ND – Christsein.heute

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Gedenktafel auf Schloss Hirschberg

ND – Christsein.heute (kurz: ND) ist ein christliches Netzwerk, dem Mitglieder jeden Alters angehören. Gesellschaftliche und kirchenpolitische Diskussionsveranstaltungen, Workshops und spirituelle Angebote prägen das Programm des Verbandes.[1] Er geht zurück auf den nach dem Ersten Weltkrieg gegründeten Bund Neudeutschland.

ND – Christsein.heute versteht sich als akademisch geprägter katholischer Verband. Sein Zeichen ist das Chi-Rho. Dem ND gehören 4.000 Mitglieder an, meist ältere Erwachsene, die sich in regionalen Gruppen, zu Werkwochen, Exerzitien und Reisen treffen. ND – Christsein.heute gliedert sich in 20 Regionen und thematische Arbeitskreise. Leiter ist Hermann-Josef Tebroke, stellvertretender Leiter Jürgen Holtkamp und Kanzler Martin Tölle. André Remmert-Klinken ist geistlicher Leiter des Bundes.[2] Die Geschäftsstelle befindet sich in Köln, Finanz- und Rechtsträger ist der gemeinnützige ND-KMF e.V. Die Mitgliederzeitschrift Hirschberg erscheint monatlich.[3][4]

Der ND ist auch die Wurzel der Katholischen Studierenden Jugend – Schülergemeinschaft im Bund Neudeutschland (KSJ, seit 30. Dezember 2011 ein eigenständiger Jugendverband). Ein verwandter Verband mit gleichen Wurzeln ist Heliand – Kreis katholischer Frauen. Im Mai 1997 wurde ND Mitglied bei TransFair. Die KSJ ist Mitglied der Internationalen KSJ.[5]

Geschichte des Bundes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ND – Christsein.heute wurde als Bund Neudeutschland nach dem Ersten Weltkrieg als Verband der katholischen Jugendbewegung gegründet. Bis April 2016 führte er auch den Namen Gemeinschaft Katholischer Männer und Frauen (ND-KMF). Der ND gab sich 1923 auf Schloss Hirschberg im Altmühltal das „Hirschberg-Programm“.[6] Heute führt der ND die Bezeichnung ND Christsein.heute. Der Bund wurde auf Anregung des Kölner Erzbischofs, Kardinal Felix von Hartmann, am 31. Juli 1919 durch Jesuiten als „Verband katholischer Schüler höherer Lehranstalten“ gegründet. Von Hartmann fand „eine intensive Seelsorge für die Schüler höherer Lehranstalten dringend erforderlich, wenn es gelingen soll, die Gebildeten der Kirche zu erhalten“. Im Namen „Neudeutschland“ sollte zum Ausdruck kommen, dass man an einem neuen, besseren, christlichen Deutschland, das sich stark am mittelalterlichen Ordensrittertum orientierte, mitwirken wolle. In den Themen der Bündischen Jugend „Natürlichkeit, Einfachheit, Wahrhaftigkeit, Selbstverantwortung, Gemeinschaft“ wurde ein Weg zu diesem Ziel gesehen. Nach einem halben Jahr hatte der Verband bereits 10.000 Mitglieder. Neben Kardinal Hartmann stand vor allem der Jesuitenpater Ludwig Esch SJ als treibende Kraft und jahrzehntelang zentrale Figur des Bundes hinter diesem Programm.[7]

