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Deutschland

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Dieser Artikel behandelt den deutschen Staat, im engeren Sinn die Bundesrepublik Deutschland; zu weiteren Bedeutungen siehe Deutschland (Begriffsklärung).
Bundesrepublik Deutschland
Flagge Deutschlands
Bundeswappen Deutschlands
Flagge Wappen
Amtssprache Deutsch;[1] anerkannte Minderheitensprachen
Hauptstadt Berlin
Regierungssitz de jure: Berlin
de facto: Berlin und Bonn
Staatsform parlamentarische Bundesrepublik
Regierungssystem parlamentarische Demokratie
Staatsoberhaupt Bundespräsident
Joachim Gauck
Regierungschef Bundeskanzlerin
Angela Merkel
Fläche 357.375,62 (61.)[2] km²
Einwohnerzahl 82.175.684 (31. Dezember 2015)[2]
Bevölkerungsdichte 230 (37.)[3] Einwohner pro km²
Bevölkerungs­entwicklung +0,5 % (Dez. 2013–Dez. 2014)[4] pro Jahr
Bruttoinlandsprodukt
  • Total (nominal)
  • Total (KKP)
  • BIP/Einw. (nominal)
  • BIP/Einw. (KKP)
2013[5]
  • 3.636 Mrd. USD (4.)
  • 3.513 Mrd. USD (5.)
  • 44.999 USD (18.)
  • 43.475 USD (15.)
Human Development Index 0,916 (6.) (2014)[6]
Währung Euro (EUR)
Gründung 1. Januar 1871: Deutsches Reich (völkerrechtl. 1. Juli 1867: Norddeutscher Bund)
23. Mai 1949: Bundesrepublik Deutschland (Grundgesetz)[7]

Siehe Abschnitt „Staatsgründung“.

Nationalhymne Das Lied der Deutschen (dritte Strophe)
Nationalfeiertag 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit)
Zeitzone UTC+1, MEZ
UTC+2, MESZ (März bis Oktober)
Kfz-Kennzeichen D
ISO 3166 DE, DEU, 276
Internet-TLD .de
Telefonvorwahl +49
Ägypten Tunesien Libyen Algerien Marokko Mauretanien Senegal Gambia Guinea-Bissau Guinea Sierra Leone Liberia Elfenbeinküste Ghana Togo Benin Nigeria Äquatorialguinea Kamerun Gabun Republik Kongo Angola Demokratische Republik Kongo Namibia Südafrika Swasiland Mosambik Tansania Kenia Somalia Dschibuti Eritrea Sudan Ruanda Uganda Burundi Sambia Malawi Simbabwe Botswana Äthiopien Südsudan Zentralafrikanische Republik Tschad Niger Mali Burkina Faso Jemen Oman Vereinigte Arabische Emirate Saudi-Arabien Irak Iran Kuwait Katar Bahrain Israel Syrien Libanon Jordanien Zypern Türkei Afghanistan Turkmenistan Pakistan Griechenland Italien Malta Frankreich Portugal Spanien Mauritius Réunion Mayotte Komoren Seychellen Madagaskar Sao Tome und Príncipe Sri Lanka Indien Indonesien Bangladesch Volksrepublik China Nepal Bhutan Myanmar Kanada Dänemark (Grönland) Island Mongolei Norwegen Schweden Finnland Irland Vereinigtes Königreich Niederlande Belgien Dänemark Schweiz Österreich Deutschland Slowenien Kroatien Tschechische Republik Slowakei Ungarn Polen Russland Litauen Lettland Estland Weißrussland Moldawien Ukraine Mazedonien Albanien Montenegro Bosnien und Herzegowina Serbien Bulgarien Rumänien Georgien Aserbaidschan Armenien Kasachstan Usbekistan Tadschikistan Kirgisistan Russland Vereinigte Staaten Malediven Japan Nordkorea Südkorea Republik China (Taiwan) Singapur Malaysia Philippinen Thailand Vietnam Laos Kambodscha Indien Venezuela Guyana Suriname Frankreich (Französisch-Guayana) Brasilien Kap Verde Spanien (Kanaren) Dominikanische Republik Puerto Rico Dominkanische Republik Bahamas Jamaika Kuba Mexiko Mexiko Venezuela Guyana Suriname Frankreich (Französisch-Guayana) Brasilien Kap Verde Spanien (Kanaren) Dominikanische Republik Puerto Rico Dominkanische Republik Bahamas Jamaika Kuba Mexiko Mexiko Dänemark (Färöer)Germany in the European Union on the globe (Europe centered).svg
Über dieses Bild
Deutschland politisch 2010.png

Deutschland?/i (Vollform: Bundesrepublik Deutschland) ist ein föderal verfasster Staat in Mitteleuropa, der aus den 16 deutschen Ländern gebildet wird. Die Bundesrepublik ist ein freiheitlich-demokratischer und sozialer Rechtsstaat[8] und stellt die jüngste Ausprägung des deutschen Nationalstaates dar.[9] Bundeshauptstadt sowie bevölkerungsreichste Stadt ist Berlin, größter Ballungsraum die Metropolregion Rhein-Ruhr.

An Deutschland grenzen neun Staaten und naturräumlich im Norden die Gewässer der Nord- und Ostsee, im Süden das Bergland der Alpen. Es liegt in der gemäßigten Klimazone. Eine Vielzahl von National- und Naturparks sind im Land ausgewiesen. Mit rund 82,2 Millionen Einwohnern zählt es zu den dicht besiedelten Flächenstaaten und gilt international als das Einwanderungsland mit der zweithöchsten Zahl von Migranten.[2][10]

Das seit dem 10. Jahrhundert bestehende Heilige Römische Reich bestand aus vielen Herrschaftsgebieten und war der Ursprung des föderalen deutschen Staates. Dieser entstand erstmals mit der Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1871. Nach Weimarer Republik und NS-Diktatur folgte eine Zeit der Veränderung und Teilung des Staatsgebietes. Der Gründung der Bundesrepublik als westdeutschem Teilstaat mit Ausrufung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 folgte die Gründung der sozialistischen DDR-Diktatur am 7. Oktober 1949 als ostdeutschem Teilstaat.[11] Seit der Wiedervereinigung beider Landesteile am 3. Oktober 1990 wird der Tag der Deutschen Einheit als nationaler Feiertag begangen.

Deutschland ist Gründungsmitglied der Europäischen Union sowie deren bevölkerungsreichstes Land und bildet mit 18 anderen EU-Mitgliedstaaten eine Währungsunion, die Eurozone. Es ist Mitglied der UN, der OECD, der NATO, der G7 und der G20. Die Bundesrepublik gilt als einer der politisch einflussreichsten Staaten Europas und ist ein gesuchtes Partnerland auf globaler Ebene.[12]

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt ist Deutschland die größte Volkswirtschaft Europas und die viertgrößte der Welt.[5] Im Jahr 2015 war es die drittgrößte Export- und Import­nation.[13] Die deutsche Wirtschaft wird durch das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft geprägt. Der Index für menschliche Entwicklung zählt Deutschland zu den sehr hoch entwickelten Ländern.[14]

Die Kultur Deutschlands hat vielschichtige und weltbekannte Ausdrucksformen hervorgebracht, etwa in der Kunst und Architektur, der Musik, der Philosophie, der Filmkultur, der Küche, im Design, im Sport, in der Wissenschaft und der Gründerkultur. Das UNESCO-Welterbe in Deutschland sowie die Zahl der Kulturdenkmale und Altstädte ist umfangreich.

Inhaltsverzeichnis

Begriffsgeschichte

Deutsch

Hauptartikel: deutsch (Etymologie)
Im Sachsenspiegel von 1369 steht (auf Mittelniederdeutsch): „Iewelk düdesch lant hevet sinen palenzgreven“ („jegliches deutsche Land hat seinen Pfalzgrafen“)

Die etymologischen Vorformen von deutsch bedeuteten ursprünglich „zum Volk gehörig“, wobei das Adjektiv zunächst die Dialekte des kontinental-westgermanischen Dialektkontinuums bezeichnete.[15] Die Bezeichnung Deutschland wird seit dem 15. Jahrhundert verwendet, ist in einzelnen Schriftstücken aber schon früher bezeugt.[16] Davor sind nur Wortfügungen des Attributs deutsch mit Land belegt, beispielsweise in der unbestimmten Singularform ein deutsches Land oder der bestimmten Pluralform die deutschen Länder, nicht aber in der bestimmten Singularform das deutsche Land. Gemeint waren vielmehr Länder mit einer Führungsschicht, die sich auf den politischen Herrschaftsanspruch bezog, der durch das (Ost-)Fränkische, später Heilige Römische Reich, als begründet angesehen worden war. In einem Buch von 1487 ist u. a. von „in teutschen landen lassen machen“ zu lesen.[17]

Die Begriffe wurden als Synonym vor allem für (vor-)staatliche Gebilde verwendet, die in wesentlichen Bereichen des deutschen Sprach- und/oder Herrschaftsgebiets entstanden waren. Das Heilige Römische Reich (lateinisch Sacrum Imperium Romanum), in der historischen Forschung auch Altes Reich, hatte sich im 10. Jahrhundert aus dem Ostteil des Fränkischen Reiches entwickelt. Das Reich wurde ursprünglich nur als Imperium bezeichnet. Es kamen bis zum Ende des Mittelalters mehrere Namenszusätze hinzu: „Heilig“ (seit Mitte des 12. Jahrhunderts), „Römisch“ (seit Mitte des 13. Jahrhunderts) und (seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert) „Deutscher Nation“ (Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation). Nach der Niederlegung der Reichskrone 1806 dominierten das Kaisertum Österreich, das Königreich Preußen und der Rheinbund das staatliche Geschehen im Vorstellungsraum Deutschlands; nach 1815 folgte als die deutsche Nationalität sichernder Staatenbund der Deutsche Bund unter der Führung Österreichs. Die Konkurrenz mit Preußen um die Vorherrschaft in Deutschland spitzte sich zum deutschen Dualismus zu. Mit dem Deutschen Krieg und der Schlacht bei Königgrätz entschied Preußen ihn 1866 zu seinen Gunsten.

Mit den von Preußen initiierten Staatsformen, die unter dessen Vormachtstellung verfassungsgeschichtlich an die überkommene und den politischen Handlungsträgern vertraute Rechtslage des Deutschen Bundes anknüpften,[18] wurden in zwei Schritten seit 1867 große Teile des deutschen Sprachraums in einem Staat vereinigt. Umfasste der Norddeutsche Bund lediglich die Staaten nördlich der Mainlinie, wurde der Ausdruck Deutschland durch die Reichseinigung und Proklamation des Deutschen Reiches 1871 mit demselben identisch.

Deutschland

Die Reichskrone des Heiligen Römischen Reiches (Sacrum Romanum Imperium). Das Herrschaftsgebiet erhält im späten 15. Jahrhundert den Zusatz Deutscher Nation (Nationis Germanicæ)

Im Verlauf der Novemberrevolution 1918 am Ende des Ersten Weltkriegs wurde die Abdankung der deutschen Bundesfürsten erzwungen. Nach dem Ende der Monarchie wurde diskutiert, mit der Staatsbezeichnung „Deutsche Republik“ oder „Republik Deutschland“ die ausgerufene Staatsform zu unterstreichen, doch auch die sogenannte Weimarer Republik behielt die offizielle Bezeichnung Deutsches Reich bei.

Die nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie entstandene Republik Deutschösterreich strebte 1919 einen Zusammenschluss mit dem Deutschen Reich an, der jedoch wegen des von den Siegermächten verhängten Anschlussverbotes nicht realisiert werden konnte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die Hauptsiegermächte den Begriff Deutschland ausschließlich für das von ihnen besetzte Deutsche Reich (ohne Österreich). 1949 wurde die Bundesrepublik Deutschland durch die USA und Großbritannien sowie die Deutsche Demokratische Republik (DDR) durch Einwirken der UdSSR initiiert. Da eine Fortführung des Staatsnamens Deutsches Reich im Parlamentarischen Rat wegen seines „aggressiven Akzents“ abgelehnt wurde, fand stattdessen „Deutschland“ in der Bezeichnung der damals konstituierten Bundesrepublik erstmals namentliche Verwendung;[19] damit sollten die „emotionale Integrationskraft des Namens und sein staatsrechtlicher Gehalt“ aus Kontinuität und der Identität der Bundesrepublik bezeugt werden.[20] Die DDR nutzte das Wort „Deutschland“ zwar nicht direkt im Staatsnamen, jedoch wurde es ausdrücklich als synonymer Begriff für DDR im Artikel 1 der Verfassung von 1949 gebraucht. Später verwendete die DDR fast nur noch das Attribut deutsch beziehungsweise den Namenszusatz „… der DDR“ für staatliche Hoheitsbezeichnungen. Mit der Deutschen Einheit 1990 wurde die deutsche Frage gelöst.[21]

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich einige Gebiete unabhängig vom deutschen Machtbereich weiter und lösten sich aus dem Heiligen Römischen Reich heraus. Unter anderem waren dies aufgrund des Westfälischen Friedens 1648 die Niederlande, deren Sprachvarietäten sich u. a. durch den Buchdruck vom Deutschen getrennt hatten (vgl. Niederländisch (Name)), die Eidgenossenschaft sowie das Elsass und (Nordost-)Lothringen (französisch Moselle). Nach dem Ende des Deutschen Bundes 1866 traten dann Luxemburg, das Herzogtum Limburg, Liechtenstein und Österreich (zuletzt 1945) heraus. Die Gründung des Deutschen Kaiserreichs erfolgte unter Aneignung Elsass-Lothringens, während die Niederlagen in beiden Weltkriegen Gebietsverluste zur Folge hatten. Nach 1919 musste Deutschland neben dem Elsass und Lothringen kleinere Gebiete an Dänemark, Belgien, die Tschechoslowakei und Litauen sowie vor allem die Provinzen Posen und Westpreußen an die neu gegründete Zweite Polnische Republik abtreten. Die restlichen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie, namentlich Schlesien, Neumark, Hinterpommern und Ostpreußen, kamen ab 1945 unter sowjetische und größtenteils polnische Verwaltung. Sie wurden in deren Staatsgebiete integriert, nachdem damit begonnen worden war, die deutsche Bevölkerung zu vertreiben. 1990 wurde der Anspruch auf die vormaligen deutschen Ostgebiete im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands auch formell mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag aufgegeben.

Trotz der Kontinuität des Begriffes Deutschland vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart sowie völkerrechtlicher[22] Identität und staatsrechtlicher Kontinuität seit dem 19. Jahrhundert bestand de facto bis 1990 keine durchgehende lineare politisch-historische Entwicklung.

Physische Geographie

Hauptartikel: Geographie Deutschlands
Deutschland topo.jpg Europe topography map de.png
Topografische
Karte
Lage Deutschlands
in Europa

Die naturräumlichen Großregionen sind von Nord nach Süd Norddeutsches Tiefland, Mittelgebirgszone und Alpenvorland mit Alpen.

Deutschland hat insgesamt neun Nachbarstaaten: Im Norden grenzt Deutschland an Dänemark (auf einer Länge von 67 Kilometern), im Nordosten an Polen (442 Kilometer), im Osten an Tschechien (811 Kilometer), im Südosten an Österreich (815 Kilometer; ohne Grenze im Bodensee), im Süden an die Schweiz (316 Kilometer; mit Grenze der Exklave Büsingen am Hochrhein, aber ohne Grenze im Bodensee), im Südwesten an Frankreich (448 Kilometer), im Westen an Luxemburg (135 Kilometer) und Belgien (156 Kilometer) und im Nordwesten an die Niederlande (567 Kilometer). Die Grenzlänge beträgt insgesamt 3757 Kilometer (ohne Grenze im Bodensee, siehe Kondominium). Damit ist Deutschland das Land mit den meisten europäischen Nachbarstaaten.

Der nördlichste terrestrische Punkt Deutschlands befindet sich auf der Insel Sylt nördlich von List am Ellenbogen. Als nördlichster Festlandspunkt wird einerseits die Spitze der Halbinsel Holnis in der Flensburger Förde, andererseits die Gemeinde Rodenäs im Kreis Nordfriesland gesehen. Den südlichsten Punkt Deutschlands bildet das Haldenwanger Eck südlich von Oberstdorf. Vom Ellenbogen bis zum Haldenwanger Eck sind es etwa 886 Kilometer Luftlinie. Der westlichste Ort Deutschlands liegt im Isenbruch des Selfkant an der Grenze zu den Niederlanden nahe der Maas, der östlichste zwischen Neißeaue-Deschka und Neißeaue-Zentendorf in einer Flussschleife der Lausitzer Neiße. Von Isenbruch bis zur Flussschleife der Neiße sind es rund 636 Kilometer Luftlinie.

Während der wechselvollen Geschichte veränderte sich auch der Mittelpunkt Deutschlands. Die Gemeinden Görlitz, Selfkant, List und Oberstdorf, die heute die geografischen Extrempunkte Deutschlands markieren, sind darüber hinaus im sogenannten Zipfelbund zusammengeschlossen.

Geologie

Hauptartikel: Geologie Deutschlands
Oberflächengeologie Deutschlands

Deutschland gehört geologisch zu Westeuropa, das heißt zu jenem Teil des Kontinents, der dem präkambrisch konsolidierten „Ur-Europa“ (Osteuropa einschließlich eines Großteils Skandinaviens, vgl. Baltica) erst im Verlauf des Phanerozoikums sukzessive durch Kontinent-Kontinent-Kollisionen (Gebirgsbildungen) angegliedert wurde. Die entsprechenden Krustenprovinzen (Grundgebirgsprovinzen) werden klassisch vereinfachend (Ost-)Avalonia (vgl. kaledonische Gebirgsbildung) und Armorica (vgl. variszische Gebirgsbildung) genannt. Die jüngste Krustenprovinz ist das Alpen-Karpaten-Orogen (vgl. alpidische Gebirgsbildung), an dem Deutschland nur mit dem äußersten Süden Bayerns Anteil hat und das im Gegensatz zu den beiden anderen tektonischen Provinzen ein aktives Orogen darstellt.

Die heutige Oberflächengeologie Deutschlands, das heißt das Muster aus verschieden alten und verschieden aufgebauten Gesteinskomplexen, wie es in Geologischen Karten vielfach abgebildet ist, entstand erst im Verlauf der letzten 30 bis 20 Millionen Jahre im jüngeren Känozoikum und wurde von zwei Ereignissen maßgeblich geprägt: der Alpidischen Gebirgsbildung und dem Quartären Eiszeitalter.

Das Quartäre Eiszeitalter zeichnet für die vergleichsweise eintönige Oberflächengeologie Norddeutschlands und des Alpenvorlandes mit ihren Moräne­nablagerungen und sonstigen Begleiterscheinungen großflächiger Vergletscherungen verantwortlich (vgl. glaziale Serie).

Die Oberflächengeologie der Mitte und des überwiegenden Teils des Südens Deutschlands ist das Ergebnis bedeutender bruchtektonischer Hebungen und Senkungen, die auf die Fernwirkung der Alpidischen Gebirgsbildung zurückgehen. Hierbei wurden teils alte (überwiegend Paläozoikum), variszisch gefaltete Grundgebirgskomplexe (Schiefergebirge und Kristallin) aus dem Untergrund herausgehoben und großflächig freigelegt (u. a. Rheinisches Schiefergebirge, Harz, Erzgebirge), teils sank die Erdkruste ein und bildete Sedimentationsräume, die mehr oder weniger mächtige känozoische Sedimentabfolgen aufnahmen (Oberrheingraben, Niederrheingraben, Hessische Senke, Molassebecken). Eine tektonische Zwischenstellung nehmen die Tafelländer ein, mit ihren ungefalteten mesozoischen Schichtenfolgen, dominiert von Trias und Jura (Thüringer Becken, Süddeutsches Schichtstufenland).

Relief

Die Zugspitze in Bayern ist mit 2962 Metern über Normalhöhennull die höchste Erhebung Deutschlands.

Das geologisch junge Faltengebirge der Alpen ist das einzige Hochgebirge, an dem Deutschland Anteil hat. Die deutschen Alpen, die sich faktisch zur Gänze im Bundesland Bayern befinden, weisen die einzigen Gebirgsgipfel mit mehr als 2000 m ü. NHN auf. Der Gipfel der Zugspitze (2962 m ü. NHN), den sich Deutschland mit Österreich teilt, ist der höchstgelegene Punkt des Landes.

Die deutschen Mittelgebirge erstrecken sich vom Nordrand der Mittelgebirgsschwelle bis zum Alpenrand und zum Oberrhein mit dem Bodensee. Sie nehmen tendenziell von Nord nach Süd an Höhe und Ausdehnung zu. Höchster Mittelgebirgsgipfel ist der Feldberg im Schwarzwald (1493 m ü. NHN), gefolgt vom Großen Arber im Bayerischen Wald (1456 m ü. NHN). Gipfel über 1000 m ü. NHN besitzen außerdem das Erzgebirge, das Fichtelgebirge, die Schwäbische Alb und als Sonderfall der Harz, der sich recht isoliert als nördlichstes unter den höchsten deutschen Mittelgebirgen mit dem Brocken auf 1141 m ü. NHN erhebt. Nördlich der Mittelgebirgsschwelle erreichen nur noch einige Berge innerhalb der eiszeitlichen Endmoränenzüge mehr als 100 m ü. NHN, von denen die Heidehöhe in Schraden (Südlicher Landrücken im brandenburgisch-sächsischen Grenzgebiet) mit 201 m ü. NN der höchste ist.

Die tiefste begehbare Landesstelle Deutschlands liegt bei 3,54 m unter NN in einer Senke bei Neuendorf-Sachsenbande in der Wilstermarsch (Schleswig-Holstein). Eine aktuelle Höhenangabe bezogen auf Normalhöhennull ist noch nicht frei zugänglich. Ebenfalls in diesem Bundesland befindet sich die tiefste Kryptodepression: Sie liegt mit 39,6 m unter NN am Grund des Hemmelsdorfer Sees nordöstlich von Lübeck. Der tiefste künstlich geschaffene Geländepunkt liegt bei 267 m unter NHN am Grund des Tagebaus Hambach östlich von Jülich in Nordrhein-Westfalen.

Klima

Mischwald im Herbst. Deutschland befindet sich in einer gemäßigten Klimazone.
Hauptartikel: Klima in Deutschland

Deutschland gehört vollständig zur gemäßigten Klimazone Mitteleuropas im Bereich der Westwindzone und befindet sich im Übergangsbereich zwischen dem maritimen Klima in Westeuropa und dem kontinentalen Klima in Osteuropa. Das Klima in Deutschland wird unter anderem vom Golfstrom beeinflusst, der das durchschnittliche Temperaturniveau für die Breitenlage ungewöhnlich hoch gestaltet.

Die mittlere Jahresdurchschnittstemperatur, bezogen auf die Normalperiode 1961–1990,[23] beträgt im bundesweiten Gebietsmittel 8,2 °C, die mittleren Monatsdurchschnittstemperaturen liegen zwischen −0,5 °C im Januar und 16,9 °C im Juli. Der mittlere jährliche Niederschlag beträgt 789 Millimeter. Die mittlere monatliche Niederschlagshöhe liegt zwischen 49 Millimeter im Februar und 85 Millimeter im Juni.

Die tiefste jemals in Deutschland gemessene Temperatur betrug −45,9 Grad Celsius; sie wurde am 24. Dezember 2001 am Funtensee registriert. Die bisher höchste Temperatur betrug 40,3 Grad Celsius und wurde am 5. Juli und 7. August 2015 in Kitzingen erreicht.[24]

Gewässer

Von den sechs Strömen mit den größten Einzugsgebieten entwässern Rhein, Elbe, Weser und Ems über die Nordsee und die Oder über die Ostsee in den Atlantik, während die Donau ins Schwarze Meer fließt und somit hydrographisch dem Mittelmeer zuzurechnen ist. Die Einzugsgebiete dieser beiden Systeme werden durch die europäische Hauptwasserscheide voneinander getrennt.

Der in der Schweiz entspringende Rhein dominiert den Südwesten und Westen. Auf 865 Kilometern fließt er durch bzw. an der Grenze zu Deutschland, bevor er über die Niederlande in die Nordsee mündet. Seine wichtigsten deutschen Zuflüsse sind Neckar, Main, Mosel und Ruhr. Der Rhein hat eine große wirtschaftliche Bedeutung und ist eine der am stärksten befahrenen Wasserstraßen Europas. Die Donau entwässert im Süden auf 647 Kilometern fast das gesamte deutsche Alpenvorland und fließt weiter nach Österreich und Südosteuropa. Ihre wichtigsten deutschen Zuflüsse sind Iller, Lech, Isar und Inn. Den Osten Deutschlands durchfließt auf 725 Kilometern die in Tschechien entspringende Elbe. Ihre wichtigsten deutschen Nebenflüsse sind Saale und Havel. Auf 179 Kilometern ist die Oder, wie im weiteren Verlauf auch ihr wichtigster Zufluss, die Neiße, der Grenzfluss zu Polen. Einzig das Einzugsgebiet der 452 Kilometer langen Weser liegt vollständig in Deutschland. Sie speist sich aus den Flüssen Werra und Fulda und entwässert den mittleren Norden. Die Ems durchfließt auf 371 Kilometern den äußersten Nordwesten des Landes. Ihr Einzugsgebiet erstreckt sich auch auf Teile der Niederlande.

Die natürlichen Seen sind überwiegend glazialen Ursprungs. Daher finden sich die meisten der großen Seen im Alpenvorland, in der Holsteinischen Schweiz und in Mecklenburg. Der größte vollständig zum deutschen Staatsgebiet gehörende See ist die Müritz, die Teil der mecklenburgischen Seenplatte ist. Der größte See mit deutschem Anteil ist der Bodensee, an den auch Österreich und die Schweiz grenzen. Im Westen und Osten Deutschlands gibt es viele, durch die Rekultivierung von Braunkohletagebauen oder Industriebrachen entstandene künstliche Seen, so z. B. das Leipziger Neuseenland oder den Dortmunder Phoenix-See.

Inseln

Die größte deutsche Insel, Rügen, liegt in Vorpommern in der Ostsee.

Im Wattenmeer, der niederländischen, deutschen und dänischen Nordseeküste unmittelbar vorgelagert liegen die Friesischen Inseln. Während die Nordfriesischen Inseln Festlandsreste sind, die durch Landsenkung und nachfolgende Überflutung von der Küste getrennt wurden, handelt es sich bei den Ostfriesischen Inseln um Barriereinseln, die aus durch küstenparallele Strömungen sowie Wellen- und Gezeitendynamik angespülten Sedimenten entstanden. Das inmitten der Deutschen Bucht gelegene Helgoland ist die am weitesten vom Festland entfernt liegende bewohnte deutsche Insel. Sie geht auf den Aufstieg eines Salzstockes im Untergrund der Nordsee zurück.

Die größten deutschen Inseln in der Ostsee sind (von West nach Ost) Fehmarn, Poel, Hiddensee, Rügen und Usedom. Rügen ist zugleich auch die größte deutsche Insel. Größte Halbinsel ist Fischland-Darß-Zingst. Mit Ausnahme von Fehmarn sind diese Landflächen Teil einer Boddenküste, das heißt einer nacheiszeitlich gefluteten und nachfolgend durch Anlandungsvorgänge modifizierten Grundmoränenlandschaft.

Die größten und bekanntesten Inseln in Binnengewässern sind Reichenau, Mainau und Lindau im Bodensee sowie die Herreninsel im Chiemsee.

Flora

Der Naturraum Deutschland liegt in der gemäßigten Klimazone. Seine Flora wäre daher natürlicherweise hauptsächlich von Laub- und Mischwäldern geprägt. Örtlich weist die Flora in Deutschland eine hohe Diversifikation durch Standortfaktoren des Geländeprofils, der Geländehöhe und -geologie sowie der mesoklimatischen Lage auf. Von West nach Ost kennzeichnet die natürliche Vegetation den Übergang vom Westseitenseeklima zum Kontinentalklima. Der Gesamtbestand der in Deutschland wild lebenden Pflanzenarten wird auf 9.500 Arten geschätzt. Dazu kommen rund 14.000 Pilzarten.[25]

Ohne menschlichen Einfluss würde die Vegetation in Deutschland, wie in den meisten Ländern der gemäßigten Breiten, hauptsächlich aus Wald bestehen. Davon ausgenommen wären Gewässer, besonders nährstoffarme oder trockene Standorte wie Felskuppen, Heideniederungen und Moorlandschaften sowie die alpinen (Bayerische Alpen) und subalpinen (Hochschwarzwald, Hochharz und Westerzgebirge) Hochlagen, die äußerst vegetationsarm sind und in ihrem Klima kaltgemäßigt ausgeprägt sind. Die natürlichen Wälder der Ebenen und Hügel wären stark von der Rotbuche geprägt, daneben gäbe es im Bereich der Flüsse und Seen die heute selten gewordenen Auwälder sowie auf trockeneren Standorten Eichen-Buchen-Mischwälder. Die Alpen und Mittelgebirge wären in den tieferen Lagen von Bergmischwäldern sowie Schluchtwäldern und in den höheren Lagen von Nadelwäldern bedeckt. Pionierwald, vor allem aus Birken und Kiefern bestehend, käme dauerhaft nur auf sehr trockenen und nährstoffarmen Standorten wie Sanddünen vor.

Der Thüringer Wald im Winter. Rund 32 Prozent der deutschen Landfläche sind bewaldet.

Derzeit bedeckt der Wald in Deutschland 32,0 Prozent der deutschen Staatsfläche. Damit ist Deutschland eines der waldreichsten Länder in der Europäischen Union. Die aktuelle Baumartenzusammensetzung entspricht nur zum geringen Teil den natürlichen Gegebenheiten und wird hauptsächlich von der Forstwirtschaft bestimmt. Die häufigsten Baumarten sind mit 26,0 Prozent Flächenanteil die Gemeine Fichte, gefolgt von der Waldkiefer mit 22,9 Prozent, der Rotbuche mit 15,8 Prozent und den Eichen mit 10,6 Prozent.[26]

Rund die Hälfte der deutschen Staatsfläche wird landwirtschaftlich genutzt. Zum Stichtag 31. Dezember 2014 weist das Statistische Bundesamt für Deutschland eine Landwirtschaftsfläche von 184.607 km² aus. Die deutsche Landwirtschaftsfläche nahm seit 31. Dezember 1992 um 10.505 km² ab.[27] Neben der Nutzung als Dauergrünland wird auf einem Großteil der landwirtschaftlichen Flächen Ackerbau betrieben. Auf den Äckern werden überwiegend Nutzpflanzen angebaut, die ursprünglich nicht natürlich in Deutschland vorkamen. So stammen zum Beispiel Gerste, Hafer, Roggen und Weizen aus dem Nahen Osten und die Kartoffel und der Mais wurden aus Amerika eingeführt. In den Flusstälern, unter anderem von Main, Mosel, Ahr und Rhein, wurde die Landschaft vielfach für den Weinanbau umgestaltet.

Neben den natürlich vorkommenden Pflanzen spielen heute eine Reihe von eingeführten Arten wie die Robinie und das Drüsige Springkraut eine zunehmende Rolle in der Vegetation, insbesondere auf Brach- und Störflächen.

Die Bewahrung der Natur ist in Deutschland öffentliche Aufgabe und dient dem im Art. 20a Grundgesetz verankerten Staatsziel. Ziel des Naturschutzes in Deutschland ist es, Natur und Landschaft zu erhalten (§ 1 Bundesnaturschutzgesetz). Wichtige Gegenstände des Naturschutzes sind Landschaften, Pflanzen und Tiere. Zu den wichtigsten Institutionen geschützter Gebiete und Objekte gehören derzeit unter anderem 16 Nationalparks (siehe Nationalparks in Deutschland, Stand November 2015), 19 Biosphärenreservate, 95 Naturparks sowie tausende von Naturschutzgebieten, Landschaftsschutzgebieten und Naturdenkmälern.

Fauna

Der Seeadler, ein geschützter Greifvogel

Deutschland beherbergt etwa 48.000 nachgewiesene Tierarten, darunter 104 Säugetierarten, 328 Vogelarten und über 30.000 Insektenarten.[28]

Die meisten in Deutschland heimischen Säugetiere leben in den gemäßigten Laubwäldern. Im Wald leben unter vielen anderen verschiedene Marderarten, Dam- und Rothirsche, Rehe, Wildschweine sowie Luchse und Füchse. Biber und Otter sind seltene Bewohner der Flussauen, mit teilweise wieder steigenden Beständen. Andere ehemals in Mitteleuropa lebende Großsäuger wurden ausgerottet: Auerochse (um 1470), Braunbär (1835), Elch (im Mittelalter noch zahlreich), Wildpferd (19. Jahrhundert), Wisent (17./18. Jahrhundert), Wolf (1904). In neuerer Zeit wandern gelegentlich einige Elche und Wölfe aus Polen und Tschechien ein, deren Bestände sich dort wieder vermehren konnten. Im Falle der Wölfe bilden sich sogar schon immer wieder neue Rudel, zunächst im sorbischen Raum, mittlerweile auch weiter westlich, seit um 2000 der erste Nachwuchs geboren wurde. Im März 2010 wurde eine Herde Wisente im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen angesiedelt.

In hochalpinen Regionen leben Alpensteinbock und Murmeltier. Darüber hinaus ist die Gämse in verschiedenen Mittelgebirgen beheimatet, etwa im Schwarzwald oder auf der Fränkischen Alb.

Zu den bekanntesten in Deutschland lebenden Reptilien zählen Ringelnatter, Kreuzotter und europäische Sumpfschildkröte. Daneben leben noch viele Amphibien wie Salamander, Frösche, Kröten, Unken und Molche in Deutschland, die jedoch alle auf der Roten Liste bedrohter Tierarten aufgeführt werden.

Von dem Seeadler, mitunter vereinzelt als Vorlage für den stilisierten deutschen Wappenvogel gesehen, gibt es gegenwärtig wieder etwa 500 Paare, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Der Steinadler kommt nur noch in den Bayerischen Alpen vor, der ehemals dort heimische Bartgeier wurde ausgerottet, hält aber durch Wiedereinbürgerungen in Schweiz und Österreich auch wieder Einzug in die deutschen Alpen. Die häufigsten Greifvögel in Deutschland sind derzeit Mäusebussard und Turmfalke, dagegen ist der Bestand an Wanderfalken deutlich geringer. Über die Hälfte des Gesamtbestandes an Rotmilanen brütet in Deutschland, der Bestand ist aber aufgrund der intensiven Landwirtschaft rückläufig.

Seehund-Kolonie auf der Nordseeinsel Helgoländer Düne

Demgegenüber steht eine Vielzahl von Vögeln, die als Kulturfolger von der Anwesenheit des Menschen profitieren, insbesondere die in vielen Städten lebenden Stadttauben, Amseln (frühere Waldvögel), Spatzen und Meisen, für deren Überleben auch die Winterfutter-Industrie sorgt, sowie Krähen und Möwen auf Müllkippen. Eine Besonderheit ist die weltweit nördlichste Flamingo-Kolonie im Zwillbrocker Venn.

Der früher in den Flüssen häufig vorkommende Lachs wurde im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert weitgehend ausgerottet, konnte aber in den 1980er-Jahren im Rhein wieder angesiedelt werden. Der letzte Stör wurde 1969 in Deutschland gefangen. In vielen Teichen werden die erst von den Römern eingeführten Karpfen gehalten.

Der an der Nord- und Ostseeküste lebende Seehund wurde zeitweise nahezu ausgerottet, mittlerweile gibt es im Wattenmeer wieder einige tausend Exemplare. Auch die sich wieder ausbreitenden Kegelrobbenbestände in Nordeuropa kehren wieder an die Küsten Deutschlands zurück, nachdem sie dort durch Bejagung vollständig verschwunden waren. Das Wattenmeer ist insbesondere als Rastplatz für zehn bis zwölf Millionen Zugvögel pro Jahr von Bedeutung. Die bekannteste Walart von Nord- und Ostsee ist der Schweinswal, jedoch leben dort noch weitere sieben Walarten, unter anderem Pottwal und Schwertwal, daneben mit dem Gemeinen Delfin auch eine Delfinart.

Zu den lange heimischen Tieren hat sich eine beachtliche Anzahl an Neozoen angesiedelt. Zu den bekanntesten Vertretern gehören Waschbär, Marderhund, Halsbandsittich und Nilgans. Weitere teils invasive Neozoen in Deutschland sind Kanadagans, Nandus, Amerikanischer Flusskrebs, Amerikanischer Ochsenfrosch, Europäisches Mufflon, Sonnenbarsche u. v. m.

Humangeographie

Siedlungsstruktur in Nordrhein-Westfalen (Zersiedelung)

In Deutschland werden insgesamt 52 Prozent der Landesfläche landwirtschaftlich genutzt (2009), Wälder bedecken weitere 29,5 Prozent. 14 Prozent werden als Siedlungs- und Verkehrsfläche genutzt (Tendenz weiterhin steigend). Wasserflächen kommen auf 2 Prozent, die restlichen 2,5 Prozent verteilen sich auf sonstige Flächen, zumeist Ödland und auch Tagebaue.

Liste der Länder

Hauptartikel: Land (Deutschland)

Die föderal aufgebaute Bundesrepublik besteht aus 16 Gliedstaaten, die offiziell als Länder (Bundesländer) bezeichnet werden. Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg bestehen ausschließlich aus den gleichnamigen Gemeinden und sind somit Einheitsgemeinden. Die Freie Hansestadt Bremen wird als Stadtstaat bezeichnet, jedoch besteht das Land aus den Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven und ist somit ein „Zwei-Städte-Staat“. Im Unterschied zu zahlreichen anderen föderal strukturierten Ländern kennt die Bundesrepublik keine bundesunmittelbaren Gebiete.

