Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

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Dieser Artikel behandelt das deutsche Justizministerium. Für das österreichische Justizministerium siehe Bundesministerium für Justiz.
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Staatliche Ebene Bund
Stellung oberste Bundesbehörde
Gründung 1. Januar 1877 als Reichsjustizamt
Hauptsitz Berlin
Behördenleitung Heiko Maas (SPD), Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz
Bedienstete über 760 (September 2015)[1]
Haushaltsvolumen 745,5 Mio. EUR (2016)[2]
Website www.bmjv.de
Heiko Maas (SPD), Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (kurz: BMJV)[3] ist eine oberste Bundesbehörde der Bundesrepublik Deutschland. Es hat seinen Hauptsitz bzw. ersten Dienstsitz in Berlin und seinen zweiten Dienstsitz in der Bundesstadt Bonn. Hervorgegangen ist es aus dem Reichsministerium der Justiz (bis 1945). Mit der Ernennung des Kabinetts Merkel III wurde das Bundesministerium der Justiz (BMJ) kraft Organisationserlass vom 17. Dezember 2013 um den Bereich Verbraucherschutz erweitert und in Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) umbenannt.

Historische Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Amt des Justizministers oder der Justizministerin gehört neben denen des Innen-, Außen-, Finanz- und Verteidigungsministers (früher Kriegsminister) zu den sogenannten klassischen Ressorts. Diese Bezeichnung rührt daher, dass es in der ersten deutschen Reichsregierung nur diese Geschäftsbereiche gab.

Zuständigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptsitz des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz in der Mohrenstraße in Berlin

Oberster Dienstherr im Ministerium ist der Bundesminister oder die Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. Dem jeweiligen Amtsinhaber stehen zwei beamtete sowie zwei parlamentarische Staatssekretäre zur Seite.

Im föderativen System Deutschlands ist die Verwaltung der Justiz, Rechtspflege und Strafverfolgung in erster Linie Sache der Bundesländer. Zentrale Aufgabe des Bundes auf dem Gebiet der Justiz ist die Sicherung und Fortentwicklung des Rechtsstaats. Diesem Ziel entspricht die gesetzgeberische Tätigkeit. Sie umfasst die Vorbereitung neuer Gesetze und die Vorbereitung und Änderung oder die Aufhebung von Gesetzen in den klassischen Gebieten des Rechts, nämlich dem bürgerlichen Recht, dem Strafrecht, dem Handels- und Gesellschaftsrecht, dem Urheberrecht und dem gewerblichen Rechtsschutz, dem Gerichtsverfassungs- und Verfahrensrecht für die einzelnen Gerichtsbarkeiten (außer Arbeits- und Sozialgerichtsbarkeit) sowie dem Dienst- und Berufsrecht der Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte und Notare. Ferner ist das Ministerium für die mit der Herstellung der Einheit Deutschlands erwachsenen Aufgaben im Bereich der strafrechtlichen, verwaltungsrechtlichen und beruflichen Rehabilitierung und der „offenen Vermögensfragen“ zuständig. Das Ministerium prüft ferner bei allen von anderen Ministerien vorbereiteten Gesetzes- und Verordnungsentwürfen die sogenannte „Rechtsförmlichkeit“, um zu gewährleisten, dass die gesetzlichen Regelungen mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Das Ministerium ist Herausgeber der Veröffentlichungsorgane Bundesgesetzblatt und Bundesanzeiger und bereitet die Wahl der Richter des Bundesverfassungsgerichts und der Richter an den obersten Gerichtshöfen des Bundes vor.

Zum Geschäftsbereich des Ministeriums gehören der Bundesgerichtshof in Karlsruhe mit einem 5. Strafsenat in Leipzig, der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe mit der Dienststelle Leipzig, das Bundesamt für Justiz mit dem Bundeszentralregister in Bonn, das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, der Bundesfinanzhof in München, das Bundespatentgericht in München und das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA) in München mit den Dienststellen in Berlin und Jena.

Der gegenwärtige Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz in der schwarz-roten Bundesregierung ist der SPD-Politiker Heiko Maas. Am 7. November 2014 hat er den neunköpfigen Sachverständigenrat für Verbraucherfragen als Beratungsgremium ins Leben gerufen.

Europäische Union und internationale Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bundesjustizminister ist Teil der Gesetzgebung der Europäischen Union im Rahmen des Ministerrates für Justiz und Inneres.

Während in Deutschland eine strikte Trennung zwischen Gefahrenabwehr (präventiver Gewalt → Innenministerium) und Strafverfolgung (repressiver Gewalt → Justizministerium) stattfindet, bestehen in einigen Staaten keine derartigen Trennungen. In Großbritannien wird die Strafverfolgung und die Gefahrenabwehr unter den Secretary of State for the Home wahrgenommen. In den Vereinigten Staaten heißt der Justizminister Attorney General. Im US-amerikanischen System besteht eine Trennung zwischen Strafverfolgungsaufgaben und der Gefahrenabwehr (durch das neugeschaffene Department of Homeland Security).

Bundesminister seit 1949[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Amtsinhaber seit 1919

Nachdem Fritz Neumayer das Kabinett verlassen hatte, übernahm der damalige Bundesminister für Angelegenheiten des Bundesrates Hans-Joachim von Merkatz auch das Justizministerium und führte kurzzeitig bis zur Bundestagswahl 1957 zwei Ressorts.

