Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL)
Logo
Rechtsform Eingetragener Verein
Gründung 10. März 1955
Ort Berlin
Vorstand Präsident: Stephan Nießner
Stellv.: Rolf Lange
Weiterer Vorstand:
Roel Annega
Jan-Peer Brenneke
Dr. Georgios Doukas
Werner Hilse
Merlin Koene
Michael Wippler
Susanne Langguth
Geschäftsführer Christoph Minhoff (HGF)
Angelika Mrohs
Marcus Girnau
Peter Loosen (Büro Brüssel)
Mitglieder 77 Verbände, 250 Unternehmen und 148 Einzel- und korporative Mitglieder (2015)[1]
Website http://www.bll.de/

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL) ist der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft mit Sitz in Berlin.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband wurde im Jahr 1955 als Nachfolgeorganisation des Bundes Deutscher Nahrungsmittel-Fabrikanten und -händler (ab Dezember 1936 Bund Deutscher Lebensmittel-Fabrikanten und -Händler für Lebensmittelkunde und Lebensmittelrecht, kurz Nürnberger Bund) gegründet, der von 1901 bis 1945 bestand.[2][3][4] Die Gründungsversammlung fand am 10. März 1955 im Grand-Hotel Fürstenhof in Nürnberg statt.[5]

Vorläuferorganisation: Bund Deutscher Nahrungsmittel-Fabrikanten und -Händler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbandszeitschrift Deutsche Nahrungsmittel-Rundschau vom 8. Januar 1904

Vertreter der deutschen Lebensmittelindustrie und des Lebensmittelhandels gründeten am 19. Mai 1901 im Frankfurter Hof in Frankfurt am Main den Bund Deutscher Nahrungsmittel-Fabrikanten und -Händler e. V. als Dachverband mit dem Ziel, die Interessen der beiden Bereiche der Lebensmittelkette zu stärken. Der Lebensmittelchemiker Dr. Robert Kayser wurde als erster Geschäftsführer bestimmt.[3] Die Geschäftsstelle lag in Nürnberg, weshalb der Verband später die Kurzform Nürnberger Bund erhielt. Ab 1. Mai 1903 gab der Verband die Deutsche Nahrungsmittel-Rundschau als Verbandszeitschrift heraus. Am 7. Dezember 1902 beschloss der Verband auf seiner zweiten Mitgliederversammlung die Herausgabe eines gemeinsamen Regelwerks für die Branche. Als Ergebnis erschien im Herbst 1905 das Deutsche Nahrungsmittelbuch.[6]

1934 erkannte der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft die Wirtschaftsgruppe Lebensmittelindustrie innerhalb der Reichsgruppe Industrie als alleinige Vertretung ihres Wirtschaftszweigs an. Die Fachgruppen und Fachuntergruppen der WG Lebensmittelindustrie traten anstelle der freien Verbände. Der Bund Deutscher Nahrungsmittel-Fabrikanten und -Händler wurde als Zweck- bzw. Fachverband für rechtliche und wissenschaftliche Fragen angesehen und durfte weiter bestehen, verlor aber seine wirtschaftspolitische Funktion. Darauf folgend wurde der Verband mit einer am 2. Dezember 1936 beschlossenen Satzungsänderung in Bund Deutscher Lebensmittel-Fabrikanten und -Händler für Lebensmittelkunde und Lebensmittelrecht e. V. umbenannt.[7] Nach Kriegsende im Jahr 1945 wurde der Verband aufgelöst.[3][8]

Wiedergründung 1955[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. März 1955 wurde der Dachverband unter dem Namen Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. von Vertretern aus Lebensmittelindustrie, -handwerk und -handel wiedergegründet. Aus Traditionsgründen fand die Gründungsversammlung in Nürnberg statt, wo die Geschäftsstelle des Vorgängerverbands bestanden hatte. Zum ersten Präsidenten wurde Dr. Walter Kraak (Dr. August Oetker GmbH) gewählt, der das Amt bis 1979 innehatte.[8]

21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2007 ist der BLL jährlich gemeinsam mit der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie auf der Internationalen Grüne Woche in Berlin vertreten und tritt dort in direkten Kontakt mit Verbrauchern sowie Vertretern von Politik und Nichtregierungsorganisationen. Von 2007–2012 lautete das Thema des Gemeinschaftsstands der beiden Verbände Power fürs Leben – Essen und Bewegen, von 2013–2017 Dialog Lebensmittel.[9][10]