Land
Hauptstadt
Fläche
in km²[2]
Einwohner Einwohner
pro km²
Baden-WürttembergBaden-Württemberg Baden-Württemberg Stuttgart 35.741 10.879.618[29] 304
BayernBayern Bayern München 70.550 12.843.514[30] 182
BerlinBerlin Berlin 892 3.520.031[31] 3.947
BrandenburgBrandenburg Brandenburg Potsdam 29.654 2.484.826[32] 84
BremenBremen Bremen Bremen[33] 419 671.489[34] 1601
HamburgHamburg Hamburg 755 000000001787408.00000000001.787.408[35] 2.367
HessenHessen Hessen Wiesbaden[36] 21.115 6.176.172[37] 293
Mecklenburg-VorpommernMecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-Vorpommern Schwerin 23.213 1.612.362[38] 69
NiedersachsenNiedersachsen Niedersachsen Hannover 47.616 7.926.599[39] 166
Nordrhein-WestfalenNordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen Düsseldorf[40] 34.110 17.865.516[41] 524
Rheinland-PfalzRheinland-Pfalz Rheinland-Pfalz Mainz[42] 19.854 4.052.803[43] 204
SaarlandSaarland Saarland Saarbrücken 2569 995.597[44] 388
SachsenSachsen Sachsen Dresden 18.449 4.084.851[45] 221
Sachsen-AnhaltSachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt Magdeburg 20.452 2.245.470[46] 110
Schleswig-HolsteinSchleswig-Holstein Schleswig-Holstein Kiel[47] 15.803 2.858.714[48] 181
ThüringenThüringen Thüringen Erfurt[49] 16.202 2.170.714[50] 134
DeutschlandDeutschland Bundesrepublik Deutschland Berlin 357.376 82.175.684[2] 230
Germany location map.svg
NiedersachsenNiedersachsen Niedersachsen
BremenBremen Bremen
HamburgHamburg Hamburg
Mecklenburg-VorpommernMecklenburg-Vorpommern
Sachsen-AnhaltSachsen-Anhalt
SachsenSachsen Sachsen
BrandenburgBrandenburg Brandenburg
BerlinBerlin Berlin
ThüringenThüringen Thüringen
HessenHessen Hessen
Nordrhein-WestfalenNordrhein-Westfalen
Rheinland-PfalzRheinland-Pfalz
BayernBayern Bayern
Baden-WürttembergBaden-Württemberg
SaarlandSaarland Saarland
Schleswig-HolsteinSchleswig-Holstein

Gemeinden

Hauptartikel: Gemeinde (Deutschland)
Ortstafel (Vorderseite)

Die Gemeinden sind die kleinsten selbständigen Gebietskörperschaften der politischen Gebietsgliederung. Sie regeln alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft eigenverantwortlich und haben das Recht der Selbstverwaltung (Art. 28 Abs. 2 GG). Sie sind, ausgenommen die meisten kreisfreien Städte, in Landkreisen und anderen Gemeindeverbänden zusammengefasst.

Kreise und Gemeinden unterliegen dem Kommunalverfassungsrecht des jeweiligen Bundeslandes und sind daher bundesweit ganz unterschiedlich organisiert. Einzig die Kreisstadt als Verwaltungssitz eines Landkreises findet sich deutschlandweit. Die Einheitsgemeinden Berlin und Hamburg sind als Stadtstaaten gleichzeitig auch Länder.

Ballungsgebiete

Karte der Bevölkerungsdichte in Deutschland im Jahr 2006

Um Ballungs- respektive Verdichtungsgebiete zu veranschaulichen, können Karten zur Bevölkerungsdichte, zu Gemeindegrößen, Agglomerationen und den sogenannten Metropolregionen herangezogen werden.

In Deutschland gibt es 79 Großstädte, also Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Davon haben 14 mehr als 500.000 Einwohner. Eine Besonderheit Deutschlands ist die historisch bedingt überwiegend randlastige, dezentrale Verteilung der Großstädte. Die entlang des Rheins verlaufenden Ballungsräume im Westen und Südwesten Deutschlands bilden dabei den Mittelteil der zentralen europäischen Bevölkerungskonzentration, die mit dem Begriff Blaue Banane umschrieben wird.

Unter Agglomeration versteht man ein größeres zusammenhängendes Siedlungsgebiet oder auch eine weitgehend urbanisierte Fläche. Da Gemeinde- und Siedlungsgrenzen meist erheblich voneinander abweichen, gibt die Betrachtung der Agglomerationen einen authentischeren Aufschluss über Bevölkerungskonzentrationen. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern werden in Deutschland Agglomerationen jedoch nicht statistisch genau definiert und abgegrenzt. Die meisten Agglomerationen sind monozentrisch; das Ruhrgebiet hingegen ist ein klassisches Beispiel für einen polyzentrischen Verdichtungsraum.

Von der Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO) wurden elf sogenannte Europäische Metropolregionen (EMR) festgelegt. Diese gehen über die entsprechenden Agglomerationen weit hinaus. Köln/Düsseldorf/Dortmund/Essen gehören zur Metropolregion Rhein-Ruhr, Dresden/Leipzig zur Metropolregion Mitteldeutschland. Eine weitere ist die Metropolregion Rhein-Neckar um Ludwigshafen/Mannheim/Heidelberg.

Bevölkerungsreichste Siedlungsgebiete in Deutschland

Berlin
Berlin
Hamburg
Hamburg
München
München

Siedlungsgebiet Stadt Agglomeration Metropolregion

Köln
Köln
Frankfurt am Main
Frankfurt am Main
Stuttgart
Stuttgart

1 Berlin 3.520.000 4.400.000 6.000.000
2 Hamburg 1.790.000 2.600.000 5.000.185 
3 München 1.450.000 2.000.000 5.200.000
4 Köln 1.060.000 1.900.000 11.690.000
5 Frankfurt am Main 730.000 1.930.000 5.520.000
6 Stuttgart 625.000 1.800.000 5.290.000
7 Düsseldorf 610.000 1.220.000 11.690.000
8 Dortmund 585.000 5.562.500 11.690.000
9 Essen 580.000 5.562.500 11.690.000
10 Leipzig 560.000 1.100.000 2.400.000
11 Bremen 555.000 850.000 2.730.000
12 Dresden 545.000 755.000 2.400.000
13 Hannover 530.000 1.132.000 3.880.000
14 Nürnberg 510.000 1.200.000 3.500.000

Bevölkerung

Hauptartikel: Deutsche

Demografie

Bevölkerungsaufbau nach Alter im Jahr 2015. Im selben Jahr kamen in Deutschland 738.000 Kinder zur Welt.[51]
Hauptartikel: Demografie Deutschlands

Auf Grundlage von Berechnungen des Zensus 2011 und dessen Fortschreibung lebten am 31. Dezember 2015 in der Bundesrepublik Deutschland offiziell 82.175.684 Einwohner auf einer Fläche von 357.376 Quadratkilometern.[2] Das Land gehört damit zu den dicht besiedelten Flächenstaaten. 18,2 Prozent der Bevölkerung waren im Jahr 2014 unter 20 Jahre, 24,1 Prozent zwischen 20 und 40 Jahre und 30,3 Prozent waren zwischen 40 und 60 Jahre alt. Im Alter von 60 bis 80 Jahren waren 21,8 Prozent der Bevölkerung, der Anteil über 80-Jährigen lag bei 5,6 Prozent.[52] Im Jahr 2014 lag das durchschnittliche Alter der Einwohner bei 44,3 Jahren.[53]

Neben der Familie als der am häufigsten angestrebten und beliebtesten Form des Zusammenlebens sind eine Vielzahl an Lebensmodellen in der deutschen Gesellschaft vertreten.[54] Die Anzahl der lebend geborenen Kinder lag im Jahr 2014 bei 714.927. Dies entspricht einer Geburtenrate von 1,47 Kindern pro Frau bzw. 8,8 Geburten pro 1000 Einwohner. Im selben Zeitraum wurden 868.356 Sterbefälle registriert, etwa 10,7 Fälle pro 1000 Einwohner.[55] Im Jahr 2015 wurden in Deutschland 738.000 Kinder lebend geboren. Das ist die höchste Geburtenzahl seit 15 Jahren. Im selben Jahr starben 925.000 Menschen. Wie in allen Jahren seit 1972 starben in Deutschland auch 2015 mithin mehr Menschen als Kinder geboren wurden. Im Jahr 2015 lag die Differenz nach vorläufigem Ergebnis bei 188.000.[56][57][58]

Als eine der gegenwärtigen Herausforderungen wird demzufolge die Orientierung zu einer familienfreundlichen, kinder- und nachwuchsfördernden Gesellschaft mit Mehrkindfamilien gesehen (Pronatalismus). Als zentrale Voraussetzung werten Experten dabei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Bei einer Fortsetzung niedriger Geburtenraten, insbesondere bei Bevölkerungsschichten mit mittleren und höheren Bildungsabschlüssen, werden für Deutschland soziale, ökonomische und geopolitische Problemstellungen vorhergesagt.[59]

Etwa 74 Millionen Personen (92,3 %) in Deutschland besaßen im Jahr 2011 die deutsche Staatsbürgerschaft. Im selben Jahr lebten insgesamt 15 Millionen Personen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Dies entspricht knapp 19 % der Bevölkerung. Als Personen mit Migrationshintergrund zählen im Zensus 2011 alle Ausländer sowie alle Deutschen, die nach 1955 auf das Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland zugewandert sind oder mindestens einen nach 1955 zugewanderten Elternteil haben. Unter ihnen bilden die Aussiedler bzw. Spätaussiedler die größte Gruppe, gefolgt von Bürgern der Türkei, anderer Staaten der Europäischen Union und des ehemaligen Jugoslawiens.[60] Zwischen 1950 und 2002 wurden insgesamt 4,3 Millionen Menschen, oder im Land geborene oder seit langer Zeit in Deutschland lebende ehemalige Ausländer auf eigenen Antrag eingebürgert.

Einwanderung

Einwohnergruppen ohne deutsche Staatsangehörigkeit (2015)[61]
Rang Staat Bevölkerung
1. TurkeiTürkei Türkei 1.506.000
2. PolenPolen Polen 741.000
3. ItalienItalien Italien 596.000
3. RumänienRumänien Rumänien 453.000
5. SyrienSyrien Syrien 366.000
6. GriechenlandGriechenland Griechenland 340.000
7. KroatienKroatien Kroatien 298.000
8. RusslandRussland Russland 231.000
9. SerbienSerbien Serbien 230.000
10. BulgarienBulgarien Bulgarien 227.000

In Deutschland leben Einwanderer aus praktisch allen Ländern der Welt. Nach Berechnungen aus dem Jahr 2013 machte der Bevölkerungsteil ohne deutsche Staatsangehörigkeit am 31. Dezember 2011 etwa 6,3 Millionen Einwohner aus.[62] Nach Mehrländer/Schultze[63] sprechen einige Faktoren sowie Untersuchungen der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2006 dafür,[64] dass Deutschland „de facto bereits seit Längerem“ als Einwanderungsland anzusehen ist.[65][66] 2012 war Deutschland nach den Vereinigten Staaten das OECD-Land mit den zweitmeisten Einwanderern.[65] Wissenschaftler sehen aus demografischen und wirtschaftlichen Gründen die Notwendigkeit höherer Zuwanderung gut ausgebildeter Fachkräfte und Akademiker, was durch die Schaffung eines ganzheitlichen Einwanderungsgesetzes nach den erfolgreichen Vorbildern in Ländern wie Australien und Kanada erreicht werden könne, mit einer transparenten und an den Fertigkeiten der Zuwanderer orientierten Steuerung.[67] Die Einwanderung mitsamt Familienzusammenführungen dürfe nicht zulasten der Sozialsysteme gehen.[68] Insbesondere Studenten der MINT-Fächer, die mehrheitlich das Land nach einiger Zeit wieder verlassen, sollen stärker an Deutschland gebunden und schneller integriert werden,[69] wofür auch mehr wissenschaftlicher Freiraum und höhere Gehälter nötig seien.[70]

Die größte in Deutschland lebende Einwanderergruppe stellten im Jahr 2010 (vor den Zensuserhebungen 2011) mit 1.629.480 Personen türkische Staatsangehörige (→ Türkeistämmige in Deutschland). Aus Mitgliedstaaten der Europäischen Union leben rund 2,4 Millionen Menschen auf dem Gebiet der Bundesrepublik. Den größten Anteil haben hier Italiener (517.546), Polen (419.435) und Griechen (276.685). Der Anteil der europäischen Staatsbürger aus Nicht-EU-Ländern hatte sich durch Migration insbesondere aus Ex-Jugoslawien (etwa eine Million) und aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion in den 1990er-Jahren erhöht. Ferner leben in Deutschland 824.352 Menschen mit einer asiatischen Staatsangehörigkeit, 271.431 Afrikaner und 215.213 Amerikaner (davon 107.755 aus den Vereinigten Staaten, ohne Expats).[71] 2010 erwarben rund 101.600 Personen die deutsche Staatsbürgerschaft (2006: 124.566) durch Einbürgerung.[72]

Im Jahr 2011 ergibt sich ein Gesamtanteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund im Sinne der amtlichen Statistik (d. h. seit 1949 von außerhalb in das heutige Bundesgebiet eingewanderte Personen und deren Nachkommen; hierbei ist zu beachten, dass Spätaussiedler und Vertriebene, die erst seit bzw. nach 1949 im Bundesgebiet siedeln, im Zensus als Migranten geführt werden, obgleich sie ethnisch der deutschen Diaspora zugehörig sind) von etwa 19 Prozent (15 Millionen Einwohner) und einen Gesamtanteil der Bevölkerung ohne deutsche Staatsangehörigkeit von 8,3 Prozent (6,6 Millionen Einwohner). Der Bevölkerungsanteil von Ausländern und Menschen mit Migrationshintergrund ist regional sehr unterschiedlich, wobei die höchsten Anteile in den Ballungsräumen des Südens erreicht werden, während in den ländlichen Gebieten Ost- und Norddeutschlands nur wenige Migranten leben. 2010 waren Offenbach am Main (25,8 %), Mannheim (23,6 %) und München (23,5 %) die kreisfreien Städte mit den höchsten Ausländeranteilen, während dieser in 43 Landkreisen und zwei kreisfreien Städten in den neuen Ländern bei unter 2 % lag.[73]

Die Zahl der gesamten polnischen Diaspora in Deutschland, die bereits seit dem 19. Jahrhundert existiert („Ruhrpolen“), beläuft sich auf weit über zwei Millionen, wobei die meisten seit Generationen von der einheimischen Bevölkerung assimiliert sind.

Sprachen und Dialekte

Hauptartikel: Deutsche Sprache
Kenntnisse der deutschen Sprache in den Ländern der Europäischen Union und einigen weiteren Staaten im Jahr 2006.

Die in Deutschland hauptsächlich verbreitete Sprache ist Deutsch (Hochdeutsch), gefolgt von Niederdeutsch mit abweichenden Zahlenangaben über die Gesamtanzahl der aktiven Sprecher von rund 5,5 Millionen Sprechern[74] bis rund elf Millionen, davon nach Angaben zwischen gut 2,6 Millionen[75] und ungefähr vier Millionen, die die Sprache gut bis sehr gut beherrschen.[76] Passive Sprachkenntnis besitzen im Sprachgebiet des Niederdeutschen etwa 75 Prozent der Bevölkerung dort.[77]

Deutsch wird als Standardsprache im Amtsgebrauch (Amtssprache), in den überregionalen Medien und als Schriftsprache verwendet; als Sprache des Alltags wird es in vielen Regionen fast ausschließlich gesprochen (oft regional leicht eingefärbt). Der Übergang zu den deutschen Dialekten ist fließend. Neben Englisch und Französisch ist Deutsch eine der drei am häufigsten verwendeten Amts- und Arbeitssprachen der Europäischen Union (EU). Die Einführung von Englisch als zusätzliche Amtssprache in den Teilstaaten der EU wird diskutiert. Einer repräsentativen YouGov-Umfrage von 2013 zufolge würden es knapp 60 Prozent der Deutschen begrüßen, wenn die englische Sprache in der gesamten EU den Status einer Amtssprache erlangen würde (zusätzlich zu den bisherigen Sprachen).[78]

Angestammte nationale Minderheiten sind Dänen (nach Angaben zwischen etwa 50.000 und gut 100.000[79][80][81][82]), Friesen (Zahlen siehe dort), Sorben (etwa 60.000) und deutsche (autochthone) Roma (offizielle Bezeichnung: „Sinti und Roma“, etwa 70.000). Als Minderheiten- oder Regionalsprachen nach der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen anerkannt sind im Einzelnen: Dänisch (sowohl Reichsdänisch, überwiegend in der Variante Sydslesvigdansk, als auch Sønderjysk), Friesisch (als Minderheitensprache: Nordfriesisch in Schleswig-Holstein, Saterfriesisch in Niedersachsen), Sorbisch (als Minderheitensprache und regional auch als Amtssprache: Obersorbisch in Sachsen, Niedersorbisch in Brandenburg), Romanes (Minderheitensprache der Roma), Niederdeutsch (Regionalsprache in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern sowie in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt).

Die erste vollständige Bibelübersetzung ins Deutsche, 1534

Partiell besitzen in Schleswig-Holstein die Regional- und Minderheitensprachen Niederdeutsch, Dänisch und Friesisch (siehe Friesisch-Gesetz) den Rang einer Amtssprache in Deutschland. Andere in Deutschland traditionelle (wie beispielsweise die jenische Sprache oder das Jiddisch), die heute kaum mehr gesprochen werden, oder neue Minderheitensprachen wurden nicht in die Charta aufgenommen.[83] Weitere ehemals verbreitete Sprachen wie Moselromanisch (im 11. Jahrhundert ausgestorben) oder Polabisch (im 18. Jahrhundert ausgestorben) werden heute nicht mehr gesprochen.

Die Verwendung von Dialekten wird von manchen Menschen als Makel und als Erschwernis der Verständigung, von anderen als kulturelle Bereicherung empfunden. Norddeutsche verwenden die niederdeutsche Sprache oder regionale Mundarten tendenziell weniger ausgeprägt, wogegen im süddeutschen Sprachraum der Gebrauch der fränkischen, bairischen und alemannischen Mundarten selbst in akademischen Kreisen weniger verpönt ist. Da das Standarddeutsche sich aus hochdeutschen (mittel- und oberdeutschen) Sprachformen entwickelt hat und die Dialekte der niederdeutschen Sprache verdrängt hat, sprechen Norddeutsche tendenziell eher ein dialektfreies Deutsch als die Bevölkerung in den südlichen zwei Dritteln des Landes.

Das Goethe-Institut (hier eine Abteilung in Tokio) betreibt ein globales Netzwerk an Niederlassungen zur Vermittlung der deutschen Sprache.

Die von Gehörlosen verwendete Deutsche Gebärdensprache ist seit 2002 in Deutschland als eigenständige Sprache anerkannt.

Seit der Einwanderung der Germanen in das heutige Gebiet Deutschlands sind immer wieder neuere Zuwanderer hinzugekommen, die auch ihre jeweiligen Sprachen mitbrachten (zum Beispiel die Römer in den Kolonien Germaniens, die Hunnen während der Völkerwanderung, die Hugenotten seit dem 17. Jahrhundert, die Ruhrpolen im 19. Jahrhundert). Während die Nachkommen der älteren Zuwanderungswellen sich inzwischen sprachlich weitgehend angepasst haben, verwenden diejenigen Zuwanderer, die erst in den vergangenen Jahrzehnten gekommen sind (allen voran die sogenannten Gastarbeiter, aber auch Flüchtlinge), untereinander neben dem Deutschen noch häufig ihre Muttersprache, vor allem Türkisch (etwa zwei Millionen). Daneben ist auch die russische Sprache verbreitet, zum einen unter jüdischen Kontingentflüchtlingen, aber auch unter Russlanddeutschen, zu denen nicht nur deutsche oder ‚plautdietsche‘, sondern auch russische Muttersprachler gehören. Die Angaben zur Anzahl russischer Muttersprachler variieren je nach Quelle stark und liegen bei drei bis vier Millionen. Auch die Zahl der Personen, deren Alltagssprache Polnisch ist, wird relativ hoch vermutet. Hierbei schwankt die Zahl ebenfalls je nach Quelle.

Die an Schulen vorrangig gelehrte Fremdsprache ist Englisch, gefolgt von Französisch und Latein und danach von Russisch. In den letzten Jahren ist außerdem Spanisch sowie in den jeweiligen deutschen Grenzgebieten Niederländisch und Polnisch immer beliebter geworden. Die Entscheidung über die unterrichteten Fremdsprachen haben die Schulministerien in den einzelnen Ländern. Weitere Fremdsprachen wie zum Beispiel Chinesisch oder Italienisch können Schüler an manchen Schulen als reguläres Unterrichtsfach oder als Arbeitsgemeinschaft (AG) wählen.[84]

Die wichtigste Verwaltungssprache in Behörden ist Deutsch, aufgrund der hohen Internationalität des Landes gibt es in mehreren Städten und Bundesländern auch Angebote in englischer Sprache, die als globale lingua franca gilt. In manchen Städten ist sie daher auch zur offiziellen Verwaltungssprache erhoben, im Jahr 2015 etwa in Düsseldorf.[85] Die Zugänglichkeit für z. B. Expats und internationale Wissenschaftler auf dem deutschen Arbeitsmarkt soll somit erhöht werden, diese Arbeitskräfte haben meist hohe Einkommen und würden sich eher entscheiden, in Deutschland zu bleiben, wenn sie die Behörden besser verstehen und nutzen können, um später die deutsche Sprache zu erlernen.[86]

Religionen

Hauptartikel: Religionen in Deutschland
Martin Luther (1483–1546), Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren, 1528

In Deutschland wird Religionsfreiheit als Grundrecht garantiert. Das Verhältnis von Religion und Staat wird durch die Artikel 136 bis 139 der Weimarer Reichsverfassung (WRV) geregelt, die durch Art. 140 GG Bestandteil des Grundgesetzes sind. Danach gilt neben der Religionsfreiheit die weltanschauliche Neutralität des Staates und das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften. Auf dieser Basis ist das Verhältnis von Religionsgemeinschaften und Staat partnerschaftlich; es gibt also keine strikte Trennung von Kirche und Staat wie im Laizismus, sondern in vielen sozialen und schulisch-kulturellen Bereichen bestehen Verflechtungen, beispielsweise über kirchliche, aber staatlich mitfinanzierte Trägerschaft von Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern oder Pflegeheimen. Ebenso berufen sich einige deutsche Parteien auf die christliche Tradition des Landes. Die christlichen Kirchen besitzen den Status von Amtskirchen und sind Körperschaften des öffentlichen Rechts, aufgrund des geltenden Staatskirchenrechts jedoch sui generis.[87] Durch den verliehenen Körperschaftsstatus sollen den Kirchen und den ihnen insoweit gleichgestellten Religionsgemeinschaften vielmehr bestimmte, dem öffentlichen Recht eigentümliche Gestaltungsmöglichkeiten eingeräumt werden, ohne dass sie dabei aber einer Staatsaufsicht unterliegen; stattdessen wird sowohl der kirchliche Öffentlichkeitsauftrag teilweise in Kirchenverträgen mit den Ländern oder den entsprechenden Regelungen in den Landesverfassungen anerkannt wie auch die besondere, originäre Kirchengewalt rechtlich bekräftigt.[88]

J. A. Ratzinger, Papst Benedikt XVI., 2005 bis 2013 Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche

Wie der größte Teil West- und Mitteleuropas ist das heutige Deutschland in einem bis zur Antike zurückreichenden historischen und kulturellen Kontext christlich-abendländisch, und seit etwa dem 18. Jahrhundert ebenso aufgeklärt-wissenschaftlich geprägt. Dieser Prägung liegen Einflüsse aus der antiken griechischen und römischen Kultur ebenso zugrunde wie jüdische und christliche Traditionen, die sich seit Beginn der Christianisierung Nordwesteuropas, ab etwa dem 4. Jahrhundert, mit germanischen Traditionen vermischt hatten. Das Gebiet des heutigen Deutschland wurde seit dem frühen Mittelalter christianisiert. In der fränkischen Zeit wurde im Reich Karls des Großen die entsprechende Missionierung, teilweise durch Zwangsmaßnahmen abgeschlossen. Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation begann die christliche Reformation Anfang des 16. Jahrhunderts, angeführt von Martin Luther. Sie prägt die religiöse Landschaft im deutschen Sprachraum bis heute mit.

Etwa 60 Prozent der Bevölkerung gehören einer christlichen Konfession an: römisch-katholische Kirche 29,5 Prozent (tendenziell überwiegend in West- und Süddeutschland),[89][90] Evangelische Kirche in Deutschland (Lutheraner, Reformierte und Unierte) 27,9 Prozent (tendenziell vor allem in Norddeutschland);[89] andere christlichen Kirchen wie orthodoxe und altorientalische Kirchen, die Zeugen Jehovas, die neuapostolische Kirche und Angehörige christlicher Freikirchen insgesamt ca. 3 Prozent.[89] Die Anzahl der Gottesdienstbesucher ist wesentlich geringer als die Anzahl der Kirchenmitglieder. An sogenannten Zählsonntagen besuchten 2,6 Millionen Menschen (oder 3,8 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung) die sonntäglichen katholischen Gottesdienste,[90] und 0,9 Millionen (oder 1,1 Prozent der Gesamtbevölkerung) jene der Evangelischen Kirche (2009).[91] Lediglich noch zu hohen kirchlichen Feiertagen, insbesondere zu Heiligabend, ist die Anzahl der Gottesdienstbesucher teilweise deutlich höher.[92] Laut einer repräsentativen Umfrage des Emnid-Instituts beabsichtigten 2015 43 Prozent der Deutschen zu Weihnachten einen Gottesdienst zu besuchen.[93]

Religionszugehörigkeit nach Zensus 2011: gelb: römisch-katholisch, lila: evangelisch, blau: konfessionslos; dunkel: absolute Mehrheit, hell: relative Mehrheit

Circa ein Drittel der Gesamtbevölkerung ist konfessionslos und stellt mit 27 Millionen Personen die größte Bevölkerungsgruppe verglichen mit den einzelnen christlichen Konfessionen. In den neuen Ländern liegt dieser prozentuale Anteil zwischen 67,7 Prozent (Thüringen) und 81,7 Prozent (Sachsen-Anhalt) (Mittelwert 75,4 %).[94] Die DDR hatte eine atheistische Weltanschauung propagiert und vermittelt (siehe Jugendweihe) und den Kirchenaustritt gefördert. Aufgrund langfristiger Prozesse der Säkularisierung und des Wertewandels stieg der Anteil von Konfessionslosen an der Gesamtbevölkerung jedoch auch schon in der alten Bundesrepublik an (1970: 3,9 %; 1987: 11,4 %). Diese Entwicklung setzte sich nach der Wende im vereinten Deutschland fort (1990: 22,4 %; 2004: 34,6 %).[95]

Islamische Gemeinden haben etwa vier Millionen Mitglieder – der Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung beträgt zwischen 4,6 und 5,2 Prozent – und sind vorwiegend ausländischer Herkunft, davon mittlerweile etwa 45 % deutsche Staatsangehörige.[96] Um für die Vielzahl an islamischen Organisationen einen Dachverband zu erhalten, der für Außenstehende als Ansprechpartner fungieren kann, wurde der Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland gegründet.

Die Deutsche Buddhistische Union geht von einer Zahl von 250.000 aktiven Buddhisten in Deutschland aus, die Hälfte davon sind eingewanderte Asiaten. Dies entspricht 0,3 Prozent der Bevölkerung.

Etwa 200.000 Personen sind Juden,[89] davon sind etwa die Hälfte in jüdischen Gemeinden organisiert. Seit den 1990er-Jahren verzeichnen diese einen starken Zuwachs durch Zuwanderer aus den ehemaligen Ostblockstaaten, vor allem aus der Ukraine und aus Russland. Nach Frankreich und dem Vereinigten Königreich hat Deutschland die drittgrößte jüdische Gemeinschaft Europas.

Bestimmte christliche Kirchen sowie die jüdischen Gemeinden erheben von ihren Mitgliedern eine Kirchensteuer, die der Staat gegen eine Aufwandsentschädigung einzieht und an die jeweiligen Kirchen (beziehungsweise an den Zentralrat der Juden in Deutschland) weiterleitet.

Des Weiteren ist der Religionsunterricht laut Grundgesetz fakultatives, aber dennoch ordentliches Unterrichtsfach in den öffentlichen Schulen (mit Ausnahme weniger Länder wie Bremen, Berlin und Brandenburg). Dieser Unterricht wird oft von einem Vertreter einer der beiden großen christlichen Amtskirchen abgehalten.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Deutschlands

Kurzüberblick

Die geschichtliche Entwicklung Deutschlands reicht weit zurück und kann bis zu den Indogermanen in vorantiker Zeit zurückverfolgt werden. Das Land umfasste wechselnde Gebiete und Völker und bildete erst im späten 19. Jahrhundert einen Nationalstaat. Im Verlauf der Völkerwanderung brach das Weströmische Reich im 5. Jahrhundert n. Chr. zusammen. Es etablierten sich germanisch-romanische Nachfolgereiche, wovon das von den Merowingern gegründete Frankenreich das bedeutendste war. Im Frühmittelalter expandierte das Frankenreich unter den Karolingern und umfasste in der Zeit Karls des Großen weite Teile des heutigen Deutschlands, der Benelux-Länder, Frankreichs, Italiens, der Schweiz und Österreichs. Nach dem Zerfall des Karolingerreichs im 9. Jahrhundert wurde das Ostfrankenreich zur Keimzelle des späteren Deutschlands, ohne dass sich im Mittelalter ein „deutsches Nationalbewusstsein“ entwickelte. Das sich im 10. Jahrhundert formierende römisch-deutsche Reich, das seit dem Spätmittelalter auch als Heiliges Römisches Reich bezeichnet wurde, hatte vielmehr übernationalen Charakter und war letztlich ein überstaatliches Gebilde.[97] Die Herrschaftsgewalt der römisch-deutschen Könige und Kaiser war viel weniger ausgeprägt als in den westeuropäischen Reichen, während die zahlreichen Landesherren eine vergleichsweise starke Stellung innehatten. Dies begründete die Tradition des deutschen Föderalismus, wodurch sich bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches keine herrschaftliche Zentralgewalt durchsetzen konnte. Das Reich wurde in der Frühen Neuzeit durch die Auswirkungen von Pest, Reformation, Gegenreformation und Dreißigjährigen Krieg herausgefordert.

Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches 1806 und der 1813 gegen Napoleon gewonnenen Völkerschlacht bei Leipzig wurde 1815 der Deutsche Bund als lockerer Zusammenschluss gebildet. Während der Revolution 1848–1849 bildete sich mit der Frankfurter Nationalversammlung das erste deutsche Parlament, das jedoch wegen vieler Widerstände nur ein Jahr überdauerte. Der Deutsche Bund bestand bis 1866, als die zunehmenden Spannungen zwischen den deutschen Führungsmächten Österreich und Preußen sich im offenen Machtkampf entluden. Preußen siegte militärisch, so dass 1867 der Norddeutsche Bund unter preußischer Vorherrschaft gebildet wurde. Während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 wurde das Deutsche Reich als erster deutscher Nationalstaat gegründet, der aber auch in seinen Grenzgebieten eine Reihe von Minderheiten einschloss. In der „Deutsches Kaiserreich“ genannten Epoche zwischen 1871 und 1918 war Deutschland bundesstaatlich organisiert und verwirklichte eine konstitutionelle Monarchie. Während der Gründerzeit wurde Deutschland zur größten Wirtschaftsmacht Europas. Nach der militärischen Niederlage im Ersten Weltkrieg kam es 1918 zur Novemberrevolution und zur Bildung einer parlamentarisch-demokratischen Republik. Die sogenannte „Weimarer Republik“ hatte trotz „Goldener Zwanziger“ unter innenpolitischer Instabilität zu leiden. Der erste demokratische deutsche Staat ging infolge der Weltwirtschaftskrise und der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten unter Führung von Adolf Hitler unter. Es folgte von 1933 bis 1945 die Zeit des Nationalsozialismus, in der Gegner der totalitären und rassistischen Diktatur verfolgt und ermordet wurden, während das Regime die Erweiterung der Grenzen anstrebte. Dies mündete in den von Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg, Massenmorde (einschließlich des Holocaust) und endete mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945.

Die vier alliierten Siegermächte führten die Aufteilung Deutschlands und Berlins durch: Eine östliche und drei westliche Besatzungszonen wurden gebildet. In den drei Westzonen entstand nach freiheitlich-demokratischem und marktwirtschaftlichem Leitbild mit der Verkündung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 die Bundesrepublik Deutschland,[98] aus der sowjetischen Zone wurde die sozialistische Deutsche Demokratische Republik (DDR). Während des Kalten Krieges blieb Deutschland geteilt, bis es am 9. November 1989 zum Fall der Berliner Mauer kam. Dies war das Resultat der friedlichen Revolution in der DDR und dem damit einhergehenden Zusammenbruch der SED-Diktatur. Am 3. Oktober 1990 kam es schließlich zur deutschen Vereinigung, der Tag der Deutschen Einheit ist seitdem der Nationalfeiertag. Deutschland ist überdies Gründungsmitglied der am 7. Februar 1992 begründeten Europäischen Union und ein Motor der europäischen Integration.

Urgeschichte, frühe Stämme und Römerzeit

Die Himmelsscheibe von Nebra (heutiges Sachsen-Anhalt), ca. 1600 v. Chr.

Die ältesten Siedlungsbelege auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland sind etwa 700.000 Jahre alt, man geht von einer dauerhaften Besiedlung seit rund 500.000 Jahren aus. In Deutschland existieren bedeutende paläoanthropologische Fundstätten: Nach dem Fundort bei Heidelberg wurde die Hominini-Art Homo heidelbergensis und nach dem Neandertal in Mettmann der Homo neanderthalensis, der aus dem Homo heidelbergensis hervorgegangene Neandertaler, benannt. Dieser wurde vor etwa 40.000 Jahren von dem aus Afrika zugewanderten Homo sapiens, dem modernen Menschen, verdrängt.

Die jungpaläolithische Kleinkunst aus dem Aurignacien der Schwäbischen Alb, den Höhlen Geißenklösterle, Hohle Fels, Hohlenstein und der Vogelherdhöhle, sind die ältesten figurativen Kunstwerke der Menschheit.

In der Jungsteinzeit entwickelten sich Ackerbau, Viehzucht und feste Siedlungsplätze. Aus dieser Zeit sind einige bedeutende kulturelle Funde erhalten, wie etwa die Himmelsscheibe von Nebra, die darauf deutet, dass schon um 2000 v. Chr. in dieser Region Astronomie betrieben wurde.

Karte der germanischen Stämme um 50 n. Chr. (ohne Skandinavien)

Das heutige Deutschland war schon mit Beginn der Hallstattzeit (1200–1000 v. Chr.) von Süd- bis Mitteldeutschland keltisch besiedelt. Um 600 v. Chr. kam es in Norddeutschland zur Herausbildung der Jastorf-Kultur, die als germanische Kultur angesehen wird. Erste schriftliche Erwähnung finden die germanischen Stämme bei antiken griechischen und römischen Autoren seit dem 1. Jahrhundert v. Chr., beginnend wohl mit Poseidonios. Die Germanen selbst waren jedoch eine uneinheitliche Gruppe von verschiedenen Stämmen, die auch kein übergeordnetes Gemeinschaftsgefühl verband. Bereits der Begriff „Germanen“ (lateinisch Germani) ist ein ethnographischer, wenig präziser Sammelbegriff antiker Autoren, die damit auch ein „Barbarenbild“ verbanden.[99] „Germanen“ darf aus methodischen Gründen daher nicht als Begriff für ein einheitliches Volk missverstanden werden.[100] Die Germanen lebten mit den Kelten in Nachbarschaft und in der rheinischen Kontaktzone teilweise auf sich überschneidenden Gebieten. Jahrhundertelang gab es kulturellen und wirtschaftlichen Kontakt, wodurch keltische Lehnwörter in die germanischen Mundarten aufgenommen wurden.

Die römische Porta Nigra in Trier wurde um 180 n. Chr. errichtet.

Von 58 v. Chr. bis etwa 455 n. Chr. gehörten die Gebiete links des Rheins und südlich der Donau zum Römischen Reich, von etwa 80 bis 260 n. Chr. auch ein Teil Hessens (Wetterau) sowie der größte Teil des heutigen Baden-Württemberg südlich des Limes. Die römisch beherrschten Gebiete im heutigen Deutschland verteilten sich auf die Provinzen Germania superior, Germania inferior und Raetia. In diesem Gebiet gründeten die Römer viele Legionslager, die sich später zu Städten entwickeln konnten. Wichtigste Städte zu römischer Zeit waren Trier, Köln, Augsburg und Mainz (die ältesten Städte Deutschlands). Die Gebiete im heutigen Deutschland, die außerhalb der römischen Herrschaft lagen, bezeichnete das Römische Reich als Magna Germania oder Barbaricum.

Ein Fries der Walhalla bei Regensburg stellt die Varusschlacht im Jahr 9 n. Chr. dar. In der Mitte steht Arminius, links die Germanen, rechts die Römer mit Varus.

