Bundesverband der Österreichischen Gärtner

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Der Bundesverband der Österreichischen Gärtner ist der Dachverband der neun gärtnerischen Landesverbände. Er ist eine private Interessenvertretung und als Verein organisiert.

Bundesverband der
Österreichischen Gärtner
(BVÖG)
Verbandslogo
Zweck: Interessenvertretung landwirtschaftlicher Gärtner
Vorsitz: Albert Trinkl
Gründungsdatum: 1947 (erstmals 1933)
Sitz: Wien
Website: www.gartenbau.or.at

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1933 war die Berufszugehörigkeit des Gartenbaus nicht geregelt. Weder das Landwirtschafts- noch das Handelsministerium erklärten sich für die Belange des Gartenbaus zuständig. Da der Gartenbau aufgrund der wirtschaftlichen Stagnation von starken Absatzeinbußen betroffen war, kämpften die Berufsvertreter für die Zugehörigkeit zur Landwirtschaft. Nach jahrzehntelangem Ringen wurde die Einigung getroffen, dass der Gartenbau ein Teil der Landwirtschaft ist. Ein wichtiger Vertreter bei den Verhandlungen war Michael Walla – späterer Abgeordneter zum Nationalrat –, auf dessen Betreiben 1930/1931 die erste Wiener Gemüsegenossenschaft gegründet wurde. Aus dieser Genossenschaft entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg die LGV-Frischgemüse. Im Sommer 1933 beschloss die Delegiertenversammlung der Gärtnergenossenschaften und Erwerbsgärtnervereinigungen, den Bundesverband der Erwerbsgärtner Österreichs zu gründen. Der erste Präsident war Michael Walla. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es am 3. August 1947 in Salzburg zur Neugründung des Bundesverbandes der Erwerbsgärtner Österreichs.

