Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

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Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
— BGR —
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Staatliche Ebene Bund
Stellung Bundesoberbehörde
Aufsichtsbehörde Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Gründung 26. November 1958
Hauptsitz Hannover
Behördenleitung Ralph Watzel
Bedienstete 756
Website www.bgr.bund.de
Sitz in Hannover

Die deutsche Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und fungiert als zentrale geowissenschaftliche Beratungseinrichtung der Bundesregierung. Der Hauptsitz der Bundesanstalt befindet sich in Hannover, darüber hinaus gibt es eine Außenstelle (Dienstbereich) in Berlin. Anfang 2016 beschäftigte die Behörde insgesamt 756 Mitarbeiter.

Die BGR ist auch als Forschungsinstitut tätig und bearbeitet neben Themenbereichen der Geologie der kontinentalen, marinen und Energie-Rohstoffe sowie der Bodenkunde auch die Polarforschung und das Geodaten-Management.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) und das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) bilden das Geozentrum Hannover. Alle drei Institutionen haben eine gemeinsame Verwaltung und Infrastruktur und ergänzen sich durch ihre interdisziplinären Fachkompetenzen.

Aufgaben und Themenfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die BGR berät und informiert als geowissenschaftliches Kompetenzzentrum die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft in allen geowissenschaftlichen und rohstoffwirtschaftlichen Fragen und übernimmt auch gesetzlich festgelegte Aufgaben. Ihre Arbeit dient einer ökonomisch und ökologisch vertretbaren Nutzung und Sicherung natürlicher Ressourcen und somit der Daseinsvorsorge. Als Einrichtung der Ressortforschung ist die BGR Bestandteil der wissenschaftlich-technischen Infrastruktur Deutschlands. Mit der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) berät die BGR seit Oktober 2010 die deutsche Wirtschaft in Fragen der Verfügbarkeit und nachhaltigen Nutzung von Rohstoffen sowie zu aktuellen Marktentwicklungen. Die BGR nimmt als nationaler geologischer Dienst von Deutschland zugleich zahlreiche internationale Aufgaben wahr.

Aus dem Gründungserlass vom 26. November 1958 ergeben sich für die BGR folgende grundlegende Aufgaben:

Rohstoffwirtschaftliche und geowissenschaftliche Beratung der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die BGR berät die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft in allen rohstoffwirtschaftlichen und geowissenschaftlichen Fragen. Diese Beratung dient insbesondere der langfristigen Sicherung der Energie- und Rohstoffversorgung des Industriestandortes Deutschland sowie der Geosicherheit und dem nachhaltigen Georessourcenmanagement. Durch die Beteiligung der BGR am Aufbau von nationalen und internationalen Kartenwerken sowie an Standardisierungen für die Bereitstellung von Geofachdaten werden Voraussetzungen für schnelle, einheitliche und länderübergreifende Abfragemöglichkeiten geschaffen.

Internationale geowissenschaftliche und technische Zusammenarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die BGR ist eine der Durchführungsorganisationen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. In den Sektoren Geologie, Rohstoffe und Bergbau, Energie, Grundwasser und Boden sowie Georisiken berät die BGR das BMZ und führt Projekte der Technischen Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern durch. Die BGR beteiligt sich im Auftrag der Bundesressorts und in Abstimmung mit nationalen und internationalen geowissenschaftlichen Institutionen an der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit sowie der europäischen und internationalen Kooperation im Geosektor.

Geowissenschaftliche Forschung und Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die BGR betreibt die zur Beratung der Ressorts notwendige Zweck- und Vorlaufforschung. Sie bilden die Grundlage für die fachgerechte Aufgabenerfüllung der BGR und umfassen methodische und instrumentelle geowissenschaftliche Entwicklungsarbeiten und deren Umsetzung in die Praxis. Hierzu gehört die Beteiligung der BGR an Forschungsvorhaben im Rahmen des Antarktisvertrages zur Polarforschung. Auf dem Gebiet der internationalen Meeresforschung ist sie im Vorfeld industrieller Aktivitäten beteiligt. Die mittelfristige Forschungsplanung der BGR orientiert sich an einer Forschungsleitlinie, die in Forschungs- und Entwicklungsplänen konkretisiert ist.

