Bump Stock

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Ein Bump Stock an einem halbautomatischen Gewehr (WASR-10); die spezielle Fingerauflage ist hinter dem Abzug zu sehen

Ein Bump Stock (frei übersetzt Stoß-Schaft) oder Schnellfeuerkolben ist eine Vorrichtung für halbautomatische Gewehre, um hohe Schussfolgen wie bei vollautomatischen Waffen bzw. Maschinengewehren zu erzielen.[1] Im Englischen werden Schussfolgen mit Bump Stocks Bump Fire genannt.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu Vollautomaten muss bei halbautomatischen Selbstladegewehren aufgrund eines Unterbrechers im Abzugsystem nach jedem Schuss das Abzugszüngel entlastet und von Neuem mit dem Finger über den Druckpunkt gezogen werden, um den nächsten Schuss abzufeuern. Diese Bewegung beschränkt die mögliche Schussfolge, obwohl der meist von militärischen Schnellfeuerwaffen abgeleitete Selbstlademechanismus technisch eine wesentlich schnellere Schussfolge zulassen würde. Die Modifikation mittels Bump Stock geschieht ohne direkten Eingriff in das Abzugs- und Verschlusssystem der Waffe, diese bleibt für sich betrachtet grundsätzlich ein Halbautomat.

Technisch wird der Hinterschaft eines halbautomatischen Gewehrs ausgetauscht, der aus einer Schulterstütze und einem damit verbundenen Pistolengriff aus Metall oder Kunststoff besteht. Ein Bump Stock besitzt eine schlittenartigen Führung, die eine Längsbewegung des Hinterschafts gegenüber der Abzugsvorrichtung und dem Abzugsbügel bzw. der gesamten Waffe zulässt.

Animation eines Bump Stocks beim Feuern. Durch die Vorwärtsbewegung des Gewehrkörpers wird der Abzug erneut betätigt.

Im Detail wird der Ausgleich des Rückstoßes durch die Haltekraft des Schießenden ausgenutzt, wenn also das Gewehr nach dem Rückstoß vom Körper wieder nach vorne gestoßen wird. Der Abzugfinger liegt dafür am Pistolengriff des Bump Stocks an[2] und betätigt damit unmittelbar erneut den Abzug, in der Regel schneller, als dies durch Fingerkraft möglich wäre. Anders als bei Gasdruckladern wird damit nicht die Energie aus der Munition direkt für einen Feuerstoß genutzt, sondern die Bewegung des Waffenkörpers. Wird das Gewehr zu fest an den Körper gedrückt, endet die Salve nach einem Schuss. Im Gegensatz zu „echten“ vollautomatischen Waffen ist die Schusspräzision geringer, die Schussfrequenz weniger präzise getaktet und der Gebrauch ohne Übung schwieriger.

Üblicherweise erzielen halbautomatische Waffen Schussfrequenzen von 45 bis 60 Schuss pro Minute, mit einem Bump Stock erhöht sich diese Rate auf 400 bis 800 Schuss pro Minute.[3]

Rechtlicher Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Bauteil, das z. B. in den USA verhältnismäßig günstig zu erwerben ist und keiner Verkaufsbeschränkung unterliegt, werden gesetzliche Regelungen zum Kauf von automatischen Gewehren umgangen. Bei dem Attentäter des Amoklauf in Las Vegas im Oktober 2017 wurden zwölf mit Bump Stocks aufgerüstete Gewehre aufgefunden. Nachdem dies bekannt war, waren die Anbauteile in den USA innerhalb kürzester Zeit so stark nachgefragt, dass sie zumindest teilweise ausverkauft waren, weil mit einem gesetzlichen Verbot gerechnet wird.[4]

Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein, die sich seit langem für striktere Waffengesetze einsetzt, stellte erneut einen Gesetzentwurf vor, der ein Verbot von Anbauteilen vorsieht, mit denen leicht und billig legale Waffen zu verbotenen automatischen Waffen aufgerüstet werden können. Der Entwurf war nach dem Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School im Dezember 2012 verfasst worden und wurde damals vom US-Senat mit großer Mehrheit abgelehnt.[5] Für eine Neuregelung der Gesetzgebung sprachen sich nach dem Massaker in Las Vegas 2017 auch Politiker der Republikanischen Partei und Vertreter der NRA aus.[6]

Kritiker des strengeren Gesetzentwurfes von Dianne Feinstein argumentieren, dass dieser bereits jetzt schon obsolet sei: Es gibt Bump-Stock-Selbstbaulösungen in 3D-Drucktechnik oder schlicht aus Holz und mit Gummibändern.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bump Stocks ermöglichten dem Attentäter von Las Vegas automatisches Feuer – Artikel auf theguardian.com (engl.); abgerufen am 4. Oktober 2017
  2. Erklärung und Demonstration eines Bump Stocks auf CBS Evening News (engl.); abgerufen am 4. Oktober 2017
  3. Beschreibung der problematischen Aspekte von Bump Stocks - Artikel auf theguardian.com (engl.); abgerufen am 7. Oktober 2017
  4. The device used by the Las Vegas killer to massacre as many people as possible is now selling out. In: The Independent. 4. Oktober 2017 (independent.co.uk [abgerufen am 5. Oktober 2017]).
  5. Dianne Feinstein introduces Senate gun control bill to ban bump stocks – Artikel im theguardian.co.uk; abgerufen am 6. Oktober 2017
  6. Las Vegas shooting: NRA urges new rules for gun 'bump-stocks , BBC; abgerufen am 5. Oktober 2017
  7. Bump Stock Innovator Inspired by People Who ‘Love Full Auto’ (Hintergründe zur Entwicklung der Bump Stocks), Artikel auf nytimes.com (engl.); abgerufen am 6. Oktober 2017