Chronik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Ereignis
1946 Gründung der Landwirtschaftlichen Gemüse- und Obstverwertungsgenossenschaft für Wien und Umgebung (heute: LGV Frischgemüse)
Gründung der OÖ Genossenschaft des Erwerbsgartenbaus in Wels
1947 Gründung des Bundesverbandes am 3.8. in Salzburg, erster Präsident war Michael Walla, erster Geschäftsführer war Leopold Schmidt von der Landwirtschaftskammer Niederösterreich
1948 Gründung der Association Internationale des Producteurs de l’Horticulture (AIPH) als internationale Interessenvertretung, Michael Walla wird Vorstandsmitglied
1949
  • Gründung der Österreichischen Genossenschaft des landwirtschaftlichen Erwerbsgartenbaus (OGE) und des Österreichischen Verbandes der landwirtschaftlichen Gemüse- und Obstverwertungsgenossenschaft. Gemüse wurde den Gesetzen des freien Marktes überantwortet. Chaotische Zustände bei der Preisbildung waren die Folge.
  • Bildung eines Proponentenkomitees zur Absatzwerbung von Blumen. Wenig später entwickelte sich daraus die Österreichische Blumenwerbung.
  • Gründung der Bundesfachsektionen
1951
  • AIPH-Kongress in Österreich
  • Eröffnung der HBLFA Schönbrunn auf Drängen von Michael Walla
1958
  • Rudolf Schwarzrock wurde als Präsident gewählt
  • rasante Weiterentwicklung des Gartenbaus durch die Einführung des Agrarinvestitionskredites (AIK)
1961 AIPH-Kongress in Wien
1962 Gründung der Steirischen Gartenbaugenossenschaft-Blumenbörse
1964 am 16. April fand die Eröffnung der Wiener Internationalen Gartenbauausstellung (WIG 64) im 22. Bezirk im Donaupark statt. Die Ausstellung war seit der Gartenschau auf der Weltausstellung 1873 die erste große internationale Veranstaltung dieser Art.
1965
  • erste Internationale Gartenbaumesse in Tulln, die gemeinsam von der Stadt Tulln und dem Bundesverband durchgeführt wurde
  • Grete Nehammer wurde mit der Geschäftsführung betraut
1968 Gründung der Salzburger Gartenbaugenossenschaft „Salzburg Blumenhof“, Gründungsobmann ÖR Erich Zmugg
1969 Eröffnung des städtischen Blumengroßmarktes Wien-Inzersdorf
1973
  • Eröffnung des Gartenbauzentrums in Wien-Inzersdorf, Verlegung des Büros des Bundesverbandes zum neuen Standort
  • Durch die Ölverteuerung wurde der Gartenbau in eine existenzgefährdende Krise gestürzt. Der Bundesverband arbeitete ein Notprogramm aus, das der Bundesregierung und der Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht wurde. Es wurde eine großzügige Strukturanpassung erwirkt.
1974 Wiener Internationale Gartenbauausstellung (WIG 74) in Wien-Oberlaa mit 41 teilnehmenden Nationen
1975 Wahl von Josef Jedletzberger zum Präsidenten
1977 Als Gegenmaßnahme zu den immer stärker werdenden Importen aus Holland verstärkte der Bundesverband die Öffentlichkeitsarbeit und Werbung.
1979 Gründung der Arbeitsgemeinschaft für Energierückgewinnung, mit einer Projektstudie über die Aussichten der Abwärmenutzung im Gartenbau
1980
  • Der Bundesverband richtete ein Memorandum an die zuständigen Behörden, um auf die kritische wirtschaftliche Lage der Betriebe aufgrund der steigenden Energiekosten (Erhöhung der Mehrwertsteuer und Steigerung des Heizölpreises) hinzuweisen. Das Landwirtschaftsministerium stellte Mittel für die Soforthilfe bereit.
  • Gründung des Fachausschusses „Österreich Blume“ unter Rudolf Schwarzenberger
1984 Ausrichtung des 25. Europäischen Junggärtnerkongresses in Hollabrunn
1986 Kompletter Zusammenbruch des Gemüsemarktes aufgrund der Katastrophe von Tschernobyl. Aufgrund der Bemühungen von Landwirtschaftskammern und Bundesverband erhielten die Gemüsebaubetriebe Entschädigungszahlungen für unverkäufliche Ware.
1987 39. AIPH-Kongress im Rahmen der Gartenbaumesse Tulln
1990 Tagung der Internationalen Stauden-Union (ISU) in Österreich
1992 Wahl von Kurt Weber zum Präsidenten
1994
  • Mit dem EU-Beitritt von Österreich konnten keine Übergangsfristen und auch keine schrittweise Marktöffnung ausverhandelt werden. Degressive Ausgleichszahlungen über drei Jahre für den Gemüsebau konnten ausverhandelt werden.
  • Übersiedelung der Absatzeinrichtung „Blumenhof“ an den Rand der Stadt Salzburg mit modernem Distributionszentrum
  • maßgebliche Mitgestaltung der Verbände bei der Erstellung der Richtlinien der Integrierten Produktion
1995
  • Beginn der Zusammenarbeit zwischen der Agrarmarkt Austria und dem Bundesverband bezüglich Werbemaßnahmen
  • Eröffnung der Nützlingszucht Biohelp
1998 Gründung der Fachgruppe Wiener Gärtnerinnen im Bundesverband
2001 Änderung des Vereinsnamens von "Bundesverband der Erwerbsgärtner Österreichs" in "Bundesverband der Österreichischen Gärtner"
2004 Übersiedelung des Verbandes von 1230 Wien-Inzersdorf nach 1110 Wien, Haidestraße
2005
  • Auf Initiative der Bundesfachsektion Innenraumbegrünung und Hydrokultur startet die Spezialausbildung „Innen.Raum.Begrünung“ in der Gartenbauschule Langenlois.
  • Übernahme der Geschäftsführung durch Monika Burket
2006 Übernahme der Österreichischen Genossenschaft des landwirtschaftlichen Erwerbsgartenbaus (OGE) durch das GartenBauCentrum (GBC) Wels
2007
  • Übernahme der Geschäftsführung durch Verena Kuso
  • Gründung der Plattform für Spezialkulturen vom Bundesverband der Österreichischen Gärtner, Bundesgemüsebauverband, Bundesobstbauverband und Bundesweinbauverband
2008
  • Wahl von Albert Trinkl zum Präsidenten
  • Austritt des Bundesverbandes aus dem Blumenbüro Österreich
  • Gründung des Blumenmarketing Austria durch acht gärtnerische Landesverbände, Obmann wurde Franz Sattler.
2010 Neustrukturierung des Verbandes: Übersiedelung in die Räumlichkeiten der Landwirtschaftskammer Österreich, Dipl.-Ing. Karin Weigel übernimmt die Geschäftsführung
2011
  • Erstmalige Veranstaltung der Gartenbaufachmesse „Horti Vienna“ in der Messe Wien, der Bundesverband fungiert als Ideeller Träger
  • Beginn der Zusammenarbeit mit dem Ökosozialen Forum und veranstaltung des Gemüsebaufachtages bei der Wintertagung.
  • Die Fachgruppe Wiener Gärtnerinnen wird zum eigenständigen Verein „Arbeitsgemeinschaft der Wiener Gärtnerinnen“
  • EHEC belastet die Verkäufe der Gemüsegärtner.
2012
  • Auflösung aller Landesfachsektionen der Baumschulen und gemeinsamer Auftritt als eigenständiger Verein „Bund österreichischer Baumschul- und Staudengärtner“
  • Aufnahme des Bundes Österreichischer Baumschul- und Staudengärtner, der Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Junggärtner, des Blumenmarketing Austria und der Arbeitsgemeinschaft der Wiener Gärtnerinnen als Mitglied
  • Vizepräsident ÖKR Leopold Brazda legt nach 14 Jahren sein Amt zurück. Ing. Karl Auer wird als Vizepräsident gewählt.
2013 Der Verband beteiligt sich an der Organisation der Horti Vienna von 8.-10.10.2013 in Wien.
2014 Start des neuen Meisterkurssystems an dessen Entwicklung der Verband maßgeblich beteiligt war.
2015
  • Vizepräsident ÖKR Paul Fuchsberger legt sein Amt zurück. Ulrike Jezik-Osterbauer wird zur neuen Vizepräsidentin gewählt.
  • Der Verband beteiligt sich an der Organisation der Horti Austria von 10.-12.6.2015 in Tulln.