Zur Sicherung der Grenzen siedelten die Römer befreundete germanische Stämme in den Provinzen an. Außerdem wanderten Siedler aus anderen Teilen des Römischen Reiches, insbesondere aus Italien, ein und wurden westlich des Rheins und südlich der Donau sesshaft. Weitreichende Neuerungen, die auch das deutsche Vokabular beeinflussten, führten die Römer insbesondere in Hausbau, Handwerk, Wein- und Ackerbau sowie Verwaltung und Militär ein. Tacitus’ im Jahr 98 entstandene Schrift Germania ist die älteste völkerkundliche Beschreibung der germanischen Stämme. Mit der Varusschlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9 n. Chr. erlitten die Römer durch verbündete Germanen unter Führung des Arminius eine vernichtende Niederlage. Die Bemühungen der Römer zur Errichtung rechtsrheinischer Provinzen bis zur Elbe endeten schließlich.[101]

Völkerwanderung und Frühmittelalter (375–962)

Hauptartikel: Völkerwanderung und Frühmittelalter
Die Krönung Karls des Großen, Fresko von Raffael, zwischen 1516 und 1517

Nach dem Einfall der Hunnen 375 und mit dem Niedergang Westroms ab 395 setzte die Völkerwanderung ein, in deren Verlauf die germanischen Stämme immer weiter nach Südwesten zogen (→ Spätantike). Gleichzeitig bildeten sich auf dem Gebiet des heutigen Deutschland mehrere Großstämme heraus, die die kleineren germanischen Stämme der römischen Kaiserzeit verdrängten. Dies sind Franken und Alamannen im Westen, Sachsen im Norden, Bayern im Süden und Thüringer im Osten. In die fast menschenleeren Gebiete des heutigen Ostdeutschlands wanderten im 7. Jahrhundert bis zur Elbe-Saale-Linie slawische Stämme ein. Weite Teile der Bevölkerung der heutigen ostdeutschen Bundesländer und Ostbayerns waren daher bis ins hohe Mittelalter slawisch geprägt (Germania Slavica). Erst im Zuge der hochmittelalterlichen Ostsiedlung wurden sie assimiliert und akkulturiert. Der Hauptteil West- und Mitteleuropas und damit auch große Gebiete des heutigen Süd- und Westdeutschlands wurden vom Ende des 6. Jahrhunderts entstandenen Frankenreich eingenommen, das heutige Norddeutschland wurde von den Sachsen und Slawen beherrscht. Alle heute zu Deutschland gehörigen Gebiete des einstigen Frankenreichs lagen im östlichen Teilreich, das seit der Merowingerzeit als Austrien bezeichnet wurde. Eine gewisse Eigenstaatlichkeit Austriens wurde erstmals im Jahre 614 offenbar, als König Chlothar II. das Edictum Chlotharii unterschreiben musste, in dem festgehalten wurde, dass jedes der drei fränkischen Teilreiche (Neustrien, Austrien, Burgund) einem eigenen Hausmeier unterstand.

Die Gebietsaufteilung im Vertrag von Verdun, 843

Mitte des 8. Jahrhunderts trat im Frankenreich mit Pippin dem Jüngeren die Dynastie der Karolinger die Königsnachfolge der Merowinger an. Nach der blutigen Unterwerfung und Zwangsmissionierung der Sachsen, den Eroberungen in Italien, Nordspanien und im östlichen Grenzraum, erstreckte sich das Frankenreich unter Karl dem Großen von den Pyrenäen bis zur Nordsee, dem heutigen Österreich und bis nach Mittelitalien. Das Vielvölkerreich wurde neu organisiert, auf den Gebieten der Kirchenorganisation und der Kultur knüpfte man partiell an römische Traditionen an und trieb eine nachhaltige Kulturförderung voran (sogenannte Karolingische Renaissance bzw. Karolingische Bildungsreform). Auf dem Höhepunkt der fränkischen Macht wurde durch die Theorie der translatio imperii ein Anspruch auf die Nachfolge Roms und die Führungsmacht im westlichen Europa formuliert. Zu Weihnachten 800 ließ sich Karl von Papst Leo III. in Rom zum römischen Kaiser krönen, was zu Auseinandersetzungen mit den byzantinischen Kaisern führte (Zweikaiserproblem). Nach Karls Tod im Jahr 814 kam es zu innerdynastischen Kämpfen unter seinen Nachfolgern. Dies führte im Vertrag von Verdun (843) zur faktischen Dreiteilung des Reiches in das Ostfrankenreich, unter Ludwig (später „Ludwig der Deutschen“ genannt), das Westfrankenreich unter Karl dem Kahlen und dem zwischen ihnen liegenden Königreich Lothars I., das den Namen Lotharingien erhielt.

Im ostfränkischen Reich bildeten sich im um 900 fünf große Herzogtümer, die meist als (die jüngeren) Stammesherzogtümer bezeichnet werden, da sich ihre Namen in der Regel auf alte westgermanische Großstämme beziehen: das Stammesherzogtum Sachsen, das Stammesherzogtum Baiern, das Herzogtum Schwaben, das Herzogtum Franken und das Herzogtum Lothringen, zu dem auch die Friesen gehörten.

Im 10. Jahrhundert starb das karolingische Herrschergeschlecht sowohl in West- wie auch in Ostfranken aus, beide Reichsteile waren politisch fortan endgültig getrennt. Die siegreiche Schlacht auf dem Lechfeld im Jahre 955, die eine jahrzehntelange Serie der Einfälle von Magyaren beendete, führte zu einem erheblichen Prestigegewinn des ostfränkischen Königs Otto, der seit 951 auch die langobardisch-italienische Königswürde trug, und zur Zuordnung des Erzengels Michael als Schutzpatron der Deutschen.

Vom Ostfrankenreich zum Heiligen Römischen Reich (962–1806)

Hauptartikel: Heiliges Römisches Reich
Das Reichsgebiet im 10. Jahrhundert (rot umrandet), später als Heiliges Römisches Reich bekannt (1157 erstmals als Sacrum Imperium belegt)
Der Aachener Dom diente bis 1531 insgesamt 31 deutschen Herrschern als Krönungsstätte.

In der neueren historischen Forschung wird zwar die Bedeutung der Ottonenzeit für die Ausformung des Ostfrankenreichs betont, sie gilt aber nicht mehr als Beginn der eigentlichen „deutschen“ Reichsgeschichte (siehe auch Deutschland im Mittelalter).[102] Der damit verbundene komplexe Prozess zog sich vielmehr mindestens bis ins 11. Jahrhundert hin.[103] Der Terminus regnum Teutonicum („deutsches Königreich“) bzw. regnum Teutonicorum („Königreich der Deutschen“) taucht erst zu Beginn des 11. Jahrhunderts in den Quellen auf.[104] Es handelte sich aber nie um den offiziellen Reichstitel (Imperium, mit den späteren Zusätzen „Heilig“ und „Römisch“ sowie schließlich „deutscher Nation“), sondern wurde nicht zuletzt von päpstlicher Seite genutzt, um damit die Herrschaftsansprüche der römisch-deutschen Könige zu relativieren.[105]

Durch die 951 von Otto I. angenommene langobardische Königswürde war das Regnum Teutonicorum mit dem Regnum Italiae, auch Regnum Italicum oder Reichsitalien genannt, verbunden. 962 wurde Otto zum Kaiser gekrönt und verband damit den Anspruch der römisch-deutschen Königswürde auf das westliche „römische“ Kaisertum (Reichsidee). Das in der modernen Forschung als römisch-deutsches Reich bezeichnete Imperium nahm unter den Ottonen eine hegemoniale Machtstellung im westlichen Europa ein. 1024 traten die Salier die Königsnachfolge an, die bis zum Ende des Mittelalters stets an eine Wahl durch verschiedene Große des Reichs gekoppelt war. 1033 kam als dritter Reichsteil (neben dem nordalpinen deutschen Reichsteil und Reichsitalien) noch das Königreich Burgund (Arelat) hinzu. Die Verzahnung weltlicher und geistlicher Macht durch das Reichskirchensystem führte nun zum Konflikt mit dem reformierten Papsttum (Investiturstreit), der ab etwa 1076 einsetzte und mit dem Wormser Konkordat 1122 eine Zwischenlösung erfuhr. Als sein Höhepunkt gilt der sprichwörtlich gewordene Gang nach Canossa 1077. Einen weiteren Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung zwischen Kaiser und Papst in staufischer Zeit im 12./13. Jahrhundert. Kaiser Friedrich I. betonte die Würde des Kaisertums und den Honor Imperii, doch musste er in Italien gegenüber den selbstbewussten Stadtstaaten und dem Papsttum schwere Rückschläge hinnehmen. Der schärfste Konflikt zwischen Kaiser und Papst entbrannte unter Friedrichs Enkel Friedrich II. und endete faktisch mit dem Tod des Kaisers 1250 und dem Zusammenbruch der staufischen Königsherrschaft. Das Kaisertum als politischer Ordnungsfaktor bestand fort, verlor aber auf der europäischen Ebene zunehmend an Einflussmöglichkeiten.

In Form der Territorialstaaten verselbstständigten sich faktisch zahlreiche Feudalherrschaften zu Lasten der königlich-kaiserlichen Macht. Diese war aber nie besonders stark ausgeprägt gewesen und die mittelalterlichen römisch-deutschen Könige waren zur effektiven Herrschaftsausübung stets auf den Konsens mit den Großen des Reiches angewiesen (konsensuale Herrschaft).[106] Kaiser Heinrich VI., ein Sohn Friedrich Barbarossas, war schon Ende des 12. Jahrhunderts mit dem Versuch gescheitert, durch den Erbreichsplan die Erbmonarchie einzuführen. Während sich das Westfrankenreich in einem längeren Prozess zum französischen Zentralstaat entwickelte, blieb das Ostfrankenreich bzw. das römisch-deutsche Reich durch Landesherren und das Recht der Königswahl geprägt. Die Machtstellung der Fürsten nahm infolge des Interregnums noch einmal zu. Mitte des 13. Jahrhunderts setzte sich im Heiligen Römischen Reich, eine erst in dieser Zeit aufkommende Bezeichnung, die Auffassung durch, dass einem Kollegium der Kurfürsten, die seit Beginn des 13. Jahrhunderts als eine Gruppe mächtiger Fürsten hervortraten und Kurvereine bildeten, die Wahl des Königs zustehe. Die Goldene Bulle von 1356 legte endgültig eine kurfürstliche Wahlmonarchie fest, deren politische Grundlage sich durch das Bündnis des Kurvereins von Rhense bereits im Jahr 1338 formiert hatte. Obwohl die Kaiser wiederholt versuchten, ihre Position zu stärken, blieb das Reich ein supranationaler Verband großer, mittelgroßer und vieler Klein- und Kleinstterritorien sowie Freier Reichsstädte (→ Historisches Territorium).

Das Spätmittelalter (ca. 1250–1500) wird in der neueren Forschung im Gegensatz zur älteren Lehrmeinung nicht mehr als Niedergangszeit begriffen.[107] Die Zeit bis ins späte 14. Jahrhundert war stark vom Wahlkönigtum geprägt: Drei große Familien – die Habsburger, die Luxemburger und die Wittelsbacher – verfügten über den größten Einfluss im Reich und über die größte Hausmacht. Als bedeutendster spätmittelalterlicher römisch-deutscher König gilt Karl IV., der eine geschickte Hausmachtpolitik betrieb. Neben Krisen wie der Pest (Schwarze Tod) Mitte des 14. Jahrhunderts, die Agrarkrise und das abendländische Schisma, florierten aber auch die Städte, der Handel und es begann der Übergang in die Renaissance. Im Reich traten die Habsburger das Erbe der Luxemburger an, die 1437 in männlicher Linie ausstarben, und stellten nun bis zum Ende des Reichs fast kontinuierlich die römisch-deutschen Herrscher.

Im 15./16. Jahrhundert scheiterte der Versuch weitgehend, durch eine umfassende Reichsreform das Reich den sich wandelnden frühneuzeitlichen staatlichen Strukturen anzupassen. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts verfolgte Kaiser Karl V. aus der Dynastie der Habsburger durch Kaisertum und spanisches Königtum das Konzept einer Universalmonarchie. Er erlangte einen globalen Wirkungsbereich, der neben der Vorherrschaft in Europa auch ein überseeisches spanisches Kolonialreich einschloss.[108] 1517 trat Martin Luther mit der Forderung nach einer grundlegenden Reform der Kirche auf und legte damit das Fundament für die Reformation. Die innerkirchlichen und theologischen Auseinandersetzungen in Verbindung mit einer anti-römischen (anti-päpstlichen) Haltung bestärkten die Reformation, aus der zahlreiche „protestantischeKonfessionen hervorgingen. Die Gegenreformation war die Reaktion der katholischen Kirche, doch behauptete sich die evangelische Kirche in weiten Teilen des Reiches. Bald bestimmte der Landesherr die Konfession seiner Untertanen (Cuius regio, eius religio), der Augsburger Reichs- und Religionsfrieden von 1555 schaffte einen vorläufigen Ausgleich. Nach dem mit hohen Todesopfern und zahlreichen verheerten Landschaften verbundenen Dreißigjährigen Krieg (1618–1648), der sowohl durch konfessionelle als auch durch habsburgisch-französische Gegensätze ausgelöst worden war, hatte der römisch-deutsche Kaiser infolge der Regelungen des Westfälischen Friedens und des ihm folgenden Jüngsten Reichsabschieds eine deutlich geschwächte, eher auf die Repräsentation des Reichs beschränkte Machtstellung. Die Reichsfürsten gingen gestärkt aus diesem Konflikt hervor, hatten sie mit dem Frieden sogar das Recht erhalten, mit auswärtigen Mächten Verträge abzuschließen. Das Reich wurde dadurch de facto zu einem Staatenbund,[109] de jure blieb es bis zum Ende 1806 ein monarchisch geführtes und ständisch geprägtes Herrschaftsgebilde, in denen die einzelnen Reichsglieder jedoch weitgehend unabhängig agierten. Frankreich hatte im Krieg die Protestanten unterstützt, um Habsburg zu schwächen; es betrieb eine gezielte Expansionspolitik im Grenzraum und besetzte mehrere Reichsterritorien (Reunionspolitik), was erneut zu Spannungen führte. Ab 1663 erörterten Kaiser und Reichsfürsten ihre politischen Angelegenheiten im Reichstag durch ihre Gesandten permanent (Immerwährender Reichstag).

Der politische Aufstieg Preußens im 18. Jahrhundert führte zum Konflikt mit dem Hause Habsburg. Im 17./18. Jahrhundert entwickelte sich nach französischem Vorbild der Absolutismus, der jedoch anders als dort nicht die königliche Zentralgewalt, sondern einzelne Fürstentümer zu bürokratisch organisierten, frühmodernen Staaten werden ließ. Manche Herrscher, insbesondere König Friedrich II. von Preußen, aber partiell auch seine kaiserlichen Rivalen Maria Theresia, Franz I. und Joseph II., öffneten sich dem philosophischen Zeitgeist (Aufgeklärter Absolutismus).

Dieser Zustand währte bis 1806, als Napoleon I. Mitteleuropa eroberte und das schwache Reichsgebilde zum Einsturz brachte. Der letzte Kaiser des nur noch formell bestehenden Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Franz II., der erst 1804 auch Kaiser des durch ihn gegründeten österreichischen Vielvölkerstaates geworden war, legte die Reichskrone nieder. Damit erlosch das Reich.

Rheinbund, Deutscher Bund, Norddeutscher Bund (1806–1871)

Der Deutsche Bund 1815–1866

Unter Napoleons Einfluss war zwischen 1801 und 1806 durch den Frieden von Lunéville, den Reichsdeputationshauptschluss und die Rheinbundakte die Anzahl der Staaten im Gebiet des „Alten Reiches“ von etwa 300 auf etwa 60 verringert worden. Teile Deutschlands, vor allem im Westen und Nordwesten, annektierte Frankreich 1790 bis 1793, 1797 bis 1801, 1806, 1808 sowie 1811. Obendrein schuf es sich deutsche Vasallenstaaten, etwa das Königreich Westphalen, das Großherzogtum Berg und das Großherzogtum Frankfurt, deren Throne Napoleon mit Angehörigen seiner Familie besetzte. Kleine und mittlere deutsche Staaten baute Napoleon zu Bündnispartnern auf, indem er ihnen Gebietserweiterungen auf Kosten der bisherigen geistlichen Gebiete, Reichsstädte und anderer reichsunmittelbarer Stände verschaffte. Nutznießer dieses Prozesses waren vor allem Preußen, Bayern, Württemberg und Baden. Der Sieg über Österreich in der Schlacht bei Austerlitz 1805 erlaubte es Napoleon, seinen Einfluss in Deutschland weiter auszubauen.[110] Die vergrößerten Mittelstaaten wurden im Rheinbund vereinigt und standen so als Verbündete zur Verfügung. Im Ergebnis hatte Frankreich damit den bisherigen Rivalen, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, ausschalten, große Teile seines Territoriums annektieren und das übrige Gebiet im Wesentlichen in drei Teile aufspalten können: Rheinbund, Preußen und Österreich.

Diese Zeit der französischen Vorherrschaft brachte in den Rheinbundstaaten erhebliche Modernisierungsanstöße, so etwa in Bayern unter dem Minister Maximilian von Montgelas.[111] Teils eigenständig blieben die stark beschnittenen Konkurrenten Österreich und Preußen. Auch in Preußen wurden nach der katastrophalen Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 tiefgreifende Reformen unternommen, um den Staat wieder handlungs- und wehrfähig zu machen.

Völkerschlacht bei Leipzig, 1813, Gemälde aus dem Jahr 1815

Ab 1809 regte sich Widerstand gegen die französische Besatzung. Bekannte Vorkämpfer gegen Napoleon und seine Verbündeten waren Andreas Hofer im österreichischen, nun jedoch bayerisch besetzten Tirol und Ferdinand von Schill in Preußen. Dieser Widerstand wurde jedoch zunächst niedergeschlagen.[112] Erst nach Napoleons Niederlage im Russlandfeldzug 1812 konnten Preußen und Österreich 1813 darangehen, im Bündnis mit Russland die französischen Truppen zu vertreiben. In den Befreiungskriegen (1813–1815) entstand ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl der Deutschen, zunächst angeführt von Dozenten und Studenten der protestantischen Universitäten, z. B. im Lützower Freikorps, das auch als Ursprung der Farben Schwarz-Rot-Gold gilt. Die meisten Rheinbundstaaten gingen im Verlauf des Jahres 1813 auf die Seite der Verbündeten über, ein erster großer Erfolg war deren Sieg in der Leipziger Völkerschlacht im Oktober 1813. Weitere Kämpfe folgten bis zur endgültigen Niederlage Napoleons 1815.

Nach der Niederlage Napoleons restaurierte der Wiener Kongress (1814–1815) weitgehend die alten monarchischen Herrschaftsverhältnisse. Im Deutschen Bund, einem von dem Kaisertum Österreich und dem Königreich Preußen dominierten Staatenbund (→ Deutscher Dualismus), organisierten sich 38 Staaten (→ Drittes Deutschland). Der Bundestag, mit Sitz in Frankfurt am Main, bildete das Entscheidungsgremium. 1833/1834 wurde der Deutsche Zollverein geschaffen, in dem Preußen die vorherrschende Macht war.

Borsig Lokomotivfabrik im Berliner „Feuerland“ um 1847. Die einsetzende Industrielle Revolution verursachte einschneidende gesellschaftliche Veränderungen.

In der Ära des Vormärz bewahrte der Hochadel mithilfe einer in den Karlsbader Beschlüssen gipfelnden Repression und Restauration seine Macht. Das wirtschaftlich erstarkende Bürgertum forderte jedoch weiter Teilhabe an der politischen Macht.

Im Oktober 1817 trafen sich Professoren und Studenten zum Wartburgfest. „Höhepunkt“ war die Verbrennung von Werken von Autoren, die gegen einen deutschen Staat waren, wie zum Beispiel August von Kotzebue. Zum später sogenannten Hambacher Fest trafen sich 1832 über 30.000 Menschen aus vielen Bevölkerungskreisen und Staaten. Dort wurden die Farben Schwarz-Rot-Gold gehisst, die später zu den Nationalfarben wurden (→ Flagge Deutschlands).

Frankfurter Nationalversammlung, 1848–1849. Das erste frei gewählte Parlament für ganz Deutschland tritt in der Frankfurter Paulskirche zusammen.

Am 1. März 1848 begann mit der Besetzung des Ständehauses des badischen Landtags in Karlsruhe die Märzrevolution. Durch Aufstände der Bürger mussten viele konservative Politiker ihren Platz räumen, unter ihnen der österreichische Staatskanzler Fürst Metternich, der noch im Wiener Kongress die Monarchie nach Napoleons Abtreten mitrestauriert und die Epoche seitdem geprägt hatte.

Unter dem Druck der revolutionären Ereignisse in Berlin seit dem 6. März 1848 gab der preußische König Friedrich Wilhelm IV. zunächst nach, machte Zugeständnisse und akzeptierte die Einrichtung der Frankfurter Nationalversammlung. Die von jener ausgearbeitete Paulskirchenverfassung, die Deutschland in eine geeinte konstitutionelle Monarchie umgewandelt hätte, lehnte er jedoch ebenso ab wie die ihm angetragene Kaiserkrone, die er als bürgerliche „Lumpenkrone“ bezeichnete.

Der Maiaufstand vom Mai 1849 wurde niedergeschlagen und endete am 23. Juli 1849 mit der Einnahme von Rastatt durch preußische Truppen. Die Niederlage der demokratischen Bewegung führte zu Flucht und Auswanderung der „Forty-Eighters“ und zu einer neuen Phase reaktionärer Politik in den deutschen Staaten (Reaktionsära).

Bald nach der gescheiterten Revolution von 1848/49 kam es zur Kollision Preußens mit der Großmacht Österreich um die Vormachtstellung im Deutschen Bund, die zum Preußisch-Österreichischen Krieg (später auch „Deutscher Krieg“) von 1866 führte. Nachdem Preußen diesen Krieg für sich entschieden hatte, kam es zur Auflösung des Deutschen Bundes. Preußen annektierte etliche Gebiete nord- und mitteldeutscher Kriegsgegner, so dass sich die Zahl der deutschen Staaten weiter verringerte.

1867: Der Norddeutsche Bund

1866 wurde der Norddeutsche Bund zunächst als Militärbündnis gegründet. Er bekam 1867 eine Verfassung, die ihn zum Bundesstaat machte. Die Gründung des Bundes als souveränen Gesamtstaat zum 1. Juli 1867 unter preußischer Führung leitete die sogenannte kleindeutsche Lösung ein. Diese zielte entsprechend der Absicht des späteren gesamtdeutschen Gründervaters Otto von Bismarck auf eine staatliche Einigung deutscher Einzelstaaten unter der Vorherrschaft Preußens ohne die damalige Großmacht Österreich.

Deutsches Kaiserreich (1871–1918)

Hauptartikel: Deutsches Kaiserreich

Das Deutsche Reich wurde nach der entscheidenden Niederlage Frankreichs in der Schlacht von Sedan im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 ausgerufen. Dies geschah einhergehend mit der Proklamation des preußischen Königs Wilhelm I. vom ehemaligen Amt des Vorsitzenden des Bundesrates zum ersten Deutschen Kaiser am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles. Damit war der erste deutsche Nationalstaat offiziell begründet.

Mit der Reichsgründung wurden Gebiete eingegliedert, die zuvor nicht oder eine längere Zeit nicht zum einstigen Heiligen Römischen Reich gehört hatten. Dazu zählten Teile von West- und Ostpreußen, das überwiegend polnischsprachige Gebiet Posen und Schleswig. Frankreich trat deutsch- und französischsprachige Teilgebiete der Regionen Lothringen und Elsass ab, die als „Reichsland Elsaß-Lothringen“ als reichsunmittelbare Gebietskörperschaft ohne Gliedstaatrechte angegliedert wurden (1879 trat für alle reichsländischen Angelegenheiten ein Statthalter an die Stelle des Reichskanzlers).

Otto von Bismarck hatte als preußischer Ministerpräsident auf die Reichsgründung hingewirkt, maßgeblich die Reichsverfassung entworfen und wurde nun erster Reichskanzler. Seine Politik stützte die Macht des monarchischen Staates, war aber in wichtigen Politikfeldern auf Modernisierung ausgelegt und in manchen Fragen ambivalent. Mit dem Reichstag entstand das erste voll funktionsfähige und bindende Parlament Deutschlands. Gegen die katholische Kirche führte er einen sogenannten Kulturkampf, in dessen Folge sogar Bischöfe inhaftiert wurden. Inhaltlich waren die Gesetze unter seiner Federführung (zur Schule, zur Ehe) oft eher liberal. Um die Liberalen im Parlament künftig überstimmen zu können, führte Bismarck bei Reichstagswahlen das demokratische Wahlrecht für alle Männer ein. Nationalliberale waren andererseits lange Zeit Partner Bismarcks. Er bekämpfte die Sozialdemokratie seit 1878 mithilfe der Sozialistengesetze, versuchte aber, die Arbeiter durch eine moderne Sozialgesetzgebung an den Staat zu binden.

Deutsches Kaiserreich, 1871–1918

Seine anfangs aggressive Außenpolitik änderte sich ab der Reichsgründung zu einer Bündnispolitik, die ein defensives Bündnissystem schuf, mit Deutschland als halbhegemonialer Macht in der Mitte Europas. Frankreich wurde isoliert und ermutigt, sich auf seine Kolonien (und nicht auf das verlorene Elsass-Lothringen) zu konzentrieren.

Dem Erwerb eigener Kolonien und später sogenannter Schutzgebiete stand Bismarck aber skeptisch gegenüber. Wirtschaftliche Schwierigkeiten und Kolonialpolitik deutscher Kaufleute führten trotzdem dazu, dass auf der Berliner Kongokonferenz 1884 eine Gruppe Deutscher sich bei der Teilung Afrikas Gebiete zusprach, sodass das Deutsche Reich in den Kreis der Kolonialmächte eintrat, nachdem schon in den frühen 1880er-Jahren deutsche Vereine Territorien in Afrika und Asien erworben hatten.

Im „Dreikaiserjahr“ 1888 kam Wilhelm II. an die Macht. Er zwang Bismarck 1890 zum Rücktritt und forderte für das wirtschaftlich und militärisch aufgestiegene Deutsche Reich die Anerkennung der bisherigen Großmächte, vor allem Englands. Dies wurde oft harsch vorgetragen mit dem Wunsch nach einem ebenbürtigen „Platz an der Sonne“ und drückte sich auch im Erwerb von Kolonien und dem Aufbau einer Flotte aus. Daraus folgten Verstimmungen in England und ein neues Bündnissystem entstand, das statt Frankreich nun Deutschland ausschloss. Das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand löste im Jahre 1914 den Ersten Weltkrieg aus, nachdem Wilhelm II. seinem Bündnispartner Österreich-Ungarn eine bedingungslose Unterstützungszusage gegeben hatte, als die Donaumonarchie Serbien den Krieg erklärte. Ebenso hatte Frankreich in der Julikrise der russischen Regierung seine Hilfe zugesichert und dafür einen raschen Vormarsch der Russen auf das Deutsche Reich verlangt. Mehr als zwei Millionen deutsche Soldaten starben im Ersten Weltkrieg, rund 800.000 Zivilisten starben an Hunger.

Weimarer Republik (1919–1933)

Hauptartikel: Weimarer Republik
Deutsches Reich 1919–1937

Mit der deutschen Kapitulation 1918 und der Novemberrevolution endete nicht nur der Erste Weltkrieg, sondern auch die Monarchie im Deutschen Reich. Im Vertrag von Versailles wurden erhebliche Gebietsabtretungen, die Alliierte Rheinlandbesetzung und Reparationen auf Grundlage einer ebenfalls festgeschriebenen deutschen Alleinschuld am Krieg bestimmt.

Mit der Ausrufung der Republik wurde am 9. November 1918 das Kaisertum beendet. Am 30. November 1918 erhielten erstmals die Frauen mit der Verordnung über die Wahlen zur Verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung (Reichswahlgesetz) aktives und passives Wahlrecht für diese Nationalversammlung.[113] Die Revolutionsregierung aus rechten und linken Sozialdemokraten nannte sich „Rat der Volksbeauftragten“. Nach der Wahl der verfassunggebenden Nationalversammlung trat die Weimarer Verfassung am 14. August 1919 in Kraft.

Die Kriegsschuldfrage und die Hypothek der Reparationszahlungen belasteten von Beginn an das politische Klima der jungen Republik. Die von rechtsextremen Kräften verbreitete Dolchstoßlegende führte zu politischen Morden und Putschversuchen, von denen die wichtigsten der Kapp-Putsch 1920 und der Hitler-Ludendorff-Putsch 1923 waren. Wichtige Vertreter der demokratischen Kräfte wie Matthias Erzberger und Walther Rathenau wurden von nationalistischen Attentätern ermordet. Der erste Weimarer Reichskanzler, Philipp Scheidemann, überlebte einen Anschlag am Pfingstsonntag 1922 nur knapp. Andererseits gab es mehrere Aufstände von Kommunisten, wie den Ruhraufstand 1920, die Märzkämpfe in Mitteldeutschland 1921 und den Hamburger Aufstand 1923. Unzureichende Reparationsleistungen der Weimarer Republik nahmen Belgien und Frankreich zum Anlass, in den Jahren 1923 bis 1925 auch das Ruhrgebiet zu besetzen.

In den kurzen „goldenen Zwanzigern“ blühte die Kultur und ab 1924 auch die Konjunktur. Berlin war damals mit über vier Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt der Erde – nach New York und London – und wurde zu einer der dynamischsten Städte der Welt (siehe Berlin in der Weimarer Republik).

Ein jähes Ende erfuhr die Prosperität 1929 im Gefolge des Schwarzen Donnerstags, als durch den Zusammenbruch der New Yorker Börse die Weltwirtschaftskrise ausgelöst wurde. Zu deren Höhepunkt 1932 gab es in Deutschland mehr als sechs Millionen Arbeitslose, die größtenteils in Elend lebten. In der Folge fanden extremistische Parteien noch stärkeren Zulauf als zuvor, sodass es für die gemäßigten Parteien zunehmend schwieriger wurde, stabile Regierungen zu bilden. Nach dem Erdrutschsieg der Nationalsozialisten bei der Reichstagswahl 1930 verfügten die Reichskanzler, die in rascher Folge wechselten, über keine parlamentarische Mehrheit mehr. Die sogenannten Präsidialkabinette waren nur noch vom Reichspräsidenten Paul von Hindenburg und dessen Notverordnungen abhängig.

Die Spar- und Deflationspolitik des Reichskanzlers Brüning verschärfte die wirtschaftliche Krise noch weiter. Dessen Nachfolger Franz von Papen (Juni–November 1932) unterstellte die demokratische Regierung Preußens einem Reichskommissar („Preußenschlag“) und ließ Neuwahlen abhalten, bei denen die Nationalsozialisten noch stärker wurden. Reichskanzler Kurt von Schleicher versuchte durch eine „Querfront“ von Gewerkschaften und Teilen der Nationalsozialisten eine Machtübernahme Adolf Hitlers zu verhindern, scheiterte aber an Franz von Papen, der Hindenburg dazu überredete, Hitler trotz starken Widerwillens zum Reichskanzler zu ernennen.

Hitlers Regierung vom 30. Januar 1933 war zunächst eine Koalition von Nationalsozialisten und Teilen der Konservativen, darunter Franz von Papen und Alfred Hugenberg. Am 27. Februar kam es zum Reichstagsbrand, dessen Ursache bis heute nicht geklärt ist. Hitler nutzte die Brandstiftung, um die sogenannte Reichstagsbrandverordnung zu verabschieden, die auf unbestimmte Zeit die Grundrechte außer Kraft setzte. Die nun folgenden Massenverhaftungen politischer Gegner, insbesondere von Kommunisten und Sozialdemokraten, prägten das Vorfeld der Reichstagswahl 1933. Trotz erheblicher Stimmengewinne verfehlte die NSDAP auch hier die absolute Mehrheit und ging daher ein Bündnis mit der reaktionär geprägten DNVP ein. Die endgültige Machtübernahme erfolgte fünf Tage später, als der neu zusammengetretene Reichstag mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien, allein gegen die Stimmen der SPD, ein Ermächtigungsgesetz verabschiedete, welches Hitlers Regierung das Recht zubilligte, Gesetze auch ohne den Reichstag zu beschließen (siehe auch: Rechtsstaatsverständnis im Nationalsozialismus).

Nationalsozialistische Diktatur (1933–1945)

Großdeutsches Reich, 1943–1945

Die NSDAP errichtete im Deutschen Reich innerhalb kürzester Zeit einen totalitären Einparteienstaat unter Führung Adolf Hitlers. Missliebige Personen wurden aus allen staatlichen Organisationen entfernt. Es wurden erste Konzentrationslager errichtet, um politische Gegner zu beseitigen, insbesondere Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter. Eine Reihe von Direktiven sorgte für die völlige Gleichschaltung der öffentlichen Meinung im Sinne der NSDAP. Missliebige Publikationen wurden, beispielsweise in der öffentlichkeitswirksamen Bücherverbrennung, aus dem Verkehr gezogen und der gesamte Kunstbetrieb auf Parteilinie gebracht – unerwünschte Kunstwerke wurden für „entartet“ erklärt. Innerhalb kürzester Zeit durchdrang die Partei auch das Privatleben, indem die NS-Propaganda des von Joseph Goebbels geleiteten Reichspropagandaministeriums allgegenwärtig wurde und bereits auf Kinder Druck ausgeübt wurde, den Parteiorganisationen beizutreten. Im Oktober 1933 verkündete Hitler den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund.

Persönlich sicherte sich Hitler ab, indem er auch innerparteiliche Gegner und ehemalige Weggefährten ermorden ließ. Im angeblichen Röhm-Putsch ließ er am 30. Juni 1934 den SA-Führer Röhm und eine Reihe innenpolitischer Gegner töten, woraufhin auch die ihm lästig gewordene SA entmachtet wurde. Stattdessen setzte er auf die ihm bedingungslos ergebene SS und die Reichswehr, deren Generalität auf ihn persönlich ihren Treueeid ablegte. Die Gestapo wurde als politische Polizei zur Bekämpfung der politischen und ideologischen Gegner eingesetzt.

Von Beginn an verfolgte Hitler zwei Ziele: einen Angriffs- und Vernichtungskrieg zur Schaffung neuen „Lebensraumes im Osten“ und die Verfolgung der Juden, die mit Diskriminierung, Demütigung und Ausgrenzung begann und später im Holocaust endete. Nachdem sich Hitler der Gefolgschaft des Militärs versichert hatte, begann schon ab 1934 die Ausrichtung der Wirtschaft auf einen bevorstehenden Krieg: Die Rüstungsausgaben wurden innerhalb kürzester Zeit auf gewaltige Summen getrieben. Arbeitsprogramme, eine enthemmt expansive Geldpolitik und Schuldenwirtschaft waren die wirtschaftspolitischen Instrumente hierfür. Die damit verbundene Senkung der Arbeitslosigkeit wurde von der Bevölkerung begrüßt und als Einlösung wirtschaftlicher Versprechen aufgenommen.

Die Lage der deutschen Juden verschlimmerte sich kontinuierlich: 1935 wurden die Nürnberger Rassengesetze verabschiedet, die persönliche Beziehungen zwischen „Ariern“ und Juden als „Rassenschande“ brandmarkten und schwer bestraften. Juden verloren zuerst alle öffentlichen Ämter, wurden willkürlich verfolgt, bestohlen und erpresst und schließlich mit einem völligen Berufsverbot belegt. Unter dem Begriff „Arisierung“ wurden alle jüdischen Unternehmen enteignet. Immer häufiger wurden nun auch Juden in Konzentrationslager eingewiesen. Viele fassten den Entschluss zur Emigration, die meisten aber blieben in Deutschland, weil sie sich als Deutsche fühlten und ihre Heimat nicht verlassen wollten.

Einfahrtsgebäude des Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, Ansicht von innen, 1945

Die rassistische Weltsicht der Nationalsozialisten und ihre Bemühungen zur Schaffung einer „gesunden“ und verbrechensfreien „Volksgemeinschaft“ (vgl. Herrenrasse) betraf daneben zwei weitere als „fremdrassig“ (vgl. Fremdvölkische) geltende Bevölkerungsgruppen in Europa, Roma sowie Angehörige der slawischen Ethnien wie Polen und Russen oder Ukrainer. Nicht als „fremdrassig“, aber als die Gesundheit des „Volkskörpers“ angeblich bedrohende deutsche Bevölkerungsgruppen waren Homosexuelle, Behinderte und die zahlreichen Gruppen der „Asozialen“ von der rassenhygienischen Utopie und also von Repression, Gewalt und Mord betroffen.

Währenddessen feierte das Regime einige Propagandaerfolge. 1935 stimmte das Saarland für eine Rückkehr ins Reich und wurde eingegliedert, 1936 verbesserten die Olympischen Spiele das Ansehen im Ausland, im gleichen Jahr erfolgte die erneute Besetzung des entmilitarisierten Rheinlands. Die aggressive Expansion über die deutschen Grenzen hinaus begann mit dem Anschluss von Österreich im Jahr 1938, der unter dem Jubel großer Teile der Bevölkerung betrieben wurde, woraufhin Deutschland als „Großdeutsches Reich“ bezeichnet wurde (vgl. Großdeutsche Lösung) – ab dem 26. Juni 1943 trug das Deutsche Reich hinfort auch offiziell den Namen Großdeutsches Reich. Gemäß dem Münchner Abkommen erreichte Hitler im November 1938 die Annexion des mehrheitlich von Deutschen besiedelten Sudetenlandes.

Erst als Deutschland im März 1939 auch in das restliche Tschechien einmarschierte und es als „Protektorat Böhmen und Mähren“ dem Reichsgebiet zuschlug, ebenso wie das von Litauen rückabgetretene Memelland, erkannten die anderen Staaten den Fehler, den sie mit ihrer Beschwichtigungspolitik (Appeasement-Politik) begangen hatten.

