Bundesärztekammer

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Bundesärztekammer
(Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Ärztekammern)
(BÄK)
Logo der Bundesärztekammer
Zweck: Berufsvertretung aller Ärzte in Deutschland
Vorsitz: Frank Ulrich Montgomery
Gründungsdatum: 18./19. Oktober 1947
Mitgliederzahl: 17 Landesärztekammern
Sitz: Herbert-Lewin-Platz 1, 10623 Berlin
Website: www.baek.de

Die Bundesärztekammer (BÄK), voller Name Bundesärztekammer (Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ärztekammern), ist die Spitzenorganisation der ärztlichen Selbstverwaltung.

Die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ärztekammern ist keine Kammer oder sonstige Körperschaft des öffentlichen Rechts, sondern ein nicht eingetragener Verein ohne eigene Rechtsfähigkeit. Sie vertritt die berufspolitischen Interessen der rund 420.000 Ärzte in Deutschland. Sitz der Bundesärztekammer ist Berlin (im Ortsteil Charlottenburg).

Sie entstand im Jahr 1947 als Arbeitsgemeinschaft der westdeutschen Ärztekammern.[1] Die BÄK vertritt die berufspolitischen Interessen der Ärztinnen und Ärzte in der Bundesrepublik Deutschland.

Als Arbeitsgemeinschaft der 17 deutschen Ärztekammern ist die BÄK ein Zusammenschluss von Körperschaften des öffentlichen Rechts. Dabei ist die BÄK selbst keine Körperschaft, sondern ein nichteingetragener Verein. Sie unterstützt die Landesärztekammern, wobei sie mittelbar auch gesetzliche Aufgaben wahrnimmt. Daneben sind der Bundesärztekammer auch unmittelbare gesetzliche Aufgaben zugewachsen, etwa im Rahmen der Qualitätssicherung, der Transfusions- oder der Transplantationsmedizin.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundesärztekammer ist seit 1955 ein anderer Name für die im Oktober 1947 gegründete Arbeitsgemeinschaft der Westdeutschen Ärztekammern. Von 1948 bis 1949 war Carl Oelemann Präsident der Arbeitsgemeinschaft, ihm folgten Hans Neuffer bis 1959, Ernst Fromm bis 1973, Hans Joachim Sewering bis 1978, Karsten Vilmar bis 1999, Jörg-Dietrich Hoppe (bis 2011), Frank Ulrich Montgomery (seit 2011).

Die Bundesärztekammer ist, ebenso wie die Landesärztekammern, aus dem Zusammenschluss der örtlichen Ärztevereine entstanden. Diese bildeten 1873 den Deutschen Ärztevereinsbund, der seit dem auch den Deutschen Ärztetag abhielt. Die aktuelle Struktur der ärztlichen Selbstverwaltung entstand nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Schon Ende 1945 hatten in allen Landesteilen der drei westlichen Besatzungszonen Ärztekammern ihre Arbeit wieder aufgenommen. Die erste Landesärztekammer als Körperschaft des öffentlichen Rechts wurde 1946 in Bayern gegründet. Den Abschluss dieser Entwicklung in Westdeutschland bildete die Gründung der Ärztekammer Berlin im Jahr 1962.[3]

Auf einer Arbeitstagung am 14. und 15. Juni 1947 in Bad Nauheim beschlossen die westdeutschen Kammerpräsidenten die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft der westdeutschen Ärztekammern. Die Arbeitsgemeinschaft sollte vor allem für einheitliche Rechtsverhältnisse für alle Ärzte in den neu gebildeten Bundesländern sorgen. Sitz der Arbeitsgemeinschaft war zunächst Bad Nauheim, wo auch der Vorstand tagte. Nachdem sich Bonn als Regierungssitz etabliert hatte, zog die Arbeitsgemeinschaft im Jahr 1951 nach Köln.[3]