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bundesverband der Österreichischen Gärtner ist ein Dachverband und hat folgende Mitglieder:

  • Die Gärtner Burgenlands
  • Die Kärntner Gärtner
  • Gärtnervereinigung Niederösterreich
  • Die Oberösterreichischen Gärtner
  • Die Salzburger Gärtner und Gemüsebauern
  • Die Steirischen Gärtner und Baumschulen
  • Die Tiroler Gärtner
  • Die Vorarlberger Gärtner
  • Die Wiener Gärtner - Landesgartenbauvereinigung Wien
  • Vereinigung der Friedhofsgärtner
  • Blumenmarketing Austria
  • Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Junggärtner
  • Arbeitsgemeinschaft der Wiener Gärtnerinnen
  • Bund Österreichischer Baumschul- und Staudengärtner

Gremien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präsidium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Präsidium besteht aus den neun Landesobmännern/-obfrauen der Landesorganisationen, dem Obmann/der Obfrau des Blumenmarketing Austria, dem Obmann/der Obfrau des Bundes Österreichischer Baumschul- und Staudengärtner, der Obfrau der Arbeitsgemeinschaft der Wiener Gärtnerinnen, dem Präsidenten der Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Junggärtner, dem Obmann/der Obfrau der Vereinigung der Friedhofsgärtner, dem Obmann/der Obfrau der Bundesfachsektion Innenraumbegrünung und Hydrokultur und den Geschäftsführern/-innen dieser Organisationen in beratender Funktion.