Der Bund Neudeutschland verabschiedete 1923 – vier Jahre nach seiner Gründung – auf Schloss Hirschberg in Franken ein neues Bundesprogramm, in dem die Ziele des Bundes formuliert wurden. Aus der Gründung seitens der Kirchenleitung wurde ein von Jugendlichen selbstverantworteter Verband, Priester waren jetzt Begleiter und nicht mehr Leiter.[8] Das „Hirschberg-Programm“ fasste das Wollen und Streben in dem Leitsatz zusammen: „Neue Lebensgestaltung in Christus“. Es enthielt eine deutliche Absage an „Fehlentwicklung(en) der Jugendbewegung wie Schwärmerei, Subjektivismus, Radikalismus“.[9] Dieser Realismus stieß bei einem Teil der als „Großneudeutsche“ bezeichneten Studentengruppen auf Widerstand, gleichzeitig kam es zur Auseinandersetzung um die lediglich im Studentenbund vertretenen Mädchengruppen. Für sie war der Heliand-Bund vorgesehen. Daraufhin trat ein wesentlicher Teil der „Großneudeutschen“ mit allen Mädchengruppen und einigen Jüngerengruppen im Sommer 1924 auf dem Bundestag auf Burg Normannstein aus dem Bund Neudeutschland aus und gründete die „Normannsteiner“.[10] Diese Gruppe vertrat im Gegensatz zum Bund Neudeutschland die Position, dass Jugendbewegung Selbstzweck sei und organisatorische Fragen, wie zum Beispiel eine Vereinsgründung, diesem untergeordnet seien. Geistiger Führer der Normannsteiner und Verfasser von deren Mitteilungsschrift Heerfahrt war Alfons Maria Lins, der schon bei der Gründung des Bundes Neudeutschland mitgewirkt hatte.[11][12] Lins war bis dahin auch Autor im Leuchtturm, der Zeitschrift des ND.[13][14]

Die Mitglieder des ND waren danach nur Jungen aus Oberschulen und Gymnasien, während Mädchen nicht zugelassen waren.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 30. Januar 1933 schien zunächst das Reichskonkordat vom 20. Juli 1933 den katholischen Organisationen Schutz zu garantieren, der aber nur von kurzer Dauer war. Denn schon 1933 kam es zu Auseinandersetzungen mit der Hitlerjugend (HJ), die alle Jugendlichen erfassen wollte. Moralischer Druck auf die Eltern über die höheren Lehranstalten, Verbot von Kluft, Fahrtenmessern, Zeltlagern und Fahrten taten ein Übriges, das Interesse an dieser und verwandten Organisationen zu Gunsten der HJ zu verschieben. Die Zahl der Mitglieder nahm so von 21.000 im Jahr 1933 stetig ab. Eine ganze Anzahl von Gruppen operierten am Rande der Legalität bis zur Auflösung durch die Gestapo 1939.

Im ND-Älterenbund (Äbu) waren vor allem Studenten organisiert. Er geriet gleich 1933 in Turbulenzen, weil sein Bundesführer, Regierungs-Assessor Hans Hien, wegen einer Initiative zu selbstbewusster politischer Aktivität im Rahmen des neuen Regimes nach Vernehmungen durch Heinrich Himmler und Reinhard Heydrich in Schutzhaft genommen wurde. Seine Initiative wurde als Versuch der Unterwanderung gesehen und Anklage wegen Hochverrats beantragt. Das Reichsgericht lehnte jedoch die Anklageerhebung ab. Hien wurde unter Auflagen freigelassen, der Äbu überstand diese Krise. Er wurde in den Folgejahren weniger verfolgt als der Jüngerenbund (Jübu), weil seine 2000 Mann für die NS-Studentenschaft weniger interessant waren als die mitgliederstarken und reichen Korporationen.

Von 1932 bis 1934 entwickelten sich die Werkblätter des Äbu unter der Redaktion des Philosophen Max Müller zu einer lebendigen und breit orientierten Zeitschrift. Es wurde aber auch ein antisemitischer Beitrag publiziert: Im Juni 1933, auf dem Donaugautag, erklärte Rudolf Graber (seinerzeit „Geistlicher Leiter“ des Donaugaus und „geistlicher Bundesleiter“ des Äbu) Israel habe seine heilsgeschichtliche Berufung verwirkt. Es sei „nun den Deutschen zuteil“ geworden, „auserwähltes Volk Gottes zu sein, civitas Dei, zur Heilighaltung der Ordnung, der Werte, zum Schutz und Förderung der Braut Christi, zur Befriedung des Erdkreises“. Im „Kampf gegen das Judentum“ liege eine „instinktive Abneigung des ganzen Deutschen Volkes, das [...] nicht verstehen kann, warum das verworfene Volk Israel die Welt beherrschen soll, und nicht das Volk der Mitte“. Grabers damalige Rede wurde im Herbst 1933 in den Werkblättern publiziert.[15] Ab 1936 (unter Josef Gülden) trat das Thema einer volksnahen Liturgie (unter Ablösung der lateinischen Sprache) in den Vordergrund. 1937 wurde die Zeitschrift vom Bund gelöst und dieser gleichzeitig tot gelegt, d. h. die überregionale Organisation wurde eingestellt – bis auf einen Koordinator.