Der Gründung vorausgegangen war 1946 ein erster lockerer Zusammenschluss[4] der Vorsitzenden der Ärztekammern der amerikanischen, französischen und englischen Besatzungszonen. Auf Initiative von Carl Oelemann, dem späteren ersten Präsidenten, war in diesem Gremium am 2. November 1946, gut ein Jahr vor der Gründung der Arbeitsgemeinschaft[5], der Beschluss gefasst worden, eine eigene Kommission zur Beobachtung des Nürnberger Ärzteprozesses zu entsenden. Dank der Arbeit dieser Kommission konnte 1947 eine Dokumentation aus Sicht der Ärzteschaft publiziert werden, die 1947 als Zwischenbericht verabschiedet worden war und 1949 als Abschlussbericht mit dem Titel Wissenschaft ohne Menschlichkeit. Medizinische und Eugenische Irrwege unter Diktatur, Bürokratie und Krieg erschien, mit Alexander Mitscherlich und Fred Mielke als Herausgebern. Margarete Mitscherlich-Nielsen zitiert in einem Beitrag von 1999 aus den Ärztlichen Mitteilungen von 1950, wo Hans Neuffer in seinem Artikel zum Weltärztebund die Auffassung vertrat, dass mit der Aufnahme der deutschen Ärzteschaft auf der Grundlage dieser Dokumentation ein „endgültiger Schlußstrich unter die Vergangenheit der letzten Jahre“ gezogen werden könne.[6] 1960 erschien Medizin ohne Menschlichkeit erstmals in einer Taschenbuchausgabe, nachdem die Ausgabe von 1949 bis auf einige hundert Exemplare aus dem Verkehr gezogen worden war und gut 10.000 Exemplare anscheinend nicht wie vorgesehen durch die Arbeitsgemeinschaft der Westdeutschen Ärztekammern an ihre Mitglieder verteilt worden waren.[7] Für die Ausgabe von 1960 hatte die Bundesärztekammer zwar auf Anfrage von Mitscherlich ihr Vorwort aus der Ausgabe von 1949 freigegeben, Mitscherlich verzichtete aber darauf, weil er diese Stellungnahme von 1949 „im Hinblick auf eine Aufarbeitung als unzureichend empfand“.[8] In seinem Vorwort zum Nachdruck 1977 resümiert Mitscherlich die Publikationsabsicht rückblickend auf die Situation 30 Jahre zuvor: „Damals stand in Frage, ob es gelingen würde, den Ärzteprozeß auf die Ebene individueller Kriminalakte herabzudrücken. Wir haben das Unsere dazu getan, solchen vereinfachenden Auffassungen entgegenzuwirken.“[9]

Seit 1955 führt sie die Bezeichnung „Bundesärztekammer“, zunächst noch mit dem Zusatz „(Arbeitsgemeinschaft der Westdeutschen Ärztekammern)“, nach 1990, in der Folge der Wiedervereinigung, wurde die Bezeichnung in „Bundesärztekammer (Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Ärztekammern)“ geändert.

Nach dem Jahr 1990 entstanden auch in den fünf neuen Bundesländern Ärztekammern als Körperschaften des öffentlichen Rechts. Insgesamt gibt es in Deutschland heute 17 Landesärztekammern. Seit 1990 ist das Prinzip der ärztlichen Selbstverwaltung in ganz Deutschland etabliert. Nachdem der Bundestag beschlossen hatte, den Regierungssitz von Bonn nach Berlin zu verlegen, stimmte der 103. Deutsche Ärztetag im Jahr 2000 ebenfalls für den Umzug nach Berlin. Seit Juni 2004 sitzt die Bundesärztekammer auf dem ehemaligen KPM-Gelände in Berlin-Tiergarten.[10]

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Gebäude des Gemeinsamen Bundesausschusses (links), der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (Mitte) und der Bundesärztekammer (rechts) am Herbert-Lewin-Platz in Berlin-Charlottenburg.

