Bundesverband der Deutschen Industrie

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Bundesverband der Deutschen Industrie
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Gründung 1. Juli 1949
Ort Berlin
Präsident Prof. Dieter Kempf
Geschäftsführer Joachim Lang
Holger Lösch
Stefan Mair
Iris Plöger
Mitglieder 40
Website www.bdi.eu[1]

Der Bundesverband der Deutschen Industrie e. V. (BDI) ist die Spitzenorganisation der deutschen Industrie und der industrienahen Dienstleister. Er spricht für 40 Branchenverbände und mehr als 100.000 Unternehmen mit rund 8 Millionen Beschäftigten. Die Mitgliedschaft ist freiwillig. Insgesamt 15 Landesvertretungen vertreten die Interessen der Wirtschaft auf regionaler Ebene. Die Zentrale des BDI ist in Berlin; zwischen 1950 und 1999 war der Sitz in Köln. Darüber hinaus verfügt der BDI über weitere Büros und ist somit international vertreten. Präsident des BDI ist seit dem 1. Januar 2017 Dieter Kempf.

Als Dachorganisation ist der Spitzenverband für die Wahrnehmung und Förderung aller Anliegen der unter dem Dach des BDI zusammengeschlossenen Industriezweige verantwortlich, dies berechtigt jedoch nicht zur Vertretung sozialpolitischer Belange.[1] Diese Funktion ist der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) vorbehalten. Die BDI-Satzung beschränkt den Kreis der Mitglieder auf industrielle Spitzenverbände und Arbeitsgruppen (§ 4, Abs. 2). Folglich können Einzelunternehmen oder Unternehmensgeflechte keine Mitgliedschaft erwirken. Aus politikwissenschaftlicher Sicht ist der BDI als eine Interessengruppe in den Verbandssektoren „Wirtschaft und Arbeit“[2] sowie als „ein Investorenspitzenverband von industriellen Branchen- und Fachverbänden“[3] bezeichnet worden. Als Interessenvertretung der Industrie betreibt der Spitzenverband Interessenartikulation, im Anschluss an den Prozess der verbandsinternen Meinungsbildung. Der BDI betreibt weltweit Lobbyarbeit im Sinne von industriell tätigen Unternehmen[4] und wird in „allen wirtschaftsrelevanten Gesetzgebungsprozessen gehört“.[5]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprung des BDI ist der Reichsverband der Deutschen Industrie (RDI). Dieser wurde am 4. Februar 1919 gegründet und war zu Zeiten der Weimarer Republik der Spitzenverband der industriellen Unternehmerverbände.

Im Jahr 1949, dem Gründungsjahr der Bundesrepublik Deutschland, wurde in München der Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) gegründet. Der DGB vertritt ausschließlich die Interessen der Arbeitnehmer. Am 19. Oktober 1949, nur eine Woche nach der Gründung des DGB, gründeten daraufhin Vertreter von 32 Wirtschaftsverbänden und Arbeitsgemeinschaften den Ausschuss für Wirtschaftsfragen der industriellen Verbände. Diese Benennung berücksichtigte die Bedenken der Alliierten gegenüber einem permanent tätigen industriellen Spitzenverband. Die Alliierten betrachteten eine Spitzenvertretung, die die Interessen seitens der Unternehmer vertritt, nun allerdings als notwendig. Am 1. Juli 1949 stimmten die Vertreter der Militärregierung jedoch der Satzung einer solchen Vertretung zu. Zu Beginn des Jahres 1950 wurde der Verein schließlich in seinen heutigen Namen umbenannt.

Themen des BDI[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der BDI beschäftigt sich mit verschiedenen Themen, die von folgenden 18 Ausschüssen behandelt werden: Ausschuss Außenwirtschaft; Ausschuss Digitale Wirtschaft, Telekommunikation und Medien; Ausschuss Energie- und Klimapolitik; Geld-, Kredit- und Währungsausschuss; Ausschuss für Gesundheitswirtschaft; Ausschuss Öffentliches Auftragswesen; Rechtsausschuss; Ausschuss für gewerblichen Rechtsschutz; Ausschuss Rohstoffpolitik; Ausschuss für Sicherheit; Steuerausschuss, Ausschuss Umwelt, Technik und Nachhaltigkeit; Ausschuss für Verbraucherpolitik; Verkehrsausschuss; Ausschuss für Wettbewerbsordnung sowie Fachausschuss Bildung und Mittelstandsausschuss. Der BDI arbeitet diesbezüglich mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) zusammen.

Internationale Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Hauptstandort in Berlin ist der BDI an weiteren Standorten weltweit ansässig und somit auch international vertreten. In Tokio, Peking, Washington und Brüssel ist das Ziel des BDI, Geschäftskontakte zu fördern und die Interessen der deutschen Wirtschaft in dem jeweiligen Staat vor Ort zu vertreten.

Organisationsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Spitze des BDI steht das Präsidium. Dies setzt sich aus

  • einem Präsidenten, seinem gewählten Nachfolger und seinem unmittelbaren Vorgänger sowie
  • sieben weiteren Stellvertretern und der Schatzmeisterin (Vizepräsidentin) und
  • ferner 15 weiteren Mitgliedern, die durch den Vorstand zu wählen sind, zusammen.