Zeitraum Präsident
1947–1958 Michael Walla
1958–1975 Rudolf Schwarzrock
1975–1990 Josef Jedletzberger
1990–2008 Kurt Weber
seit 2008 Albert Trinkl

Der Präsident und die Vizepräsidenten wurden am 16. September 2010 für fünf Jahre im Amt bestätigt.

Delegiertenversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Delegiertenversammlung ist die jährliche Mitgliederversammlung. Landesorganisationen entsendet mindestens drei Delegierte, wobei die Landesobmänner/-frauen Delegierte sein müssen. Landesorganisationen mit mehr als 200 Mitgliedern entsenden je angefangene 200 Mitglieder eine/n weitere/n Delegierte/n. Alle anderen Mitglieder entsenden einen Delegierten. Der Delegiertenversammlung obliegen folgende Aufgaben:

  • Aufnahme und Ausschluss von Mitgliedern
  • Ernennung und Aufnahme von fördernden Mitgliedern und Ehrenmitgliedern
  • Beratung und Beschlussfassung über fachliche und wirtschaftliche Angelegenheiten
  • Genehmigung des Rechenschaftsberichtes und des Rechnungsabschlusses
  • Beschlussfassung des Voranschlages und über die Höhe des Mitgliedsbeitrages
  • Wahl der Funktionäre des Präsidiums

Arbeitsgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband hat die Aufgabe, die Erwerbsgärtner in fachlicher, technischer und wirtschaftlicher Beziehung zu beraten und zu fördern, das Gefühl der Zusammengehörigkeit aller Gartenbaubetriebe zu wahren und das Standesbewusstsein zu heben. Der Verband ist die Interessenvertretung gegenüber Politik und Wirtschaft.

  • Informationsweitergabe an Mitglieder
  • Vertretung gartenbaulicher Interessen gegenüber Dritten im In- und Ausland
  • Werbemaßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit
  • Organisation von Weiterbildungsmaßnahmen
  • Erstattung von Berichten, Vorschlägen, Gutachten

Beziehungen zu anderen Organisationen und Gruppierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband ist eine anerkannte Fachorganisation durch die Landwirtschaftskammer Österreich mit Sitz in deren Räumlichkeiten. Der Präsident des Bundesverbandes ist Mitglied im Ausschuss für Sonderkulturen und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Zierpflanzen/Baumschulen der LKÖ.

Im Juni 2007 wurde die Plattform der Spezialkulturen vom Bundesverband der Österreichischen Gärtner, Bundesgemüsebauverband, Bundesobstbauverband und Bundesweinbauverband gegründet. Die Plattform dient dem Informationsaustausch und schlagkräftigerem Lobbying bei gemeinsamen Themen.

1965 fand die erste Österreichische Gartenbaumesse in Tulln statt. Seit damals ist der Bundesverband der Österreichischen Gärtner Mitveranstalter und Mitgesellschafter der Tullner Messe GmbH.

Auf europäischer Ebene ist der Bundesverband über die Landwirtschaftskammer Österreich in der Arbeitsgruppe für Blumen und Pflanzen von COPA-COGECA vertreten.

Funktionäre des Bundesverbandes sind in Gremien des GartenBauCentrums, der Gärtnerbank, der LGV-Frischgemüse und der Österreichischen Hagelversicherung vertreten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gärtner+Florist. Österreichischer Agrarverlag, 1996–2012.
  • Die Gartenbauwirtschaft. Folge 9, Österreichischer Agrarverlag, 1947.
  • Die Gartenbauwirtschaft. Österreichischer Agrarverlag, 1967–1995.
  • 50 Jahre Bundesverband der Österreichischen Gärtner. Festschrift anläßlich der Bundesgartenbautagung 1997.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]