Verfasstheit und Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Vereinigung der 17 deutschen Ärztekammern (diese hingegen sind gesetzliche errichtete Körperschaften des öffentlichen Rechts) wirkt die Bundesärztekammer am gesundheitspolitischen Meinungsbildungsprozess der Gesellschaft mit. Die Bundesärztekammer unterstützt die Arbeit der Ärztekammern und nimmt dabei mittelbar auch gesetzliche Aufgaben wahr. Unmittelbare gesetzliche Aufgaben der Bundesärztekammer sind unter anderem Qualitätssicherung sowie die Transplantationsgesetzgebung.

Die Kammergesetze der Bundesländer verpflichten die Angehörigen der so genannten verkammerten Berufe zur Mitgliedschaft in ihren regionalen Apotheker-, Zahnärzte- oder Ärztekammern. Der einzelne Arzt gehört somit der Bundesärztekammer lediglich mittelbar über die Pflichtmitgliedschaft in seiner Ärztekammer an. Der einmal jährlich stattfindende Deutsche Ärztetag ist die Hauptversammlung der Bundesärztekammer.[11]

Die Bundesärztekammer ist mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Herausgeber des Deutschen Ärzteblatts. Gemeinsam mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung unterhält die Bundesärztekammer das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ).

Von 1959 bis 1973 amtierte Ernst Fromm als Präsident, anschließend bis 1977 Hans Joachim Sewering. Bis 1999 besetzte Karsten Vilmar den Posten, ihm folgte Jörg-Dietrich Hoppe.[12] Seit dem 2. Juni 2011 ist Frank Ulrich Montgomery Präsident der Bundesärztekammer.

Zu den Aufgaben der BÄK gehören unter anderem:

  • Pflege des Zusammengehörigkeitsgefühls aller in Deutschland tätigen Ärzte und ihre Beratung und Unterrichtung bei für Ärzte wichtigen Vorgängen
  • Herbeiführung einer möglichst einheitlichen Regelung der ärztlichen Berufspflichten und Grundsätze für die ärztliche Tätigkeit
  • Wahrung der beruflichen Belange der Ärzteschaft in Angelegenheiten, die über den Zuständigkeitsbereich eines Landes hinausgehen
  • Kontakte zur Bundesregierung und Bundesrat sowie zu den politischen Parteien
  • Vermittlung der Position der Ärzteschaft zu gesundheitspolitischen und medizinischen Fragen
  • Förderung der ärztlichen Fortbildung und Qualitätssicherung
  • Herstellung von Beziehungen zur medizinischen Wissenschaft und zu ärztlichen Vereinigungen des Auslandes;
  • (Muster-)Berufsordnung: Regelt ethische und berufsrechtliche Pflichten der Ärzte untereinander und gegenüber den Patienten. Darunter fällt z. B. die Schweigepflicht des Arztes (der Arzt hat über das, was ihm in seiner Eigenschaft als Arzt von seinem Patienten anvertraut oder über ihn bekannt geworden ist, zu schweigen);
  • (Muster-)Weiterbildungsordnung: Definiert Inhalt, Dauer und Ziele der Weiterbildung und der Facharztbezeichnungen.[13]

Gremien und Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um ihre Aufgaben wahrzunehmen, hat die Bundesärztekammer eine Reihe von Fachausschüssen und Ständigen Konferenzen gebildet.

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1951 wurde der Verband unter dem damaligen Namen Arbeitsgemeinschaft der Westdeutschen Ärztekammern in den Weltärztebund aufgenommen.

Seit 2011 ist die Bundesärztekammer Mitglied bei der Europäischen Bewegung Deutschland (EBD).

