (Rheinland-Pfalz), wo sich 14 Schulen engagieren. An Buddy-Programmen nahmen bundesweit mehr als 800 Schulen mit 400.000 Schülern teil.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vorstand[8] besteht aus fünf Mitgliedern:

  • Rita Süssmuth – Präsidentin
  • Roman R. Rüdiger – Geschäftsführender Vorstand
  • Wolfgang Assmann
  • Bärbel Bergerhoff-Wodopia
  • Michael Hein
  • Anke Kliewe
  • Michael Okrob
  • Leonard Sommer

Dem Vorstand ist ein Kuratorium zugeordnet, Mitglieder sind[9]

Außerdem gibt es einen Fachbeirat[10], in dem sich auch drei Schülerinnen befinden.

Ausgelobte Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein zeichnet zusammen mit der Vodafone-Stiftung Deutschland alle zwei Monate gelungene Buddy e.V.-Praxisprojekte aus.[11]

Zeitschrift[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zweimal im Jahr erscheint das "buddY-Magazin"[12], das sich an Lehrer, Präventionsagenten, Politik und Verwaltung wendet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Satzung des Vereins http://www.buddy-ev.de/fileadmin/user_upload/allgemein/pdf/buddY_E.V/Satzung_buddY_E.V._2010_05_03.pdf
  2. Mitarbeiter: http://www.buddy-ev.de/buddy-ev/mitarbeiter-geschaeftsstelle/
  3. buddY-Programm an der Montessori-Hauptschule Düsseldorf, http://www.wir-buddys.de/
  4. Freie Universität Berlin, Evaluation des buddY-Landesprogramms Niedersachsen http://www.buddy-ev.de/fileadmin/user_upload/allgemein/pdf/Publikationen/Evaluation_buddY_Niedersachsen.pdf
  5. Freie Universität Berlin, Evaluation des buddY-Landesprogramms Hessen http://www.buddy-ev.de/fileadmin/user_upload/allgemein/pdf/Publikationen/Evaluation_FU_DIPF_buddY_Hessen.pdf
  6. Wissenschaftliche Expertise: Familie schafft Chancen http://www.buddy-ev.de/fileadmin/user_upload/allgemein/pdf/Publikationen/Expertise_Familie_schafft_Chancen.pdf
  7. „Soziales Lernen ist immer und überall“, Schulmagazin-5-10 http://www.oldenbourg-klick.de/zeitschriften/schulmagazin-5-10/archiv-downloads/view/artikel/download/artikelnummer/smz20131051/
  8. Vorstand: http://www.buddy-ev.de/buddy-ev/vorstand/
  9. Kuratorium: http://www.buddy-ev.de/buddy-ev/kuratorium/
  10. Fachbeiräte: http://www.buddy-ev.de/buddy-ev/fachbeiraete/
  11. "BuddYs schlichten Streit", Nassauische Neue Presse und nnp-online.de, 26. September 2013: http://www.nnp.de/lokales/limburg-lahn/Buddys-schlichten-Streit;art680,641147
  12. buddY-Magazin: http://www.buddy-ev.de/download/buddy-programm/