Mit den vier Fachabteilungen

  • Energierohstoffe, Mineralische Rohstoffe
  • Grundwasser und Boden
  • Unterirdischer Speicher- und Wirtschaftsraum
  • Geowissenschaftliche Informationen, Internationale Zusammenarbeit

nimmt die BGR ihre Aufgaben auf unterschiedlichen Themenfeldern wahr.

Energierohstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Beratung der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft analysiert und bewertet die BGR kontinuierlich die weltweiten Entwicklungen von Reserven, Ressourcen, Exploration und Marktentwicklungen der Energierohstoffe Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran. Die BGR forscht im Vorfeld industrieller Aktivitäten und entwickelt neue Explorationsmethoden und -strategien, insbesondere in marinen Frontiergebieten sowie für nicht-konventionelle Energierohstoffe. Weiterhin erarbeitet sie insbesondere für entwicklungspolitische Maßnahmen Konzepte zur Gewinnung von Energierohstoffen unter Berücksichtigung ökologischer, sozialer und ökonomischer Kriterien.

Mineralische Rohstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Beratung der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft führt die BGR kontinuierlich Analysen und Bewertungen der weltweiten Potenziale und Märkte mineralischer Rohstoffe – Metalle, Industrieminerale sowie Steine und Erden – durch. Die BGR forscht im Vorfeld industrieller Aktivitäten und entwickelt neue Explorationsmethoden und -strategien, insbesondere für Hochtechnologiemetalle, sogenannte „kritische Rohstoffe“ und spezifische Industrieminerale. Sie entwickelt rohstoff- und entwicklungspolitische Instrumente und erarbeitet Konzepte zur Nutzung von mineralischen Rohstoffen unter ökologischen, sozialen und ökonomischen Kriterien.

Grundwasser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die BGR entwickelt fachliche Methoden zur Verbesserung des Grundwassermanagements. Gemeinsam mit Institutionen in Deutschland, Europa und weltweit arbeitet sie an besseren Informationsgrundlagen über die regionalen Grundwasserressourcen. Sie unterstützt damit national und international gesetzgeberische und entwicklungspolitische Maßnahmen zur Sicherung der Ressource Grundwasser und trägt zum integrierten Wasserressourcen-Management bei.

Boden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Grundlage angewandter Forschung entwickelt die BGR Werkzeuge und Standards zur Bereitstellung bodenbezogener Informationen. Mit dem Ziel der nachhaltigen Nutzung und des Schutzes des Bodens unterstützt sie normative und gesetzgeberische Aktivitäten im nationalen und internationalen Rahmen. Dabei kooperiert sie mit den bodenkundlichen Diensten der Bundesländer und Europas.

Endlagerung radioaktiver Abfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Errichtung von Anlagen des Bundes zur Endlagerung radioaktiver Abfälle nutzt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) das Fachwissen der BGR für die Bearbeitung geowissenschaftlicher und geotechnischer Fragenkomplexe und arbeitet mit ihr zusammen. Darüber hinaus führt die BGR im Rahmen der Ressortforschung des BMWi auch eigene grundlagenorientierte Forschung zur Endlagerung durch. Die Aufgaben umfassen insbesondere die geologische Erkundung der Standorte, die gesteinsphysikalische Charakterisierung des Wirtsgesteins, den Nachweis der Stabilität von Endlagerbergwerken und die Analyse von Szenarien für die Langzeitsicherheit.

Nutzung des tieferen Untergrundes; geologische CO2-Speicherung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die BGR berät die Bundesregierung in allen geowissenschaftlichen und geotechnischen Fragen zur Nutzung des tieferen Untergrundes. Das gilt für die geotechnische Sicherheit von untertägigen Bauwerken und Hohlräumen ebenso wie für Fragen einer dauerhaften untertägigen Speicherung von Kohlendioxid (CO2) in geologischen Formationen. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt der BGR ist die Erkundung und Erschließung von tiefen geothermischen Ressourcen (Geothermie).