Ilse Aigner Horst Seehofer Renate Künast Heiko Maas Sabine Leutheusser-Schnarrenberger Brigitte Zypries Herta Däubler-Gmelin Edzard Schmidt-Jortzig Sabine Leutheusser-Schnarrenberger Klaus Kinkel Klaus Kinkel Hans A. Engelhard Jürgen Schmude Hans-Jochen Vogel Gerhard Jahn Horst Ehmke Gustav Heinemann Richard Jaeger Karl Weber (CDU) Ewald Bucher Wolfgang Stammberger Fritz Schäffer Hans-Joachim von Merkatz Fritz Neumayer Thomas Dehler
Nr. Bild Name Lebensdaten Partei Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit Dauer der Amtszeit
in Tagen
Bundesminister der Justiz
1
Bundesarchiv B 145 Bild-F018867-0026, Bonn, Minister aus Südamerika im Bundestag (Ausschnitt Dehler).jpg
Thomas Dehler 1897–1967 FDP 20. September 1949 20. Oktober 1953 1.491
2
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Fritz Neumayer 1884–1973 FDP 20. Oktober 1953 16. Oktober 1956 1.092
3
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Hans-Joachim von Merkatz 1905–1982 DP 16. Oktober 1956 29. Oktober 1957 378
4
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Fritz Schäffer 1888–1967 CSU 29. Oktober 1957 14. November 1961 1.477
5
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Wolfgang Stammberger 1920–1982 FDP 14. November 1961 19. November 1962 370
6
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Ewald Bucher 1914–1991 FDP 14. Dezember 1962 27. März 1965 834
7
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Karl Weber 1898–1985 CDU 1. April 1965 26. Oktober 1965 208
8
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Richard Jaeger 1913–1998 CSU 26. Oktober 1965 30. November 1966 400
9
Bundesarchiv Bild 146-2007-0037, Gustav Heinemann.jpg
Gustav Heinemann 1899–1976 SPD 1. Dezember 1966 26. März 1969 846
10
Bundesarchiv B 145 Bild-F041575-0018, Horst Ehmke bei Pressekonferenz.jpg
Horst Ehmke * 1927 SPD 26. März 1969 21. Oktober 1969 209
11
Gerhard Jahn.PNG
Gerhard Jahn 1927–1998 SPD 22. Oktober 1969 7. Mai 1974 1.658
12
Bundesarchiv B 145 Bild-F055059-0019, Köln, SPD-Parteitag, Vogel.jpg
Hans-Jochen Vogel * 1926 SPD 16. Mai 1974 22. Januar 1981 2.441
13
Jürgen Schmude-01-2.jpg
Jürgen Schmude * 1936 SPD 22. Januar 1981 1. Oktober 1982 617
14
Bundesarchiv B 145 Bild-F064953-0011, Freiburg, FDP-Bundesparteitag, Engelhard.jpg
Hans A. Engelhard 1934–2008 FDP 4. Oktober 1982 18. Januar 1991 3.028
15
Bundesarchiv B 145 Bild-F063645-0024, Pullach, Besuch Carstens beim BND.jpg
Klaus Kinkel * 1936 FDP (ab 1991) 18. Januar 1991 18. Mai 1992 486
16
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.jpg
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger * 1951 FDP 18. Mai 1992 17. Januar 1996 1.339
17
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Edzard Schmidt-Jortzig * 1941 FDP 17. Januar 1996 26. Oktober 1998 1.013
18
Bundesarchiv B 145 Bild-F079284-0023, Münster, SPD-Parteitag, Deubler-Gmelin.jpg
Herta Däubler-Gmelin * 1943 SPD 27. Oktober 1998 22. Oktober 2002 1.456
19
Brigitte Zypries mrmcd0x8h.jpg
Brigitte Zypries * 1953 SPD 22. Oktober 2002 28. Oktober 2009 2.563
20
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.jpg
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger * 1951 FDP 28. Oktober 2009 17. Dezember 2013 1.511
(insg. 2.850)
Bundesminister für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft
1
Renate Künast 20090915-DSCF1946.jpg
Renate Künast * 1955 Grüne 12. Januar 2001 4. Oktober 2005 1.726
Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
2
Seehofer.JPG
Horst Seehofer * 1949 CSU 22. November 2005 27. Oktober 2008 1.070
3
Ilse Aigner.jpg
Ilse Aigner * 1964 CSU 31. Oktober 2008 30. September 2013 1.795
Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz
21/4
Heiko Maas Berlin 2015-08-29.jpg
Heiko Maas * 1966 SPD 17. Dezember 2013 im Amt 1.013

Parlamentarische Staatssekretäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beamtete Staatssekretäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Medien wird das BMJV häufig kurz als Bundesjustizministerium oder als Verbraucherministerium bezeichnet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aufbau und Organisation des BMJV
  2. Gesetz über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2016 (Haushaltsgesetz 2016). In: bundeshaushalt-info.de. Bundesministerium der Finanzen (BMF), 21. Dezember 2015, S. 16, abgerufen am 14. August 2016 (PDF; 36,1 MB).
  3. Abkürzungsverzeichnis. Abkürzungen für die Verfassungsorgane, die obersten Bundesbehörden und die obersten Gerichtshöfe des Bundes. In: bund.de. Bundesverwaltungsamt (BVA), abgerufen am 14. August 2016 (PDF; 49 kB).
  4. Artikel der Welt vom 4. Januar 2014
  5. Amtsübergabe an neue Staatssekretäre