Nachdem Deutschland schließlich am 1. September 1939 damit begonnen hatte, Polen anzugreifen, erklärten das Vereinigte Königreich und Frankreich Deutschland den Krieg. Der Zweite Weltkrieg forderte in sechs Jahren geschätzte 55 bis 60 Millionen Tote. Mit einer Serie erfolgreicher Aktionen, die als Blitzkrieg in die Geschichte eingingen, gelangen Deutschland zunächst bedeutende militärische Erfolge. Polen wurde im Nichtangriffspakt zwischen Hitler und Stalin aufgeteilt, die Wehrmacht warf anschließend ihre Armeen nach Westen, überfiel die neutralen Staaten Luxemburg, Belgien und Niederlande und besetzte innerhalb von sechs Wochen Frankreich. Zu diesem Zeitpunkt erreichte Hitlers Popularität im Volk seinen Höhepunkt; der Machtbereich des Deutschen Reichs erstreckte sich nun vom Elsass bis nach Krakau.

Mit Kriegsbeginn verschlechterte sich auch das Schicksal der Juden und der anderen verfolgten Minderheiten. Die Ausreise wurde verboten, die Juden wurden in Ghettos gezwungen und mussten den „Judenstern“ tragen, ab Herbst 1939 im besetzten Polen und ab Herbst 1941 im Reich. Bei unzureichender Verpflegung und ständig ausbrechenden Seuchen mussten sie Zwangsarbeit in der Kriegswirtschaft verrichten. Viele von ihnen starben an Entkräftung, Hunger oder Misshandlungen.

Köln am Ende des Bombenkrieges, April 1945

Im Jahre 1941 begann die systematische Ermordung der Juden – der genaue Zeitpunkt oder ein einzelner Befehl Hitlers dazu ist nicht bekannt. Auf der Wannseekonferenz im Januar 1942 wurden dazu administrativ die Weichen gestellt (sog. Endlösung der Judenfrage). Die mit der Ausführung vor allem beauftragte SS errichtete auf ehemals polnischem oder sowjetischem Gebiet Vernichtungslager, in denen die meisten Opfer, in Viehwaggons herangebracht, sofort vergast wurden (siehe Aktion Reinhardt). Allein in Auschwitz-Birkenau wurden auf diese Art über eine Million Menschen ermordet. Insgesamt beläuft sich die wissenschaftlich gesicherte Zahl der ermordeten Juden auf 6,3 Millionen.

Zwischenzeitlich hatte Hitler der Sowjetunion den Krieg erklärt (Russlandfeldzug 1941–1945). Seit Juni 1941 marschierte das Heer scheinbar unaufhaltsam auf Moskau vor und wurde erst im Dezember gestoppt. Nachdem der Kriegsverbündete Japan im selben Monat die amerikanische Marine in Pearl Harbor überfallen hatte, erklärte Deutschland auch den Vereinigten Staaten von Amerika den Krieg. Mangelnde Ressourcen und die Übermacht des Gegners ließen schon bald die Kriegswende eintreten. Als überdeutliches Zeichen dafür wird gemeinhin die erbittert geführte und verlorene Schlacht von Stalingrad angeführt, die in der völligen Aufreibung der deutschen 6. Armee endete.

Je unvermeidlicher die Niederlage wurde, desto härter wurde die Politik nach innen geführt. Goebbels rief im Berliner Sportpalast 1943 unter frenetischem Jubel des Publikums den „totalen Krieg“ aus, heute ein oft zitiertes Beispiel für die nationalsozialistische Propaganda dieser Zeit (siehe Sportpalastrede). Die gesamte Produktion wurde nun auf den Krieg ausgerichtet, während die deutschen Armeen an fast allen Fronten zurückwichen und zahlreiche deutsche Städte durch den Bombenkrieg zerstört wurden. Erst als die sowjetischen Armeen schon Berlin eingenommen hatten, nahm sich Hitler am 30. April 1945 in seinem Führerbunker das Leben. Die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht folgte am 8. Mai. Die Verhaftung der letzten Reichsregierung unter Karl Dönitz in Flensburg-Mürwik erfolgte erst am 23. Mai 1945. Die überlebenden politischen und militärischen Hauptverantwortlichen wurden später in den Nürnberger Prozessen verurteilt. 1988 wurde die letzte Schuldrate für den Zweiten Weltkrieg beglichen.

Alliierte Besatzung (1945–1949)

Die Teilnehmer der Potsdamer Konferenz, 1945

Deutschland wurde in den Grenzen vom 31. Dezember 1937 aufgeteilt.[114] In einer Zusatzerklärung zur Berliner Erklärung vom 5. Juni 1945[115] legten die vier Siegermächte – USA, UdSSR, Großbritannien und Frankreich[116] – die einzelnen Besatzungszonen fest und übten sodann westlich der Oder-Neiße-Linie die Hoheitsgewalt in ihrer jeweiligen Zone und gemeinsam mittels einer Alliierten Kommandantur über Groß-Berlin aus.[117] Die deutschen Ostgebiete wurden durch die Potsdamer Beschlüsse ausgegliedert und waren mithin nicht mehr dem alliierten Besatzungsrecht unterworfen.[118] Die Vier Mächte bemühten sich anfangs noch um eine gemeinsame Besatzungspolitik. Einig war man sich über eine Demilitarisierung und die sogenannte Entnazifizierung. Aber schon bei der Frage, was man unter einer Demokratie zu verstehen habe, zeigten sich erste Meinungsverschiedenheiten zwischen der Sowjetunion einerseits und den Westmächten andererseits.

Die vier Besatzungszonen gemäß dem Potsdamer Abkommen, das Saarprotektorat und die von der Sowjetunion unter polnische und sowjetische Verwaltung gestellten Ostgebiete

Auf Betreiben Stalins, der die 1921 an Polen verlorenen Gebiete (Ostpolen, Kresy) 1939 bzw. 1944 zurückerobert sowie weitere Gebiete (u. a. Ostgalizien) der Sowjetunion zugeschlagen hatte, wurden die Ostgebiete des Deutschen Reiches sowie die bis zum Einmarsch der Wehrmacht 1939 Freie Stadt Danzig als Ausgleich unter polnische Verwaltungshoheit gestellt, wobei die spätere Volksrepublik Polen die Verwaltungsgebiete als polnisches Staatsgebiet betrachtete und behandelte. So fielen Hinterpommern, Schlesien, Ostbrandenburg (Neumark) und das südliche Ostpreußen faktisch an Polen, das nördliche Ostpreußen als Gebiet Kaliningrad an die Sowjetunion – ein Vorgehen, das von den Westmächten auf der Konferenz von Potsdam nur widerstrebend gebilligt wurde. Die meisten deutschen Bewohner im neuen Einflussbereich der Sowjetunion wurden aus ihrer Heimat, die nun in Polen, der Tschechoslowakei usw. lag, vertrieben. Dabei verlor Deutschland ein Viertel seines Gebietes von 1937, und ein Fünftel seiner Bevölkerung wurde zu Flüchtlingen.

In den drei Westzonen wurde im Mai 1949 die Bundesrepublik Deutschland gegründet, nachdem sich die Westalliierten in der Ruhrfrage darauf geeinigt hatten, die für den Wiederaufbau bedeutende Montanindustrie an Rhein und Ruhr unter ein Ruhrstatut zu stellen. In der Sowjetischen Zone (im Westen zunächst Mitteldeutschland genannt) entstand im Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik. Beide Staaten (wenn auch die DDR nicht mehr in den Grenzen von 1937) unterstrichen die politisch-rechtliche Kontinuität zwischen sich und einem gesamtdeutschen Staat[119] (vgl. Deutsches Reich#Staatsrechtliche Fragen), wovon die DDR später aber abrückte, weil damit auch Verpflichtungen verbunden waren und weil keine Fortsetzung eines kapitalistischen Staates erwünscht war.

Die Republik Österreich wurde in den Grenzen von 1938 wiederhergestellt.[120] Die Grenzziehung der deutschen Bundesländer wurde teilweise durch die Grenzen der Besatzungszonen (vgl. auch Besatzungsfreie Zone) bestimmt, insbesondere zwischen Niedersachsen und Mecklenburg bzw. Sachsen-Anhalt sowie zwischen Thüringen und Hessen, woraus später die innerdeutsche Grenze wurde.

Bundesrepublik Deutschland und DDR (1949–1990)

Grenzen der Bundesrepublik Deutschland, West-Berlins und der DDR zwischen Eingliederung des Saarlands 1957 und Wiedervereinigung 1990

Die Bundesrepublik Deutschland ist der erste Staat auf deutschem Boden, welcher den Namen Deutschland in seinem offiziellen Staatsnamen trägt; weitere Vorschläge bei den Beratungen zum Grundgesetz waren Deutsche Republik, Republik Deutschland, Deutsche Staatengemeinschaft, Union deutscher Länder und schließlich Bund deutscher Länder.[121] Sie wurde am 23. Mai 1949 in den drei westlichen Besatzungszonen gegründet. An diesem Tag wurde das Grundgesetz als „Provisorium“ (Carlo Schmid) oder „Transitorium“ (Theodor Heuss)[122] für eine Verfassung in Kraft gesetzt. Das Grundgesetz enthielt in der Präambel „(…) Das gesamte Deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden“ ein Wiedervereinigungsgebot, das im Zuge der deutschen Vereinigung verwirklicht werden konnte. Bonn wurde am 3. November 1949 zur vorläufigen Hauptstadt erklärt.

Die Gründung der DDR erfolgte am 7. Oktober desselben Jahres in der Sowjetischen Besatzungszone. Nach einer Verwaltungsreform 1952 entstanden daraus 14 Bezirke mitsamt Ost-Berlin, das ab 1961 selbst „die Funktion eines Bezirkes“ ausübte.[123]

Während in der DDR eine Planwirtschaft errichtet wurde, entschied sich die Bundesrepublik für die soziale Marktwirtschaft. Die sowjetische Besatzungsmacht sorgte mit hohen Reparationsforderungen (vor allem Demontagen) für schwierige Startbedingungen auf dem Gebiet der DDR.[124] Zwar hatte auch der unter westalliierter Besatzung stehende größere Teil Deutschlands Reparationslasten zu tragen, aber hier wurde mit dem Marshallplan für die westlichen Länder Europas spürbar geholfen, die Kriegsfolgen zu überwinden. Das mit dem Korea-Boom einsetzende „Wirtschaftswunder“ führte zu anhaltend hohen Wachstumsraten, Vollbeschäftigung und Wohlstand.

Durch den Kalten Krieg wurden die Deutschen in Ost und West physisch immer mehr getrennt. Der Eiserne Vorhang zog sich quer durch Mitteleuropa und teilte auch Deutschland. Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 wurde der letzte freie Zugang in den Westen gesperrt.

Konferenzort, an dem 1957 die Römischen Verträge unterzeichnet wurden. Die Bundesrepublik wird Gründungsmitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft.

Mit der Aufhebung des alliierten Besatzungsstatuts wurde die Bundesrepublik Deutschland am 5. Mai 1955 souverän. Diese Souveränität beschränkte sich auf den Geltungsbereich des Grundgesetzes, das heißt, die Alliierten behielten ein Vorbehaltsrecht über Deutschland als Ganzes und die Viersektorenstadt Berlin ein. Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, verkündete damals: „Heute, fast zehn Jahre nach dem militärischen und politischen Zusammenbruch des Nationalsozialismus, endet für die Bundesrepublik Deutschland die Besatzungszeit.“

Die wichtigsten außenpolitischen Meilensteine dieser Ära waren die Westintegration – 1955 trat Westdeutschland der NATO bei – und die Beteiligung am wirtschaftlichen Zusammenschluss in Europa, der mit der Montanunion 1952 begann und durch die Römischen Verträge 1957 einen entscheidenden Schub erhielt. Die DDR wurde im September 1950 Vollmitglied im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) und, nach der gewaltsamen Niederschlagung des Volksaufstandes des 17. Juni 1953 und dem Aufbau eigener Streitkräfte, auch des Warschauer Pakts.

Die Berliner Mauer (1986) am Bethaniendamm in Kreuzberg (West-Berlin)

In den 1960er-Jahren führten einige politische Affären und das Aufkommen kritischer Ideen insbesondere der Studenten zum Ruf nach einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel. Eine 1967 einsetzende Wirtschaftskrise, die studentische 68er-Bewegung und die Wahlerfolge der NPD verstärkten den Eindruck einer politischen Krise. Die 1966 gebildete Große Koalition aus CDU und SPD unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) verabschiedete eine Reihe grundlegender Gesetzesänderungen (Notstandsgesetze) und versuchte, sich mithilfe der Globalsteuerung an die wirtschaftlich schwierigeren Zeiten anzupassen. Gleichzeitig wurde die deutsche Studentenbewegung der 1960er-Jahre zunehmend mit der außerparlamentarischen Opposition gleichgesetzt.

Mit dem Antritt der sozialliberalen Regierung unter Willy Brandt (SPD) 1969 wurden eine Reihe sozialer, gesellschaftlicher und außenpolitischer Reformen umgesetzt. Die „Neue Ostpolitik“, die auf Verständigung mit Osteuropa setzte und im Kniefall von Warschau einen symbolischen Ausdruck fand, führte zu außenpolitischer Entspannung und brachte Brandt 1971 den Friedensnobelpreis ein. Den Auftakt hatte das Erfurter Gipfeltreffen 1970 gebildet. Diese Politik wurde aber von Konservativen teilweise scharf kritisiert. Brandt überstand im April 1972 ein konstruktives Misstrauensvotum, und die SPD rettete sich in Neuwahlen.

Im Jahr 1973 wurde die Bundesrepublik Deutschland neben der DDR (134.) der 133. Mitgliedstaat der UNO. Dieser Beitritt wurde von der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag mehrheitlich abgelehnt, worauf deren Vorsitzender Rainer Barzel zurücktrat.

Bornholmer Straße im westlichen Teil Berlins. Einen Tag nach dem 9. November 1989 und dem Fall der Mauer bereitet ein Spalier Besuchern aus der DDR einen ersten Empfang.

Brandts zweite Amtszeit (1972–1974) war überschattet von wirtschaftlichen Problemen, zu denen die Ölkrise 1973 sowie inflationäre Tendenzen aufgrund hoher Tarifabschlüsse geführt hatten. Die versprochenen innenpolitischen Reformen waren nicht bezahlbar. Brandt trat nach der Aufdeckung einer Spionageaffäre um seinen Mitarbeiter Günter Guillaume zurück.

Sein Nachfolger Helmut Schmidt (SPD), seit Juni 1974 im Amt, hatte mit steigender Verschuldung und Arbeitslosigkeit, mehreren Wirtschaftskrisen und dem Terror der RAF zu kämpfen. Als Kanzler und Person bei den Deutschen geschätzt, verlor er jedoch den Rückhalt seiner Fraktion, die zunehmend gegen seine Unterstützung des NATO-Doppelbeschlusses opponierte.

Nach dem Auseinanderbrechen der Koalition wurde Helmut Kohl (CDU) nach einem konstruktivem Misstrauensvotum am 1. Oktober 1982 zum Kanzler gewählt. Er regierte länger als alle seine Vorgänger und gilt als Kanzler der deutschen Einheit. Diese wurde durch die Veränderungen in der Sowjetunion durch Glasnost und Perestroika ermöglicht und maßgeblich von den Massendemonstrationen in der DDR sowie der dortigen Ausreisebewegung vorangetrieben. Am 9. November 1989 musste die DDR-Führung die Mauer öffnen, nachdem ein Sprecher durch ein Versehen einen Massenansturm auf die Grenzübertrittsstellen ausgelöst hatte.

Bei den ersten freien Wahlen zur Volkskammer am 18. März 1990 gewann das von der Ost-CDU geführte Parteienbündnis „Allianz für Deutschland“. (Letzter) Ministerpräsident der DDR wurde Lothar de Maizière (CDU). Nun war der Weg frei für die deutsche Wiedervereinigung. Diese fand im Einvernehmen mit den Vertretern der Alliierten im Rahmen der „Zwei-plus-Vier-Gespräche“ statt.

Wiedervereinigtes Deutschland (seit 1990)

Am 3. Oktober 1990 wurde die deutsche Wiedervereinigung vollzogen. (Deutschlands Außengrenzen seit 1990; innerstaatliche Grenzen zeigen den Stand nach dem 29. Juni 1993)

Laut Art. 1 Absatz 1 des Einigungsvertrags wurden mit dem Wirksamwerden des Beitritts der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland gemäß Art. 23 des Grundgesetzes[125] am 3. Oktober 1990 die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen („neue Bundesländer“) Länder der Bundesrepublik Deutschland.[126][127] Dieser Tag wird seitdem mit dem Namen Tag der Deutschen Einheit als deutscher Nationalfeiertag begangen.

Der Zwei-plus-Vier-Vertrag vom 12. September 1990 regelte die deutsche Frage endgültig: Die Vier Mächte gaben ihre Hoheitsbefugnisse auf, und durch das Inkrafttreten am 15. März 1991 konnte das wiedervereinigte Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges abschließend die volle staatliche Souveränität wiedererlangen. Bis Ende 1994 verließ der Großteil der fremden Militäreinheiten durch den Truppenabzugsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion vom 12. Oktober 1990 das Land – die noch verbliebenen der Westalliierten haben keinerlei Hoheitsbefugnisse mehr und unterliegen dem NATO-Truppenstatut. Deutschland verpflichtete sich zur Abrüstung auf maximal 370.000 Soldaten. Mit dem am 14. November 1990 in Warschau unterzeichneten deutsch-polnischen Grenzvertrag erkannte Deutschland die Oder-Neiße-Grenze an; das Territorium östlich davon wurde damit endgültig völkerrechtlich Polen zugesprochen. Das wurde durch eine Politik der Aussöhnung mit den östlichen Nachbarn ergänzt, zuerst 1991 mit Polen, dann 1997 mit der Tschechischen Republik.

Mit einer knappen Mehrheit von 338 zu 320 Stimmen beschloss der Bundestag am 20. Juni 1991, Bonn als Regierungssitz aufzugeben und Regierung und Parlament nach Berlin zu verlegen. Bonn bleibt aber zweites politisches Machtzentrum Deutschlands: Dort befinden sich nach dem Berlin/Bonn-Gesetz von 1994 die ersten Dienstsitze von sechs Bundesministerien; alle anderen haben ihren Zweitsitz in der Bundesstadt Bonn. Der neue Sitz des Deutschen Bundestags ist das von Grund auf renovierte Reichstagsgebäude in Berlin, in dem am 19. April 1999 erstmals wieder eine Parlamentssitzung stattfand. Bereits zu West-Berliner Zeiten, bis in die 1970er-Jahre, tagten dort oftmals das Plenum und einige Ausschüsse; auch der Bundespräsident wurde dort von 1954 bis 1969 gewählt. Seit 1999 ist die Bundesregierung in Berlin angesiedelt.

Das Bundeskanzleramt in Berlin. Seit 1999 ist die Bundesregierung in der Hauptstadt angesiedelt.

Die 1990er-Jahre waren nach dem kurzen Boom der Wiedervereinigung von geringer wirtschaftlicher Dynamik, Massenarbeitslosigkeit und wahrgenommenem „Reformstau“ geprägt. Insbesondere in den neuen Bundesländern entwickelte sich die Wirtschaft nicht wie erhofft. Mehrere Reformvorhaben der Bundesregierung scheiterten an der rot-grünen Mehrheit im Bundesrat. Außenpolitisch setzte sich Kohl für eine stärkere Zusammenarbeit im Rahmen der Europäischen Union und zum Beispiel für die EU-Osterweiterung ein. Als 1991 die SFR Jugoslawien zu zerfallen begann, war Deutschland eines der Länder, das die Anerkennung der Unabhängigkeit von Kroatien und Slowenien durch die westlichen Staaten unterstützte. Eine direkte Teilnahme am Zweiten Golfkrieg zur Befreiung Kuwaits lehnte die Bundesregierung ab. Stattdessen leistete Deutschland finanzielle Unterstützung und ersetzte Marineeinheiten der NATO-Partner im Mittelmeer. Nach Beendigung der Kämpfe half ein Verband der Bundesmarine bei der Räumung von Seeminen im Persischen Golf.

Zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte kam es in der Folge der Bundestagswahl 1998 zu einem vollständigen Regierungswechsel. Die bisherigen Regierungsparteien CDU/CSU und FDP verloren ihre Bundestagsmehrheit, die bisherigen Oppositionsparteien SPD und Bündnis 90/Die Grünen bildeten die erste rot-grüne Koalition unter Bundeskanzler Gerhard Schröder. Bei der Bundestagswahl 2002 wurde die Bundestagsmehrheit von SPD und Grünen knapp bestätigt.

Die Einführung des Euro als standardmäßige Währung im Jahr 1999. Die Ausgabe von Banknoten wurde im Jahr 2002 vollzogen.

Die rot-grüne Bundesregierung setzte tiefgreifende Veränderungen in der Sozial-, Renten- und Gesundheitspolitik (siehe Agenda 2010) durch. Mit den Einnahmen aus der umstrittenen Ökosteuer gelang es, die Lohnnebenkosten (Rentenversicherungsbeiträge) zu senken. Allgemein erhielt das Thema Ökologie stärkeres Gewicht, beispielsweise mit dem Beginn des Atomausstiegs oder Gesetzesinitiativen zur Reduzierung von Treibhausgasen. Andere Reformen der rot-grünen Regierung waren etwa das Lebenspartnerschaftsgesetz, das neue Staatsbürgerschaftsrecht und das Gewaltschutzgesetz.

Der erste Kampfeinsatz deutscher Soldaten seit dem Zweiten Weltkrieg – 1999 im Kosovokrieg – markierte einen Wendepunkt der deutschen Außenpolitik. Nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York 2001 sicherte Bundeskanzler Schröder den Vereinigten Staaten die „uneingeschränkte Solidarität“ zu.[128] Deutschland unterstützte die „Operation Enduring Freedom“ und den Krieg in Afghanistan, beteiligte sich aber nicht am Irakkrieg 2003. Dies führte zu Konflikten vor allem mit den USA, aber zu großen Sympathiebekundungen aus der deutschen Bevölkerung für den „Friedenskanzler“ Schröder. Die Bundeswehr sicherte die Seewege am Horn von Afrika, entsandte ABC-Spürpanzer nach Kuwait und zog gemäß ihren internationalen Verpflichtungen deutsche Soldaten nicht aus NATO-AWACS-Flugzeugen ab. Letzteres erklärte das Bundesverfassungsgericht im Mai 2008 wegen Verletzung der Rechte des Bundestages für verfassungswidrig.[129]

Die Hartz-IV-Gesetzgebung von 2004 hatte das Ziel, den Arbeitsmarkt zu beleben, wurde jedoch von den direkt Betroffenen als sozial ungerecht empfunden. Das führte zu deutschlandweiten Protesten und einer Niederlagenserie für Rot-Grün bei Landtagswahlen (zuletzt in Nordrhein-Westfalen). Deshalb stellte Bundeskanzler Schröder am 1. Juli 2005 im Bundestag die Vertrauensfrage nach Art. 68 GG – mit dem Ziel, diese zu verlieren und so vorzeitige Neuwahlen zu erreichen. Daraufhin löste Bundespräsident Horst Köhler den 15. Deutschen Bundestag auf und setzte Bundestagswahlen für den 18. September 2005 an. Diese Wahl brachte keiner der angestrebten Koalitionen (SPD/Grüne und Union/FDP) eine Mehrheit, und alle Versuche, eine andere Dreiparteienregierung zu bilden, scheiterten. Daher einigten sich CDU/CSU und SPD auf die Bildung einer Großen Koalition unter der Kanzlerschaft von Angela Merkel (CDU), die unter anderem Grundfragen des Staatsaufbaus in der Föderalismusreform neu justierte.

Unterzeichnung des Vertrags von Lissabon im Jahr 2007

Am 27. September 2009 fand die Wahl zum 17. Deutschen Bundestag statt. Die beiden Unionsparteien und die FDP erreichten zusammen die notwendige Mehrheit für die von beiden Seiten angestrebte Bildung einer schwarz-gelben Koalition. Dies war vor allem aufgrund der Stimmenzuwächse der FDP möglich, da die CDU wiederum an Stimmen verlor.[130] Merkel blieb Bundeskanzlerin. Nachdem die Regierung in der Energiepolitik zunächst eine Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke auf den Weg gebracht und damit den Atomkonsens aufgekündigt hatte, beschloss die Regierung nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima, endgültig aus der Atomenergie auszusteigen und die Energiewende voranzutreiben. Weitere seit der schwarz-gelben Koalition vorangetriebene große innenpolitische Projekte in den 2010er-Jahren sind die Schuldenbremse für ausgeglichene Haushalte, die Reform und Vereinfachung der Einwanderungspolitik für mehr qualifizierte Zuwanderung, die Einführung des generellen Mindestlohnes, der Bürokratieabbau sowie die Beförderung der Informatisierung und die Modernisierung der Wirtschaft als Zukunftsprojekt Industrie 4.0.[131]

Der von Deutschland ratifizierte Vertrag von Lissabon trat im Jahr 2009 in Kraft. Seit 2010 ist Deutschland wichtiger Partner von Stützungsmaßnahmen, um der Staatsschuldenkrise im Euroraum zu begegnen. An der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), die für eine Übergangszeit bis zum 30. Juni 2013 als finanzielles Instrument zur Stützung von Staaten der Eurozone eingerichtet war, trägt die Bundesrepublik einen Anteil von rund 28 Prozent der Verbindlichkeiten. Als dauerhaftes, seit dem 1. Juli 2013 alleinzuständiges Instrument des Euro-Rettungsschirms trat am 27. September 2012 das Finanzinstitut Europäischer Stabilitätsmechanismus (ESM) in Kraft. Sein anfängliches Stammkapital beträgt 700 Milliarden Euro, wovon die Bundesrepublik rund 190 Milliarden Euro beizutragen hatte. Im März 2012 hat Deutschland den Europäischen Fiskalpakt mitunterzeichnet, der zur Bekräftigung und Absicherung des EU-Stabilitäts- und Wachstumspaktes ein Bündel von fiskalpolitischen Pflichten vorsieht.[132]

Nach der Bundestagswahl 2013 wurde erneut eine Große Koalition zwischen CDU und SPD unter Angela Merkel gebildet. Neben der globalen Überwachungs- und Spionageaffäre zählt die seit 2015 eintretende Flüchtlingskrise in Europa zu den wichtigen innenpolitischen Themen. Insgesamt sind 2015 etwa 1,1 Millionen Flüchtlinge in Deutschland registriert worden. Es wird davon ausgegangen, dass weitere 250.000 Flüchtlinge in dem Jahr ohne Registrierung eingereist sind. Die abweichenden innerdeutschen und europäischen Standpunkte hinsichtlich der europaweiten Flüchtlingsbewegung sorgten für politische Spannungen und das Erstarken EU-skeptischer und nationalkonservativer Parteien.[133]

Politik

Staatsgründung

Sitz des Deutschen Bundestages in Berlin. Davor die Fahne der Einheit, die seit dem 3. Oktober 1990 ununterbrochen weht.

Die Bundesrepublik Deutschland ist als Staat und Völkerrechtssubjekt nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts mit Rechtskraft (unter anderem BVerfGE 36, 1 ff. zum Grundlagenvertrag) identisch mit dem 1867 zu einem Bundesstaat umgewandelten Norddeutschen Bund, der ab 1871 den Namen „Deutsches Reich“ führte. Entsprechend besteht der deutsche Staat ohne Unterbrechungen seit dem Jahr 1867. Der Norddeutsche Bund, der 1866 als Militärbündnis gegründet worden war, erhielt zum 1. Juli 1867 eine Verfassung, die ihn zu einem monarchischen Bundesstaat unter preußischer Führung formte. Auf dieser Verfassung beruhen die nachfolgenden Verfassungen des Deutschen Reiches von 1871 und 1919 sowie das damals noch provisorische Grundgesetz der Bundesrepublik von 1949, ferner gilt sie als Begründungsakt des von der Bundesrepublik noch heute innegehaltenen Völkerrechtssubjekts. Nach der Kaiserproklamation am 18. Januar 1871 – die historiographisch auch als deutsche Reichsgründung behandelt wurde – trat am 16. April 1871 die Verfassung des Deutschen Reiches in Kraft. Damit entstand nach heutigem Verständnis der deutsche Nationalstaat unter Außenvorlassung Österreichs (auch als kleindeutsche Lösung bekannt). In den Jahren 1918 und 1919 erfolgte der Übergang dieses Gebildes in eine neue Staatsform: Am 9. November 1918 wurde durch den Sozialdemokraten Philipp Scheidemann die „deutsche Republik“ proklamiert, während der Sprecher des Spartakusbundes und spätere Mitgründer der KPD, Karl Liebknecht, kurz darauf eine „freie sozialistische Republik Deutschland“ hochleben ließ. Mit dem Inkrafttreten der Verfassung vom 11. August 1919 konstituierte sich die erste auf nationalstaatlicher Ebene verwirklichte deutsche Republik.

Das Grundgesetz bildet die rechtliche und politische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland. (Installation der ersten Artikel von 1949)

Die sogenannte Weimarer Verfassung galt während der Herrschaft der NSDAP 1933 bis 1945 formell fort, war jedoch materiell überwiegend außer Kraft gesetzt. Im frühen Nachkriegsdeutschland von 1945 bis 1949 galt das Besatzungsrecht der Militärgouverneure und danach bis 1955 das der Hohen Kommissare des Alliierten Kontrollrats (Kontrollratsgesetze). 1949 wurden zwei Verfassungen in Kraft gesetzt. Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland wurde am 23. Mai 1949 verkündet und zum 24. Mai 1949 in Kraft gesetzt, wobei es aufgrund des Geltungsbereichs bis zur deutschen Wiedervereinigung nur provisorischen Charakter besaß. Die erste Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik trat am 7. Oktober 1949 in Kraft und wurde am 9. April 1968 durch eine neue Verfassung ersetzt sowie 1974 revidiert. Zum 3. Oktober 1990 trat die DDR dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei.

Bisher wurden sechs Verfassungen des seit 1871 existierenden Nationalstaats Deutschland in Kraft gesetzt; die Daten ihrer Konstituierung werden unter staatsrechtlichen und ideengeschichtlichen Aspekten als Gründungsakte der jeweiligen deutschen Staatswesen betrachtet. Der 23. Mai 1949 ist das für die Gegenwart bedeutendste Gründungsdatum, da an diesem Tag die noch heute gültige Verfassung Deutschlands verkündet wurde. Die Bundesrepublik ist mithin die historisch jüngste Ausprägung des deutschen Gesamt- oder Bundesstaates, dessen Geschichte sich bis zur Einführung der bundesrepublikanischen Prinzipien des Grundgesetzes und der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in verschiedene Phasen einteilen lässt: Norddeutscher Bund (1867–1871), Deutsches Kaiserreich (1871–1918), Weimarer Republik (1919–1933), nationalsozialistische Herrschaft (1933–1945), „Deutschland als Ganzes“ unter fremder Besatzung, ausgeübt durch den Alliierten Kontrollrat (1945–1949).

Politisches System

Die Verfassung der Bundesrepublik ist das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland.[134] Staatsoberhaupt ist der Bundespräsident mit vor allem repräsentativen Aufgaben. Protokollarisch gesehen folgen ihm der Präsident des Deutschen Bundestages, der Bundeskanzler und der jeweils amtierende Präsident des Bundesrates, der nach dem Grundgesetz den Bundespräsidenten vertritt. Hauptstadt und Regierungssitz ist die Stadt Berlin (Art. 22 Absatz 1 GG).

Artikel 20 GG legt verbindlich fest, dass die Bundesrepublik Deutschland als demokratischer, sozialer Bundesstaat föderativ organisiert sein muss. Bei diesem föderalen Rechtsstaat handelt es sich um eine parlamentarische Demokratie. Das Grundgesetz stellt an die Ausgestaltung der Bundesstaatlichkeit auch ganz bestimmte Anforderungen (sogenannte Ewigkeitsgarantie). Das heißt, es existieren zwei Ebenen im politischen System: die Bundesebene, die den Gesamtstaat Deutschland nach außen vertritt, und die Länderebene, die in jedem der 16 Bundesländer einzeln existiert. Jede Ebene besitzt eigene Staatsorgane der Exekutive (ausführende Gewalt), Legislative (gesetzgebende Gewalt) und Judikative (rechtsprechende Gewalt). Die Länder wiederum bestimmen die Ordnung ihrer Städte und Gemeinden; beispielsweise sind fünf Länder wiederum in insgesamt 22 Regierungsbezirke untergliedert. Die Länder haben sich eigene Verfassungen gegeben.

Dreieck mit dem Bund an der Spitze, darunter in Schichten die Bundesländer, optional Regierungsbezirke, (Land-)Kreise, optional Gemeindeverbände und Gemeinden. Die strikte Schichtung wird durchbrochen durch Stadtstaaten und Kreisfreie Städte, die Aufgaben mehrerer Schichten wahrnehmen. Bund Bundesländer/Flächenländer Bundesländer/Stadtstaaten (Regierungsbezirke) (Land-)Kreise Gemeindeverbände (Gemeindeverbandsangehörige/Kreisangehörige Gemeinden) (Gemeindeverbandsfreie) Kreisangehörige Gemeinden Kreisfreie Städte
Vertikale Verwaltungsstruktur Deutschlands

Den deutschen Ländern kommt grundsätzlich Staatsqualität zu, sie sind jedoch beschränkte Völkerrechtssubjekte, die nur mit Einwilligung der Bundesregierung eigene Verträge mit anderen Staaten eingehen dürfen (Art. 32 Abs. 3, Art. 24 Abs. 1 GG).[135] Die Bundesrepublik kann als die staatsrechtliche Verbindung ihrer Bundesländer angesehen werden, ist also Bundesstaat im eigentlichen Sinne. Demnach erhält sie erst durch diese Verbindung selbst Staatscharakter.[136]

Gesetzgebungsorgane des Bundes sind der Deutsche Bundestag und der Bundesrat. Bundesgesetze werden vom Bundestag mit einfacher Mehrheit beschlossen. Sie werden wirksam, wenn der Bundesrat keinen Einspruch eingelegt hat oder, wenn das Gesetz der Zustimmung des Bundesrates bedarf, wenn der Bundesrat dem Gesetz zustimmt (Art. 77 GG). Eine Änderung des Grundgesetzes ist nur mit der Mehrheit von zwei Dritteln der Mitglieder des Bundestages und des Bundesrates möglich (Art. 79 GG). In den Bundesländern entscheiden die Länderparlamente über die Gesetze ihres Landes. Obwohl die Abgeordneten der Parlamente nach dem Grundgesetz nicht weisungsgebunden sind, dominieren in der Praxis Vorentscheidungen in den Parteien die Gesetzgebung.

Joachim Gauck, Bundespräsident seit 2012

Die Kompetenz zur Gesetzgebung liegt vom Grundsatz her bei den Bundesländern, wenn nicht eine Gesetzgebungsbefugnis des Bundes besteht (Art. 70 GG). In Fällen der ausschließlichen Gesetzgebung hat nur der Bund die Gesetzgebungskompetenz (Art. 71 GG), in den Fällen der konkurrierenden Gesetzgebung besteht für die Länder dann eine Gesetzgebungsbefugnis, wenn diese Bereiche nicht durch Bundesgesetz geregelt sind (Art. 72 Abs. 1 GG). Dazu zählen vor allem die in den Artikeln 74, 74a und 105 Abs. 2 GG aufgeführten Gebiete. Der Bund hat hierbei im Sinne des Absatzes 2 soweit aber das Recht, Gesetze zu erlassen, wenn dies zur „Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse im Bundesgebiet oder [zur] Wahrung der Rechts- oder Wirtschaftseinheit im gesamtstaatlichen Interesse […] erforderlich“ ist. Gesetzlich kann seitens des Bundes auch wieder bestimmt werden, dass auf jenen Rechtsgebieten „eine bundesgesetzliche Regelung […] durch Landesrecht ersetzt werden kann“ (Art. 72 Abs. 4 GG).

Die Exekutive wird auf Bundesebene durch die Bundesregierung gebildet, die durch den Bundeskanzler als Regierungschef geleitet wird. Auf der Ebene der Länder leiten die Ministerpräsidenten, in Hamburg und Bremen die Präsidenten des Senats (Hamburg: Erster Bürgermeister; Bremen: Bremer Bürgermeister), in Berlin der Regierende Bürgermeister, die Exekutive. Auch die Länder sind parlamentarische Demokratien und deren Regierungschefs durch die Landtage, Bürgerschaften bzw. das Abgeordnetenhaus von Berlin gewählt. Die Verwaltungen des Bundes und der Länder werden jeweils durch die Fachminister geleitet.

Der Bundeskanzler wird auf Vorschlag des Bundespräsidenten vom Bundestag mit der Mehrheit seiner Mitglieder gewählt (Art. 63 GG), seine Amtszeit endet mit der Wahlperiode des Bundestages (Art. 69 Abs. 2 GG). Vor Ablauf der Wahlperiode des Bundestages kann der Bundeskanzler gegen seinen Willen nur dadurch aus dem Amt scheiden, dass der Bundestag mit der Mehrheit seiner Mitglieder einen Nachfolger wählt (Art. 67 GG, sogenanntes Konstruktives Misstrauensvotum). Die Bundesminister werden auf Vorschlag des Bundeskanzlers ernannt (Art. 64 Abs. 1 GG), sie und der Bundeskanzler bilden die Bundesregierung (Art. 62 GG). Der Bundeskanzler besitzt die Richtlinienkompetenz für die Politik der Bundesregierung (Art. 65 Satz 1 GG). Die Führungsaufgabe in der deutschen „Kanzlerdemokratie“ kommt dem Bundeskanzler beziehungsweise der Bundeskanzlerin zu.[137] Der Kanzler nominiert darüber hinaus den deutschen Kandidaten für das Amt eines EU-Kommissars.

