Bundesverband Lebensrecht

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Bundesverband Lebensrecht e. V.
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Rechtsform Eingetragener Verein
Gründung 2001
Sitz Berlin, Deutschland
Personen Alexandra Maria Linder (Vorsitzende), Hartmut Steeb (Stellv. Vorsitzender)
Aktionsraum Deutschland
Schwerpunkt Organisation der jährlichen Demonstration Marsch für das Leben
Website www.bv-lebensrecht.de

Der Bundesverband Lebensrecht (BVL) ist ein 2001 gegründeter Zusammenschluss deutscher Lebensrechtsgruppen mit Sitz in Berlin. Hauptaktivität des Vereins ist die Organisation der jährlichen Marsches für das Leben in Berlin. Vorsitzende ist seit 2017 Alexandra Maria Linder.

Vereinsziele und Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel des Vereins ist laut Satzung das gemeinsame Eintreten „für den Schutz der Würde und des Lebensrechts ungeborener und geborener Menschen von der Zeugung bis zum natürlichen Tod.“ Basis der Zusammenarbeit seien die Menschenrechte und „die elementaren Grundrechte der Verfassung, in denen das biblisch-christliche Menschenbild seinen Ausdruck findet“.[1][2]

Der BVL veranstaltet seit 2002 regelmäßig den „Marsch für das Leben“ in Berlin, zunächst unter dem Titel „1000 Kreuze für das Leben“. Diese Demonstration gilt als wichtigste öffentliche Aktionsform der Lebensrechtsbewegung in Deutschland.[3]

Außerdem organisiert der BVL Weiterbildungen und Symposien und betreibt Lobby-Arbeit. Das Antifaschistische Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin geht von einer „hervorragende[n] Vernetzung des BVL in die wichtigsten funktionstragenden Kreise der Politik und Kirche“ aus.[4]

Nach Angaben des BVL würden in Deutschland unter Einbezug einer nach Angabe des BVL hohen Dunkelziffer werktäglich 1000 Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen.[5][6] Diese Zahl ist in der Lebensrechtsbewegung symbolisch aufgeladen.[7] So führt der Bundesverband Lebensrecht bei dem Marsch für das Leben 1000 Kreuze mit, die die Abtreibungen symbolisieren sollen.[8] Die Daten des Statistischen Bundesamtes liegen weit darunter. So wurden 2013 lediglich 102.802, das heißt weniger als 350 Schwangerschaftsabbrüche pro Werktag gemeldet.[9]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband wurde 1988 zunächst als „Kölner-Kontakt-Kreis“ gegründet, 1991 in „Kontakt-Stelle Lebensrecht“ und 1994 trug in „Arbeitsgemeinschaft Lebensrecht“ umbenannt worden, bevor im Jahr 2001 die Vereinsgründung als „Bundesverband Lebensrecht e. V.“ erfolgte. Gründungsvorsitzende (2001–2009) war die Ärztin Claudia Kaminski, die den Verband bis 2009 leitete. Zu ihrem Nachfolger wurde der Journalist Martin Lohmann gewählt, der den Verband acht Jahre bis 2017 anführte.[10] Seit 2017 ist Alexandra Maria Linder Vorsitzende.[11]

Vorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

der Vorstand besteht aus:[12]

Mitgliedsverbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2019 sind 14 Organisationen im BVL organisiert:[13]

Ehemalige Mitglieder:

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2010 veröffentlichten 30 Organisationen – darunter der Bundesverband von pro familia, die Giordano-Bruno-Stiftung und der Humanistische Verband Deutschlands – einen offenen Brief an die Mitglieder des deutschen Bundestages, in dem sie sich gegen die Unterstützung des Bundesverbandes Lebensrecht durch Annette Schavan, Karl-Theodor zu Guttenberg, Peter Müller und weitere prominente Mitglieder der CDU und CSU aussprachen. Bei den Teilnehmern des Marsches für das Leben handle es sich ihrer Ansicht nach um Abtreibungsgegner mit einem „fundamentalistisch-christlichen Weltbild“, die das Ziel des ausnahmslosen Verbots von Schwangerschaftsabbrüchen verträten, „auch bei Schwangerschaften, die durch Vergewaltigung und Inzest ausgelöst wurden oder die Gesundheit der Frau beeinträchtigen“. Die Ziele des Verbandes seien „zutiefst undemokratisch“, so die Verfasser. Zudem unterhalte er „offenkundig Kontakte zu rechtsextremen Organen“, zu denen nach Auffassung der Unterzeichner die Wochenzeitung Junge Freiheit zähle.[15] Kritik an den jährlichen Demonstrationen übten auch verschiedene Politiker von Bündnis90/Die Grünen, u. a. Monika Lazar.[16]