Internationale geowissenschaftliche Zusammenarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entsprechend einer Vereinbarung zwischen BMWi und BMZ ist die BGR als deutsche Durchführungsorganisation der Technischen Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern (TZ) tätig. Sie führt TZ-Projekte in den Bereichen Bergbau, Rohstoffe, Grundwasser, Boden, Georisiken, Geologie sowie Umwelt- und Ressourcenschutz durch. Sie unterstützt damit die Bundesregierung bei der Erreichung ihrer außenwirtschaftlichen und stabilitätspolitischen Ziele.

Nutzbarmachung des Deutschen Ressourcen-Forschungsgebiets im Pazifik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesregierung erwarb 2006 die Lizenz in einem Seegebiet im Zentralpazifik Forschung zu betreiben um in einem zweiten Schritt dort Tiefseebergbau zu betreiben. In dem Gebiet sind neben Manganknollen auch diverse andere seltene Stoffe nachgewiesen. Mit der Durchführung der zuvor nötigen Forschungsvorhaben wurde die BGR beauftragt.[1] Seit 2006 führt sie jährliche Expeditionen ins Deutsche Ressourcen-Forschungsgebiet im Pazifik durch, an denen verschiedene renommierte deutsche wissenschaftliche Institutionen beteiligt sind. Parallel zur Erkundung der ertragreichsten Lagerstätten entwickelt das BGR Techniken, um die Förderkosten zu senken und die Schäden am Meeresboden möglichst klein zu halten.

Geowissenschaftliche Informationen und Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die BGR beteiligt sich auf nationaler und internationaler Ebene an der Erarbeitung geologischer Grundlagen. In Zusammenarbeit mit den Geologischen Diensten der Bundesländer und Europas stellt sie geologische Fachinformationen, Kartenwerke, Standards und Methoden bereit. Im Rahmen nationaler, europäischer (EuroGeoSurveys) und internationaler Initiativen leistet die BGR Beiträge zum Aufbau der Geodaten-Infrastruktur (Kommission für Geoinformationswirtschaft).

Die BGR erforscht die Festlandsgeologie der Antarktis und trägt damit dazu bei, die Verpflichtungen zum Erhalt des Konsultativstatus Deutschlands im Rahmen des Antarktisvertrages zu erfüllen.

Kernwaffenteststopp; Gefährdungsanalysen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die BGR erfüllt im Auftrag der Bundesregierung die Verpflichtungen Deutschlands zum internationalen Kernwaffenteststoppabkommen (CTBT). Sie betreibt dazu das nationale CTBT-Datenzentrum, in dem die Explosionswellen potenzieller Kernwaffentests auch über größere Entfernungen hinweg registriert werden. Außerdem überwacht die BGR mit dem Seismologischen Zentralobservatorium der Bundesrepublik Deutschland die weltweiten Erdbebenaktivitäten.

Zur Früherkennung und Gefährdungsabschätzung von weiteren geogenen Naturkatastrophen, wie z. B. Vulkanausbrüchen, Hangrutschungen, Tsunamis oder Landabsenkungen, entwickelt die BGR Methoden, die helfen, geologische Schadensrisiken zu reduzieren und damit dem Schutz der menschlichen Lebensgrundlagen dienen. Die BGR beteiligt sich aktiv an der Beratung von Ländern und Regionen im angewandten Naturkatastrophenmanagement.

Eine moderne wissenschaftlich-technische Infrastruktur unterstützt die fachlichen Arbeiten der BGR. Labore, Sammlungen, Geräte und technisches Know-how werden bedarfsgerecht für die Durchführung der Projekte entwickelt und bereitgestellt. Daneben gewährleisten zentrale Fachdienste wie Bibliothek, Öffentlichkeitsarbeit und Informationstechnologie die Dokumentation und zielgruppengerechte Bereitstellung von Daten, Informationen und Publikationen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgänger der BGR war die Preußische Geologische Landesanstalt (1873–1939) und das 1941 gegründete Reichsamt für Bodenforschung in Berlin/ Invalidenstraße. Hannover war Sitz einer Zweigstelle des Reichsamts, das nach dem Krieg in der Sowjetzone zur Staatlichen Geologischen Kommission in Ostberlin wurde; später hieß es Zentrales Geologisches Institut (ZGI).