Die Ausübung der staatlichen Befugnisse und die Ausführung der Bundesgesetze obliegt grundsätzlich den Bundesländern, sofern das Grundgesetz keine abweichende Regelung trifft oder zulässt (Art. 30, Art. 83 GG).

Staatshaushalt

Bundeshaushaltsplan 2011. Die Einzelpläne für Sozialausgaben und Bundesschulden vertilgen allein über die Hälfte der jährlichen Finanzen.

Der Staatshaushalt umfasste 2013 Ausgaben von 1.223,1 Milliarden Euro, dem standen Einnahmen von 1.223,4 Milliarden Euro gegenüber. Daraus ergab sich ein kleiner Haushaltsüberschuss in Höhe von 0,3 Milliarden oder 0,01 Prozent des BIP.[138] 2014 erreichte Deutschland einen höheren Überschuss des Gesamtstaatshaushaltes von 18,0 Milliarden Euro oder 0,6 Prozent des BIP.[139] Somit erreichte Deutschland 2014 den höchsten Staatsüberschuss seit 14 Jahren.[140] Im 1. Halbjahr 2015 erwirtschaftete Deutschland einen Überschuss des Staatshaushalts von 21,1 Milliarden Euro oder 1,4 Prozent des BIP.[141]

Zum Ende des dritten Quartals 2015 liegt die Staatsverschuldung Deutschlands gemäß den Daten des Statistischen Bundesamtes bei 2.027,7 Milliarden Euro[142] – und sank somit gegenüber dem Ende des 3. Quartals 2014 um 0,8 % beziehungsweise 16,5 Milliarden Euro – bzw. gemäß Eurostat bei 2.152,0 Milliarden Euro (inklusive Schulden der deutschen Sozialversicherung), was einer Staatsschuldenquote von 71,9 % entspricht.[143]

Deutschland, dessen Staatsanleihen Bundesanleihen genannt werden, erhält von den drei großen Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch die bestmögliche Bonität mit einem Ratingcode von AAA. Die große Nachfrage nach den als sichere Anlage geltenden Bundesanleihen hat in den letzten Jahren die Zinsen deutlich gesenkt und teilweise sogar negativ werden lassen, was einen Hauptgrund für Deutschlands Haushaltsüberschuss darstellt.[144] Für Neuemissionen von Staatsanleihen ein- und zweijähriger Laufzeit kann Deutschland bereits negative Zinsen verlangen.[145]

Neben verschiedenen Verkehrsteuern (zum Beispiel Umsatzsteuer) erzielt der Staat einen Großteil seiner Einnahmen aus Steuern vom Einkommen und Ertrag: Hierzu zählen die Einkommen-, die Körperschaft- sowie die Gewerbesteuer. Insofern Produkte oder Dienstleistungen der Umsatzsteuer unterliegen, beträgt der Steuersatz in Deutschland 19 (allgemeiner Satz) oder 7 Prozent (ermäßigter Satz, zum Beispiel Lebensmittel etc.). Umgangssprachlich bzw. EU-rechtlich wird die Umsatzsteuer auch Mehrwertsteuer genannt.

Laut einer OECD-Studie aus dem Jahr 2014 haben Deutsche durch die hohen Steuern und weitere Abgaben wie Sozialversicherungsbeiträge die weltweit höchste Abgabenlast, noch vor den skandinavischen Sozialstaaten.[146]

Staatsgebiet

Das Schengener Abkommen garantiert offene Grenzen zu allen Nachbarstaaten (hier: Österreich–Deutschland) und gesicherte Außengrenzen.

Das Staatsgebiet der Bundesrepublik (Bundesgebiet) ergibt sich aus der Gesamtheit der Staatsgebiete ihrer Länder. Seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde ihr Staatsgebiet mehrfach erweitert, vor allem 1957 durch die Eingliederung des Saarlandes, 1990 den Beitritt der DDR einschließlich des Ostteils Berlins und der völkerrechtlich anerkannten Eingliederung West-Berlins, darüber hinaus zwischen 1949 (erste Teilflächen Kehls) und 2002 (Straße N 274 bei Selfkant von den Niederlanden) durch die Rückgabe von Gebieten, die nach dem Zweiten Weltkrieg Großbritannien (Helgoland), die Niederlande (unter anderem Elten), Belgien (unter anderem Mützenich), Luxemburg (ein Gebiet zwischen Vianden und Obersgegen) und Frankreich (Kehl) zunächst als zu ihren Staatsgebieten zugehörig betrachteten, sowie durch mehrere Ausdehnungen der Seegrenzen in Nord- und Ostsee.

Die letzte dieser Ausdehnungen erfolgte mit Wirkung vom 1. Januar 1995 durch die Proklamation der Bundesregierung über die Ausweitung des deutschen Küstenmeeres vom 19. Oktober 1994 (BGBl. I S. 3428), womit die Bundesrepublik in der Nordsee die 12-Meilen-Zone vollkommen und in der Ostsee teilweise in Anspruch nimmt, ohne dabei ihren Rechtsanspruch aufzugeben.[147]

Der Verlauf der Staatsgrenze Deutschlands ist heute bis auf Teile des Bodensees festgelegt. Noch immer umstritten ist die Deutsch-Niederländische Grenzfrage das Ems-Dollart-Gebiet betreffend, weil beide Nachbarstaaten ihre jeweiligen konträren Rechtsstandpunkte über den Grenzverlauf aufrechterhalten.[148] Innerhalb Deutschlands ist der Verlauf der Ländergrenzen zwischen Schleswig-Holstein, Niedersachsen und eventuell der Freien und Hansestadt Hamburg im Bereich der Unterelbe nicht abschließend geklärt worden.[149]

Exklavisch gelegene Teile des deutschen Staatsgebietes sind das baden-württembergische Büsingen am Hochrhein, das von der Schweiz umschlossen wird, sowie einige kleine nordrhein-westfälische Gebiete, die durch die wenige Meter breite belgische Vennbahn-Trasse von Restdeutschland abgetrennt sind.

Nicht zum Staatsgebiet gehört die Ausschließliche Wirtschaftszone in Nord- und Ostsee.

Parteienlandschaft

Zweitstimmen der Bundestagswahlen seit 1949 und Bundesregierungen

Das politische Spektrum in Deutschland wird maßgeblich durch die im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien geprägt, es sind derzeit in vier Fraktionen fünf Parteien vertreten: CDU/CSU, gemeinsame Fraktion der Unionsparteien (Unionsfraktion); Fraktionen mit einer Partei sind die SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen. Knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte bei der Bundestagswahl 2013 die Partei Alternative für Deutschland (AfD), die dagegen in einigen Landtagen (Sachsen, Brandenburg, Thüringen und Hamburg) vertreten ist. Die liberale Freie Demokratische Partei (FDP) ist die Partei mit der längsten demokratischen Geschichte Deutschlands und der längsten Regierungsbeteiligung auf Bundesebene, jedoch seit 2013 nicht mehr im Bundestag vertreten. Sie fasste nach mehreren nachfolgenden Wahlerfolgen wieder in zehn Landtagen Fuß (Stand September 2016).

Nahezu allen einflussreichen Parteien stehen – mehr oder weniger selbständig – Jugendorganisationen zur Seite. Die wichtigsten sind die Junge Union (CDU/CSU), die Jusos (SPD), die Jungen Liberalen (FDP), Linksjugend ['solid] (Die Linke) sowie die Grüne Jugend (Bündnis 90/Die Grünen). Weitere politische Vorfeldorganisationen umfassen etwa Schülervertreter, Studentenverbände, Wirtschaftsvereine, Kommunalorganisationen und internationale Verbände.

Die politischen Parteien Deutschlands sind in den Fraktionen des Europäischen Parlaments vertreten. Außerdem gibt es parteinahe Stiftungen, die den politischen Diskurs mitbestimmen, jedoch rechtlich von den Parteien unabhängig sind.

Europapolitik

Deutschland ist sowohl Gründungsmitglied der Europäischen Union als auch des Europarates. Als EU-Mitglied ist die Bundesrepublik 1990 auch der Europäischen Währungsunion beigetreten und Teil des Europäischen Binnenmarktes. Seit 2002 ist der Euro als Zahlungsmittel eingeführt. Neben wirtschaftlichen Interessen ist man auch auf weiteren Politikfeldern der EU aktiv, so ist Deutschland Teil des Schengenraums, der justiziellen und polizeilichen Zusammenarbeit in Europa mithilfe von Europol und Eurojust. Des Weiteren wird die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik zu einem gewichtigen Teil in die deutsche Außenpolitik mit einbezogen.

In Deutschland haben wichtige EU-Institutionen ihren Sitz. In erster Linie die Europäische Zentralbank in Frankfurt/M., von wo aus sie als Euro-Notenbank und oberste Bankenaufsicht agiert. Darüber hinaus sitzt die Europäische Agentur für Flugsicherheit in Köln, die EU-Versicherungsaufsichtsbehörde in Frankfurt/M. und das Europäische Patentamt in München.

Außen- und Sicherheitspolitik

Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Brüssel. Deutschland ist einer von 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union.

Die wichtigsten Leitlinien deutscher Außenpolitik sind die Westbindung und die europäische Integration. Deutschland hat in Zusammenarbeit mit Frankreich am Aufbau europäischer Organisationen einen entscheidenden Anteil. Die Bundesrepublik ist seit 1950 Mitglied des Europarates und unterschrieb 1957 die Römischen Verträge, den Grundstein für die heutige Europäische Union (EU). Zentraler Aspekt für die Sicherheitspolitik und Ausdruck der Westbindung ist die Mitgliedschaft in der NATO, der die Bundesrepublik 1955 beitrat.

Während des Kalten Krieges war der Spielraum deutscher Außenpolitik begrenzt. Als eines der wichtigsten Ziele galt die Wiedervereinigung. Militäreinsätze im Ausland kamen nicht infrage. Laut Grundgesetz darf sich die Bundeswehr an Angriffskriegen nicht beteiligen, ihre Aufgabe besteht lediglich in der Landes- und Bündnisverteidigung. Durch die von der sozialliberalen Koalition ab 1969 initiierte „Neue Ostpolitik“ unter dem Motto Wandel durch Annäherung, die zunächst von wichtigen Verbündeten sehr skeptisch betrachtet wurde, konnten dennoch eigenständige politische Akzente gesetzt werden. Später wurde diese Politik grundsätzlich auch von der liberalkonservativen Kohl-Regierung seit 1982 fortgesetzt.

Seit 1955 ist Deutschland Mitglied der NATO (Gipfeltreffen in Prag, 2002)

Seit der Wiedervereinigung hat Deutschland seine außenpolitischen Grundsätze erweitert und einen Weg zu größerer internationaler Verantwortung eingeschlagen. So nimmt die Bundeswehr seit 1991 mit Zustimmung des Bundestages und zusammen mit verbündeten Armeen an verschiedenen friedenserhaltenden und -erzwingenden Einsätzen auch außerhalb Deutschlands und des Territoriums der NATO-Verbündeten teil (Out-Of-Area-Einsätze).

Traditionell spielt Deutschland zusammen mit Frankreich eine führende Rolle in der Europäischen Union. Deutschland treibt die Bemühungen voran, über die Wirtschafts- und Währungsunion hinaus ein einheitliches und wirkungsvolles System der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik zu schaffen.

Die Bundesrepublik ist Gründungsmitglied der G8 und G20 (G8-Gipfeltreffen in Heiligendamm, 2007).

Weitere außenpolitische Ziele sind die Verwirklichung des Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz sowie die weltweite Anerkennung des Internationalen Strafgerichtshofs. Bedeutendes Interesse hat Deutschland auch an einer friedlichen Lösung des Nahostkonflikts. Aufgrund der schwierigen Materie und den Begrenzungen deutscher Politik besteht der Beitrag vor allem in der Bereitstellung informeller Kontaktmöglichkeiten zwischen den beteiligten Parteien.

Die Bundesregierung lehnte den Irakkrieg 2003 ab, da sie die Existenz von Massenvernichtungswaffen bezweifelte, eine diplomatische Lösung bevorzugte und um erhebliche Gefahren für die politische Stabilität des gesamten als fragil eingestuften Raumes fürchtete. Dafür wurde sie von wichtigen Verbündeten stark kritisiert. Zusammen mit den Verbündeten Großbritannien und Frankreich bemüht sich die Bundesrepublik, den Iran im Dialog dazu zu bewegen, auf die Weiterführung seines Kernenergieprogramms zu verzichten.

Die Bundesregierung strebt einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen an. Die Durchsetzung dieses Zieles wird jedoch aufgrund des Widerstands anderer, teils verbündeter Staaten erschwert und hat nur geringe Aussicht auf Erfolg. So würden zwar Frankreich und Großbritannien die G4-Staaten (Deutschland, Indien, Japan und Brasilien) grundsätzlich unterstützen; jedoch beziehen die Vereinigten Staaten zu einem deutschen Sitz bisher keine Stellung.

Im Jahr 2006 veröffentlichte das Bundesministerium der Verteidigung ein neues Weißbuch, das die Einbettung der Bundeswehr in friedenssichernde Maßnahmen auch in entlegenen Regionen der Erde vorsieht.

Militär

Hauptartikel: Bundeswehr
Zweisitziger Eurofighter der Luftwaffe

Nach ihrer Gründung 1949 durfte die Bundesrepublik Deutschland zunächst keine eigenen Streitkräfte aufstellen. Unter dem Eindruck des Koreakrieges und der sowjetischen Politik in Osteuropa wurde es der Bundesrepublik im Rahmen der Wiederbewaffnung gestattet, zunächst 1951 den paramilitärischen Bundesgrenzschutz als Grenzpolizei und 1955 Streitkräfte aufzustellen, um der NATO beizutreten. Nach der Wiedervereinigung wurden Teile der Nationalen Volksarmee der DDR in diese Streitkräfte eingegliedert.

Die als Bundeswehr bezeichnete militärische Gesamtorganisation besteht aus den Streitkräften und ihrer Verwaltung. Die Streitkräfte gliedern sich in die Teilstreitkräfte Heer (mit der Elitetruppe KSK), Luftwaffe und Marine sowie die unterstützenden Organisationsbereiche Streitkräftebasis und Zentraler Sanitätsdienst. Nach Ende des Kalten Krieges wurde die Gesamtstärke der Bundeswehr von rund 500.000 bis 2009 schrittweise auf 250.000 Soldaten reduziert. Im Zwei-plus-Vier-Vertrag wurde eine maximale Friedensstärke von 370.000 deutschen Soldaten als völkerrechtlich bindend festgelegt.

Die Bundeswehr distanziert sich in ihrem Selbstverständnis ausdrücklich sowohl von der Wehrmacht der NS-Zeit als auch von der NVA der DDR. Sie sieht ihre Traditionsgrundlagen in der preußischen Heeresreform der Zeit um 1810, den Befreiungskriegen gegen Napoleon Bonaparte, dem militärischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus sowie der eigenen Geschichte.[150] Als bedeutendstes militärisches Zeremoniell gilt der Große Zapfenstreich, dessen historische Wurzeln in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückreichen. Besonders öffentlichkeitswirksam sind ebenso die häufig außerhalb militärischer Anlagen durchgeführten Vereidigungen bzw. Gelöbnisse der Soldaten.

Die Bundeswehr definiert sich als Parlamentsarmee, über deren Einsätze ausschließlich der Bundestag auf Vorschlag der Bundesregierung entscheidet. Damit ist die Bundeswehr die erste Armee eines deutschen Nationalstaates, bei der nicht das Staatsoberhaupt den Oberbefehl führt, sondern die der Volksvertretung verantwortlich ist.[151] Für die Soldaten gilt das Leitbild des „Bürgers in Uniform“.

Soldaten der Bundeswehr während des ISAF-Auslandseinsatzes in Afghanistan

In der Bundeswehr dienten im Mai 2015 rund 180.600 Soldaten und 75.000 zivile Mitarbeiter. Seit 2001 haben auch Frauen uneingeschränkten Zugang zum Dienst in den Streitkräften. Ihr Anteil beträgt 10,6 Prozent der Soldaten (Stand: 2015). Die Bundesrepublik Deutschland gibt im Jahr 2015 32,97 Milliarden Euro für die Bundeswehr aus, was einen Anteil von etwa 1,2 Prozent am Bruttoinlandsprodukt entspricht. Dies liegt unter dem Durchschnitt der NATO-Mitgliedstaaten von 2,3 Prozent. Damit hat Deutschland im Vergleich den siebtgrößten nationalen Verteidigungsetat weltweit.

Im Zuge der verstärkten Teilnahme der Bundeswehr an multinationalen Auslandsmissionen seit 1990 läuft derzeit eine langfristig angesetzte Reform der Streitkräfte, die eine Reduzierung des schweren Geräts (Kampfpanzer, Artillerie) zugunsten leichteren, für globale Einsätze besser geeigneten Materials zum Ziel hat. Im Mai 2015 befanden sich rund 2.700 deutsche Soldaten im Ausland im Einsatz.

Im Herbst 2014 geriet die Ausrüstung der Bundeswehr in den Fokus öffentlicher Kritik: Zahlreiche Waffen- und Fahrzeugsysteme wurden als nicht ausreichend einsatzbereit eingestuft und die Beschaffungspolitik des Verteidigungsministeriums wurde massiv kritisiert. Um Abhilfe zu schaffen, soll der Militäretat in den Jahren bis 2019 schrittweise auf rund 35 Milliarden Euro erhöht werden.[152] Ebenfalls nicht weiter verfolgt wird seit 2015 das 2013 beschlossene sogenannte dynamische Verfügbarkeitsmanagement, wonach die jeweiligen Verbände bzw. Einheiten der Bundeswehr aus Kostengründen nur über max. 70 % des Sollbestandes an Ausrüstung verfügen und nur im Einsatzfall voll ausgerüstet werden sollten. Eine Vollausstattung der Verbände – zumindest in der Kampftruppe – wird seitdem gefordert;[153] für die Panzertruppe wurde sie bereits beschlossen.[154]

Fregatte Mecklenburg-Vorpommern der Deutschen Marine

Es bestand seit 1956 eine allgemeine Wehrpflicht für Männer, wobei jedoch die zwangsweise Einberufung zum dazugehörigen Grundwehrdienst (GWD) nach 54 Jahren endete. Nach den ersten Freiwilligen kamen am 1. April 1957 die zum Dienst an der Waffe verpflichteten Rekruten in die Kasernen.[155] Der Grundwehrdienst dauerte zuletzt sechs Monate, was bereits für Grundwehrdienstleistende galt, die zum 1. Juli 2010 einberufen worden sind. Bislang konnte alternativ als Ersatz ein Zivildienst (Dauer ebenfalls sechs Monate), ein Auslandsjahr (zwölf Monate) oder eine mindestens sechsjährige Mitarbeit im Katastrophen- oder Zivilschutz (z. B. bei einer Freiwilligen Feuerwehr oder bei anerkannten privaten Hilfsorganisationen) abgeleistet werden. Im Zuge einer grundlegenden Strukturreform mit einer drastischen Reduzierung der Mannstärke wurde u. a. zwecks umfassender Neuausrichtung der Bundeswehr bestimmt, dass die Wehrpflicht in Deutschland zum 1. Juli 2011 offiziell ausgesetzt und damit faktisch aufgehoben wurde. Sie bleibt jedoch grundsätzlich im Grundgesetz verankert. Neben den übrigen Bundestagsparteien sprachen sich seit Herbst 2010 auch die Unionsparteien für ihre Abschaffung aus; in der öffentlichen Wahrnehmung war die Wehrpflicht zuletzt nicht mehr unumstritten (→ Wehrgerechtigkeit). Die Bundeswehr wurde somit zur Freiwilligenarmee und der Zivildienst vom neuen Bundesfreiwilligendienst ersetzt. Seitdem können sich junge Männer und Frauen zum Freiwilligen Wehrdienst melden und einen mindestens sieben und maximal 23 Monate dauernden Dienst ableisten. Die seit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 laufende Reform der Streitkräfte sieht eine stetige personelle Stärke von 185.000 Soldaten und 55.000 zivilen Mitarbeitern vor.[156]

Bis 2005 waren auf dem US-Stützpunkt Ramstein und dem Luftwaffenstützpunkt Büchel (beide in Rheinland-Pfalz) noch 150 US-amerikanische Kernwaffen stationiert.[157] Heute lagern noch 20 Sprengköpfe in Büchel, an deren Einsatzplanung Deutschland im Rahmen der nuklearen Teilhabe beteiligt ist.[158]

Polizei und Nachrichtendienste

Polizei
Polizeihubschrauber im Einsatz für die Bundespolizei (Grenzschutz)

Zuständig für die innere Sicherheit der Bundesrepublik sind die Polizeien der Länder, die zum Teil in Vollzugspolizei und Ordnungsbehörden geteilt werden. Dabei übernehmen die Ordnungsbehörden verwaltungstechnische Aufgaben, während die Vollzugspolizei den Großteil der Aufgaben zur Gefahrenabwehr übernimmt. Zur Vollzugspolizei gehören etwa die Schutzpolizei, die Bereitschaftspolizei sowie die Kriminalpolizei, welche auch das Bundeskriminalamt und die einzelnen Landeskriminalämter umfasst. Das Bundeskriminalamt ist direkt dem Bundesministerium des Innern unterstellt und damit die höchste Ermittlungsbehörde in Deutschland. Zur Bundespolizei gehören unter anderem die Mobile Fahndungseinheit und die Spezialeinheit GSG 9. Auf Landesebene gibt es jeweils mindestens ein Spezialeinsatzkommando (SEK) für besonders heikle Einsätze und mindestens ein Mobiles Einsatzkommando (MEK) für Observation und Zugriff.

Nachrichtendienste

Für die nachrichtendienstliche Informationsbeschaffung, die Spionageabwehr und den Verfassungsschutz sind in Deutschland drei verschiedene Dienste zuständig. Der Bundesnachrichtendienst (BND) als klassischer Auslandsnachrichtendienst und das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) nebst nachgeordneter Landesbehörden für Verfassungsschutz als Inlandsnachrichtendienst haben keine polizeilichen Befugnisse. Für den Militärischen Abschirmdienst (MAD), den militärischen Nachrichtendienst, wird von der Bundesregierung seit 2010 die Verschmelzung mit dem Verfassungsschutz diskutiert.

Recht

Geschichte

Das deutsche Recht hat eine lange, bis in germanische Zeit zurückreichende Tradition. Im Mittelalter wurden bedeutende Rechtssammlungen wie der Sachsenspiegel angelegt, die nicht Recht setzen, sondern vorhandenes Gewohnheitsrecht fixieren sollten. Ab dem 12. Jahrhundert wurde im Heiligen Römischen Reich zunehmend römisches Recht angewendet, welches wegen seiner Exaktheit und Universalität als dem einheimischen germanischen Recht überlegen empfunden wurde. Aufgrund seiner staatlichen Zersplitterung kannte das Reich aber, von wenigen Kodifikationen wie der Constitutio Criminalis Carolina abgesehen, kein einheitliches deutsches Recht.

Das 1895 erbaute Reichsgerichtsgebäude in Leipzig wird seit 2002 als Bundesverwaltungsgericht genutzt.

Von nicht zu unterschätzender Bedeutung war die Einrichtung des Reichskammergerichts im Jahr 1495 als Rechtsmittelgericht des Reichs gegen Entscheidungen der Gerichte der einzelnen deutschen Staaten. Allerdings besaßen bestimmte deutsche Staaten das Privilegium de non appellando, also das Privileg, dass gegen Entscheidungen ihrer Gerichte kein Rechtsmittel zum Reichskammergericht gegeben war.

Im 18. Jahrhundert gaben sich einzelne deutsche Staaten vom Geist der Aufklärung geprägte Gesetzeswerke wie den Codex Maximilianeus Bavaricus Civilis von 1756 und das Allgemeine Landrecht für die Preußischen Staaten von 1794. 1812 wurde in den Deutschen Erblanden der österreichischen Monarchie ein modernes Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch (ABGB) in Kraft gesetzt. Die napoleonische Ära brachte die Einführung des wegweisenden Code civil in den von Frankreich annektierten deutschen Gebieten und einigen Rheinbundstaaten, bei der es auch nach der Niederlage Napoleons blieb. Ansonsten wurde in vielen Staaten des Deutschen Bundes weiterhin teilweise noch römisches und germanisches Recht angewendet.

Erst mit Schaffung der staatlichen Einheit im Jahr 1871 war die Voraussetzung für einheitliche Gesetze im Deutschen Reich gegeben. Bereits 1871 wurde das Reichsstrafgesetzbuch verabschiedet, zum 1. Oktober 1879 traten die Reichsjustizgesetze in Kraft: Gerichtsverfassungsgesetz, Zivilprozessordnung, Strafprozessordnung, Konkursordnung und weitere Einführungs- und Nebengesetze. Zum 1. Oktober 1879 nahm auch das Reichsgericht als oberstes Gericht des Reichs seine Arbeit auf. Am 1. Januar 1900 traten schließlich das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) und das Handelsgesetzbuch (HGB) in Kraft und schufen auch auf dem Gebiet des Zivilrechts und des Handelsrechts Rechtseinheit.

Der Nationalsozialismus pervertierte das Recht zum Mittel der Gewaltherrschaft, wofür hier stellvertretend die Terrorurteile des Volksgerichtshofs zu nennen sind. Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde in Deutschland dann wieder ein Rechtsstaat geschaffen. Auf dem Gebiet der DDR hingegen, wo die Doktrin der „einheitlichen sozialistischen Staatsmacht“ galt und Gewaltenteilung und Unabhängigkeit der Gerichte unbekannt waren, kehrten erst im Zuge der Wende und friedlichen Revolution in der DDR und letztlich mit der Wiederherstellung der staatlichen Einheit im Jahr 1990 wieder rechtsstaatliche Verhältnisse ein.

Rechtswesen

Hauptartikel: Recht Deutschlands
Ehemalige Richter des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe (1989) in ihren typischen roten Roben

Die Bundesrepublik Deutschland versteht sich als Rechtsstaat (Art. 20, Art. 28 Abs. 1 Satz 1 GG), was bedeutet, dass staatliche Tätigkeit nur durch das Recht begründet werden kann und durch das Recht begrenzt wird. Wer durch die öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt wird, hat das Recht, bei Gericht um Rechtsschutz hiergegen nachzusuchen (Art. 19 Abs. 4 GG). Die Richter sind unabhängig und unterliegen bei der Rechtsprechung keinerlei Weisungen.

Die Rechtsprechung wird im Wesentlichen von Gerichten der Bundesländer ausgeübt: In Zivilsachen und Strafsachen durch die Amtsgerichte, die Landgerichte und die Oberlandesgerichte (in Berlin Kammergericht genannt), in Arbeitssachen durch die Arbeitsgerichte und die Landesarbeitsgerichte, in Verwaltungsrechtssachen durch die Verwaltungsgerichte und die Oberverwaltungsgerichte (in drei Bundesländern Verwaltungsgerichtshof genannt), in Sozialrechtssachen durch die Sozialgerichte und die Landessozialgerichte und in Finanzgerichtssachen durch die Finanzgerichte. Als Bundesgericht besteht für den gewerblichen Rechtsschutz das Bundespatentgericht. Daneben existieren als Rechtsmittelgerichte die obersten Gerichtshöfe des Bundes (Art. 95 GG): Der Bundesgerichtshof als oberstes Zivil- und Strafgericht, das Bundesarbeitsgericht, das Bundesverwaltungsgericht, das Bundessozialgericht und der Bundesfinanzhof. Für verfassungsrechtliche Streitigkeiten besteht außerdem das Bundesverfassungsgericht (Art. 93 GG), dessen Entscheidungen Gesetzeskraft entfalten können und so andere Gerichte binden.

Zunehmende Bedeutung haben das Europarecht und die Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union gewonnen. Vor diesem Hintergrund übt die Europäische Union erheblichen Einfluss auf das deutsche Recht aus. Seit dem Vertrag von Lissabon bildet die Bundesrepublik mit den anderen EU-Staaten eine Mitgliedschaft im Staatenverbund der EU, die ihrerseits nun auf der Grundlage eines derivativen Völkerrechtssubjektes fußt.

Wirtschaft

Grundlagen

Hauptartikel: Wirtschaft Deutschlands
Containerschiff im Hamburger Hafen. Am Warenwert gemessen ist Deutschland im Jahr 2011 der drittgrößte Exporteur und Importeur der Welt.[159]

Mit einem nominalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) von etwa 3,4 Billionen US-Dollar im Jahr 2015 ist Deutschland die größte Volkswirtschaft Europas und viertgrößte der Welt.[160] Gemessen am nominalen BIP pro Kopf steht Deutschland international an 18., in der Europäischen Union an 9. Stelle (Stand: 2013).[5] Am Warenwert gemessen war das Land im Jahr 2015 der drittgrößte Importeur und Exporteur der Welt.[13] Deutschland gilt als sehr hochentwickeltes Land, dessen Lebensstandard laut Human Development Index (HDI) gegenwärtig auf dem sechsten Platz von 186 untersuchten Ländern gelistet wird.[14]

Die Gesamtwirtschaftsleistung in Deutschland wird durch rund 2,1 Prozent im primären Sektor (Landwirtschaft), 24,4 Prozent im sekundären Sektor (Industrie) und 73,5 Prozent im tertiären (Dienstleistung) Wirtschaftssektor erbracht. 2014 verzeichnete die Bundesrepublik Deutschland mit durchschnittlich etwa 42,6 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen historischen Höchststand.[161] Die Zahl der Erwerbslosen lag im Jahresdurchschnitt 2014 bei 2,898 Millionen.[162] Deutschland weist gemäß Eurostat im Januar 2015 mit 4,7 % die niedrigste Arbeitslosenquote aller 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union auf.[163] Ein wichtiger Faktor zur Schaffung neuer Arbeitsplätze ist das Unternehmer- und Gründertum, worüber unter anderem der jährliche KfW-Gründungsmonitor Auskunft gibt.[164]

Deutschland ist Teil des Europäischen Binnenmarkts. Zusammen mit 18 weiteren EU-Mitgliedstaaten bildet es eine Währungsunion, die Eurozone (blau).

Deutschland weist eine lange Bergbautradition auf und verfügt über verschiedenste Rohstoffvorkommen. Industriegeschichtlich wie wirtschaftlich bedeutend beim Bergbau in Deutschland sind und waren unter anderem Kohle, Edelsalze, Industrieminerale und Baustoffe sowie Silber, Eisen und Zinn. Das Industrieland ist auf globale Rohstoffimporte aller Art spezialisiert.

Das Humanpotenzial mit guter Bildung und die Innovationskultur gelten als entscheidende Voraussetzungen für den weiteren Erfolg der deutschen Wirtschaft und Wissensgesellschaft.[165] Als weltweit konkurrenzfähigste Branchen der deutschen Industrie gelten die Automobil-, Nutzfahrzeug-, elektrotechnische, Maschinenbau- und Chemieindustrie. Global bedeutend sind auch die Luft- und Raumfahrttechnik, die Finanzbranche mit dem Finanzplatz Frankfurt und die Versicherungswirtschaft, insbesondere die Rückversicherungen. Eine Vielzahl von weltweit bedeutenden Messeveranstaltungen, Kongresszentren, Ausstellungen sowie eine im internationalen Maßstab bedeutende Museums- und Veranstaltungslandschaft sind wichtige Grundlage von Tourismus und Reiseverkehr von und nach Deutschland. Einen zunehmend größeren Stellenwert nimmt außerdem die hiesige Kultur- und Kreativwirtschaft ein.

Wirtschaftspolitisch bedeutend ist Deutschlands Teilnehmerschaft an der Europäischen Union. Das Land ist Gründungsmitglied aller EU-Vorgängerinstitutionen seit den 1950er-Jahren. Mit zusammen rund 500 Millionen Einwohnern erwirtschaftete die EU im Jahr 2011 ein nominales BIP von 17,6 Billionen US-Dollar und bildet somit den größten Binnenmarkt der Welt. Deutschland ist auch Teil der Eurozone, einer Währungsunion mit insgesamt 19 Mitgliedsländern, die etwa 337 Millionen Einwohner umfasst. Offizielles Zahlungsmittel in Deutschland ist der Euro, dessen Währungspolitik von der Europäischen Zentralbank (EZB) gesteuert wird. Der Euro wird international mit anteilig rund 25 % als zweitwichtigste Reservewährung der Welt genutzt und ist gemessen am Bargeldwert die weltgrößte Währung im Umlauf.

Einkommen und Vermögen in Deutschland sind deutlich ungleich verteilt. Die Einkommensungleichheit in Deutschland lag nach Angabe der OECD 2005 knapp unter dem OECD-Durchschnitt.[166] 2008 betrug ein mittleres verfügbares Einkommen 1.252 bei einem Gini-Index von 0,29.[167] Die Vermögensverteilung in Deutschland ist nach Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) mit einem Gini-Index von 0,799 deutlich stärker konzentriert als die Verteilung der Einkommen. Nach dem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung von 2013 ist dies eine sehr ungleiche Verteilung, und zwar die stärkste Ungleichverteilung im Euroraum. 2007 besaßen die reichsten 2,5 Prozent der Bevölkerung 45 Prozent des Gesamtvermögens, das reichste Prozent 36 Prozent des Gesamtvermögens. Rund zwei Drittel der Bevölkerung wiesen 2007 kein oder nur ein sehr geringes Nettovermögen auf.[168]

Siehe auch: Mittelstand

Wirtschaftsentwicklung

Frankfurt am Main ist ein internationales Finanz- und Dienstleistungszentrum sowie Sitz der Europäischen Zentralbank.

Die deutsche Volkswirtschaft verzeichnete über mehrere Jahrzehnte mehr Exporte als jedes andere Land und wurde daher oft mit dem Schlagwort „Exportweltmeister“ bezeichnet.[169] Die Exporte erreichten im Jahr 2011 einen Gesamtwert von 1061,2 Milliarden Euro, während der Warenwert der Importe 902,5 Milliarden Euro betrug. Die Außenhandelsbilanz schloss im selben Jahr mit einem Überschuss von 158,7 Milliarden Euro ab.[170]

Die wichtigsten Handelspartner im Jahr 2010 waren die EU-Mitgliedstaaten (Exporte 60,3 %, Importe 56,3 %), die Volksrepublik China (Exporte 5,6 %, Importe 9,5 %), die Vereinigten Staaten (Exporte 6,8 %, Importe 5,6 %), die Schweiz (Exporte 4,3 %, Importe 4,0 %) und Russische Föderation (Exporte 2,7 %, Importe 3,9 %).[171]

Im Jahre 2006 wurde ein Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent erreicht. Diese positive Entwicklung setzte sich bis Anfang 2008 fort. Deutschland wurde Ende 2008 und 2009 von der internationalen Finanzkrise erfasst, was zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts 2009 um 5,6 Prozent führte. Anschließend wuchs die deutsche Volkswirtschaft wieder deutlich um 4,1 Prozent (2010) bzw. 3,6 Prozent (2011) und deutlich moderater in 2012 (0,4 Prozent) bzw. 2013 (0,1 Prozent). 2014 beschleunigte sich das Wirtschaftswachstum wieder auf 1,5 Prozent.[172]

Zwischen 2000 und 2011 lag die jährliche durchschnittliche Inflationsrate bei minimal 0,4 Prozent (2009) und bei maximal 2,6 Prozent (2008).[173] Anfang 2015 rutschte Deutschland im Zuge des deutlich zurückgegangenen Ölpreises erstmals seit 2009 in eine leichte Deflation (−0,3 Prozent).[174]

Unternehmen

Siemens AG in München

Von den 500 weltweit umsatzstärksten Unternehmen haben 32 ihren Hauptsitz in Deutschland. Die Rangfolge der zehn umsatzstärksten Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland: Aufgeführt sind der Hauptsitz, der Umsatz, der Nettogewinn und die Anzahl der Mitarbeiter. Die Zahlen sind in Millionen Euro angegeben, gerundet und beziehen sich auf das Geschäftsjahr 2011.[175] Ohne Rangnummer eingefügt ist die größte Bank gemessen an der Bilanzsumme und die größte Versicherung gemessen an den Beitragseinnahmen.

Volkswagenwerk in Wolfsburg. Die Volkswagen AG ist, gemessen am Umsatz, der größte von 30 im DAX gelisteten Konzernen.
Rang
Name
Hauptsitz
Umsatz
(Mio. )
Gewinn
(Mio. €)
Mitarbeiter
01. Volkswagen AG Wolfsburg 159.000 15.800 502.000
02. E.ON SE Düsseldorf 113.000 −1.900 79.000
03. Daimler AG Stuttgart 107.000 6.000 271.000
04. Siemens AG Berlin, München 74.000 6.300 360.000
05. BASF SE Ludwigshafen am Rhein 73.000 6.600 111.000
06. BMW AG München 69.000 4.900 100.000
07. Metro AG Düsseldorf 67.000 740 288.000
08. Schwarz-Gruppe Neckarsulm 63.000 k. A. 315.000
09. Deutsche Telekom AG Bonn 59.000 670 235.000
010. Deutsche Post AG Bonn 53.000 1.300 471.000
0 Allianz SE München 104.000 2.800 141.000
0 Deutsche Bank AG Frankfurt am Main 2.160.000 4.300 101.000

Informationstechnik und Telekommunikation

Hasso Plattner, Gründer von SAP

Die Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) gilt als wesentlicher Standortfaktor einer Volkswirtschaft. Zur Verbreitung von Informationen und Inhalten dienen u. a. die technische Bereitstellung von Radio, Fernsehen, Telefonen, Hardware und Software für Computer, Internet, Smartphones, Netzwerken, Satellitensysteme sowie den dazugehörigen Dienstleistungen. Die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft wird u. a. unter dem Projektnamen Industrie 4.0 vorangetrieben.

