Bundeskriminalamt (Österreich)

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Bundeskriminalamt
Bundesamtsgebäude Josef-Holaubek-Platz, Sitz des Bundeskriminalamts

Das Bundeskriminalamt (.BK) in Österreich ist die Zentralstelle zur landesweiten Kriminalitätsbekämpfung und internationalen polizeilichen Zusammenarbeit. Es ist als Organisationseinheit mit beschränkter Autonomie dem Innenministerium angegliedert und keine unabhängige Behörde.

Der Hauptsitz des .BK ist das Bundesamtsgebäude Josef-Holaubek-Platz in Wien-Alsergrund. Zusätzlich gibt es wechselnde "Außenstellen", an denen einzelne Abteilungen aus Platzmangel oder aus Geheimhaltungsgründen angesiedelt sind. Pläne, alle Dienststellen an einem Standort zu versammeln (etwa am Standort der Sicherheitsakademie in Traiskirchen/Niederösterreich), sind immer wieder gescheitert, entweder weil die bauliche Adaptierung (Datenleitungen etc.) zu teuer gekommen wäre oder weil sich die Organisationsstruktur änderte (z.B. Aufstockung des Schlepperbekämpfungsbüros im Zuge der Flüchtlingsbewegung 2015). Die Zahl der österreichischen BK-Verbindungsbeamten im Ausland und der ausländischen in Österreich ist aufgrund der Globalisierung und der engen internationalen Vernetzung krimineller Vereinigungen im letzten Jahrzehnt stark gestiegen. Aufgabe der Verbindungsbeamten ist es, Polizeiaktionen zwischen zwei oder mehreren Ländern effizient zu koordinieren, Abläufe zu beschleunigen und Sprachbarrieren zu überwinden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Amt war ursprünglich die Organisationseinheit "Gruppe D" des Innenministeriums und wurde im Jahr 2003 nach bundesdeutschem Vorbild durch das Bundeskriminalamtsgesetz umbenannt und mit beschränkter Autonomie versehen (z.B. mit einem eigenständigen Budget).

Internet-Auftritte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bundeskriminalamt führt die Startseite seines Intranets als Nachrichtenportal, das allgemein zugänglich ist und von der Pressestelle betreut wird. Die Bandbreite der Nachrichten reicht von Warnungen vor Internet-Betrugsmaschen bis zu Stellungnahmen des Innenministers zu aktuellen Ereignissen.

Im November 2009 entschloss sich das Bundeskriminalamt, einen Facebook-Auftritt zu installieren, der am 27. November 2009 online ging. Der erste inhaltliche Eintrag datiert vom 19. Dezember 2009. Der Auftritt zielt darauf ab, die Präventionsarbeit bürgernah zu präsentieren. Zu den ersten Beratungsthemen gehörten Christbaumbrand, Schidiebstahl, Wohnungseinbruch zur Winterurlaubszeit sowie Taschendiebstahl. Im Sommer 2013 hatte die Seite an die 30.000 'Likes'.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das .BK untersteht der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit, der Sektion II im Innenministerium, und wird von einem .BK-Direktor geleitet. Seit 2008 ist das General Franz Lang. Derzeit sind rund 700 Bedienstete im Bundeskriminalamt tätig. Das Bundeskriminalamt gliedert sich in sieben Abteilungen, diese in Büros und diese wiederum in Referate.

  • Abteilung 1: Kriminalstrategie und zentrale Administration
  • Abteilung 2: Internationale Polizeikooperation
  • Abteilung 3: Ermittlungen, Organisierte und Allgemeine Kriminalität
  • Abteilung 4: Kriminalanalyse
  • Abteilung 5: Kriminalpolizeiliche Assistenzdienste
  • Abteilung 6: Forensik und Technik
  • Abteilung 7: Wirtschaftskriminalität

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Bildung des Bundeskriminalamtes sollten die kriminalpolizeilichen Strukturen im Innenministerium aufgewertet und professionalisiert werden. Sie ist in Verbindung mit weitergehenden Organisationsänderungen zu sehen, wie der Errichtung von Landeskriminalämtern und der Zusammenlegung von Gendarmerie und Polizei im Jahr 2005. Wie schon früher die Gruppe D fungiert auch das Bundeskriminalamt als österreichisches Landeszentralbüro der Interpol und nationales Büro von Europol, Schengen ("SIRENE-Büro" = Supplementary Information Request at the National Entry) und der Egmont-Gruppe (FIU = Financial Intelligence Unit).

Das .BK ist keine reine Koordinierungsstelle (wie etwa das nationale Interpol-Büro in den USA), sondern ist operativ tätig. Alle formellen Kontakte zwischen österreichischen Sicherheitsbehörden und ausländischen müssen über das .BK laufen und dürfen nicht von nachgeordneten Polizeidienststellen direkt abgewickelt werden. Im .BK sind mehrere Meldestellen eingerichtet (z.B. für Geldwäsche, Internetkriminalität und Kinderpornografie). Das Büro für Zielfahndung sucht gezielt und aktiv im Ausland nach untergetauchten Schwerkriminellen und das Büro für "Cold Case-Management" rollt alte Fälle wieder auf, die bisher nicht aufgeklärt werden konnten, etwa weil in früheren Zeiten keine internationalen DNA-Datenbanken für den Abgleich von Tatortspuren zur Verfügung standen.

Namenskürzel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Abkürzung „.BK“ wurde gewählt, um eine Verwechslung mit dem Bundeskanzleramt zu vermeiden, das mit „BKA“ abgekürzt wird. Der ungewöhnliche Punkt vor der Abkürzung wurde als Erkennungsmerkmal des äußeren Erscheinungsbildes des Innenministeriums hinzugefügt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]