Die Juristin und Geschäftsführerin des Familienplanungszentrums Balance in Berlin, Sybill Schulz, führt das Erstarken der Abtreibungsgegner auf das Zurückdrängen der sexuellen Selbstbestimmung zurück. Zudem gebe es wieder ein starkes Gefühl von Schuld unter den Frauen, wenn sie ungewollt schwanger würden. Die Märsche in verschiedenen Großstädten Deutschlands bezeichnet Schulz als „kampagnenartiges radikales Vorgehen“.[17]

Die Journalisten Oda Lambrecht und Christian Baars zählen den Bundesverband Lebensrecht zu den fundamentalistischen Christen in Deutschland.[18] Die Politikwissenschaftler Astrid Bötticher und Miroslav Mareš ordnen den BVL dem religiösen Extremismus zu.[19]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eike Sanders, Ulli Jentsch, Felix Hansen: »Deutschland treibt sich ab«. Organisierter »Lebensschutz«, christlicher Fundamentalismus und Antifeminismus. Hrsg.: apabiz e.V. Unrast Verlag, Münster 2014, ISBN 978-3-89771-121-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Satzung – Bundesverband Lebensrecht. In: bundesverband-lebensrecht.de. Abgerufen am 12. Januar 2019.
  2. Sanders, Jentsch, Hansen 2014, S. 61 f.
  3. Sanders, Jentsch, Hansen 2014, S. 48 f.
  4. Sanders, Jentsch, Hansen 2014, S. 62
  5. Hartwig Hohnsbein: Einfluss und Aktivitäten fundamentalistisch-christlicher selbsternannter Lebensschutzorganisationen. In: Kirsten Achtelik, Familienplanungszentrum Balance (Hrsg.): Die neue Radikalität der Abtreibungsgegner_innen im (inter-)nationalen Raum: Ist die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen heute in Gefahr? AG SPAK Bücher, Neu-Ulm 2012, ISBN 978-3-940865-32-8, S. 34 f. (google.ca).
  6. Oda Lambrecht, Christian Baars: Mission Gottesreich: Fundamentalistische Christen in Deutschland. Ch. Links Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-86153-512-6, S. 83 f. (google.ca).
  7. Sanders, Jentsch, Hansen 2014, S. 11
  8. Anne Wizorek: Weil ein Aufschrei nicht reicht: Für einen Feminismus von heute. Fischer Taschenbuch, 2014, ISBN 978-3-596-03066-8.
  9. Statistisches Bundesamt: Gesundheit. Schwangerschaftsabbrüche. 2013. Fachserie 12 Reihe 3, S. 9
  10. Bundesverband Lebensrecht: Martin Lohmann ist der neue Bundesvorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht (BVL). In: bv-lebensrecht.de. 2. Oktober 2009, archiviert vom Original am 21. September 2017; abgerufen am 12. Januar 2019.
  11. Bundesverband Lebensrecht: Alexandra Linder folgt auf Martin Lohmann - Deutsche Evangelische Allianz. In: ead.de. Archiviert vom Original am 5. Juli 2017; abgerufen am 12. Januar 2019.
  12. https://www.bundesverband-lebensrecht.de/ueber-uns/
  13. Über Uns – Bundesverband Lebensrecht. In: bundesverband-lebensrecht.de. Abgerufen am 12. Januar 2019.
  14. Bundesverband Lebensrecht: Bundesverband Lebensrecht. In: bv-lebensrecht.de. Archiviert vom Original am 2. März 2015; abgerufen am 12. Januar 2019.
  15. CDU-Promis unterstützen Fundamentalisten. In: hpd.de. 14. Oktober 2010, abgerufen am 12. Januar 2019.
  16. Jennifer Stange: Abtreibungsgegner in Berlin: Kreuze vorm Kanzleramt - taz.de. In: taz.de. 23. September 2012, abgerufen am 12. Januar 2019.
  17. Patricia Hecht: Berliner Familienplanungszentrum: „Mit Faschisten verglichen“ - taz.de. In: taz.de. 18. September 2012, abgerufen am 12. Januar 2019.
  18. Oda Lambrecht, Christian Baars: Mission Gottesreich: Fundamentalistische Christen in Deutschland. Ch. Links Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-86153-512-6, S. 83 f. (google.ca).
  19. Astrid Bötticher, Miroslav Mareš: Extremismus. Theorien - Konzepte - Formen. Oldenbourg Verlag, München 2012, ISBN 978-3-486-59793-6, S. 286.