Das umsatzstärkste in Deutschland tätige Telekommunikationsunternehmen ist die Deutsche Telekom. SAP, die Software AG, Wincor Nixdorf und DATEV zählen zu den bedeutendsten Softwareherstellern der Welt mit Hauptsitz in Deutschland. Im TecDAX sind weitere Unternehmen der Branche wie der Provider United Internet, der Cloud-Anbieter Cancom und das Systemhaus Bechtle gelistet. Im Hardwarebereich ist vor allem die Entwicklung von Bedeutung, etwa bei Infineon und FTS. Neben angestammten Unternehmen der IKT-Branche gewinnen neu gegründete innovative StartUps bzw. E-Ventures in Deutschland zunehmend an Bedeutung, vor allem in den Bereichen E-Commerce (Marktplätze wie Scout24, Online-Shops wie Zalando, Reiseportale wie trivago und GetYourGuide), E-Business, E-Learning, soziale Netzwerke (Xing, Partnerbörsen) und weitere Gemeinschaftsplattformen (StartNext im Bereich Crowdfunding etwa). Innovative Gründungen im Bereich der Spitzentechnologien wie der IKT können durch größere Unternehmen, Förderbanken wie die KfW, Inkubatoren wie Rocket Internet und lokale Gründerzentren unterstützt werden.

2012 verfügten 85 Prozent der deutschen Bevölkerung (76 % im EU-Durchschnitt) über einen Internetanschluss; etwa 82 Prozent (72 % EU-Durchschnitt) konnten auf einen Breitbandanschluss zurückgreifen.[176] Insbesondere im ländlichen Raum bzw. in mittleren und kleineren Städten ist die Breitbandversorgung unterdurchschnittlich.[177] In Deutschland insgesamt soll nach Angaben der Bundesregierung bis Ende 2018 eine flächendeckende Versorgung mit mindestens 50 MBit/s erreicht werden.[178]

Energie

Hauptartikel: Deutsche Energiewirtschaft
Primärenergieverbrauch in Deutschland[179][180]
Energieträger 2010
(%)
2011
(%)
2012
(%)
2013
(%)
Mineralöl 33,4 33,8 33,0 33,0
Erdgas 21,8 20,6 21,5 22,5
Steinkohle 12,0 12,6 12,9 12,7
Erneuerbare Energien 9,9 10,8 11,6 11,8
Braunkohle 10,7 11,7 12,0 11,6
Kernkraft 10,9 8,8 7,9 7,6
Sonstige 1,3 1,7 1,3 0,8

Deutschland war im Jahr 2010 der viertgrößte Produzent an Primärenergie in Europa und wurde auf Rang 24 unter den Energieproduzenten der Welt gelistet.[181]

2012 betrug der Primärenergieverbrauch in Deutschland 13.757 PJ (2005: 14.238 PJ).[182] Daran gemessen ist das Land der zweitgrößte nationale Energieverbraucher in Europa und siebtgrößte in der Welt.

Die Stromversorgung wurde im Jahr 2012 von 1059 Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland gewährleistet.[183] Die fünf größten Energieversorgungsunternehmen gemessen am Umsatz sind E.ON, RWE, EnBW, Vattenfall und die EWE AG.

Erneuerbare Energien wie z. B. Solarenergie, Windkraft, Biomasse, Geothermie und Wasserkraft lieferten im Jahr 2014 27,8 % der Bruttostromproduktion, 9,9 % des Endenergiebedarfs im Wärmesektor und 5,4 % der Kraftstoffe.[184] Im Rahmen der Energiewende ist geplant, bis 2050 den Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch auf 80 % zu steigern, den Primärenergieverbrauch im selben Zeitraum verglichen mit dem Jahr 2008 um 50 % zu senken und den Treibhausgasausstoß in Einklang mit den EU-Zielen um 80 % bis 95 % verglichen mit dem Jahr 1990 zu reduzieren.[185] Insgesamt sollen 2050 mindestens 60 % des Energieverbrauchs durch Erneuerbare Energien gedeckt werden.[186]

Zu Geschichte und Verlauf der Energiewende in Deutschland siehe: Energiewende nach Staaten

Tourismus

Hauptartikel: Tourismus in Deutschland
Die Welterbestätten in Deutschland sind bedeutende Besuchsziele für Kultur- und Naturtouristen.

Tourismus ist in Deutschland ein wichtiger Wirtschaftszweig. Vom Fremdenverkehr profitieren neben Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe auch der Einzelhandel und die Dienstleister und Anbieter von Freizeit- und Unterhaltungsangeboten in großem Umfang. Deutschland ist mit über 30 Millionen Übernachtungsgästen im Jahr eines der sieben meistbesuchten Länder der Erde.[187]

In Deutschland erzielte der Fremdenverkehr 2012 mit 2,8 Millionen direkt Beschäftigten einen Umsatz von 140 Milliarden Euro. 125,3 Millionen Gäste (101,5 Mio. aus dem Inland, 23,5 Mio. aus dem Ausland) tätigten 351,4 Mio. Übernachtungen (davon 298,5 Mio. durch Inländer und 52,9 Mio. durch Ausländer) in 54.166 Unterkünften mit etwa 2,6 Mio. Betten.[188]

Badetourismus und Wassersport sind an Küsten und Inseln der Nord- und Ostsee von großer Bedeutung, besonders in den Seebädern. Rund um die Kurorte im Binnenland herrscht Kur- und Gesundheitstourismus vor. In den deutschen Gebirgen sind saisonal jeweils Wintersport und Wanderurlaube populär. Fahrradtourismus ist im ganzen Land beliebt. Städtetourismus, Einkaufstourismus und Kulturtourismus nehmen vor allem in den Metropolen und in bedeutenden Altstädten kontinuierlich zu. Kinder- und Jugendreisen sind ebenfalls ein wachsendes Segment, z. B. in Form von Jugendaustausch. Von herausragender Bedeutung ist der Geschäfts- und Kongresstourismus, da Deutschland u. a. der international bedeutendste Messestandort ist. Deutschland richtet mehrere Weltleitmessen aus. Die ITB Berlin ist die weltweit führende Tourismusmesse. Zudem gibt es hierzulande überhaupt die größte Dichte an Festivals, was ebenfalls erhebliche Besuchermengen anlockt.

Etwa 4.000 der 11.116 Gemeinden Deutschlands sind in Tourismusverbänden organisiert, 310 davon sind als Heilbäder, Seebäder oder Kurorte anerkannt. Den Gästen stehen unter anderem 6.135 Museen, 366 Theater, 34 Freizeit- und Erlebnisparks, 45.000 Tennisplätze, 648 Golfplätze, 122 National-/Naturparks und Biosphärenreservate, ein Wanderwegnetz von 190.000 km sowie 40.000 Kilometer Radfernwege zur Verfügung. Die deutschen Ferienstraßen runden das Angebot an Reisewegen ab.

Verkehr

Verkehrswegebündelung im europäischen Korridorkonzept

Aufgrund der dichten Besiedlung und zentralen Lage in Europa besteht in Deutschland ein sehr hohes Verkehrsaufkommen. Insbesondere für den Güterverkehr stellt es ein wichtiges Transitland dar. Durch das Konzept der Transeuropäischen Netze soll Deutschland als Transferraum zwischen dem ersten europäischen Kernwirtschaftsraum, der sogenannten Blauen Banane, und dem Kernwirtschaftsraum in Ostmitteleuropa gefördert werden. Wichtige Projekte in diesen Netzen sind die Eisenbahnachsen Lyon/Genua–Rotterdam/Antwerpen, POS (Paris–Ostfrankreich–Südwestdeutschland), PBKAL (Paris–Brüssel–Köln–Amsterdam–London), Berlin–Palermo und die Magistrale für Europa. Ferner ist Deutschland der westliche Ausgangspunkt einiger Paneuropäischer Verkehrskorridore.

Der Güterverkehr hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stetig von der Schiene auf die Straße verlagert. Als Gegenmaßnahme wurde 2005 eine Autobahnmaut für Lastkraftwagen eingeführt. Im Bereich des Schienenverkehrs wurden in den letzten Jahren von der Deutschen Bahn vor allem unrentable Nebenstrecken sowie Güter- und Rangierbahnhöfe stillgelegt sowie Personenfernverkehrsverbindungen eingestellt. Der Bundesverkehrswegeplan 2030 gilt für den Zeitraum 2016–2030.

Straßenverkehr

Bereits die Römer legten gepflasterte Straßen in Deutschland an, die aber wieder verfielen. Die ersten Chausseen wurden im 18. Jahrhundert erbaut. Die Erfindung des Automobils gab dem Straßenbau neue Impulse. Die erste Autobahn der Welt wurde 1921 in Deutschland gebaut, die AVUS in Berlin. Der Straßenverkehr hat in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Eisenbahn als wichtigsten Verkehrsträger abgelöst. Deutschland besitzt eines der dichtesten Straßennetze der Welt. Das Bundesfernstraßennetz umfasst 12.845 Kilometer Autobahnen (Stand: 2012) und 40.711 Kilometer Bundesstraßen. Weiterhin umfasste das überörtliche Straßennetz 86.597 Kilometer Landesstraßen, 91.520 Kilometer Kreisstraßen und die Gemeindeverbindungsstraßen.

Um die Gefahren und Belastungen des Straßenverkehrs zu reduzieren, wurden in vielen deutschen Städten Fußgängerzonen, verkehrsberuhigte Zonen und Tempo-30-Zonen eingerichtet. Die Anzahl der getöteten Verkehrsteilnehmer nahm seither kontinuierlich ab. 2006 verstarben 5094 Menschen im Straßenverkehr; im Jahr 2011 waren es nur noch 4009.[189] Der Radverkehr spielt in Deutschland eine zunehmend große Rolle, sein Ausbau wird politisch etwa durch den Radverkehrsplan unterstützt.

Schienenverkehr

Deutschland verfügt über ein Eisenbahnnetz von etwa 35.000 Kilometern Länge. Es wird täglich von bis zu etwa 50.000 Personen- und Güterzügen befahren. Im Rahmen der Bahnreform wurden die Staatsbahnen Deutsche Bundesbahn (West) und Deutsche Reichsbahn (Ost) zum 1. Januar 1994 in das privatwirtschaftliche Unternehmen Deutsche Bahn AG überführt. Es organisiert den Großteil des Eisenbahnverkehrs in Deutschland.

Neben der DB AG befahren rund 350 weitere Eisenbahnverkehrsunternehmen das deutsche Eisenbahnnetz. Während sich der Staat aus dem operativen Betrieb zurückgezogen hat, finanziert er den Großteil des Netzunterhalts und -ausbaus sowie (über Regionalisierungsmittel) weitgehend den Regionalverkehr.

Regional- (Interregio-Express (IRE), Regionalbahn (RB), Regional-Express (RE) und S-Bahnen (S)) und Fernverkehr (Intercity (IC), Eurocity (EC) und Intercity-Express (ICE)) fahren weitgehend nach Taktfahrplan. Für Fernzüge stehen Schnellfahrstrecken in einer Gesamtlänge von etwa 2000 Kilometer zur Verfügung.

Nahverkehr

1881 eröffnete Werner von Siemens in Lichterfelde bei Berlin die erste elektrische Straßenbahn der Welt. Dieses Verkehrsmittel dominierte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den öffentlichen Nahverkehr der größeren Städte in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden vor allem in Westdeutschland viele Straßenbahnen stillgelegt, andere zu Stadtbahnen mit innerstädtischen Tunnelstrecken umgebaut. Ersetzt wurden sie durch Omnibus-Verkehre, die auch auf dem Land flächendeckend vorhanden sind und nahezu jeden Ort erschließen. Allerdings wurden die Busnetze durch den Bevölkerungsrückgang im ländlichen Raum ausgedünnt und häufig durch Rufbus-Systeme ersetzt. In den größten Städten wurden im 20. Jahrhundert U-Bahnen angelegt und mit S-Bahnen zu einem Schnellbahnnetz für Stadt und Umland kombiniert. Die Verkehrsverbünde ermöglichen es, sämtliche Verkehrsmittel in einer Region mit einem Fahrschein zu einem einheitlichen Preis zu benutzen.

Seit den 1980er-Jahren wurden Radwegnetze in den Städten und auf dem Land angelegt und ausgebaut, sodass heute das Fahrrad wieder eine zunehmende Rolle im Nahverkehr spielt. Im internationalen Vergleich ist der öffentliche Nahverkehr in den größeren Städten Deutschlands durch hohe Effektivität und Flächendeckung gekennzeichnet.

Luftverkehr

Mit rund 550 Flughäfen und Flugplätzen verfügt Deutschland über eine der größten Dichten an Start- und Landeplätzen weltweit.

Der Flughafen Frankfurt am Main ist gemessen an der Anzahl abgefertigter Passagiere (2015: 61,04 Millionen)[190] der größte Deutschlands, der viertgrößte Europas und gemessen am Frachtaufkommen (2015: 2,1 Millionen Tonnen)[190] der größte Flughafen Europas. Die größte deutsche Fluggesellschaft Lufthansa betreibt in Frankfurt, auf dem zweitgrößten deutschen Flughafen in München sowie auf dem drittgrößten deutschen Flughafen in Düsseldorf interkontinentale Drehkreuze. Air Berlin, die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, betreibt auf ihrem Heimatflughafen in Berlin-Tegel sowie in München, Düsseldorf, Palma de Mallorca und Wien weitere internationale Drehkreuze. Seit dem Jahr 1999 beschäftigen sich die Länder Berlin und Brandenburg, der Bund und das Konsortium „Flughafen-Partner für Berlin und Brandenburg“ mit der Errichtung des Flughafens Berlin Brandenburg „Willy Brandt“.[191]

Einen eigenen Weltraumbahnhof (bzw. Raumhafen) für den Verkehr über die Kármán-Linie (100 km) hinaus bis in den Weltraum besitzt Deutschland nicht. Für die Raumfahrt durch z. B. das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) muss deshalb meist auf den CSG-Raumhafen in Französisch-Guayana oder das russisch betriebene Kosmodrom Baikonur ausgewichen werden.

Seeverkehr

Die Landungsbrücken am Hamburger Hafen

Aufgrund des überproportional hohen Außenhandelsanteils ist Deutschland in erheblicher Weise auf den Seehandel angewiesen. Es verfügt über eine Anzahl moderner Seehäfen, wickelt aber auch große Anteile seines Handels nach Übersee über die Häfen von Nachbarländern, vor allem der Niederlande, ab. Die drei umschlagstärksten Seehäfen in Deutschland sind Hamburg, Wilhelmshaven und die Bremer Häfen. Der JadeWeserPort in Wilhelmshaven ist der einzige Tiefwasserhafen in Deutschland. Die wichtigsten Ostseehäfen sind Rostock und Lübeck. Rostock-Warnemünde ist der meistfrequentierte Kreuzfahrthafen Deutschlands.[192]

Die wichtigsten Seeschifffahrtsstraßen sind Unterelbe und Unterweser. Der Nord-Ostsee-Kanal ist auch für den Transitverkehr bedeutsam (u. a. Rendsburg Port). Vor der deutschen Ostseeküste liegt mit der Kadetrinne die meistbefahrene Schiffsroute der Ostsee.

Es gibt in Deutschland ein gut ausgebautes Netz von Wasserstraßen für die Binnenschifffahrt. Die wichtigsten schiffbaren Flüsse sind Rhein, Main, Mosel, Weser und Elbe. Bedeutende Binnenkanäle sind der Mittellandkanal, der Dortmund-Ems-Kanal, der Rhein-Herne-Kanal und der Elbe-Seitenkanal. Der Main-Donau-Kanal überwindet die große europäische Wasserscheide und ermöglicht so einen direkten Schifffahrtsweg von der Nord- und Ostsee zum Schwarzen Meer. Der Komplex der Duisburg-Ruhrorter Häfen ist der umschlagstärkste Binnenhafen Deutschlands und gilt als größter Binnenhafen Europas.

Kultur

Hauptartikel: Kultur Deutschlands
J. W. von Goethe, 1786
(Vorrede aus Faust)

Die deutsche Kunst- und Kulturgeschichte, deren Wurzeln bis in die Zeit der Kelten, Germanen und Römer zurückreichen, hat seit dem Mittelalter eine Vielzahl von stil- und epochenprägenden Persönlichkeiten hervorgebracht. In den verschiedensten Disziplinen wurden deutschsprachige Kulturschaffende Wegbereiter neuer geistiger Strömungen und Entwicklungen. Bis heute zählen einige der einflussreichsten deutschen Künstler zu den Protagonisten der westlichen Zivilisation.[193]

Das Filmstudio Babelsberg in Potsdam bei Berlin ist eines der renommierten Filmateliers in Europa.

Die deutsche Kultur hat sich, da Deutschland lange nicht als Nationalstaat existierte, über Jahrhunderte vor allem über die gemeinsame Sprache definiert. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde der Begriff auf Kulturbeiträge von Deutschen und auf deutsche Territorien bezogen, was aber der auch zuvor bestandenen deutschen Identität jener Kulturschaffenden nicht abträglich war. Über die neuen Reichsgrenzen hinaus haben dem Land um 1900 viele das Charakteristikum einer deutschen Kulturnation zugeschrieben.[194]

Durch die Verbreitung von Massenmedien im 20. Jahrhundert hat die Populärkultur in der deutschen Gesellschaft einen hohen Stellenwert erhalten. Die Verbreitung des Internets im 21. Jahrhundert hat zu einer Differenzierung der Kulturlandschaft geführt und die mannigfaltigen Nischenkulturen in ihren Ausprägungen verändert.[195]

Der Verbreitung der deutschen Sprache und Kultur in der Welt dienen die Goethe-Institute. Mit insgesamt 158 Standorten, inklusive Verbindungsbüros, ist das Institut im Jahr 2013 in 93 Ländern vertreten.[196]

Laut einer Umfrage in 22 Staaten für die BBC im Jahr 2013 genießt Deutschland international ein hohes Ansehen unter 16 untersuchten Ländern. Durchschnittlich bewerten 59 Prozent der Befragten Deutschlands Einfluss und politisches Wirken als positiv, 15 Prozent haben ein negatives Bild. Damit bestätigt das Land den ersten Platz zum sechsten Mal in Folge seit dem Jahr 2008.[197][198]

Literatur und Philosophie

Immanuel Kant (1724–1804), Philosoph

Die bedeutendste Handschrift in der Entwicklung der deutschen Sprache und zugleich das älteste deutsche Buch ist der sogenannte Abrogans mit dem Vaterunser des Codex Sangallensis 911 sowie die Übersetzungen Notkers des Deutschen. Sie werden in der Stiftsbibliothek St. Gallen aufbewahrt.

Die deutsche Literatur reicht zurück bis in das Frühmittelalter in dem schon früh die ersten mittelalterlichen Bibliotheken mit Handschriften und Buchmalereien entstanden. Hervorzuheben ist der Minnesang der unter anderem in dem einmaligen Codex Manesse überliefert ist. Als bekanntester Minnesänger gilt Walther von der Vogelweide. Ein Grundstein der deutschen Literatur ist das Versepos des Nibelungenlieds.

Als revolutionär erwies sich am Ausgang des Mittelalters der Buchdruck durch Johannes Gutenberg mit beweglichen Lettern. Sein bedeutendstes Werk war der Druck der Gutenberg-Bibeln. Schließlich konnte Pergament als Beschreibstoff durch das wesentlich günstigere Papier ersetzt werden.

Aus der Zeit vor 1871 stammt der teilweise noch verwendete Begriff vom Land der Dichter und Denker.

Als bedeutendste deutsche Autoren gelten u. a. Gotthold Ephraim Lessing, Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller sowie Heinrich Heine, Bertolt Brecht und Thomas Mann. Außerdem erlangten die Germanisten Jacob und Wilhelm Grimm mit ihrer Sammlung von Volksmärchen große Bekanntheit.

Die Frankfurter Buchmesse

Im 20. Jahrhundert waren deutsche Nobelpreisträger für Literatur Theodor Mommsen (1902), Rudolf Eucken (1908), Paul Heyse (1910), Gerhart Hauptmann (1912), Thomas Mann (1929), Hermann Hesse (1946), Heinrich Böll (1972) und Günter Grass (1999), im 21. Jahrhundert Herta Müller (2009).

Die Frankfurter Buchmesse gilt als bedeutendster Treffpunkt des internationalen Verlagswesens und der Literaturszene. Dort wird jährlich der „beste Roman deutscher Sprache“ mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Für Neuerscheinungen ist der Preis der Leipziger Buchmesse von großer Bedeutung.

Zu den einflussreichsten deutschen Philosophen zählen Gottfried Wilhelm Leibniz, Nikolaus von Kues, Immanuel Kant, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Arthur Schopenhauer, Martin Heidegger und Friedrich Nietzsche. Mehrere bedeutsame philosophische Strömungen gingen von deutschen Philosophen aus: Der Deutsche Idealismus ebenso wie der von Karl Marx und Friedrich Engels begründete Marxismus. Im 20. Jahrhundert war vor allem die Kritische Theorie der sogenannten Frankfurter Schule von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer bedeutsam. In ihrer Nachfolge wurde Jürgen Habermas zu einem der weltweit bekanntesten lebenden Philosophen.

Musik

Hauptartikel: Musik in Deutschland

Deutschland kann auf eine lange und vielseitige Musikgeschichte zurückblicken. Aus ökonomischer Sicht ist das Land der drittgrößte Musikmarkt der Welt.[199]

Die Geschichte der europäischen klassischen Musik wird über weite Strecken von deutschen Komponisten geprägt. Aufgrund der zentralen Lage Deutschlands konnten hier unterschiedliche Musiktraditionen aus ganz Europa zusammenfließen. In der Barockzeit erlebten die Kirchenmusik und der Orgelbau eine große Blüte. Wichtige Barockkomponisten waren u. a. Heinrich Schütz, Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach. Stilbildend für die Wiener Klassik waren aus Deutschland die Komponisten der Mannheimer Schule, Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart, der auch als österreichischer Komponist gilt. Beginnend zur Zeit des Vormärz wurde der begleitete Liedgesang durch Komponisten wie Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy zu einer eigenen Kunstgattung entwickelt. Weitere wichtige deutsche romantische Komponisten waren Johannes Brahms, Richard Wagner und Richard Strauss. Im 20. Jahrhundert erlangten u. a. die Komponisten Carl Orff und Hanns Eisler Popularität. Nach 1950 war in Westdeutschland die Entwicklung der seriellen und elektronischen Musik durch Komponisten wie Karlheinz Stockhausen bedeutend. In der Neuen Musik hat Werner Henze internationale Bedeutung erlangt. Wichtige zeitgenössische deutsche Komponisten sind z. B. Wolfgang Rihm sowie der weltweit sehr erfolgreiche Filmmusikkomponist Hans Zimmer.

Die Populäre Musik in Deutschland wurde über große Teile des 20. Jahrhunderts von Schlager und volkstümlicher Musik geprägt. Interpreten des Genres sind u. a. Helene Fischer, Heino und Max Raabe. Der Ende der 1960er-Jahre entstehende Krautrock hatte Einfluss auf die Entstehung verschiedener Formen der Rockmusik sowie der elektronischen Musik, zu deren Pionieren die deutschen Musiker Kraftwerk, Klaus Schulze und Tangerine Dream zählen. Die als „Neue Deutsche Welle“ bezeichnete Etablierung einer eigenständigen, auch international erfolgreichen deutschen Pop- und Rockmusik fand Anfang der 1980er-Jahre durch Interpreten wie Nena, Hubert Kah und Peter Schilling ihren kommerziellen Höhepunkt. Weitere erfolgreiche Interpreten dieser Zeit sind die Synthpopgruppe Alphaville, Trio, Extrabreit, Joachim Witt, DAF, Ideal, Münchener Freiheit und die Spider Murphy Gang.

Bekannte Vertreter des Ostrock sind City, Karat, Silly, Keimzeit, Karussell, electra und die Puhdys. Viele der DDR-Bands wurden wegen ihrer Freiheit und Veränderung herbeisehnenden Texte zensiert oder gar verboten, dennoch gelang ihnen dank geheimer Konzerte Ende der 1980er-Jahre erfolgreich der politische Protest gegen das Regime und es kam u. a. zur Resolution von Rockmusikern und Liedermachern.

Seit der Entstehung in den 1980er-Jahren ist deutschsprachiger Alternative- und Punkrock verbreitet. Zu den erfolgreichsten Vertretern gehören Die Ärzte, Beatsteaks, Nina Hagen und Die Toten Hosen. International populär sind die deutschen Rockbands The Rattles oder The Lords und die Hard-Rock-Band Scorpions. Die bereits über viele Jahre weltweit populärste deutschsprachige Band ist Rammstein, bekanntester Vertreter der sogenannten Neuen Deutschen Härte, einer Metal-Richtung mit Vorläufern wie Oomph! und Fleischmann. Populären Indie-Rock und -Pop produzieren die Sportfreunde Stiller, Tocotronic, Blumfeld, Selig und Jennifer Rostock. Im Bereich Reggae/Dancehall sind u. a. Seeed und ihr Sänger Peter Fox sowie die Gruppe Culcha Candela erfolgreich. Erfolgreiche deutschsprachige Hip-Hop-Künstler sind u. a. Die Fantastischen Vier, Fettes Brot, Marteria, Samy Deluxe, Jan Delay, Blumentopf, Bushido, K.I.Z, Kollegah, Casper, Cro, Sido und Deichkind.

Zu den bekanntesten deutschsprachigen Popmusikern der vergangenen Jahre gehören James Last, Udo Lindenberg, Peter Maffay, Herbert Grönemeyer, Westernhagen, Silbermond, Juli, Ich + Ich, Frida Gold, Tim Bendzko und Andreas Bourani. Im Bereich Soul und R&B sind Cassandra Steen, Max Mutzke, Joy Denalane, Max Herre und vor allem Xavier Naidoo erfolgreich. Die englischsprachige Band Reamonn war europaweit populär. 2010 gewann Lena für Deutschland den Eurovision Song Contest. Weltweit erfolgreich waren auch die Produktionen von Frank Farian mit Boney M. und Milli Vanilli, Dieter Bohlen (mit Modern Talking), die Casting-Band No Angels, die Metal-Band Blind Guardian, die Sängerin Sarah Connor, der Violinist David Garrett und vor allem die deutschsprachigen Synthpopstücke der Band Tokio Hotel. Auch in der Electro- bzw. Technomusik spielen deutsche Produzenten eine wichtige Rolle, wie z. B. Mousse T., Paul van Dyk, Scooter, 2raumwohnung, Tomcraft, Moguai, The Disco Boys, Lexy & K-Paul, Kai Tracid, Tiefschwarz, Blank & Jones sowie Fritz und Paul Kalkbrenner.

Bis 2010 war die Loveparade eine der weltweit größten Musikveranstaltungen. Deutsche Musikfestivals von überragender Bedeutung sind heute Rock am Ring, das Wacken Open Air, das Fusion Festival, die Berlin Music Week, Hurricane Festival, Southside, SonneMondSterne, Deichbrand, Melt!, Schlossgrabenfest, Summerjam, Nature One, Mayday, Airbeat One, With Full Force und das WGT. Stadtmusikfeste wie die Fête de la Musique oder das Honky Tonk finden in ganz Deutschland statt. Hinzu kommen viele kleinere Festivals, die bestimmte Musikstile, Regionen oder Themen bedienen.

Die internationale Leitmesse zum Thema Musizieren ist die Musikmesse Frankfurt. Ein bedeutender deutscher Musikwettbewerb ist der jährliche Bundesvision Song Contest, der Echo ist der wichtigste Musikpreis im Land. Das in Berlin beheimatete StartUp SoundCloud ist eine der wichtigsten Plattformen für Musiker in aller Welt.[200]

Film

Seit Ende des 19. Jahrhunderts werden in Deutschland Filme produziert. Das Berliner Varieté Wintergarten wurde zum ersten Kino der Geschichte, als die Gebrüder Skladanowsky dort 1895 einen Film vor Publikum vorführten. Das Filmstudio Babelsberg in Potsdam bei Berlin wurde 1912 gegründet und war damit das erste große Filmstudio der Welt – und ein Vorläufer zu Hollywood. Es produziert heute wieder Filme von internationalem Format und gilt als eines der größten Filmstudios in Europa.[201] Babelsberg wurde zum Synonym für den erfolgreichen populären Film. Unterschiedlichste Genres wurden in dieser Frühphase des Films neu entwickelt. Der 1927 produzierte Film Metropolis von Fritz Lang wurde zum ersten Science-Fiction-Spielfilm. 1930 wurde Der blaue Engel mit Marlene Dietrich zu einem internationalen Erfolg des deutschen Tonfilms.

Marlene Dietrich in Der blaue Engel

In der Zeit zwischen 1933 und 1945 wurde der deutsche Film häufig als Propagandamedium eingesetzt. Die zu dieser Zeit entstandenen Filme von Leni Riefenstahl etablierten neue Standards im Bereich des Dokumentarfilms. Verschiedenste Techniken wurden später auch in Werbefilmen umgesetzt. Nach 1945 nahm in Westdeutschland die UFA die Produktion wieder auf; unter anderem wurden Heimatfilme populär. Ab den 1960ern wurden Wallace- und Winnetou-Filme beliebt. Durch die Verbreitung von Fernsehgeräten und der aufkommenden Konkurrenz von Fernsehserien und -Filmen geriet die Kinowirtschaft in eine Krise, der mit dem Neuen Deutschen Film begegnet wurde. Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders, Volker Schlöndorff und Werner Herzog wurden zu den wichtigsten Vertretern des Autorenfilms dieser Zeit. Regisseure wie Konrad Wolf prägten das Filmschaffen in der DDR. Mit Umstellung der Filmförderung konnten in den 1980er-Jahren Großproduktionen wie jene von Bernd Eichinger umgesetzt werden. Seit 1990 wurden Beziehungskomödien vermehrt populär. Nach der Jahrtausendwende fanden vereinzelt Genrefilme ihr Publikum. Das deutsch-türkische Kino bekam Beachtung und verschiedenste Jugendfilme konnten ein Nischenpublikum finden. Einige deutsche Filme waren auch international erfolgreich. Die mit über 100 Millionen Zuschauern erfolgreichste deutsche Kinoproduktion ist die Filmreihe Schulmädchen-Report, die von 1970 bis 1980 in knapp 40 Ländern gezeigt wurde.

Bedeutende deutsche Filmstudios sind Bavaria Film, Constantin Film, MMC und die UFA. Zu den erfolgreichsten deutschen Regisseuren und Filmproduzenten der Neuzeit zählen u. a. Roland Emmerich, Wolfgang Petersen, Florian Henckel von Donnersmarck, Caroline Link, Wolfgang Becker und Fatih Akin. Weitere profilierte Filmemacher sind auch Til Schweiger, Michael Herbig, Andreas Dresen, Uwe Boll, Dani Levy, Oskar Roehler, Uli Edel und Tom Tykwer.

Insgesamt entstanden bis 2013 mehr als 10.000 Filme unter deutscher Beteiligung.[202] Im Jahr 2011 gab es in Deutschland insgesamt 1671 Lichtspielhäuser mit 4640 Kinosälen. Die Anzahl der Besucher lag bei rund 129,6 Millionen. Von den 532 Erstaufführungen im selben Jahr waren 212 Filme mit vorwiegend deutscher Produktionsbeteiligung, darunter 132 Spiel- sowie 80 Dokumentarfilme. Der Marktanteil deutscher Produktionen betrug 21,8 Prozent (16,8 % im Vorjahr).[203]

Die bedeutendste nationale Auszeichnung ist der Deutsche Filmpreis mit der „Lola“, die jährlich von der Deutschen Filmakademie vergeben wird. Der Europäische Filmpreis als Pendant zum US-amerikanischen Oscar wird jedes zweite Jahr in Berlin vergeben. Die als „Berlinale“ bekannten Internationalen Filmfestspiele Berlin werden jedes Jahr im Februar aufgeführt und haben sich als global bedeutendes Ereignis der Filmwelt etabliert, auf Augenhöhe mit den A-Festivals von Cannes und Venedig.

Bildende Kunst

Caspar David Friedrich - Wanderer above the sea of fog.jpg Franz Marc 003.jpg
C. D. Friedrich
Der Wanderer über
dem Nebelmeer, 1818
Franz Marc
Blaues Pferd
1911

Bedeutende deutsche Renaissancekünstler sind unter anderem Albrecht Altdorfer, Lucas Cranach der Ältere, Matthias Grünewald, Hans Holbein der Jüngere und, der wohl bekannteste unter ihnen, Albrecht Dürer.

Die bedeutendsten aus Deutschland stammenden Barockmeister sind Johann Baptist Zimmermann, die Brüder Asam sowie der in Siegen geborene, aber nach Antwerpen ausgewanderte Peter Paul Rubens.

Als Romantiker traten neben Caspar David Friedrich die Künstler Philipp Otto Runge, Carl Spitzweg und der Nazarener Philipp Veit hervor. Für den Symbolismus sind zu nennen Eugen Bracht, Arnold Böcklin und Franz von Stuck. Wichtige Vertreter der deutschen Historienmalerei des 19. Jahrhunderts waren Adolph von Menzel und Anton von Werner. In dieser Zeit waren die Münchner und die Düsseldorfer Malerschule von internationaler Bedeutung. Von diesen Kunstzentren verlagerte sich der Schwerpunkt der Kunstszene nach Berlin. Um die Jahrhundertwende und zu Beginn des 20. Jahrhunderts gaben dort die deutschen Impressionisten im Umfeld der Berliner Secession, u. a. Max Liebermann, Lovis Corinth, Ernst Oppler und Max Slevogt, anschließend die Expressionisten Max Beckmann, Paul Klee, Gabriele Münter und Otto Dix sowie die Surrealisten Max Ernst, Hans Richter und Hans Arp den Ton an. Weiterhin von Bedeutung waren die beiden expressionistischen Künstlergemeinschaften „Brücke“ und „Der Blaue Reiter“.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt sich die Documenta zur führenden Kunstausstellung. Jüngere Künstler dieser Zeit umfassen den vielseitigen Jörg Immendorff, den Aktionskünstler und Konzeptualisten Joseph Beuys und die zu den Neuen Wilden zählenden Markus Lüpertz und Martin Kippenberger.

In den 1960er-Jahren entwickeln sich im Rheinland u. a. mit Nam June Paik, Wolf Vostell und HA Schult neue Kunstformen wie das Happening, die Videokunst und die Fluxus-Bewegung. Bedeutende Fotokünstler im 20. Jahrhundert waren Helmut Newton, Sigmar Polke, Gunter Sachs sowie Bernd und Hilla Becher, die die Düsseldorfer Photoschule begründeten.

In der DDR war die Leipziger Schule um Werner Tübke, Bernhard Heisig und Wolfgang Mattheuer prägend. Zu den wichtigen zeitgenössischen Künstlern zählen der Neoexpressionist Georg Baselitz, der in der Tradition der Geschichtsmalerei stehende Anselm Kiefer, die den Kapitalistischen Realismus prägenden Sigmar Polke und Gerhard Richter sowie die für Ironie bekannte Rosemarie Trockel. Der die „trügerische Idylle“ darstellende Norbert Bisky, die zur Neuen Leipziger Schule gezählten Neo Rauch und Aris Kalaizis, sowie der auf Historienbilder konzentrierte Daniel Richter sind Beispiele für sehr erfolgreiche Künstler der Nachwendegeneration. Der bislang weltgrößte Kunstfälscher-Prozess wurde Wolfgang Beltracchi gemacht.

Zu den bekanntesten zeitgenössischen deutschen Fotografen zählen Andreas Gursky, Peter Lindbergh, Wolfgang Tillmans, Horst P. Horst und Thomas Ruff.

Architektur

Hauptartikel: Architektur in Deutschland
Bauhaus-Kunstschule in Weimar von 1911, Begründungsort des globalen Modernismus

Deutschland hat eine reiche und vielfältige Architekturgeschichte, die eng verwoben mit der abendländischen Architekturgeschichte der Nachbarländer ist. Grundlage war vor allem die Architektur der römischen Antike, aus der einmalige Bauwerke erhalten sind, wie beispielsweise die Porta Nigra in Trier und das ab 1999 freigelegte Römische Theater Mainz.

Einige vorromanische Bauten wie zum Beispiel die Torhalle Lorsch oder die St. Michael in Hildesheim zeigen heute noch die Entwicklung zur Romanik, die im Heiligen Römischen Reich etwa 1030 einsetzt. Herausragendes Zeugnis hierfür ist der Speyerer Dom, seit 1981 UNESCO-Weltkulturerbe. Zur Zeit seiner Erbauung war es die größte Kirche der Christenheit.

Die Gotik begann in Frankreich. Der 1235 begonnene Bau der Elisabethkirche in Marburg gilt das erste rein gotische Bauwerk Deutschlands. Weitere wichtige Beispiele sind die Liebfrauenkirche in Trier oder die Martinskirche in Landshut mit dem größten Backsteinturm der Welt. Im norddeutschen Raum bzw. dem Bereich der Hansestädte ist eine spezielle Bauform der Gotik typisch: die Backsteingotik. Das Rathaus von Stralsund und das Holstentor in Lübeck stellen die bedeutendsten Zeugnisse der Backsteingotik dar.

Um etwa 1520 kam die Renaissance aus dem Gebiet des heutigen Italien in das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, als herausragende Beispiele gelten das Augsburger Rathaus, das Bremer Rathaus und Schloss Hartenfels in Torgau. Eine wichtige Unterkategorie ist die Weserrenaissance mit Bauwerken wie Schloss Bevern oder Schloss Brake.