In Westdeutschland musste man daher die staatlichen Geologischen Dienste neu organisieren. 1948 verständigte man sich auf eine überregionale Behörde in Hannover (Höchster Vereinbarung), die mit dem Königsteiner Staatsabkommen 1949 auch für andere große Forschungseinrichtungen die Kosten und Aufgaben zwischen Bund und Ländern regelte. Die geologischen Landesämter des Vereinigten Wirtschaftsgebietes Westdeutschlands übertrugen der Dienststelle in Hannover überregionale Gemeinschaftsaufgaben, und aus dem Deutschen Geologischen Forschungsinstitut der Landesämter wurde 1950 das Amt für Bodenforschung. Es war als Körperschaft öffentlichen Rechts und gemeinsames Amt der Länder Niedersachsen (Amtsblatt 1. April 1950, S. 225 f) und Nordrhein-Westfalen konstituiert. Das Ausscheiden Nordrhein-Westfalens aus dem Vertrag per 31. März 1957 machte jedoch eine Neuregelung erforderlich.

Durch ein Verwaltungsabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Land Niedersachsen entstand Ende 1958 in Hannover die Bundesanstalt für Bodenforschung (BfB, zugehörig zum Bundes-Wirtschaftsministerium) aus dem Bestand des Amtes für Bodenforschung in Hannover. Letzteres wurde zum 31. März 1959 aufgelöst und als Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung (NLfB) neu errichtet. BGR und NLfB waren durch das Verwaltungsabkommen bis 2005 (Auflösung des NLfB) unter eine gemeinsame Leitung gestellt und organisatorisch eng miteinander verknüpft.

1971 wurde der Bundesanstalt das Seismologische Zentralobservatorium Gräfenberg in Erlangen als Außenstelle zugeordnet. Nach dessen Auflösung im August 2008 gingen seine Arbeitsbereiche an die BGR in Hannover über. 1975 erhielt die Bundesanstalt für Bodenforschung den heutigen Namen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Nach der Wende in der DDR wurde 1990 eine Außenstelle in Berlin gegründet, die als Anstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (AGR) das abgewickelte ZGI Ostberlins übernahm. Seit 2012 ist diese Außenstelle Sitz der 2010 gegründeten und von der BGR betriebenen Deutschen Rohstoffagentur (DERA). [2][3][4][5][6][7]

1972 kam es zu einer Affäre um den von Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller als Präsidenten eingesetzten Eberhard Machens, der nach wenigen Tagen im Amt bei vollen Bezügen beurlaubt wurde, da es infolge seiner verwandtschaftlichen Beziehungen zum Bundeswirtschaftsminister an der Bundesanstalt heftige Proteste gegen seine Ernennung gab.[8][9]. Nach einer Klage von Machens wurde er 1975 Sonderbeauftragter des Bundes bei der OECD für Lagerstättenforschung in Entwicklungsländern.[10]

Unabhängigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte 2016 legte ein Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung Dokumente vor, die vor allem die enge Verflechtung der Bundesanstalt und der in ihren Arbeitsbereich fallenden deutsche Großindustrie aufzeigen. Danach seien Industriemanager Mitglieder sowohl im Stiftungsrat der Martini-Stiftung als auch im Kuratorium der BGR gewesen. Die Interne Revision des Bundeswirtschaftsministeriums habe im Jahre 2012 aber keine Beanstandung ausgesprochen.[11] Daraufhin wurde die interessenfreie Unabhängigkeit von BGR-Expertisen von der Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl (atompolitische Sprecherin der Grünen) in Frage gestellt.[12]

Die BGR und die Hans-Joachim-Martini-Stiftung wiesen diese Vorwürfe zurück.[13] Wenige Tage nach Bekanntwerden des Falles leitete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren bezüglich Einflussnahme auf Gutachten der BGR ein.[14]