Der Präsident und der Vizepräsident bilden, gemeinsam mit den Vorsitzenden der Mitgliedsverbände, den Vorstand. Sofern Angelegenheiten des Bundesverbandes nicht durch gesetzliche Vorschriften oder durch die Satzung anderen Organen vorbehalten sind, ist der Vorstand für diese zuständig.

Die Hauptgeschäftsführung setzt sich aus einem Haupt- und einem stellvertretenden Hauptgeschäftsführer sowie zwei weiteren Mitgliedern zusammen. Aktueller Präsident des BDI ist Dieter Kempf. Weitere Mitglieder der Hauptgeschäftsführung sind der Zeit der stellvertretender Hauptgeschäftsführer Holger Lösch sowie Iris Plöger und Dr. Stefan Mair.

Präsidenten des BDI[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präsidium 2017/2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Bauer, Kurt Bock, Thorsten Dirks, Reinhold Festge, Ulrich Grillo, Heinrich Hiesinger, Ingeborg Neumann, Matthias Wissmann, Michael Ziesemer, Dominik von Achten, Hannes Ametsreiter, Frank Appel, Martin Bachmann, Andreas Barner, Hubertus von Baumbach, Gerhard Brüninghaus, Hans Van Bylen, Rainer Dulger, Thomas Enders, Erwin Flender, Michael Frenzel, Alfred Gaffal, Claus Günther, Matthias Hartung, Frank Heinricht, Sabine Herold, Timotheus Höttges, Martin Iffert, Hans-Toni Junius, Joe Kaeser, Hans Jürgen Kerkhoff, Arndt G. Kirchhoff, Michael Kleinemeier, Martina Koederitz, Peter Kurth, Wolfgang Langhoff, Frank Mastiaux, Andreas Mattner, Rolf-Michael Müller, Arend Oetker, Hagen Pfundner, Klaus-Dieter Rennert, Kasper Rorsted, Klaus Rosenfeld, Stefan Schulte, Carsten Spohr, Norbert Steiner, Axel Stepken, Peter Terium, Johannes Teyssen, Moritz J. Weig, Carl Martin Welcker, Bettina Würth Dieter Zetsche

Mitgliedsverbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband betreut folgende 40 Mitgliedsverbände:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alexander Brehm: Sind Verbände noch zeitgemäß? Ein Vergleich zwischen dem Centralverband Deutscher Industrieller und dem Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. Polisphere Library, Berlin 2008 ISBN 978-3-938456-19-4.
  • Georg Brodach, Hermann Frhr. von Wolff-Metternich: Der Bundesverband der deutschen Industrie. Düsseldorf 1987 ISBN 3-7700-7067-4.
  • Fritz Hauenstein, Hg.: Der Weg zum industriellen Spitzenverband. Hoppenstedts Wirtschafts-Archiv, Düsseldorf 1956; darin Wilhelm Beutler: Der Bundesverband der Deutschen Industrie. S. 310–353.
  • Siegfried Mann: Macht und Ohnmacht der Verbände: Das Beispiel des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e.V. (BDI) aus empirisch-analytischer Sicht. Baden-Baden 1994 ISBN 3-7890-3107-0.
  • Frederik A. Petersohn: Informalisierung und Parteipolitisierung im Politikformulierungsprozeß der Bundesrepublik Deutschland: Dargestellt am Beispiel der steuerpolitischen Positionen des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) zwischen 1982 und 1994. Münster 2000, ISBN 978-3-8258-4580-3, S. 76–97.
  • Martin Sebaldt, Alexander Straßner: Verbände in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Einführung. Wiesbaden 2004, ISBN 3-531-13543-0, S. 104–106.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Verband Nr. 370 der Bekanntmachung der öffentlichen Liste über die Registrierung von Verbänden und deren Vertretern (PDF; 4,6 MB (Memento vom 29. Dezember 2009 im Internet Archive))
  2. Martin Sebaldt, Alexander Straßner: Verbände in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Einführung. Wiesbaden 2004, ISBN 3-531-13543-0, S. 105.
  3. Petersohn, Frederik A.: Informalisierung und Parteipolitisierung im Politikformulierungsprozeß der Bundesrepublik Deutschland: Dargestellt am Beispiel der steuerpolitischen Positionen des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) zwischen 1982 und 1994, Münster und Berlin 2000, S. 77.
  4. Lobbytruppe BDI: Tricks, Chaos, Kungelei. In: Der Spiegel. 25. März 2011, abgerufen am 31. Januar 2014.
  5. Martin Sebaldt, Alexander Straßner: Verbände in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Einführung. Wiesbaden 2004, ISBN 3-531-13543-0, S. 105.
  6. Dieter Kempf zum neuen BDI-Präsidenten gewählt, Pressemitteilung des BDI vom 28.11.2016, abgerufen am 29. November 2016
  7. Mitgliedseite im EBD. Abgerufen am 6. Oktober 2010.