Der Stil des Barock setzte ab 1650 ein. Schloss Friedenstein in Gotha gilt als erster barocker Schlossbau Deutschlands. Prominent sind etwa die Werke von Balthasar Neumann, die Wieskirche und das Residenzschloss Ludwigsburg. Eine spezifische Ausformung des Barock stellt der zwischen 1694 und 1763 entstandene Dresdner Barock dar. Als Hauptwerke gelten der Zwinger, die Frauenkirche und das Japanische Palais.

Zwischen 1730 und 1780 herrschte der Baustil des Rokoko vor. Hauptwerke sind die Würzburger Residenz, Schloss Wilhelmsthal, das Kurfürstliche Palais in Trier und das Markgräfliche Opernhaus, welches seit 2012 Welterbe der UNESCO ist. Wichtige Sonderform ist das zwischen 1740 und 1786 entstandene Friderizianische Rokoko. Es ist benannt nach dem preußischen König Friedrich dem Großen. Dessen Hauptwerke sind Schloss Sanssouci, das Neue Palais und Chinesische Haus in Potsdam.

Etwa 1770 setzt die Stilepoche des Klassizismus ein. Wichtige Zentren waren unter anderem Berlin, München und Weimar. Frühe Berliner Hauptwerke des Klassizismus sind das Brandenburger Tor und Belvedere von Carl Gotthard Langhans. Sie entstanden in der Regierungszeit Friedrich Wilhelms II., welcher sich bewusst vom Friderizianische Rokoko seines Onkels abgrenzen wollte. Seine Hochphase erlebte der Klassizismus in Preußen unter dem Baumeister Karl Friedrich Schinkel, der viele Folgegenerationen weltweit beeinflusste, auch durch sein Wirken an der Berliner Bauakademie. Das Alte Museum, die Neue Wache, das Schauspielhaus am Gendarmenmarkt und Friedrichswerdersche Kirche sind in Berlin besonders hervorzuheben. Ein weiteres Hauptwerk Schinkels ist Schloss Charlottenhof in Potsdam.

Einige der bekanntesten Bauwerke Deutschlands wurden in der Stilepoche des Historismus (um 1840 bis etwa 1900) gebaut; Beispiele hierfür sind die Dresdner Semperoper, der Berliner Dom und das Schweriner Schloss. Einflussreiche Architekten dieser Epoche waren u. a. Gottfried Semper, Friedrich August Stüler, Friedrich von Gärtner und die ersten größeren Architekturbüros wie Cremer & Wolffenstein und Schilling & Graebner. Diese Zeit prägte in Folge von Industrialisierung, Gründerzeit und starkem Bevölkerungswachstum architektonisch den überwiegenden Teil Deutschlands. Es entstanden ganze Blockrand-Stadtgebiete für alle Bevölkerungsschichten, wie etwa in Berlin durch den metropolischen Hobrecht-Plan, daneben auch Villenkolonien und dicht bebaute Vorstädte. Es bildeten sich auch regionalspezifische Stile wie die Hannoversche Architekturschule, der Nürnberger Stil, die Semper-Nicolai-Schule im Raum Dresden und der Johann-Albrecht-Stil in Mecklenburg aus. Teilweise gab es schon stilistische Abweichungen von Stadt zu Stadt. Gepflegte Gründerzeitviertel gelten in vielen Städten heute als bevorzugte Wohnlage bzw. Szeneviertel und vereinen das städtische Leben auf sich.[204] Zeitgleich mit der Spätphase des Historismus setzte um 1890 der Jugendstil ein und währte bis etwa 1910, der Begriff entstand in Anlehnung an die ab 1896 erschienene Münchner Zeitschrift Die Jugend. Das bedeutendste Ensemble der Zeit ist die Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren deutsche Architekten Vorreiter der Klassischen Moderne. Vorläufer dazu entwickelte der 1907 gegründete Deutsche Werkbund. Walter Gropius als Begründer der Bauhaus-Schule, Ludwig Mies van der Rohe und das Neue Frankfurt setzten Impulse des Neuen Bauens, die die Architektur bis heute weltweit prägen. Auch die ersten deutschen Hochhäuser entstanden, vor allem in Berlin. Ein weitgehend für Deutschland spezifischer moderner Stil ist der Expressionismus. Eine Begleitbewegung zur modernistischen Bewegung war ab 1904 bis in die frühen 1960er-Jahre die Heimatschutzarchitektur, die die regionaltypische Architektur vieler Orte pflegte und dabei weiter entwickelte. Bei der Architektur im Nationalsozialismus herrschte oftmals ein monumentaler, autokratischer Stil vor, es entstanden Repräsentativbauten wie das Berliner Olympiastadion. In der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Krieg herrschte Pragmatismus vor, es entstanden viele großflächige Einzelbauten und zerstreute Siedlungen, die DDR-Architektur war zunächst durch sozialistischen Klassizismus, später durch industrielle Bauweise wie den Plattenbau geprägt. Die Architekturszene suchte darüber hinaus nach extravaganteren Ausdrucksformen für Solitärbauten. In der Bundesrepublik war das 1972 fertiggestellte postmoderne Olympiastadion in München von Frei Otto und Behnisch ein wichtiges Projekt, das das neue Selbstverständnis deutscher Architektur in die Welt trug. Mit dem 256 m hohen Frankfurter Messeturm entstand 1991 der bis dahin höchste Wolkenkratzer Europas, der 1997 durch den Commerzbank Tower abgelöst wurde, dem bis heute höchsten Hochhaus Deutschlands. Die höchste Struktur auf deutschem Boden ist der 368 m hohe Berliner Fernsehturm, der 1969 eingeweiht wurde.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Entwicklung der Architektur globalisiert, zugleich werden häufig aber auch regionale Bezüge zu historischen Vorbildern oder lokalen Bauweisen hergestellt (auch als neuklassische Architektur bezeichnet).[205] Durch Bewegungen wie den Neuen Urbanismus sind kleinteilige Fassaden mit Mischnutzungen wieder populär, in den Städten vor allem in der typisch urbanen Blockrandbauweise. Auch der Wiederaufbau von durch Krieg oder Abriss zerstörten Kulturdenkmalen ist im 21. Jahrhundert von Bedeutung, prominente Beispiele sind die Dresdner Frauenkirche samt Neumarkt, das Berliner Stadtschloss, die Potsdamer Mitte mit dem Stadtschloss und das Frankfurter Dom-Römer-Projekt.[206]

Deutsche Architekten und Architekturbüros sind heute weltweit aktiv, zu den renommiertesten des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts gehören u. a. Hans Kollhoff, GRAFT, Sergei Tchoban, Helmut Jahn, Ole Scheeren, O. M. Ungers, GMP, Ingenhoven, Sauerbruch Hutton, Hadi Teherani und Behnisch Architekten.[207] Deutsche Träger des renommierten Pritzker-Preises sind Gottfried Böhm und Frei Otto. Um die Wahrnehmung der Architektur im In- und Ausland zu befördern, wurde 2007 die Bundesstiftung Baukultur gegründet. Alljährlich werden der Tag der Architektur und der Tag des offenen Denkmals veranstaltet.

Kultur- und Baudenkmäler

Das Brandenburger Tor in Berlin

Die UNESCO führt 40 deutsche Beiträge zum Welterbe auf, die auf 15 der 16 deutschen Länder verteilt sind.[208] Die Liste wurde mit dem Aachener Dom 1978 eröffnet; jüngster Neuzugang war 2014 das westfälische Kloster Corvey. Es gibt einige Altstädte mit Welterbestatus in Deutschland, dazu gehören Stralsund und Wismar, Bamberg, Goslar, Quedlinburg, Lübeck und Regensburg, die größte mittelalterliche Stadtanlage nördlich der Alpen.[209] Das Dresdner Elbtal hatte den Welterbe-Status von 2004 bis 2009 inne. Zudem führt die UNESCO mit der Grube Messel, den Buchenurwäldern und dem deutschen Wattenmeer drei Weltnaturerbestätten auf.

Neben dem Welterbe zeichnet das Förderprogramm für „National wertvolle Kulturdenkmäler“ unter Schirmherrschaft des Kulturstaatsministers bundesweit besonders bedeutende Denkmäler aus. Von 1950 bis 2007 wurden aus diesem Programm über 500 Kulturdenkmäler mit insgesamt rund 280 Millionen EUR gefördert.[210]

Besonders hohe Besucherzahlen erreichen Kulturdenkmäler, die eine Vorstellung von deutscher Romantik erwecken. So gehören die Schlösser Neuschwanstein, Schwerin und Heidelberg, die Burg Hohenzollern, die Wartburg, die Walhalla, das Obere Mittelrheintal mit seinen Burgen sowie die mittelalterlichen Altstädte von Rothenburg ob der Tauber und Rüdesheim am Rhein zu den weltweit bekannten touristischen Zielen.

Zunehmender Beliebtheit und Anerkennung erfreuen sich auch Denkmäler und Stadtbilder aus der Zeit der industriellen Revolution, etwa prächtige Ensembles der Bäderarchitektur in den Seebädern an der Ostseeküste, Kurorte im Binnenland oder auch Industriedenkmäler.

Geschlossene historische Stadtbilder sind in den deutschen Großstädten heute selten anzutreffen, da der Zweite Weltkrieg und der Stadtumbau der Nachkriegszeit einen Großteil der Kulturdenkmäler zerstört hat. Ausnahmen sind neben den Welterbestädten die Großstädte Erfurt, Halle, Heidelberg, Schwerin und Wiesbaden. Klein- und Mittelstädte mit weitgehend geschlossenen historischen Stadtbildern sind in Deutschland noch recht häufig anzutreffen, wobei viele einst harmonische Ensembles u. a. durch Verfall, Abrisse und „Kaputtsanierungen“ mit Fassadenglättungen und Entstuckungen für energetisch ineffiziente Außendämmungen in ihrer Wirkung bedroht sind.[211]

Museen

Hauptartikel: Museen in Deutschland
Die Museumsinsel gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO.

In Deutschland existieren rund 6250 Museen, wozu auch private und öffentliche Sammlungen, Schlösser und Gärten gehören.[212] Berlin, das mit mehr als 170 Museen zu den renommiertesten Museumslandschaften gehört, beherbergt neben der zum Welterbe gehörenden Museumsinsel zahlreiche global bedeutsame Museen und Sammlungen. Als bedeutendstes kulturelles Projekt des Bundes ist dort das Humboldtforum im Bau.

Zu den bekanntesten musealen Einrichtungen Deutschlands gehören das Deutsche Museum in München, das weltweit größte naturwissenschaftlich-technische Museum, und das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg mit einer der bedeutendsten Sammlungen zu Kultur und Kunst von der Vor- und Frühgeschichte bis zur unmittelbaren Gegenwart. Die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden beherbergen u. a. das Grüne Gewölbe, eine historische Sammlung der ehemaligen Schatzkammer der Wettiner Fürsten von der Renaissance bis zum Klassizismus. Das Deutsche Meeresmuseum mit dem Ozeaneum Stralsund ist das größte Meeresmuseum in Deutschland.

Bedingt durch die weltweit längste Tradition im Automobilbau befinden sich in Deutschland einige der größten Fahrzeugsammlungen Europas, wie z. B. in Stuttgart im Mercedes-Benz Museum und im Porsche-Museum, in München in der BMW Welt und in der Wolfsburger Autostadt. Bedingt durch eine darüber hinaus große Tradition im Bereich der Erfindungen und technischer Innovationen gibt es viele weitere technische Museen in Deutschland.

Feiern und Feste

Hauptartikel: Feiertage in Deutschland
Weihnachten ist seit Jahrhunderten Bestandteil deutscher Festtagstradition.

Nationalfeiertag ist der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober, wie es im Einigungsvertrag über den Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland vereinbart wurde.[213] Alle übrigen Feiertage beruhen auf Gesetzen der Länder. Acht von ihnen sind in allen 16 Ländern Feiertage: Karfreitag, Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, die beiden Weihnachtsfeiertage, Neujahr und der Tag der Arbeit. Der Reformationstag ist in fünf Ländern Feiertag. Wie die Sonntage sind „die staatlich anerkannten Feiertage als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt“.[214]

Deutschland ist weltweit für sein Weihnachtsbrauchtum bekannt, dazu gehören die traditionellen Weihnachtsmärkte, Weihnachtsbäume, typische Dekorationen wie Adventskalender und Weihnachtspyramiden, sowie kulinarische Spezialitäten wie Stollen, Braten und Lebkuchen. Die Symbolfigur des Weihnachtsmannes fand von Deutschland aus Verbreitung. Eine der größten touristischen Attraktionen ist auch das Oktoberfest in München (mundartlich auch „d’ Wiesn“), das mit fast sieben Millionen Besuchern größte Volksfest der Welt. In Bad Cannstatt findet jedes Jahr das Cannstatter Volksfest (auf dem Cannstatter Wasen), das mit über 4,5 Millionen Besuchern zweitgrößte Volksfest der Welt, statt. Bedeutende Veranstaltungen von Karneval, Fastnacht und Fasching sind unter anderem der Kölner Karneval, die Mainzer Fastnacht, der Düsseldorfer Karneval und die Schwäbisch-alemannische Fastnacht. In Hannover findet alljährlich das größte Schützenfest der Welt statt. Lokal gibt es Kirmessen mit mobilen Fahrgeschäften am Kirchweihtag.

Die Kieler Woche, eine seit Ende des 19. Jahrhunderts in Kiel ausgetragene Segelregatta, ist das größte Segelsportereignis der Welt und zugleich eines der größten Sommerfeste Europas. Die Hanse Sail in Rostock ist eines der größten maritimen Feste und bietet den weltweit größten Auflauf von Traditionsschiffen. Ebenfalls in Norddeutschland finden der jährliche Hamburger Hafengeburtstag und alle zwei Jahre die Cruise Days statt. Höhepunkt dieser Festivitäten ist die sogenannte Parade der Traumschiffe entlang des Hamburger Hafenbeckens.

Zu den überregionalen Veranstaltungen gehören der Internationale Museumstag, der Deutsche Mühlentag, die Fête de la Musique zum Sommeranfang am 21. Juni, der Tag der Architektur sowie der Tag des offenen Denkmals. In vielen Städten werden regelmäßig Veranstaltungen wie die Lange Nacht der Museen oder Lange Nacht der Kultur durchgeführt.

Küche

Hauptartikel: Deutsche Küche
Deutsche Wurst- und Käsespezialitäten

Die Vielfalt der Regionalküchen spiegelt häufig historische Landesgrenzen (wie Anhalt, Baden, Mecklenburg) und die Kulturräume von Dialektvarianten (Franken, Schwaben) wider. Daneben haben Zuwanderer aus verschiedenen Regionen (u. a. Hugenotten, Italiener, Türken, Ostasiaten) die deutsche Esskultur im Lauf der Zeit mit ihren jeweiligen kulturtypischen Speisen bereichert. Viele deutsche Restaurants erzielen bei Restaurantführern wie dem Guide Michelin und Gault-Millau hohe Bewertungen, sodass Deutschland neben Frankreich und Japan zu den führenden Gastronomienationen der Welt gezählt wird.

Deutschland ist weltweit bekannt für seine jahrhundertealte Bierbrautradition. Viele Deutsche bevorzugen ein regional hergestelltes Bier, was sich auch im Trend zu Handwerksbrauereien widerspiegelt. Auch deutscher Wein ist im Land und zunehmend darüber hinaus beliebt, insgesamt werden 16 Anbaugebiete für Qualitätswein und 26 Landweine unterschieden. Der Weinbau in Deutschland wurde bereits von den Römern im 2. Jahrhundert an der Mosel begonnen. Aus klimatischen Gründen ist der Weinanbau im Westen und Süden verbreiteter als im Norden und Osten, allen voran in Rheinhessen, der Pfalz, Baden, Württemberg und an der Mosel. Als Erfrischungsgetränke werden überwiegend Wasser, kalorienhaltiger Fruchtsaft bzw. Limonade getrunken. Das beliebteste Heißgetränk ist Kaffee, sein Genuss wurde ab den 1670er-Jahren in deutschen Kaffeehäusern bzw. Cafés kultiviert. Daneben ist auch Tee in allen Altersgruppen und Variationen beliebt, am ältesten in Deutschland ist die ostfriesische Teekultur, die sich seit dem frühen 17. Jahrhundert entwickelte.

In Deutschland findet man eine einmalig große Auswahl an Brotsorten dank vielfältiger Bäckereitraditionen, zudem zahlreiche Wurstvarianten und Käsesorten. Die typischerweise erste Mahlzeit am Tag ist das Frühstück. Traditionell wird mittags die warme Mahlzeit und abends eine Brotmahlzeit eingenommen. Zwischenmahlzeiten wie ein zweites Frühstück bzw. Brunch und am Nachmittag Kaffee mit Backware (mitunter Vesper oder Kaffeezeit genannt) sind weit verbreitet.

Mode

Die Modeindustrie ist ein traditionsreicher Zweig des produzierenden Gewerbes in Deutschland. In rund 1.300 fast ausschließlich mittelständischen Betrieben erzeugen rund 130.000 Beschäftigte einen Umsatz von rund 28 Milliarden Euro. Die Exportquote liegt bei etwa 40 Prozent in der Textilindustrie und 44 Prozent in der Bekleidungsindustrie (2008). Dieser Industriezweig ist damit nach dem Ernährungsgewerbe die zweitgrößte Konsumgüterbranche in Deutschland.[215]

Claudia Schiffer, eines der erfolgreichsten Supermodels der Welt

Deutsche Mode ist für ihre eleganten Linien bekannt, aber auch für ihre unkonventionellen jungen Designs und die große Variation verschiedener Stilrichtungen. Berlin gilt als junges und kreatives Zentrum in der internationalen Modeszene. Die zweimal im Jahr stattfindende Berlin Fashion Week (Berliner Modewoche) ist innerhalb kurzer Zeit zu einer der weltweit wichtigsten Modeveranstaltungen avanciert.[216] Bread & Butter Berlin hat sich als bedeutende Messe für den Markt der Alltagsmode etabliert. In Düsseldorf, dem Modehandelsplatz mit dem größten Umsatz in Deutschland,[217] werden von der Igedo die Ordertage Collection Première Düsseldorf (CPD) für Bestellungen von Großkunden abgehalten. Weitere wichtige Modezentren sind München, Hamburg und Köln. Auch kleinere Städte sind als Standorte großer Marken Zentren für Gestaltung und Produktion.[218]

Weltweit berühmte deutsche Modedesigner sind und waren z. B. Karl Lagerfeld, Hugo Boss, Wolfgang Joop, Jil Sander, Michael Michalsky, Philipp Plein, Etienne Aigner, Torsten Amft, Dorothee Schumacher, Willy Bogner, Rudolf und Adi Dassler. Zu den etablierten Modemarken aus Deutschland gehören Boss, adidas, Puma, Escada, Joop!, MCM, Bruno Banani, Triumph, Schiesser, Talbot Runhof, Kaviar Gauche, Closed, Reusch, Valisere, Jack Wolfskin, Ulla Popken, Buffalo, Rohde, Zalando, Dr. Martens, P&C, Marc O’Polo, Tom Tailor, s.Oliver, Gerry Weber, Esprit und Wunderkind.

Es gibt zudem eine Reihe von deutschen Models, die es zu internationalem Ruhm gebracht haben, besonders die „Supermodels“ Claudia Schiffer, Heidi Klum, Tatjana Patitz, Nadja Auermann und Manon von Gerkan. Auch Diane Kruger, Toni Garrn, Eva Padberg, Julia Stegner, Nico, Franziska Knuppe, Barbara Meier, Vanessa Hegelmaier, Evelyn Sharma, sowie die männlichen Models Nico Schwanz und Lars Burmeister sind bzw. waren weltweit gefragt.

Historisch fand in Deutschland die Volkstracht bis ins 20. Jahrhundert eine weite Verbreitung und grenzte sich von der bürgerlichen Kleidung ab. Die traditionelle Tracht wird heute noch in verschiedenen Regionen getragen, meist zu Volksfesten und besonderen Anlässen. Die moderne Trachtenmode geht u. a. auf die Jagd- und Wanderbekleidung zurück.

Gesellschaft

Kindergarten-Gruppe in Ladenburg, Baden-Württemberg

Deutschland ist ein durch die europäische Aufklärung pluralistisch geprägtes Land. Menschen aus 194 Staaten leben in der Bundesrepublik.[219] Die Bevölkerung zeichnet sich im globalen Rahmen durch einen hohen Bildungsstand, einen überdurchschnittlichen Lebensstandard und eine hohe persönliche Lebenszufriedenheit aus.[220] Laut World Values Survey werden in Deutschland säkular-rationale Werte und ein fortgeschrittenes Maß an persönlicher Selbstentfaltung geschätzt.

Soziales

Deutschland hat eine lange Tradition des gesetzlich beförderten sozialen Ausgleichs. Laut Gini-Index gilt das Land im internationalen Vergleich als Gesellschaft mit geringer Einkommensungleichheit. Der deutsche Staat bietet seinen Bewohnern umfangreiche rechtliche Ansprüche auf Familienförderung und soziale Absicherung. Die Geschichte der Sozialversicherung begann im Kaiserreich. Spätere Regierungen haben sie nach und nach erweitert und um zusätzliche soziale Transferleistungen ergänzt, wodurch heute ein großer Teil des Staatshaushalts für Soziales aufgewendet wird.

Die Bundesrepublik Deutschland ist ein kooperativ-föderalistischer Bundesstaat[221] mit einer sozialen Marktwirtschaft (Bundesratsgebäude in Berlin).

Für Arbeitnehmer besteht eine Pflichtmitgliedschaft in der Sozialversicherung, die aus fünf sogenannten Säulen besteht: Krankenversicherung, Unfallversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung. Die soziale Grundsicherung wird in erster Linie durch Beiträge der Versicherten finanziert, die Defizite werden durch Steuergelder ausgeglichen.

2010 gab es in Deutschland 830.000 Euro-Millionäre mit einem Gesamtvermögen von 2.191 Milliarden Euro. Im selben Jahr lebten rund 12,4 Millionen Menschen in relativer Armut oder galten als armutsgefährdet, das entspricht 15,3 Prozent der Bevölkerung.[222] Von der erwerbsfähigen Bevölkerung gelten etwa 2,3 Millionen Einwohner (4 %) als Analphabeten, bis zu 14 % der Bevölkerung sind von funktionalem Analphabetismus betroffen.[223]

Neben den vom Staat organisierten Transferleistungen der Bürger untereinander gibt es noch innerstaatliche Transferleistungen. Durch den Länderfinanzausgleich sind Bundesländer mit hohem Steueraufkommen dazu verpflichtet, einen Teil ihrer Einnahmen an schlechter gestellte Länder abzugeben, damit die Lebensverhältnisse in Deutschland nicht zu weit auseinandergehen. Durch den auf die Einkommenssteuer erhobenen Solidaritätszuschlag sollen die den neuen Bundesländern entstandenen teilungsbedingten Lasten gemildert werden.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz soll Benachteiligungen aufgrund von Geschlecht, Rasse, der ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität (etwa Homosexualität) verhindern. Auf dem Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) nahm Deutschland 2012 Rang 13 ein und entspricht somit einem sehr niedrigen Stand der Korruption.

Gesundheit

Das deutsche Gesundheitswesen gehört zu den hoch entwickelten.[224] Wesentliche Kennziffern hierzu sind eine sehr niedrige Rate der Kindersterblichkeit von 3,71 bei 1000 Geburten, eine hohe Lebenserwartung die im Jahr 2009/11 bei 77,9 Jahren für Männer und bei 82,9 für Frauen lag, sowie einen hohen Prozentsatz erfolgreicher Operationen.[225][226]

Das Gesundheitssystem umfasst die Leistungserbringer, also Ärzte, Apotheker, Pflegepersonal usw., den Staat (Bund, Länder, Landkreise und Gemeinden), die Krankenversicherungen, die Unfall-, Pflege- und Rentenversicherung, die Kassenärztlichen Vereinigungen, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer und ihre Verbände, weitere im Gesundheitswesen tätige Interessenverbände und nicht zuletzt die Patienten, zum Teil vertreten durch Patientenverbände und Selbsthilfeorganisationen.

Abgesehen von staatlichen Krankenhäusern werden die Versorgungsleistungen weitgehend privat erbracht. Außerhalb der Krankenhäuser dominieren freie Berufe, wie niedergelassene Ärzte und Apotheker, und private Unternehmen, beispielsweise die pharmazeutische und die medizintechnische Industrie. Krankenhäuser werden häufig noch in gemeinnütziger Trägerschaft geführt, zunehmend jedoch privatisiert. Der Staat beteiligt sich als Leistungserbringer nur nachrangig in Form von Gesundheitsämtern, kommunalen Krankenhäusern oder Hochschulkliniken.

Der größte Teil der deutschen Bevölkerung ist in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert, deren Beiträge sich hauptsächlich an der Höhe des Einkommens des Versicherten orientieren. Familienmitglieder sind unter bestimmten Bedingungen beitragsfrei mitversichert. Der Leistungsanspruch ist unabhängig von der Höhe der gezahlten Beiträge. Etwa 10,5 Prozent der Bevölkerung sind privat krankenversichert.[227]

Bildung

Universität Heidelberg, Deutschlands älteste Universität, gegründet im Jahr 1386

Das heutige deutsche Bildungswesen hat seine Wurzeln unter anderem im weltweit vorbildhaften humboldtschen Bildungsideal und den preußischen Bildungsreformen. Seine Ausgestaltung liegt in der Verantwortung der Länder („Kulturhoheit“), wird jedoch durch bundesweite Konferenzen der Kultusminister koordiniert. Je nach Bundesland besteht eine neun- bis dreizehnjährige Schulpflicht. Der Besuch der allgemeinbildenden Schulen dauert mindestens neun Jahre. Danach können weiterführende Schulen bzw. berufsbildende Schulen besucht werden. Die meisten deutschen Bundesländer haben ein gegliedertes Schulsystem mit Hauptschule, Realschule und Gymnasium. Die Hochschulreife wird – je nach Bundesland – nach zwölf oder dreizehn Schuljahren erworben.

Praktisch alle jungen Erwachsenen besuchen nach der Schule eine weiterführende Bildungseinrichtung. Auszubildende in Betrieben besuchen in der Regel an ein oder zwei Tagen in der Woche die Berufsschule, was als Erfolgsmodell der dualen Ausbildung weltweit bekannt ist. Die akademische Entsprechung ist das duale Studium. Studierende können zwischen universitären und anwendungsorientierten Hochschulen (Fachhochschulen) wählen.

Auch die berufliche Weiterbildung spielt eine große Rolle. Für Arbeitslose stellt die Bundesagentur für Arbeit Weiterbildungsgutscheine bereit. Vor ihrer beruflichen Ausbildung können Jugendliche außerdem sogenannte Freiwilligendienste, wie ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ein Freiwilliges Ökologisches Jahr, absolvieren. Weitere populäre Übergangsaktivitäten sind der Freiwillige Wehrdienst und Auslandsaufenthalte, etwa in Form von Work & Travel oder Jugendaustausch.

Die OECD kritisiert die deutsche Bildungspolitik, da insbesondere die Schulerfolge von Kindern mit Migrationshintergrund unter dem Durchschnitt liegen (PISA-Studien). Entgegen den Reformbemühungen der letzten Jahrzehnte ist es weiterhin statistisch signifikant unwahrscheinlicher, dass Arbeiterkinder das Abitur (Allgemeine Hochschulreife) oder einen Hochschulabschluss erreichen, als Kinder aus den Mittel- oder Oberschichten. Die Ausgaben für Bildung (4,6 % des Bruttoinlandsprodukts) liegen im OECD-Vergleich unter dem Durchschnitt. Die schulische Förderung im Grundschulalter gilt als verbesserungswürdig, insbesondere was Betreuungsmöglichkeiten und gezielte Förderung schwächerer Schüler angeht.

Wissenschaft

Deutschland ist ein international bedeutender Technologie- und Wissenschaftsstandort. Seit der industriellen Revolution waren deutschsprachige Forscher bei der Gründung empirischer Wissenschaften maßgeblich beteiligt. Insbesondere die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit verschiedenster Industrien wurde durch die kreative Arbeit von Ingenieuren vorangetrieben. Rund 10 Prozent aller weltweit angemeldeten Patente im Jahr 2011 kamen aus Deutschland. Damit steht das Land nach den USA und Japan auf Rang drei der Patententwickler.[228]

In Deutschland sind Universitäten, Technische Universitäten und Fachhochschulen Einrichtungen der Forschung und wissenschaftlichen Lehre. Die (Technischen) Universitäten sind zu Promotions- und Habilitationsverfahren berechtigt. Beide Verfahren sollen Bildung nachweisen und wissenschaftliche Erkenntnisse enthalten. Mit der Einführung internationaler Abschlussbezeichnungen im Zuge des Bologna-Prozess wird die bisherige Trennung in den Bezeichnungen im tertiären, akademischen Bildungsbereich zwischen Fachhochschulen und Universitäten aufgeweicht. Einzelne Hochschuleinrichtungen bilden überhaupt nicht im tertiären Bildungsbereich aus, sondern sind zur postgradualen Bildung oder ausschließlich zur Promotion und Habilitation eingerichtet. Die überwiegende Mehrheit der deutschen Hochschulen sind in öffentlicher Trägerschaft, werden aber in ihrer Forschung über Drittmittel finanziert (Deutsche Forschungsgemeinschaft, Stiftungen, Unternehmen und andere).

Alexander von Humboldt (1769–1859)

Neben den Universitäten gibt es eine größere Anzahl von Forschungsorganisationen, die deutschlandweit und darüber hinaus tätig sind. Dabei wurde in Deutschland ein System der Arbeitsteilung zwischen der außeruniversitären Forschung und den Universitäten aber auch zwischen den Organisationen geschaffen. Die Max-Planck-Gesellschaft verpflichtet sich der Grundlagenforschung. Sie führt 78 Institute in Deutschland und besitzt ein Jahresbudget von 1,3 Milliarden Euro. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist die größte wissenschaftliche Gesellschaft in Deutschland und betreibt 15 sogenannte Großforschungszentren, die fächerübergreifend an wissenschaftlichen Komplexen arbeiten. Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die größte Organisation der angewandten Forschung. Sie greift in ihren 56 Instituten Ergebnisse der Grundlagenforschung auf und versucht sie wirtschaftlich zu erschließen. Sie stellt der Wirtschaft die Dienstleistung der Auftragsforschung bereit. Weltweite Bekanntheit erlangte sie durch die Entwicklung des MP3-Audioformats. Sie gehört zu den wichtigsten Patentanmeldern und -besitzern in Deutschland. Die Leibniz-Gemeinschaft ist ein Verbund eigenständiger Forschungseinrichtungen, die sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der angewandten Forschung arbeiten.

Europäisches Raumflugkontrollzentrum (ESOC), Kontrollraum der ESA in Darmstadt. Deutschland leistet den größten Beitrag zum europäischen Raumfahrtprogramm.

Aus Deutschland stammen zahlreiche Forscher aus allen Bereichen der modernen Wissenschaften. Mehr als 100 Nobelpreisträger werden dem Land zugeordnet. Albert Einstein und Max Planck begründeten mit ihren Theorien wichtige Säulen der theoretischen Physik, auf denen beispielsweise Werner Heisenberg und Max Born weiter aufbauen konnten. Wilhelm Conrad Röntgen, der erste Physik-Nobelpreisträger, entdeckte und untersuchte die nach ihm benannte Röntgenstrahlung, die noch heute eine wichtige Rolle unter anderem in der medizinischen Diagnostik und der Werkstoffprüfung spielt. Heinrich Hertz schrieb bedeutende Arbeiten zur elektromagnetischen Strahlung, die für die heutige Telekommunikationstechnik maßgeblich sind. Die Entwicklungen von Nikolaus Otto, Rudolf Diesel, Gottlieb Daimler und Carl Benz haben das Verkehrswesen revolutioniert, die nach ihren Erfindern benannten Bunsenbrenner und Zeppeline sind weltweit ein Begriff. Die deutsche Raumfahrt leistete entscheidende Pionierarbeit im Bereich der Raumfahrt und der Weltraumforschung und besitzt heute mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine leistungsfähige Raumfahrtagentur, zudem ist Deutschland das am meisten zur Europäischen Weltraumorganisation (ESA) beitragende Mitgliedsland.[229]

Die chemische Forschung wurde unter anderem von Carl Wilhelm Scheele, Otto Hahn und Justus von Liebig mitgeprägt. Mit ihren erfolgreichen Erfindungen sind Namen wie Johannes Gutenberg, Werner von Siemens, Wernher von Braun, Konrad Zuse und Philipp Reis Bestandteile der technologischen Allgemeinbildung. Auch viele bedeutende Mathematiker wurden in Deutschland geboren, so zum Beispiel Adam Ries, Friedrich Bessel, Richard Dedekind, Carl Friedrich Gauß, David Hilbert, Emmy Noether, Bernhard Riemann, Karl Weierstraß und Johannes Müller (Regiomontanus). Weitere wichtige deutsche Forscher und Wissenschaftler sind der Astronom Johannes Kepler, der Archäologe Heinrich Schliemann, die Biologin Christiane Nüsslein-Volhard, der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz, der Naturforscher Alexander von Humboldt, der Religionsforscher Max Müller, der Historiker Theodor Mommsen, der Soziologe Max Weber und der Medizinforscher Robert Koch.

Medien

Deutsche Erfinder und Physiker leisteten einen zentralen Beitrag in der Vorgeschichte des Radios und des Fernsehens. Die Versorgung der Bevölkerung mit Sendungen zu allen Themen erfolgte lange über analog verbreitetes terrestrisches Fernsehen (UHF/VHF), regionale Kabelunternehmen (meist analog) und per Satellit. Seit 2003 erfolgt die Versorgung mit terrestrischem Fernsehen in Ballungsgebieten digital, das heißt über den DVB-T-Standard. Eine komplette Digitalisierung des Fernsehens und des Hörfunks wird umgesetzt. Einige Anbieter bieten ihr Programm auch komplett oder in Teilen über das Internet an, also im Rahmen von (mitunter kostenpflichtigem) IPTV, Streaming bzw. als Internetradio-Angebote.

Deutschland hat ein vom Gesetzgeber gewolltes duales Rundfunksystem, das heißt neben dem gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk existieren zahlreiche private Rundfunkanbieter, deren Programme meist werbefinanziert sind.

Beim Fernsehen in Deutschland gibt es neben dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen, dem unter anderem die Sender des ZDF und der ARD wie die global sendende Deutsche Welle angehören, auch privatrechtliche Fernsehanbieter. Zu ihnen gehören unter anderem die ProSiebenSat.1-Gruppe, die RTL Group, die Tele München Gruppe sowie regionale Anbieter. Neben frei empfangbaren Fernsehsendern existieren außerdem digitale Bezahlfernsehangebote von Kabelnetzbetreibern sowie der Bezahlfernsehsender Sky.

Unternehmenssitz von Bertelsmann in Gütersloh

Die Hörfunklandschaft Deutschlands ist stark von Regionalsendern geprägt, die meist nur in einem oder einigen aneinandergrenzenden Bundesländern senden. Diese Radioprogramme sind oft öffentlich-rechtlich dominiert und werden von den jeweiligen Landesrundfunkanstalten, wie dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) oder dem Bayerischen Rundfunk (BR), aber auch von privaten Radioanbietern ausgestrahlt.

Die deutschsprachige Presselandschaft ist vielfältig und bietet ihr Informationsangebot in gedruckter Form, im Internet und auf mobilen Endgeräten an. Deutschland ist der größte Zeitungsmarkt Europas und der fünftgrößte weltweit. 2016 wurden pro Erscheinungstag 16,08 Millionen Tageszeitungen sowie knapp 5 Millionen Wochen- und Sonntagszeitungen verkauft.[230] Zu den meistgelesenen überregionalen Zeitungen gehören die Bild, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Welt, die Süddeutsche Zeitung, das Handelsblatt sowie die Wochenzeitung Die Zeit. Charakteristisch für das regionale und lokale Presseangebot ist jedoch der sogenannte Ein-Zeitungs-Kreis, d. h. in vielen Regionen gibt es nur eine tägliche Lokalzeitung und damit ein Monopol.[231] Nachrichtenmagazine, die wöchentlich erscheinen, sind unter anderem Der Spiegel, der Focus und die Zeitschrift Stern.

Der Nutzung von sozialen Medien, Blogs, Videoportalen, Mediatheken, Streaming-Diensten, Gaming-Plattformen oder der Internet-Enzyklopädie Wikipedia kommt ebenfalls eine bedeutende Rolle zu.[232] Online-Angebote sind insbesondere bei Jugendlichen beliebt.[233]

Zu den größten international tätigen Medienunternehmen mit Sitz in Deutschland gehören der Bertelsmann-Konzern, die Axel Springer SE und die ProSiebenSat.1 Media AG. Die dpa zählt zu den weltweit bedeutendsten Nachrichtenagenturen.

Sport

Die deutsche Fußballnationalmannschaft nach ihrem Sieg im Endspiel bei der WM 2014 in Brasilien, der den vierten Weltmeistertitel nach 1954, ’74 und ’90 bedeutete. Fußball ist der populärste Zuschauer- und Vereinssport in Deutschland.

2009/10 waren etwa 27,8 Millionen Deutsche in 91.000 Turn- und Sportvereinen organisiert.[234] Die überwiegende Anzahl der Sportvereine ist im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zusammengefasst.

Die am häufigsten betriebene und von Zuschauern verfolgte Sportart in Deutschland ist Fußball. Rund 6,8 Millionen Mitglieder und ungefähr 172.000 Mannschaften sind im Jahr 2012 im Deutschen Fußball-Bund organisiert,[235] der die Fußball-Weltmeisterschaften 1974 und 2006 ausrichtete und weltweit einer der größten und erfolgreichsten Sportfachverbände ist. Die deutsche Fußballnationalmannschaft wurde 1954, 1974, 1990 und 2014 Weltmeister. Deutschland ist bisher das einzige Land, das im Fußball sowohl bei den Frauen als auch den Männern Europa- und Weltmeister werden konnte. Das größte Stadion, ausgelegt für internationale Begegnungen, ist das Olympiastadion (74.224 Plätze) in Berlin. Der Signal Iduna Park in Dortmund ist für Fußballspiele auf Bundesliga-Ebene mit über 80.500 Plätzen (davon 24.454 Stehplätze) das Stadion mit der größten Zahl genehmigter Zuschauerplätze.

Die Handball-Bundesliga wird oft als die beste Spielklasse der Welt angesehen, die Herren-Nationalmannschaft wurde 2007 zum dritten Mal Weltmeister. Etwa 830.000 aktive Mitglieder gehören rund 4500 Vereinen an (Stand: 2011).[236] Der Dachverband des deutschen Handballs ist der Deutsche Handballbund.

Volleyball und die Variante Beachvolleyball wurden in den 1990ern zum beliebten Breitensport, der Deutsche Volleyball-Verband zählt im Jahr 2012 rund 455.000 Mitglieder.[237] Die deutschen Volleyball-Meister der Frauen und Männer werden jährlich ermittelt, die europäische Volleyball Champions League wurde mehrfach von deutschen Vereinen gewonnen, die DDR–Männermannschaft wurde 1970 Volleyball-Weltmeister.

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Dirk Nowitzki
NBA-Meister
Sebastian Vettel
Formel-1-Weltmeister

Basketball und Eishockey werden stetig beliebter und nehmen in Bezug auf Zuschauerzahlen und Medienpräsenz einen höheren Stellenwert ein. Rekordmeister der Deutschen Eishockey Liga sind die Eisbären Berlin. Im Basketball ist Dirk Nowitzki, der 2007 zum MVP (wertvollster Spieler) in der nordamerikanischen Profiliga NBA gewählt wurde und 2011 als erster Deutscher mit den Dallas Mavericks den NBA-Titel gewann, einer der besten Spieler der Welt.[238] Die Basketball-Bundesliga gibt es seit 1966.

Beim Motorsport richtet sich das öffentliche Interesse besonders auf die Formel 1 und die DTM, in denen deutsche Fahrer und Konstrukteure Spitzenerfolge erzielen konnten. Michael Schumacher ist mit sieben Weltmeistertiteln der bisher erfolgreichste Formel-1-Fahrer und Sebastian Vettel der bisher jüngste Weltmeister in der Formel-1-Geschichte. Im Rallyesport gelangte Weltmeister Walter Röhrl zu Weltruhm. Das renommierte 24-Stunden-Rennen von Le Mans wurde bereits vielfach von den Konstrukteuren Porsche und Audi gewonnen. Der Motorradsport, in dem sich das Hauptaugenmerk auf die Straßen-WM bzw. MotoGP richtet, hat deutsche Weltmeister wie Anton Mang, Dirk Raudies, Stefan Bradl und Sandro Cortese hervorgebracht.

Auch im Boxen können deutsche Sportler auf große Erfolge zurückblicken. Zu den herausragenden Boxern des 20. Jahrhunderts gehören Max Schmeling und Henry Maske, im frühen 21. Jahrhundert Felix Sturm, Robert Stieglitz, Sebastian Sylvester, Jürgen Brähmer, Regina Halmich und die Kickboxerin Christine Theiss. Die ukrainischen Klitschko-Brüder (Vitali Klitschko und Wladimir Klitschko) sowie die armenischstämmigen Arthur Abraham und Susianna Kentikian wurden mehrfache Weltmeister in ihren Gewichtsklassen und durchlebten ihre Profikarrieren vollständig in deutschen Boxställen.

Biathletin Magdalena Neuner

Wintersport hat eine lange Tradition in Deutschland. Im Bobsport, Rennrodeln, Biathlon, Langlauf und Eisschnelllauf konnten deutsche Sportler regelmäßig Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften sowie bei den Olympischen Spielen gewinnen. Weitere populäre Wintersportarten sind das Skispringen, mit Sven Hannawald, Jens Weißflog und Severin Freund als besonders erfolgreichen Sportlern, sowie verschiedene alpine Skisportarten. Katarina Witt zählt mit zwei Olympiasiegen im Eiskunstlauf zu den größten Sportlern ihrer Disziplin.

Das Deutsche Reich war Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin und der Olympischen Winterspiele im Jahr 1936 in Garmisch-Partenkirchen, die Bundesrepublik Deutschland ebenso für die Sommerspiele 1972. Deutsche Standorte bewarben sich mehrfach für weitere Austragungen von Sommerspielen und Winterspielen. Im ewigen Medaillenspiegel der Olympischen Spiele nimmt Deutschland mit 419 Goldmedaillen den dritten Platz ein.[239]

Die Beliebtheit des Straßenradsports hing in der Vergangenheit in starkem Maße von den aktuellen Erfolgen deutscher Fahrer ab. Rudi Altig (in den 1960er-Jahren), Jan Ullrich (1996–2005/07) und André Greipel (2010er) zählen zu den erfolgreichsten Radsportlern ihrer Zeit. Im Hallenradsport ist Deutschland die führende Nation gemessen an der Anzahl gewonnener Weltmeistertitel. Mit über 70 Prozent der gewonnenen WM-Titel ist Deutschland – die DDR eingeschlossen – führend in den Disziplinen Radball und Kunstradfahren.

Im Hockey wurde Deutschlands Herrenmannschaft 2002 und 2006 Weltmeister sowie 1972, 1992, 2008 und 2012 Olympiasieger. Die Damen wurden 2004 Olympiasieger und 1976 und 1981 Weltmeister. Beide Mannschaften sind führend im Hallenhockey. Tennis erlebte in den 1980er- und 1990er-Jahren durch die Erfolge der deutschen Sportler Boris Becker, Steffi Graf und Michael Stich eine große Popularität. Im frühen 21. Jahrhundert sicherten sich unter anderem die Tennisspieler Tommy Haas und Angelique Kerber einige Titel.

Zu den ältesten Sportarten zählt das Sportschießen. Der Deutsche Schützenbund hat etwa 1,4 Millionen Mitglieder. Insgesamt gibt es deutschlandweit rund sechs Millionen Sportschützen.[240] Große Erfolge konnten deutsche Sportler auch in weiteren Sportarten wie Fechten, Reiten, Ringen, Rudern, Kanusport, der Leichtathletik und im Schwimmsport erreichen. Im Tischtennis gehören Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov, im Golf Martin Kaymer und Bernhard Langer zu den besten Spielern der Welt. Der Deutsche Golf-Verband zählt mit 635.000 Golfspielern im Jahr 2014 zu den zehn größten Verbänden des deutschen Sports.[241] Zu den wichtigsten Marathonläufen der Welt zählt der seit 1974 durchgeführte Berlin-Marathon.[242]

Siehe auch

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Anmerkungen

  1. § 23 Absatz 1 Verwaltungsverfahrensgesetz (Bund).
    Die Frage, ob unter deutsch rechtlich ausschließlich die hochdeutsche oder auch die niederdeutsche Sprache subsumiert wird, wird juristisch uneinheitlich beantwortet: Während der BGH in einer Entscheidung zu Gebrauchsmustereinreichung beim Deutschen Patent- und Markenamt in plattdeutscher Sprache das Niederdeutsche einer Fremdsprache gleichstellt („Niederdeutsche (plattdeutsche) Anmeldeunterlagen sind im Sinn des § 4a Abs. 1 Satz 1 GebrMG nicht in deutscher Sprache abgefaßt.“ – BGH-Beschluss vom 19. November 2002, Az. X ZB 23/01), ist nach dem Kommentar von Foerster/Friedersen/Rohde zu § 82a des Landesverwaltungsgesetzes Schleswig-Holstein unter Verweis auf Entscheidungen höherer Gerichte zu § 184 des Gerichtsverfassungsgesetzes seit 1927 (OLG Oldenburg, 10. Oktober 1927 – K 48, HRR 1928, 392) unter dem Begriff deutsche Sprache sowohl Hochdeutsch wie auch Niederdeutsch zu verstehen.
  2. a b c d e f Statistische Ämter des Bundes und der Länder: Gebiet und Bevölkerung – Fläche und Bevölkerung, Stand: 31. Dezember 2015. Abgerufen am 13. Sept. 2016.
  3. GENESIS-Online Datenbank; Bevölkerungsdichte ungerundet: 82.175.684 Einwohner/357.375,62 km² = 229,942 Einwohner pro km². Berechnet am 26. August 2016.
  4. Bevölkerungsstand – Veränderung zum Vorjahr. Statistisches Bundesamt, 24. September 2015, abgerufen am 24. September 2015.
  5. a b c Internationaler Währungsfonds: World Economic Outlook Database, Stand: Oktober 2014. Abgerufen am 16. Dezember 2014.
  6. Human Development Report Office: Germany – Country Profile: Human Development Indicators. Abgerufen am 17. Januar 2016.
  7. Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Grundlagenvertrag (Urteil vom 31. Juli 1973, Absatz-Nr. 54 – 2 BvF 1/73 – BVerfGE 36, S. 1 ff.: „[…] Mit der Errichtung der Bundesrepublik Deutschland wurde nicht ein neuer westdeutscher Staat gegründet, sondern ein Teil Deutschlands neu organisiert. […]“)
  8. Bundeszentrale für politische Bildung: Grundlagen. Abgerufen am 7. Mai 2013.
  9. Zum ordnungspolitischen Nationalstaatsbegriff siehe statt aller mit weiteren Nachweisen Hans F. Zacher, Sozialer Einschluß und Ausschluß im Zeichen von Nationalisierung und Internationalisierung, in: Hans Günter Hockerts (Hrsg.): Koordinaten deutscher Geschichte in der Epoche des Ost-West-Konflikts, Oldenbourg, München 2004 (Schriften des Historischen Kollegs: Kolloquien; 55), ISBN 3-486-56768-3, S. 103–152, hier S. 105 f., 141: Die Konstituierung der Bundesrepublik Deutschland als Nationalstaat, aber „nur unter Inkaufnahme von Widersprüchen“, sowie der Charakter des vereinigten Deutschland als Nationalstaat.
  10. UN Department of Economic and Social Affairs: International Migration Report 2013 (PDF; 428 kB), Stand: 2013. Abgerufen am 10. Dezember 2015.
  11. Steffen Alisch, Die DDR von Stalin bis Gorbatschow: der sowjetisierte deutsche Teilstaat 1949 bis 1990, in: Hans-Peter Schwarz (Hg.), Die Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz nach 60 Jahren. Böhlau, Köln 2008, S. 135 ff.
  12. Hans Kundnani: Germany as a Geo-economic Power (PDF; 267 kB), Center for Strategic and International Studies, 2011. Abgerufen am 20. Juni 2013.
  13. a b Statistisches Bundesamt: Die 20 größten Exportländer weltweit im Jahr 2015 (in Milliarden US-Dollar); vgl. dazu Außenhandel, Stand 2016. Abgerufen am 24. August 2016.
  14. a b Vgl. Bericht über die menschliche Entwicklung 2013. Hrsg. Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), S. 238 ff., abgerufen am 2. April 2013 (PDF; 6,2 MB).
  15. Wilhelm Schmidt, Geschichte der deutschen Sprache. Ein Lehrbuch für das germanistische Studium. 7., verbesserte Aufl., Stuttgart/Leipzig 1996, S. 80 f.
  16. In der Frankfurter Übersetzung der Goldenen Bulle (um 1365) heißt es Dutschelant.
  17. Wolfenbütteler Digitale Bibliothek: Johann von Cube, Basel 1487, S. 6 (zweite Sp., unterer Bereich). Abgerufen am 7. Januar 2013.
  18. Bardo Fassbender: Auswärtige Zuständigkeiten bundesstaatlicher Gliedstaaten: Die Entstehung des Prinzips der dynamischen Verweisung im Zeitalter der Gründung des Deutschen Reiches (1866–1871), JöR, N.F. Bd. 53 (2005), S. 207, hier S. 270 f.
  19. „Mit dem Wort Deutschland geben wir dem Ganzen ein gewisses Pathos…“, zit. nach Theodor Heuss, späterer Bundespräsident, in den Beratungen des Parlamentarischen Rates, 1948.
  20. Helmut Berschin, Deutschlandbegriff im sprachlichen Wandel, in: Werner Weidenfeld/Karl-Rudolf Korte (Hrsg.): Handbuch zur deutschen Einheit 1949–1989–1999, Campus Verlag, Frankfurt a.M./New York 1999, S. 217–225, hier S. 220.
  21. Heinrich August Winkler: Die deutsche Frage ist gelöst, die europäische Frage ist offen. 60 Jahre Bundesrepublik: Rückblick und Ausblick, in: GWU 60, 2009, Heft 9, S. 490–494. Vgl. zur offiziellen Kurzform der amtlichen Staatsbezeichnung die Mitteilung der Bundesregierung an den Generalsekretär der Vereinten Nationen vom 3. Oktober 1990, dass die Bundesrepublik Deutschland ab diesem Zeitpunkt im Rahmen der UN unter dem Namen ‚Deutschland‘ auftreten werde (s. hierzu Multilateral Treaties Deposited with the Secretary General 1996, S. 9 Anm. 13).
  22. Christoph Möllers bezeichnet die völkerrechtliche Identität seit 1866/1867 als „mittlerweile allgemeine Ansicht“ (Staat als Argument, München 2000, S. 163).
  23. Klimadaten: Gebietsmittelwerte von Deutschland. Abgerufen am 7. Januar 2013.
  24. Wetterrekorde Deutschland, wetterdienst.de, abgerufen am 23. November 2015.
  25. Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Artenschutzreport 2015 – Tiere und Pflanzen in Deutschland, S. 13.
  26. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (Hrsg.): Der Wald in Deutschland – Ausgewählte Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur.
  27. Statistisches Bundesamt. Abgerufen am 17. Dezember 2015.
  28. Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Artenschutzreport 2015 – Tiere und Pflanzen in Deutschland, S. 13 f.
  29. Alle politisch selbständigen Gemeinden mit ausgewählten Merkmalen am 30.09.2016 (3. Quartal 2016) (XLS-Datei, 4,86 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  30. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  31. Stand vom 31. Dezember 2015, Fortgeschriebene Bevölkerungszahlen vom 31. Dezember 2015 des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, abgerufen am 15. Juli 2016 (PDF-Datei) (Hilfe dazu).
  32. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2015 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  33. konkludent durch die Ernennung der bisherigen Stadtregierung der Stadt Bremen zur neuen Landesregierung bei Wiedergründung des Landes aus der Stadt Bremen, dem Landgebiet Bremen (heute auch Teil der Stadt Bremen), dem Stadtkreis Wesermünde samt der Stadt Bremerhaven (heute komplett Bremerhaven) am 21. Januar 1947 (rückwirkend zum 1. Januar) durch Proklamation Nr. 3 der US-amerikanischen Militärregierung; de facto als Regierungssitz (Senat) (siehe Rathaus Bremen: Senatskanzlei) und Sitz des Parlaments (siehe Bremische Bürgerschaft) sowie anderer oberster Landesorgane
  34. Bevölkerungsstand und Bevölkerungsbewegung am 31.12.2015. Statistisches Landesamt Bremen, abgerufen am 19. Juli 2016. (Hilfe dazu)
  35. Amtliche Bevölkerungszahl von Hamburg am 31. Dezember 2015 (PDF; 293 kB)
  36. durch Organisationsverfügung Nr. 1 der US-amerikanischen Militärregierung vom 12. Oktober 1945
  37. Bevölkerung in Hessen nach Gemeinden am 31.12.2015 (XLS-Datei)(Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  38. Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2015 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  39. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  40. durch ein Memorandum der britischen Militärregierung vom 1. August 1946, wenige Tage vor der Verordnung Nr. 46 zur Verschmelzung der Provinzen Nordrhein und Westfalen vom 23. August 1946 zum neuen Land Nordrhein-Westfalen (siehe Landeshauptstadt Düsseldorf: Geburt und Heranwachsen einer Landeshauptstadt; Kurt Düwell: „Operation Marriage“ – Die britische Geburtshilfe bei der Gründung Nordrhein-Westfalens, Redemanuskript, Düsseldorf 2006, S. 1 (PDF; 91 kB))
  41. Amtliche Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 18. Juli 2016. (Hilfe dazu)
  42. durch Entscheidung des Landtages vom 16. Mai 1950
  43. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  44. Saarland.de – Amtliche Einwohnerzahlen Stand 31.12.2015 (PDF; 0,03 MB) (Hilfe dazu).
  45. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  46. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31. Dezember 2015 (PDF) (Fortschreibung) (Hilfe dazu).
  47. durch Verordnung Nr. 46 der britischen Militärregierung vom 16. August 1946 (Kieler Erinnerungstag: 23. August 1946)
  48. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2015 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  49. nach Artikel 44 III der Verfassung des Freistaats Thüringen
  50. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  51. In Deutschland kommen mehr Kinder zur Welt. Der Spiegel, 2016, abgerufen am 23. September 2016.
  52. Bevölkerung – Bevölkerung nach Altersgruppen. destatis.de, 2014, abgerufen am 14. November 2014.
  53. Statistisches Bundesamt: 81,2 Millionen Einwohner am Jahresende 2014 – Bevölkerungszunahme durch hohe Zuwanderung – Korrektur im 3. Absatz. In: Pressemitteilung Nr. 353. Destatis, 24. September 2015, abgerufen am 22. Februar 2016.
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  56. 2015: Mehr Geburten, Sterbefälle und Eheschließungen, Statistisches Bundesamt, zuletzt gesehen am 1. Juli 2016.
  57. Sterbefälle, Lebenserwartung, Statistisches Bundesamt, zuletzt gesehen am 1. Juli 2016.
  58. Höchste Geburtenzahl seit 15 Jahren, Zeit Online, zuletzt gesehen am 1. Juli 2016.
  59. Kinderlosigkeit ist das wirkliche Problem Europas, Die Welt vom 21. Dezember 2012. Abgerufen am 9. Januar 2013.
  60. Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: Ungenutzte Potenziale – Zur Lage der Integration in Deutschland (PDF; 3,1 MB), ISBN 978-3-9812473-1-2, S. 26 f.
  61. Ausländische Bevölkerung Ergebnisse des Ausländerzentralregisters abgerufen am 27. Mai 2016
  62. Statistisches Bundesamt: 80,5 Millionen Einwohner am Jahresende 2012 – Bevölkerungszunahme durch hohe Zuwanderung, Pressemitteilung Nr. 283 vom 27. August 2013. Abgerufen am 4. November 2013.
  63. Ursula Mehrländer, Günther Schultze (1998): Einwanderungskonzept für die Bundesrepublik Deutschland: Fakten, Argumente, Vorschläge, Bonn 1992 (Gesprächskreis Arbeit und Soziales; 7), FES-Library (online). Abgerufen am 24. Juli 2013.
  64. UN Department of Economic and Social Affairs: International Migration 2006 (PDF; 619 kB), Stand: 2006. Abgerufen am 31. Mai 2013.
  65. a b Flora Wisdorff: Deutschland ist zweitbeliebtestes Einwanderungsland. Welt Online, 20. Mai 2014. Abgerufen am 20. Mai 2014.
  66. Kathrin Kissau: Das Integrationspotential des Internet für Migranten, 1. Aufl., VS Verlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-15991-1, S. 25.
  67. Vorbild Kanada: Deutschland soll bei Einwanderung Punkte einführen, Die Welt vom 23. November 2012.
  68. Uwe Schünemann: Denkfabrik: Zuwanderung darf Sozialsysteme nicht belasten. In: Wirtschaftswoche. 16. Oktober 2010 („Zwischen 1971 und 2000 ist die Zahl der Ausländer in Deutschland von drei Millionen auf ca. 7,5 Millionen gestiegen. Die Zahl der erwerbstätigen Ausländer blieb aber bei etwa zwei Millionen stehen. Im Jahr des Anwerbestopps 1973 waren 65 Prozent der Ausländer sozialversicherungspflichtig beschäftigt, ein Jahrzehnt später waren es nur noch 38 Prozent. Ein Großteil der Zuwanderung nach Deutschland erfolgte seit dem Anwerbestopp – meist über die Familienzusammenführung oder ungeregelt – zulasten der Sozialsysteme.“).
  69. MINT-Absolventen: Unis und Unternehmen wollen ausländische Studenten ködern, Spiegel Online, 6. Mai 2014. Abgerufen am 26. April 2015.
  70. Wir brauchen mehr Freiraum für wissenschaftliche Kreativität. Humboldt-Stiftung, abgerufen am 25. April 2015.
  71. Ausländische Bevölkerung – FS 1 R. 2 (2014), Statistisches Bundesamt. Abgerufen am 11. Februar 2016.
  72. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Einbürgerungen, Statistisches Bundesamt, Fachserie 1 Reihe 2.1, 2011 (PDF). Abgerufen am 6. Januar 2013.
  73. Statistisches Bundesamt: Regionalatlas (online)
  74. Gabriele Diekmann-Dröge, Proseminar 2003: Sprachenpolitik: Das Beispiel Niederdeutsch (Memento vom 19. Juli 2011 im Internet Archive), Universität Oldenburg, Institut für Germanistik. Abgerufen am 6. Januar 2013.
  75. Heute in Bremen. „Ohne Zweifel gefährdet“. Frerk Möller im Interview, taz, 21. Februar 2009.
  76. Es beherrschen Niederdeutsch gut bis sehr gut: 27 Prozent der Bevölkerung Schleswig-Holsteins, 23 Prozent der Mecklenburg-Vorpommerns, 14 Prozent der Niedersachsens, 10 Prozent der Nordrhein-Westfalens und je 5 Prozent der Brandenburgs und Sachsen-Anhalts, zusammen ca. 4 Millionen – nicht inbegriffen sind Hamburg und Bremen sowie die rund 200.000 Sprecher des Plautdietschen, die überwiegend außerhalb der Erhebungsgebiete wohnen. Vorlesung „Niederdeutsch in Geschichte und Gegenwart“ – Niederdeutsch heute: Eine Bestandsaufnahme (Memento vom 19. Januar 2012 im Internet Archive) (Frerk Möller: Plattdeutsch im 21. Jahrhundert. Bestandsaufnahme und Perspektiven. Leer 2008 (PDF; 1,9 MB), S. 22 f.). Abgerufen am 6. Januar 2013.
  77. siehe dazu auch: Bundesministerium des Inneren: Nationale Min­der­hei­ten / Min­der­hei­ten- und Re­gio­nal­spra­chen in Deutsch­land, 3. Auflage, 2015, Seite 52 f.
  78. Umfrage: Mehrheit der Deutschen für Englisch als zweite Amtssprache, YouGov Meinungsforschungsinstitut, 9. August 2013
  79. Die dänische Minderheit. Landesregierung Schleswig-Holstein, abgerufen am 6. September 2013.
  80. Dänische Minderheit. Bundesministerium des Innern, abgerufen am 6. September 2013.
  81. Minderheiten- und Volksgruppenpolitik in der 17. Legislaturperiode (2009–2012) – Minderheitenbericht 2011. Landesregierung Schleswig-Holstein, abgerufen am 6. September 2013 (PDF; 2,6 MB).
  82. Nach der Studie der Universität Hamburg aus dem Jahr 2015 liegt die Anzahl bei etwa 104.000 siehe hier
  83. Europäische Kommission: Sprachen. Abgerufen am 6. Januar 2013.
  84. Kultusministerkonferenz: Allgemeines zum fremdsprachlichen Unterricht. Abgerufen am 6. Januar 2013.
  85. Englisch als weitere Verwaltungssprache Düsseldorfs, Portal der FDP, 6. August 2015.
  86. Englisch muss unsere Verwaltungssprache werden, Die Welt vom 15. Dezember 2014.
  87. Stefano Testa Bappenheim, Die Haftpflicht und die religiösen Institute in Deutschland, Lit Verlag, Münster 2006, S. 31.
  88. Vgl. dazu Karl-Hermann Kästner, Die Entwicklung des Staatskirchenrechts seit 1961, in: Jahrbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart, hrsg. von Gerhard Leibholz. Neue Folge Bd. 27, Mohr Siebeck, Tübingen 1978, S. 280 f.; Götz Klostermann, Der Öffentlichkeitsauftrag der Kirchen – Rechtsgrundlagen im kirchlichen und staatlichen Recht (= Jus Ecclesiasticum; Bd. 64), Mohr Siebeck, Tübingen 2000, S. 11 ff., 79; Michael Meyer-Blanck, Birgit Weyel, Studien- und Arbeitsbuch Praktische Theologie, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008, S. 204.
  89. a b c d Daten von REMID
  90. a b Zahlen und Fakten 2014/15 (PDF), Webseite der Deutschen Bischofskonferenz, abgerufen am 20. Juli 2015.
  91. Kirchenmitgliederzahlen am 31. Dezember 2009 (PDF; 628 kB). Abgerufen am 5. Januar 2013.
  92. Gottesdienstbesucher zu ausgewählten Gottesdiensten, zuletzt gesehen am 26. Juni 2016.
  93. An Weihnachten planen 43 Prozent Gottesdienstbesuch, zuletzt gesehen am 26. Juni 2016.
  94. Tabelle 1.3 Bevölkerung und Kirchenzugehörigkeit nach Bundesländern (Memento vom 21. Oktober 2014 im Internet Archive), Stand: 2008. Abgerufen am 5. Januar 2013.
  95. Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid), Entwicklung der Religionszugehörigkeiten in Deutschland (PDF; 78 kB), Stand: 2009. Abgerufen am 5. Januar 2013.
  96. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Muslimisches Leben in Deutschland, Forschungsbericht, Juni 2009, S. 11 (PDF).
  97. Susanne Hähnchen, Rechtsgeschichte. Von der Römischen Antike bis zur Neuzeit, 4. Aufl., C.F. Müller, Heidelberg 2012, S. 126, Rn. 280.
  98. Werner Weidenfeld, Karl-Rudolf Korte (Hrsg.): Handbuch zur deutschen Einheit 1949–1989–1999. Aktualisierte Neuausgabe, Campus Verlag, Frankfurt a.M. 1999, ISBN 3-593-36240-6, S. 86 f.
  99. Walter Pohl: Die Germanen (Enzyklopädie deutscher Geschichte, Band 57). 2. Aufl., München 2004, S. 3 ff.
  100. Walter Pohl: Die Germanen. Enzyklopädie deutscher Geschichte, Bd. 57, 2. Aufl. 2004, S. 3 f. und 10.
  101. Ernst Baltrusch (Hrsg.): 2000 Jahre Varusschlacht. Geschichte – Archäologie – Legenden. Berlin [u. a.] 2012; Reinhard Wolters: Die Schlacht im Teutoburger Wald. Arminius, Varus und das römische Germanien. München 2008.
  102. Zur Einordnung der ottonischen Geschichte allgemein Hagen Keller, Gerd Althoff: Die Zeit der späten Karolinger und der Ottonen. Stuttgart 2008, S. 18 ff.
  103. Zu den unterschiedlichen Forschungsansätzen siehe Joachim Ehlers, Die Entstehung des Deutschen Reiches. 4. Aufl., München 2012; vgl. allgemein auch Johannes Fried, Der Weg in die Geschichte. Berlin 1994, speziell S. 9 ff. und 853 ff. Grundlegend ist Carlrichard Brühl, Deutschland – Frankreich. Die Geburt zweier Völker. 2. Aufl., Köln/Wien 1995.
  104. Vgl. Carlrichard Brühl: Die Geburt zweier Völker. Köln [u. a.] 2001, S. 69 ff.; Carlrichard Brühl, Deutschland – Frankreich. Die Geburt zweier Völker. 2. Aufl., Köln/Wien 1995, S. 205 ff.
  105. Vgl. Joachim Ehlers: Die Entstehung des Deutschen Reiches. 4. Aufl., München 2012, S. 46–48.
  106. Bernd Schneidmüller: Konsensuale Herrschaft. Ein Essay über Formen und Konzepte politischer Ordnung im Mittelalter. In: Paul-Joachim Heinig (Hrsg.): Reich, Regionen und Europa in Mittelalter und Neuzeit. Festschrift für Peter Moraw. Berlin 2000, S. 53–87.
  107. Bernd Schneidmüller: Konsens – Territorialisierung – Eigennutz. Vom Umgang mit spätmittelalterlicher Geschichte. In: Frühmittelalterliche Studien 39, 2005, S. 225–246. Zur politischen Geschichte siehe ausführlich Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des Spätmittelalters. Stuttgart 1983.
  108. Alfred Kohler: Karl V. 1500–1558. Eine Biographie. München 1999.
  109. William W. Hagen: Deutsche Geschichte in Dokumenten und Bildern, Band 2: Vom Absolutismus bis Napoleon, 1648–1815. PDF, S. 5, abgerufen im Portal germanhistorydocs.ghi-dc.org am 11. Januar 2014.
  110. Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik. C.H. Beck, München 2000, ISBN 978-3-406-46001-2, S. 49.
  111. Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik. München 2000, S. 51 ff.
  112. Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1800–1866. Bürgerwelt und starker Staat. München 1983, S. 24 f.
  113. Gleiches aktives und passives Wahlrecht, unabhängig vom Einkommen, galt hinfort nicht nur bei den Wahlen zum Deutschen Reichstag, sondern auch zum Parlament im Land Preußen, wo zuvor ein Dreiklassenwahlrecht, und dies nur für Männer, gegolten hatte.
  114. Zu diesem Stichtag sowie den damit verbundenen völkerrechtlichen Konsequenzen siehe Daniel-Erasmus Khan, Die deutschen Staatsgrenzen. Rechtshistorische Grundlagen und offene Rechtsfragen. Mohr Siebeck, Tübingen 2004, Teil II Kap. III (Fn 26 f.), S. 98–101.
  115. Feststellung seitens der Regierungen des Vereinigten Königreichs, der Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken sowie der Provisorischen Regierung der Französischen Republik über die Besatzungszonen in Deutschland vom 5. Juni 1945, in: documentArchiv.de
  116. Frankreich stellte 1945 noch keine anerkannte Siegermacht dar, sondern stand vor der Herausforderung, seinen Anspruch auf einen Großmachtstatus fortzuführen (so Jörn Leonhard, in: ders., Rolf G. Renner [Hrsg.]: Koloniale Vergangenheiten – (post-)imperiale Gegenwart, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2010, S. 102 f.).
  117. Feststellung seitens der Regierungen des Vereinigten Königreichs, der Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken sowie der Provisorischen Regierung der Französischen Republik über das Kontrollverfahren in Deutschland vom 5. Juni 1945, in: documentArchiv.de
  118. Vgl. dazu Kay Hailbronner, in: Graf Vitzthum (Hrsg.), Völkerrecht, 4. Aufl. 2007, 3. Abschn., Rn 196.
  119. Zum Anspruch der DDR vgl. Uwe Andersen, Wichard Woyke (Hrsg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5. Auflage, Leske + Budrich, Opladen 2003, ISBN 3-8100-3865-2, S. 127.
  120. Vgl. Andreas Zimmermann, Staatennachfolge in völkerrechtliche Verträge, S. 49.
  121. Vgl. hierzu Ute Röding-Lange: Bezeichnungen für ‘Deutschland’ in der Zeit der „Wende“, Königshausen & Neumann, 1997, S. 76, 79 f.; Wolf D. Gruner, Die deutsche Frage als Thema der europäischen Politik im 19. und 20. Jahrhundert, in: Jürgen Elvert, Friederike Krüger (Hg.): Deutschland 1949–1989. Von der Zweistaatlichkeit zur Einheit (HMRG, Beiheft 49), Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2003, S. 17–55, hier S. 19; Ulrich Ammon: Die deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Problem der nationalen Varietäten, de Gruyter, Berlin/New York 1995, S. 319.
  122. Im damaligen Sinne eines „Durchgangsstadium[s] für einen künftigen, wieder gesamtdeutschen Staat“, vgl. Klaus Hornung, Von der Bonner zur Berliner Republik (Memento vom 12. Januar 2012 im Internet Archive) (PDF; 33 kB) und Uwe Andersen/Wichard Woyke (Hg.), Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland (Memento vom 19. Oktober 2012 im Internet Archive), 5., aktual. Aufl., Leske + Budrich, Opladen 2003 (Bundeszentrale für politische Bildung, 2003).
  123. Erlass des Staatsrates der DDR vom 7. September 1961 (GBl. SDr. 341, S. 3)
  124. Werner Abelshauser: Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945. C.H. Beck, München 2004, Kapitel „Die Reparationsfrage“, S. 75–84.
  125. Artikel 23 Satz 2 GG a.F.
  126. Bundesministerium der Justiz: Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik über die Herstellung der Einheit Deutschlands – Einigungsvertrag – vom 31. August 1990 (BGBl. 1990 II S. 889). Abgerufen am 7. Januar 2013.
  127. Vgl. das Schreiben des deutschen Vertreters bei den UN vom 17. Dezember 1990 an den UN-Generalsekretär: „As a consequence of the accession of the German Democratic Republic to the Federal Republic of Germany, the former German Democratic Republic has ceased to exist as of October 3rd 1990, whereas the Federal Republic of Germany continues to exist as an identical subject of international law …“; ZaöRV 53 (1993), S. 1095.
  128. Günther Heydemann: Zwischen Konsens, Krise und Konflikt. Der 11. September 2001 und seine Auswirkungen auf die deutsch-amerikanischen Beziehungen. In: Klaus Hildebrand, Udo Wengst, Andreas Wirsching (Hrsg.): Geschichtswissenschaft und Zeiterkenntnis. Von der Aufklärung bis zur Gegenwart. Festschrift für Horst Möller. Oldenbourg, München 2008, S. 437–452, hier S. 439. Abgerufen am 7. Januar 2013.
  129. Urteil des BVerfG, Az. 2 BvE 1/03. Abgerufen am 7. Januar 2013.
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  131. Regierungserklärung von Kanzlerin Merkel (Memento vom 1. Januar 2015 im Internet Archive) zu den politischen Hauptprojekten, tagesschau.de, 29. Januar 2014.
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  133. Lea Kosch: Neue Zahl für 2015: Knapp über eine Million Flüchtlinge sind in Deutschland registriert, The Huffington Post vom 2. Januar 2016.
  134. Dieter Hesselberger, Das Grundgesetz. Kommentar für die politische Bildung, 9. Auflage, Hermann Luchterhand Verlag, Neuwied 1995, S. 50.
  135. Herdegen, § 8, Rn 30 (Abschnitt „Bundesstaat“): „Die Gliedstaaten verfügen – nur – insoweit über eine (partielle und abgeleitete) Völkerrechtssubjektivität, als ihnen durch die Bundesverfassung Kompetenzen in auswärtigen Angelegenheiten eingeräumt werden.“
    Ipsen, § 5, Rn 21 (Abschnitt „Gliedstaaten von Bundesstaaten und Staatenbund“): „Ihre Völkerrechtssubjektivität [also die der Gliedstaaten in einem Bundesstaat] unterscheidet sich vielmehr von der des Bundes dadurch, dass sie von der Völkerrechtssubjektivität des jeweiligen Bundesstaates abgeleitet [= derivativ] und nicht originär ist.“
  136. Vgl. Dieter Hesselberger, Das Grundgesetz, 13. Aufl., Art. 20, Rn 1, 7; Avenarius, Die Rechtsordnung, 3. Aufl., S. 23 f.
  137. Christian Schramek, Politische Führung in supranationalen Mehrebenensystemen: die Europäische Union, in: Martin Sebaldt, Henrik Gast (Hrsg.): Politische Führung in westlichen Regierungssystemen. Theorie und Praxis im internationalen Vergleich, VS Verlag, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17068-8, S. 307; vgl. dazu Henrik Gast, Politische Führung in der Kanzlerdemokratie: die Bundesrepublik Deutschland, ebd., S. 95 f.
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  143. Drittes Quartal 2015 gegenüber dem zweiten Quartal 2015 – Öffentlicher Schuldenstand im Euroraum auf 91,6 % des BIP gesunken, Eurostat, Pressemitteilung Nr. 16/2016 vom 22. Januar 2016, abgerufen am 26. Januar 2016.
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  147. Dazu Daniel-Erasmus Khan, Die deutschen Staatsgrenzen, Tübingen 2004, S. 583 f.
  148. Daniel-Erasmus Khan, Die deutschen Staatsgrenzen, Tübingen 2004, S. 437.
  149. Für diesen Bereich haben die Länder durch Verwaltungsabkommen und Staatsverträge Verwaltungs- und Gerichtszuständigkeiten geregelt, die Gebietshoheit ist damit aber nicht geklärt.
    Beispiele für solche Verträge sind das (Verwaltungs-)Abkommen über die wasserschutzpolizeilichen Zuständigkeiten auf der Elbe zwischen den Ländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und der Freien und Hansestadt Hamburg von 1974, der Staatsvertrag zwischen der Freien Hansestadt Bremen, der Freien und Hansestadt Hamburg sowie den Ländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein über die gerichtliche Zuständigkeit in Binnenschiffahrtssachen von 1983 oder der Staatsvertrag zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg und den Ländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein über die Regelung der Gerichtszugehörigkeit des Küstengewässers der Nordsee und der Elbmündung von 2001. Zu den rechtlichen und geschichtlichen Aspekten siehe Rainer Lagoni: Ländergrenzen in der Elbemündung und der Deutschen Bucht, Berlin 1982, ISBN 3-428-05240-4.
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Koordinaten: 51° N, 10° O