Nach 1945 bildete sich an den westdeutschen Hochschulen auch ein Neudeutscher Hochschulring (ND-HSR), der sich in Abgrenzung zu den traditionellen katholischen Studentenverbindungen um eine zeitgemäße Form des akademischen Gemeinschaftslebens bemühte.

Einrichtungen des Bundes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bund errichtete u. a. in München das Studentenwohnheim „Willi Graf“ unter Beteiligung der Christophorus Gemeinschaft katholischer Studierender und Akademiker. Er unterhält in der Burg Neuerburg in der Eifel sowie in einem Turm der Nürnberger Stadtmauer, dem „ND-Turm“, eine Jugendbegegnungsstätte. Die Marienburg Niederalfingen wurde 2020 abgegeben.[16]

Mitglieder (ND/KSJ, Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ronald Warlowski: Neudeutschland German Catholic Students 1919–1939. Nijhoff, Den Haag 1970.
  • Rolf Eilers (Hrsg.): Löscht den Geist nicht aus. Der Bund Neudeutschland im Dritten Reich. Grünewald-Verlag, Mainz 1985, ISBN 378671195X.
  • Günter de Bruyn: Zwischenbilanz. Eine Jugend in Berlin. S. Fischer, Frankfurt/M. 1992. (de Bruyns Bruder war beim ND)
  • Stefanie Kühne: Lebensgestaltung in Christus, Katholische Jugendbewegung in der Zwischenkriegszeit (1919–1938) aufgezeigt am Beispiel des Bundes Neudeutschland. Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg 1999.
  • Hermann Heim: Alfons Maria Lins. Ein Leben für die Menschen. Katholische Kirchengemeinde St. Martin, Bad Orb 2018.
  • Klaus Große Kracht: Konfessionelle Elitenbildung und kommunikative Netzwerke 1945–1965. In: Michel Grunewald, Uwe Puschner (Hrsg.): Katholisches Intellektuellenmilieu in Deutschland, seine Presse und seine Netzwerke (1871–1963). Peter Lang, 2006, ISBN 978-3-03910-857-2, S. 483–505 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Alfons Lins: Aus Neudeutschlands Werden. Gesammelte Aufsätze. Aufsätze aus dem „Leuchtturm“. Fuldaer Actiendruckerei, 1924.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wir über uns - ND Christsein.Heute. Abgerufen am 19. Juli 2021.
  2. nd-netz.de: Leitung
  3. nd-netz.de
  4. Hubertus Büker: Eine Bewegung in ständiger Bewegung. In: Tag des Herrn Nr. 30/28. Juli 2019, Beilage Horizonte, S. III.S.
  5. https://iycs-jeci.org
  6. Geschichte - ND Christsein.Heute. Abgerufen am 19. Juli 2021.
  7. Hubertus Büker: Eine Bewegung in ständiger Bewegung. In: Tag des Herrn Nr. 30/28. Juli 2019, Beilage Horizonte, S. III.S.
  8. Hubertus Büker: Eine Bewegung in ständiger Bewegung. In: Tag des Herrn Nr. 30/28. Juli 2019, Beilage Horizonte, S. III.S.
  9. Die Normannsteiner Kapelle. In: Poppenhausen. Luftkurort an der Wasserkuppe. Poppenhausen 2017, S. 26.
  10. Hermann Heim: Alfons Maria Lins. Ein Leben für die Menschen. Katholische Kirchengemeinde St. Martin, Bad Orb 2018, S. 68.
  11. Hermann Heim: Alfons Maria Lins. Ein Leben für die Menschen. Katholische Kirchengemeinde St. Martin, Bad Orb 2018, S. 38.
  12. Goldenes Priesterjubiläum Weihbischof Johannes Kapp – das Porträt. Osthessen News, 3. April 2004.
  13. Hermann Heim: Alfons Maria Lins. Ein Leben für die Menschen. Katholische Kirchengemeinde St. Martin, Bad Orb 2018, S. 155.
  14. Alfons Lins: Aus Neudeutschlands Werden. Gesammelte Aufsätze. Aufsätze aus dem „Leuchtturm“. Fuldaer Actiendruckerei, 1924.
  15. Olaf Blaschke: Die Kirchen und der Nationalsozialismus, Reclam, Stuttgart 2014, S. 86.
  16. Die Burg Niederalfingen geht ans Land zurück. Abgerufen am 19. Juli 2021.