Hans-Joachim-Martini-Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Große Unternehmen der Rohstoff-, Energie- und Chemieindustrie gründeten 1982 einen Fonds für Zahlungen an die BGR. Über diesen wurden einzelne Mitarbeiter der staatlichen BGR mit Preisgeldern für ihre Arbeit belohnt. Laut dem Rechercheverbund wurden damit auch ausgewählte Studien, Tagungen, Empfänge und größere Anschaffungen wie etwa Computer der Bundesanstalt finanziert. 1987 wurde der Fonds in die Hans-Joachim-Martini-Stiftung umgewandelt. Namengeber ist ein Begründer der BfB, der Geologe Hans-Joachim Martini, der sich in den 1960er-Jahren als treibende Kraft für die Nutzung des Salzbergwerkes Asse II als Endlager einsetzte.[15] Großstifter waren der Chemiekonzern Bayer, der Braunkohleförderer Rheinbraun (heute RWE), der Erdöl- und Erdgasförderer Wintershall und das Bergbauunternehmen K+S. Seit 2006 hat die Stiftung keine Spenden mehr erhalten.[12]

Klimaskeptizismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die BGR trat als Verbreiter von klimaskeptischen Thesen auf.[16] Ob sie mit Stand 2016 weiterhin Klimaskepsis fördert, ist unbekannt. In der Vergangenheit betrieb die BGR gemeinsam mit dem Bundesverband der deutschen Braunkohleindustrie (DEBRIV) jahrelang Öffentlichkeitsarbeit, deren Ziel es war, den Einfluss des Menschen auf die Globale Erwärmung zu relativieren.[16] Als wichtige Publikation hierzu gilt beispielsweise das vom BGR-Wissenschaftler Ulrich Berner herausgegebene Buch Klimafakten[17][18], das 2004 in 4. Auflage erschien. In diesem u. a. vom Bundeswirtschaftsministerium mitfinanzierten Buch behauptete Berner, der Mensch stoße nur 2,1 % der Treibhausgase aus, ohne dabei allerdings zu erwähnen, dass es sich bei den 2,1 % nur um den menschlichen Anteil am gesamten natürlichen Treibhauseffekt handelt. Diese bewusst gewählte Darstellung, die verschwieg, dass der gesamte natürliche Treibhauseffekt ca. 33°C ausmacht, ließ den menschlichen Einfluss auf das Klima gering erscheinen, obwohl die 2,1 % ziemlich exakt den bis 2002 gemessenen 0,7°C zusätzlicher menschengemachter Erderwärmung entsprechen, vor deren Folgen u. a. der IPCC warnte.[19]

1995 förderte die Hans-Joachim-Martini-Stiftung mit 50.000 D-Mark die vom Geochemiker Ulrich Berner, der seit 1997 die Klimaforschung am BGR koordinierte, Georg Delisle und Hansjörg Streif durchgeführte und in der vom BGR selbst herausgegebenen Zeitschrift für Angewandte Geologie veröffentlichte Studie „Klimaänderungen in geologischer Zeit“[20], die belegen sollte, dass Kohlenstoffdioxid (CO2) nicht die Hauptursache für die sich beschleunigende globale Erwärmung sei, sondern der Einfluss der Sonne (Sonnenwind und Wolkenbildung, Sonnenflecken). Viele Klimaskeptiker verweisen bis heute auf diese Studie.[12][11] 2006 fertigte die BGR eine interne Stellungnahme für das Bundeswirtschaftsministerium an, die zahlreichen Kernaussagen des kurz darauf erscheinenden Vierten Sachstandsberichtes des IPCC widersprach und diesen noch vor seiner Erscheinung diskreditierte.[21] Zudem wurde 2003 eine klimaskeptische Broschüre mit dem Titel Klimadiskussion im Spannungsfeld,[22] die gemeinsam von BGR und der Braunkohleindustrie angefertigt wurde, durch den BGR direkt im Mitgliedermagazin des Deutschen Journalisten-Verbandes platziert.[21]

