Bundesjugendspiele

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Bundesjugendspiele (2007)
Bundesjugendspiele (2007)
Ehrenurkunde der Bundesjugendspiele 1960
Siegerurkunde der Bundesjugendspiele 1986

Die Bundesjugendspiele sind eine jährlich an deutschen Schulen und Auslandsschulen durchgeführte Sportveranstaltung. Die Teilnahme durch die Schüler ist gemäß einem Beschluss der Kultusministerkonferenz von 1979 verpflichtend.[1][2] Der deutsche Bundespräsident fungiert als Schirmherr.

Von den teilnehmenden Schülern wird erwartet, dass sie in bestimmten Disziplinen (Leichtathletik, Turnen) möglichst gute Leistungen erzielen. Meist wird ein Dreikampf in den Disziplinen Werfen (im höheren Alter Kugelstoßen), Laufen (Sprint) und Weitsprung sowie ein Langstreckenlauf (z.B. 1000 Meter) durchgeführt.

Die erzielten Leistungen werden mit Punkten bewertet. Erreicht der Teilnehmer eine bestimmte Mindestpunktzahl, erhält er als Anerkennung für seine Leistung eine Siegerurkunde, ab einer bestimmten höheren Punktegrenze eine Ehrenurkunde. Die Ehrenurkunden tragen eine (gedruckte) Unterschrift des Bundespräsidenten. Alle anderen Schüler, die weder Sieger- noch Ehrenurkunde erhalten haben, bekommen seit 1991 eine Teilnahmeurkunde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesjugendspiele wurden angeregt vom Sportfunktionär und Sportwissenschaftler Carl Diem, der auch das Sportabzeichen und den olympischen Fackellauf initiierte und die Deutsche Sporthochschule Köln gründete. Während der Zeit des Nationalsozialismus hatte er sich an Propagandaaktionen beteiligt und den Sport für nationalsozialistische Aktionen genutzt. Vorläufer der Bundesjugendspiele waren die im Jahr 1920 erstmals durchgeführten Reichsjugendwettkämpfe.

In der Bundesrepublik wurden sie im Jahr 1951 zunächst vom Bundesministerium des Innern, dann vom Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit für Schüler zwischen 8 und 19 Jahren ausgeschrieben. Seit dem Jahr 2001 gibt es die neuen Bundesjugendspiele, die als Individualwettbewerb in Geräteturnen, Leichtathletik und Schwimmen ausgeschrieben werden.

Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) und die Deutsche Behinderten-Sportjugend (DBSJ) haben in Zusammenarbeit mit dem Ausschuss für die Bundesjugendspiele und der Kommission Sport der KMK zwischen 2007 und 2009 ein Programm[3] für die Teilnahme von Schülern mit Behinderungen entwickelt.[4]

Debatte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 2015 wurde eine Petition auf change.org mit dem Ziel der Abschaffung der Bundesjugendspiele gestartet.[5] Innerhalb weniger Tage konnten mehrere Tausend Unterschriften für die Abschaffung gesammelt werden.[6] Durch Berichte über diese Petition wurde eine Debatte über die Bundesjugendspiele ausgelöst.[7] Im Juli 2015 wurde auf change.org eine weitere Petition gestartet, mit dem Ziel die Bundesjugendspiele zu erhalten. Auch diese Petition fand in kurzer Zeit mehrere Tausend Unterstützer.[8]

Die Befürworter der Bundesjugendspiele argumentieren, dass die basalen Bewegungsarten der Leichtathletik zu dem gehörten, was früher als klassischer Bildungskanon bezeichnet wurde. Bewegung gilt als entscheidend für die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten,[9] der Aspekt des Leistungsvergleichs sei ein dem Sport innewohnender Nebeneffekt. Es sei zudem eine wichtige Erfahrung, dass andere auf manchen Gebieten besser sind, der Umgang mit Misserfolgen sei auch ein wichtiger Lerninhalt. Nicht zuletzt gebe es gerade im Rahmen der Schule durch die Notengebung auch in anderen Fächern eine Vergleichbarkeit der individuellen Leistungen.[10]

Kritiker der Bundesjugendspiele führen an, dass durch eine schriftlich bestätigte schlechte Leistung körperlich schwächere Schüler zum Sport eher demotiviert als ermutigt würden.[11] Auch sei der Wettkampfcharakter der Bundesjugendspiele nicht im Sinne der Initiative, sondern die körperliche Fitness bei gemeinsamer Freude.[12]

Kritisch wird die offiziell verpflichtende Teilnahme gesehen, während es in anderen Bereichen wie beispielsweise dem Lesen oder Singen keine verpflichtenden Wettbewerbe gibt. Mit der Verpflichtung werde somit Zwang und Druck auf körperlich schwächere Schüler ausgeübt.[11] Auch gebe es keine Grundlage für die Unterscheidung zwischen den Geschlechtern schon vor Beginn der Pubertät, da keine wesentlichen Leistungsunterschiede vorlägen.[13] Darüber hinaus werden die individuellen körperlichen Voraussetzungen nicht berücksichtigt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.bundesjugendspiele.de/downloads/KMK/KMK_Beschluss_Fassung_v_12_09_2013.pdf
  2. https://www.kmk.org/aktuelles/artikelansicht/bundesjugendspiele-20122013-unverzichtbarer-bestandteil-des-schullebens.html
  3. Holger Wölk: Bundesjugendspiele für Schülerinnen und Schüler mit Behinderung. Deutscher Behindertensportverband, 16. März 2009, abgerufen am 28. Mai 2010 (PDF; 226 kB).
  4. Hinweise für Schüler/innen mit Behinderungen. bundesjugendspiele.de, 2. Juni 2009, abgerufen am 28. Mai 2010.
  5. Bundesjugendspiele abschaffen! auf change.org, abgerufen am 26. Juni 2015
  6. Bundesjugendspiele abschaffen? auf tagesschau.de, abgerufen am 26. Juni 2015
  7. Ehrenurkunde, wem Ehrenurkunde gebührt auf zeit.de, abgerufen am 26. Juni 2015
  8. Bundesjugendspiele nicht abschaffen! auf change.org, abgerufen am 9. Juli 2015
  9. Debatte um Bundesjugendspiele: Der Wettkampf muss bleiben auf spiegel.de, abgerufen am 9. Juli 2015
  10. Sind Bundesjugendspiele wirklich eine Zumutung? auf faz.net, abgerufen am 27. Juni 2015
  11. a b Hoffnung für unsportliche Kinder: Mutter startet Petition #bundesjugendspieleweg auf spiegel.de, abgerufen am 26. Juni 2015
  12. Gehören die Bundesjugendspiele abgeschafft? auf welt.de, abgerufen am 26. Juni 2015
  13. Mädchen und Jungen sind gleich stark auf tagesspiegel.de. abgerufen am 26. Juni 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bundesjugendspiele – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Bundesjugendspiele – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen