Bund Heimat und Umwelt in Deutschland

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Bund Heimat und Umwelt in Deutschland
(BHU)
Zweck Natur- und Kulturlandschaften erhalten und lebenswert weiterentwickeln
Vorsitz: Herlind Gundelach
Gründungsdatum: 30. März 1904
Mitgliederzahl: ca. 500.000[1]
Sitz: Bonn
Website: bhu.de

Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland e. V. (BHU) ist eine 1904 gegründete deutsche Kultur- und Naturschutzorganisation.

Der BHU übernimmt eine Vermittlerfunktion zwischen den verschiedenen Fachdisziplinen sowie den Menschen in ihrem Lebensumfeld der jeweiligen Regionen und bildet eine Schnittstelle zwischen natur- sowie denkmalschutzengagierten Bürgerinnen und Bürgern sowie den Kommunen. Der Bund Heimat und Umwelt hat die Erhaltung der Kulturlandschaft und ihrer schützenswerten Elemente zu seinem Aufgabenschwerpunkt erklärt. Er behandelt seine Themen, die in Fachgruppen vertiefend untersucht werden, interdisziplinär und praxisnah.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. März 1904 wurde er vom Musiker und Naturschützer Ernst Rudorff als Bund Heimatschutz in Dresden gegründet, zeitgleich mit dem Dürerbund. Als reichsweiter Verband integrierte er regionale Heimatschutzorganisationen. Er sah seinen Zweck im Schutz der deutsche[n] Heimat in ihrer natürlichen und geschichtlich gewordenen Eigenart. Betätigungsfelder laut Satzung waren 1904:

  • Denkmalpflege
  • Pflege der überlieferten ländlichen und bürgerlichen Bauweise, Erhaltung des vorhandenen Bestandes
  • Schutz des Landschaftsbildes einschließlich der Ruinen
  • Rettung der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt sowie der geologischen Eigentümlichkeiten
  • Volkskunst auf dem Gebiete der beweglichen Gegenstände
  • Sitten, Gebräuche, Feste und Trachten

Seit 1904[2] erschien die Zeitschrift Mitteilungen des Deutschen Bundes Heimatschutz, deren unregelmäßige Beilage Heimatschutz-Chronik ab 1923 in der Zeitschrift Die Denkmalpflege aufging.[3]

1914 wurde der Verband in Deutscher Bund Heimatschutz umbenannt. Bestimmender Geschäftsführer bis 1945 wurde der Architekt Werner Lindner. Zwischen der Völkischen Bewegung und den in der Heimatschutzbewegung tätigen Organisationen gab es etliche Berührungspunkte. Der erste Vorsitzende des Bundes Heimatschutz, der Architekt Paul Schultze-Naumburg, gehörte auch dem Leitungsgremium des Dürerbundes an, zählte zu den Mitarbeitern der Zeitschrift Der Kunstwart und machte schließlich eine nationalsozialistische Karriere. 1937 erfolgte die Umbenennung in Deutscher Heimatbund.

1998 erfolgte die Umbenennung in den heutigen Namen.

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der BHU ist Dachverband für andere Vereine mit gleichen Zielen und hat, abgesehen von einigen Ehrenmitgliedern, keine persönlichen Mitglieder. Mitglieder im Dachverband sind die Landesverbände.[4] Präsidentin ist seit 2000 Herlind Gundelach. Bundesgeschäftsführerin ist seit Dezember 2006 Inge Gotzmann.

Landesverbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband vereinigt über seine Landesverbände rund eine halbe Million Mitglieder. Die Organisation der Landesverbände ist historisch gewachsen und weicht von der heutigen Gebietseinteilung der 16 Bundesländer etwas ab. So gibt es in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen traditionell jeweils zwei Landesverbände. Eine gegenseitige Mitgliedschaft besteht mit der Deutschen Burgenvereinigung.

Fachgruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die BHU-Fachgruppen flankieren die inhaltliche Arbeit des Verbandes. Die Patenschaften über die einzelnen Fachgruppen haben BHU-Mitgliedsverbände übernommen. Die Berufung der jeweiligen Fachgruppenmitglieder erfolgt durch die entsendenden BHU-Mitgliedsverbände und durch das BHU-Präsidium auf Vorschlag der BHU-Bundesgeschäftsstelle. Die Fachgruppen entwickeln und begleiten Projekte, erstellen Problemanalysen und leisten Lobbyarbeit.

Die BHU-Fachgruppen sind im Einzelnen:

  • Baukultur und Denkmalpflege
  • Digitales Engagement (seit 2019)
  • Heimat- und Regionalforschung
  • Immaterielles Kulturerbe (seit 2015)
  • Kulturlandschaft, Natur- und Umweltschutz
  • Medien und Öffentlichkeitsarbeit
  • Sprache – Niederdeutsch, Minderheitensprachen, Mundarten

Die vorübergehend eingerichtete BHU-Fachgruppe "Bürgerschaftliches Engagement" (2010–2015) wurde durch die Mitgliederversammlung 2015 aufgelöst, da sich dieses Querschnittsthema durch alle Bereiche des Verbands zieht.

Netzwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband ist an der Vernetzung mit anderen Institutionen auf nationaler und internationaler Ebene beteiligt. So hat der BHU das Deutsche Forum Kulturlandschaft ins Leben gerufen. Hierbei handelt es sich um ein Informationsnetzwerk aus über 50 bundesweit tätigen Organisationen im Bereich Kulturlandschaft.

Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispielhaft für die Tätigkeiten des BHU seien folgende Projekte genannt:

  • Kulturlandschaftserfassung: Die Erhaltung der Kulturlandschaft sowie die Erhebung und Inventarisierung von Kulturlandschaftselementen ist eine wichtige Voraussetzung für den Schutz derselben. Erst wenn bekannt ist, welche schutzwürdigen Elemente vorhanden sind und auch die Bevölkerung einbezogen wird, kann die Erhaltung des vorhandenen kulturellen Erbes realisiert werden. Deutschlandweit gibt es bereits einige Initiativen zur Erstellung von Kulturlandschaftskatastern und Informationssystemen. Notwendig ist jedoch langfristig eine Abstimmung der unterschiedlichen Erhebungen für eine bessere Vergleichbarkeit und die Etablierung einer zukunftsfähigen Methodik im europäischen Maßstab. Voraussetzung hierfür ist die Einigung auf Qualitätsstandards und technische vernetzbare Systeme.
  • Weißbuch der historischen Gärten und Parks in den neuen Bundesländern; Buchpublikation mit beispielhaften Anlagen; die Übergabe des „ersten Exemplars“ erfolgte an Bundespräsident a. D. Richard von Weizsäcker und Staatsministerin Christina Weiss
  • Staatsformen prägen Baustile; Buchpublikation, die den Zusammenhang von Architektur und politischer Führung deutlich macht; die Übergabe des „ersten Exemplars“ erfolgte an Bundestagspräsident Norbert Lammert.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bund Heimat und Umwelt in Deutschland. In: Bundesstiftung-Baukultur.de. Abgerufen am 26. April 2020.
  2. Mitteilungen des Bundes Heimatschutz in der Zeitschriftendatenbank: 502069-4
  3. Deutscher Bund Heimatschutz (Hrsg.): Heimatschutz. Mitteilungen des Deutschen Bundes Heimatschutz. Deutscher Bund Heimatschutz, Berlin/Bremen 1908–1926, DNB 012622818.
  4. Die Verbandsstruktur des Bund Heimat und Umwelt (BHU) (Memento vom 2. Oktober 2016 im Internet Archive)