Präsidenten der BGR (vormals BfB)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manganknollen-Exploration im deutschen Lizenzgebiet, Webseite des BGR, abgerufen am 9. Februar 2016
  2. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und den geologischen Landesämtern in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.) (1974): 100 Jahre Preußische Geologische Landesanstalt. − Geologisches Jahrbuch, Reihe A, Heft 15: 213 Seiten; Hannover (Schweizerbart). [1]
  3. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und den geologischen Landesämtern in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.) (1984): 25 Jahre Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung. − Geologisches Jahrbuch, Reihe A, Heft 73: 418 Seiten; Hannover (Schweizerbart). [2]
  4. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und den geologischen Landesämtern in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.) (1987): Geologische Forschungen in Nordwestdeutschland unter der britischen Militärregierung 1945 bis 1947. − Geologisches Jahrbuch, Reihe A, Heft 102: 44 Seiten; Hannover (Schweizerbart). [3]
  5. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und den geologischen Landesämtern in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.) (1988): 40 Jahre Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben im Niedersächsischen Landesamt für Bodenforschung. − Geologisches Jahrbuch, Reihe A, Heft 109: 312 Seiten; Hannover (Schweizerbart).
  6. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und den Staatlichen Geologischen Diensten in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.) (2003): 125 Jahre Preußische Geologische Landesanstalt und ihre Nachfolger − Geschichte und Gegenwart. − Geologisches Jahrbuch, Reihe G, Heft 10: 261 Seiten; Hannover (Schweizerbart). [4]
  7. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und den Staatlichen Geologischen Diensten in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.) (2004): Die Staatlichen Geologischen Dienste − Strategien, Persönlichkeiten, Geschichte. − Geologisches Jahrbuch, Reihe G, Heft 11: 100 Seiten; Hannover (Schweizerbart). [5]
  8. BGR Präsidenten
  9. Der Spiegel, Nr. 11, 1972
  10. Der Spiegel, Nr. 23, 1975
  11. a b Michael Bauchmüller: Umweltstudien: Gutes Geld für steile Thesen . In: Süddeutsche Zeitung, 29. Juni 2016. Abgerufen am 4. Juli 2016.
  12. a b c Björn Siebke: Gefälligkeitsgutachten zu Gorleben und Fracking? In: www.ndr.de. NDR, 29. Juni 2016, abgerufen am 29. Juni 2016.
  13. Jürgen Döschner: Bundes-Forschungsdienst: Extra-Kasse statt Extra-Klasse? In: tagesschau.de. tagesschau.de, 29. Juni 2016, abgerufen am 29. Juni 2016.
  14. Umweltstudien: Gutes Geld für steile Thesen. In: Norddeutscher Rundfunk, 7. Juli 2016. Abgerufen am 7. Juli 2016.
  15. Drucksache 16/5300 des Niedersächsischen Landtags. Einsetzung eines 21. Parlamentarischen Untersuchungsausschusses – Vorgänge um die Einlagerungen in der Schachtanlage Asse II… Niedersächsischer Landtag – 16. Wahlperiode, 18. Oktober 2012, S. 39–41, abgerufen am 30. Juni 2016 (PDF, 1,5 MB).
  16. a b Stefan Rahmstorf, Hans Joachim Schellnhuber: Der Klimawandel. Diagnose, Prognose, Therapie. Beck, München 2007, S. 85.
  17. Ulrich Berner, Hansjörg Streif (Hrsg.), Klimafakten – der Rückblick, ein Schlüssel für die Zukunft, Schweitzerbart, 2001, 4. Auflage 2004
  18. Klimawandel-Skeptiker. Umweltbundesamt, 12. Juni 2016, abgerufen am 10. Juli 2016 (Die Ausgabe 2001 wird in der Rubrik „Einschlägige Skeptiker-Bücher“ aufgeführt.).
  19. Anna Leuschner, Die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft. Eine wissenschafts- und erkenntnistheoretische Analyse am Beispiel der Klimaforschung, Bielefeld 2012, S. 108f.
  20. Ulrich Berner, Georg Delisle und Hansjörg Streif: Klimaänderungen in geologischer Zeit. In: Bundesanstalt für Geowissenschaften (Hrsg.): Zeitschrift für angewandte Geologie. Band 41, Nr. 2, 1995, S. 69–82.
  21. a b Nadja Podbregar, Karsten Schwanke, Harald Frater: Wetter, Klima, Klimawandel: Wissen für eine Welt im Umbruch. Berlin Heidelberg 2009, S. 31.
  22. George Milojcic: Klimadiskussion im Spannungsfeld. In: Themenservice für Presse, Hörfunk und Fernsehen. Rommerskirchen, Remagen-Rolandseck Februar 2003 (Online [PDF; 843 kB; abgerufen am 30. Juni 2016] In Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Braunkohle (DEBRIV)).