Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V.
Rechtsform Eingetragener Verein
Gründung 1991
Gründer Dorothea Buck
Sitz Bonn, DeutschlandDeutschland Deutschland
Schwerpunkt Selbsthilfeorganisation von Psychiatriepatienten
Personen Dorothea Buck (Ehrenvorsitzende)
Website bpe-online.de

Der Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (BPE) ist eine deutsche Selbsthilfeorganisation von Patienten und ehemalige Patienten der Psychiatrie. Der Verband betätigt sich auch als Interessenvertretung von Psychiatrie-Erfahrenen und gibt u. a. Stellungnahmen zu Gesetzesvorhaben und Verfahren des Bundesverfassungsgerichts ab.[1] Sitz des Vereins ist Bonn. Die Geschäftsstelle befindet sich in Bochum.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein wurde 1991 unter anderem von Dorothea Buck gegründet. Nach eigener Darstellung sei es auf die Arbeit des BPE zurückzuführen, dass eine ambulante Zwangsbehandlung nicht erlaubt ist. Andererseits sei sein Ziel, dass Psychiatrie-Erfahrene als gleichberechtigte Bürger anerkannt werden, noch nicht erreicht.

Vereinsarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein organisiert Kongresse, Seminare und Selbsthilfetage und bietet seinen Mitgliedern kostenlose juristische Beratung durch einen Rechtsanwalt. Zudem wird eine Medikamentenberatung und eine Mailingliste auch für Nicht-Mitglieder angeboten. Mehrmals im Jahr wird eine Mitgliederzeitung herausgegeben.

In vielen Städten gibt es Selbsthilfegruppen, die durch den Verein ins Leben gerufen wurden und von ihm auch finanziell unterstützt werden. In Bochum gibt es zum Beispiel ein Café, das der dortige Landesverband organisiert.

Schirmherrin war die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer. Der BPE trennte sich Anfang 2009 von Fischer, da sie einen Bericht von Frontal 21, dem zufolge sie für die PR-Agentur Pleon auch als Pharmalobbyistin tätig sei, nicht entkräften konnte.[2]

Landesverbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In fast allen Bundesländern sind als Vereine gegründete Landesverbände und Landesarbeitsgemeinschaften entstanden, die mit dem Bundesverband zusammenarbeiten und seine rechtlich selbständigen Gliederungen sind.

Einer der aktivsten Landesverbände ist der in Nordrhein-Westfalen. Ein Arbeitsschwerpunkt ist das Thema Zwangsbehandlung. Der Landesverband NRW e.V. hat die Bochumer Willenserklärung erarbeitet, eine Mischung aus Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, die vor Zwangsbehandlungen schützten soll.[3]

Von Psychiatrieerfahrenen geführte Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Weglaufhaus in Berlin
  • Tageszentrum StaPe in Saarbrücken
  • Weglaufhaus im Saarland (Projekt)
  • Offene Herberge in Stuttgart

Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die fast namensgleiche Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener („Die BPE“)[4] wurde am 24. November 2004 gegründet. Die Mitglieder verteilen sich auf das ganze Bundesgebiet und treffen sich im Chat der Bundesarbeitsgemeinschaft zu ihrer basisdemokratischen Mitgliederversammlung. Ihr Schirmherr ist der wegen Betruges verurteilte Hochstapler Gert Postel, der mit Postbotenausbildung zum Chefarzt einer Psychiatrie aufstieg. Ihm sei es gelungen, die Psychiatrie „…der reinen Scharlatanerie zu überführen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die BPE ist maßgeblicher Herausgeber der PatVerfü[5], einer Mischung aus Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, die vor Zwangsbehandlungen schützten soll. Schirmfrau der Initiative PatVerfü ist die Künstlerin Nina Hagen.

Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Recht[6] ist eine selbständige AG von Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener, die 2013 auf dem Jahrestreffen des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener (BPE) als AG Recht im BPE gegründet wurde.[7] Primäres Ziel, das u. a. durch die Initiierung von Verfassungsbeschwerden verfolgt wurde,[8] war die mittlerweile erfolgte Änderung des § 1906 BGB. Die AG strebt u. a. die Klarstellung des § 1901 BGB dahingehend an, dass unter dem Wohl des Betroffenen sein individuell mutmaßlicher Wille zu verstehen ist. Des Weiteren informiert die AG über rechtlichen Themen im Bereich der Psychiatrie und setzt sich für eine Erhöhung der Mindestbezüge arbeitsunfähiger Betroffener ein.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Z.B. BVerfG 2 BvR 882/09 Rn. 31; BVerfG 2 BvR 309/15, Rn. 35; BVerfG 1 BvL 8/15, Rn. 51
  2. BPE trennt sich von Schirmherrin Andrea Fischer. Pressemitteilung des BPE vom 19. Januar 2009 (PDF; 84 kB)
  3. Bochumer Willenserklärung. Abgerufen am 5. Mai 2019.
  4. Webseite Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener e.V.(„Die BPE“)
  5. Webseite der Initiative PatVerfü
  6. Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener; Hilfe- & Beratungsangebote;Zwangsbehandlung:Bundesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Recht:Das rechtliche 1 x 1 der Zwangsbehandlung
  7. Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener:Verfassungsbeschwerden gegen Zwangsbehandlung; AG Recht sucht weitere FälleRundbrief 3/2014 S. 22 (pdf 2MB)
  8. ebenda
  9. Ziele der Arbeitsgemeinschaft