Forschungspreis zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesärztekammer schreibt zusammen mit dem Bundesministerium für Gesundheit, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Bundeszahnärztekammer den Herbert-Lewin-Preis aus. Er zeichnet Forscher aus, die sich mit der Aufarbeitung der Geschichte der Ärztinnen und Ärzte in der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigen. Der Preis ist mit insgesamt 12.500 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre vergeben.[15]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eckhard Nagel: Das Gesundheitswesen in Deutschland. Strukturen, Leistungen, Weiterentwicklung. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-7691-3220-5, S. 325.
  2. Bundesärztekammer (Hrsg.): Tätigkeitsbericht 2015. S. 45.
  3. a b Geschichte der Bundesärztekammer. Abgerufen am 28. August 2017.
  4. Jürgen Peter: Unmittelbare Reaktionen auf den Prozess. In: Angelika Ebbinghaus, Klaus Dörner (Hrsg.): Vernichten und Heilen. Der Nürnberger Ärzteprozess und seine Folgen. Aufbau Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-351-02514-9, S. 452–475.
  5. Geschichte der Bundesärztekammer, baek.de, 25. Oktober 2007
  6. Margarete Mitscherlich-Nielsen: Wissenschaft ohne Menschlichkeit – Medizin und Antisemitismus. In: psychosozial. 22 (1999), Heft IV (Nr. 78), S. 21–30.
  7. Vgl. Vermutungen von H.-M. Lohmann und R. J. Lifton sowie erhellende Informationen in Briefen von Mielke und Mitscherlich („Nur wenige 100 Exemplare kamen in den Buchhandel“, S. 69, Fußnote 141) In: Jürgen Peter: Das umstrittene Schicksal der Dokumentation Wissenschaft ohne Menschlichkeit. (1949) In: Der Nürnberger Ärzteprozess im Spiegel seiner Aufarbeitung anhand der drei Dokumentensammlungen von Alexander Mitscherlich und Fred Mielke. 2. Auflage. Lit-Verlag, Münster 1998, ISBN 3-8258-2112-9, S. 68–71, Fußnote 137.
  8. Jürgen Peter: Das umstrittene Schicksal der Dokumentation „Wissenschaft ohne Menschlichkeit.“ (1949) In: Der Nürnberger Ärzteprozess im Spiegel seiner Aufarbeitung anhand der drei Dokumentensammlungen von Alexander Mitscherlich und Fred Mielke. 3., überarbeitete Auflage. Lit-Verlag, Münster 2013, ISBN 978-3-8258-2112-8, S. 68–71.
  9. Alexander Mitscherlich, Fred Mielke (Hrsg.): Medizin ohne Menschlichkeit. Dokumente des Nürnberger Ärzteprozesses. Neuauflage von Wissenschaft ohne Menschlichkeit. Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main 1960. (1978, ISBN 3-596-22003-3)
  10. Geschichte der Bundesärztekammer. Abgerufen am 28. August 2018.
  11. Schwerpunkte der Deutschen Ärztetage seit 1948, bundesaerztekammer.de
  12. Bundesärztekammer: Gemälde ehemaliger Präsidenten. In: Deutsches Ärzteblatt. abgerufen am 25. Oktober 2011.
  13. Bundesärztekammer: Über uns. Abgerufen am 7. März 2017.
  14. Wissenschaftlicher Beirat auf der Seite der Bundesärztekammer
  15. Forschungspreis zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus. Abgerufen am 28. August 2018.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fabian Kliesch: Das Ethos der Bundesärztekammer. Eine Untersuchung ihrer Verlautbarungen zu Themen des Lebensanfangs und Lebensendes. (Edition Ethik Band 10). Edition Ruprecht, Göttingen 2013, ISBN 978-3-8469-0017-8.
  • Thomas Gerst: Neuaufbau und Konsolidierung: Ärztliche Selbstverwaltung und Interessenvertretung in den drei Westzonen und der Bundesrepublik Deutschland 1945–1995. In: Robert Jütte (Hrsg.): Geschichte der deutschen Ärzteschaft. Köln 1997, S. 195–242.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 52° 30′ 53″ N, 13° 20′ 1″ O