Im August 2010 verlegte der Verband den Sitz seiner Geschäftsstelle vollständig von Bonn nach Berlin, wo seit 2005 ein Hauptstadtbüro bestanden hatte.[8]

Profil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Mitgliedern zählen nach Angaben des Verbandes 77 Interessenverbände, 250 Unternehmen sowie 148 Einzelmitglieder und korporative Mitglieder.[1] Sie kommen aus den Bereichen Landwirtschaft, Lebensmittelhandwerk, Lebensmittelindustrie, Lebensmittelhandel, Zulieferbereiche, Verpackungsindustrie, Chemische Industrie, private Untersuchungslaboratorien, Anwaltskanzleien und Verlage.[11] Die Finanzierung erfolgt durch die Mitglieder aus der Lebensmittelwirtschaft wie Landwirtschaft, Industrie, Gastronomie, es werden jedoch keine Zahlen bekanntgegeben.

In den BLL-Büros in Berlin und Brüssel arbeiten Juristen und Naturwissenschaftler interdisziplinär zusammen. Ihre Aufgabengebiete umfassen die Entwicklung des deutschen, europäischen und internationalen Lebensmittelrechts. Mitglieder des Verbandes arbeiten regelmäßig an der Fortentwicklung des Deutschen Lebensmittelbuches mit, dessen Vorschriften eine entscheidende Grundlage für die operative Tätigkeit vieler Verbandsmitglieder darstellen.[12]

Wahrnehmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Wirtschaftsverband vertritt er Interessen seiner Mitglieder aus der Lebensmittelwirtschaft. Von Seiten der Wirtschaft, aber auch der Wissenschaft, hier besonders von Vertretern der Ernährungs- und Rechtswissenschaften, wird daher seine wirtschaftspolitischen Bedeutung und wissenschaftlichen Seriosität betont.[13]

Einzelpersonen, einzelne NGOs wie Foodwatch sowie Gegner der Grünen Gentechnik äußern sich negativ bis hin zur Skandalisierung über den Verband und werfen ihm Einflussnahme bei Gesetzgebungsverfahren vor. Greenpeace bekam laut Medienberichten im Jahr 2003 ein internes Papier zum Thema Gentechnik zugespielt, das die Beteiligung des BLL an Pro-Gentechnik-Kampagnen zeige.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b BLL: 60 Jahre BLL.
  2. Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland: Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde
  3. a b c BLL: Über 100 Jahre Verbandsgeschichte – vom Nürnberger Bund zum BLL.
  4. BLL: Satzung des BLL (Auflage 2010)
  5. Hans-Jürgen Rabe (2005): 50 Jahre BLL. In: BLL (Hrsg.): In Sachen Lebensmittel: 50 Jahre BLL. Ansprachen und Vorträge anlässlich der Jahrestagung 2005. Online unter: [1]. Abgerufen am 16. Juni 2014.
  6. Bund Deutscher Nahrungsmittel-Fabrikanten und -Händler e. V. (Hrsg.) (1905): Deutsches Nahrungsmittelbuch. Verlag Carl Winter, Heidelberg.
  7. Bund Deutscher Lebensmittel-Fabrikanten und -Händler für Lebensmittelkunde und Lebensmittelrecht e. V. (Hrsg.) (1936): Deutsche Lebensmittelrundschau. Nr. 23, 1936, S. 284.
  8. a b c BLL (Hrsg.): 60 Jahre – 60 Stimmen. Deutscher Fachverlag, 2015 Frankfurt am Main. ISBN 978-3-8005-1610-0, S. 14–15.
  9. Internationale Grüne Woche (5. Januar 2017): Historie der Internationalen Grünen Woche Berlin: Von einer lokalen Warenbörse zur Weltleitmesse.
  10. BLL: Veranstaltungen/Messen. Letzter Zugriff: 26. Mai 2017
  11. vgl. Mitgliederübersicht auf der Verbandswebsite (Abgerufen am 2. April 2014).
  12. vgl. z. B. Peter Mühlbauer: Geheimsache Fruchtkremfüllung. Telepolis, 10. März 2010.
  13. Helmut Erbersdobler (2005): Editorial 05/05: 50 Jahre BLL
  14. Helmut Lorscheid (21. Oktober 2003): Kampagne für Genfood. In: Telepolis.