Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer

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Das Logo des BDÜ

Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e. V. (BDÜ) ist mit über 7.500 Mitgliedern der größte deutsche Berufsverband für professionelle Dolmetscher und Übersetzer. Damit repräsentiert er gut 80 Prozent aller organisierten Dolmetscher und Übersetzer in Deutschland. Die Geschäftsstelle des BDÜ hat ihren Sitz in Berlin.[1] Der BDÜ ist seit dessen Gründung Mitglied im internationalen Übersetzerverband FIT (Fédération Internationale des Traducteurs).[2]

Aufbau des Verbandes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Dachverband repräsentiert der BDÜ-Bundesverband die ihm angeschlossenen 13 Mitgliedsverbände sowie der berufsgruppenorientierte „Verband der Konferenzdolmetscher e. V. (VKD) im BDÜ e.V.“ [3].

Geleitet wird der Verband von einem Vorstand [4], dessen Präsident und Vizepräsidenten von den Mitgliedsverbänden gewählt werden. Ein angestellter Geschäftsführer leitet die Geschäftsstelle in Berlin. Die Vorstände der einzelnen Mitgliedsverbände werden auf den jeweiligen Jahresmitgliederversammlungen von den Mitgliedern direkt gewählt. Dauer und mögliche Begrenzungen der Amtszeit der Vorstände sind von den einzelnen Satzungen individuell geregelt.

Der Präsident ist für die Gesamtvertretung des Verbandes sowie die Verbandspolitik zuständig, die Vizepräsidenten bekleiden Ressorts wie z. B. beeidigte Dolmetscher und Übersetzer, Normung, Aus- und Weiterbildung, Öffentlichkeitsarbeit, Soziale Medien, Terminologie, Website. Darüber hinaus arbeiten dem Vorstand verschiedene Bundesreferenten in einzelnen Themenbereichen zu.

Ziele und Aufgaben des Verbandes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der BDÜ ist Mitglied des internationalen Übersetzerverbandes FIT (Fédération Internationale des Traducteurs). Die Ziele [5] des BDÜ sind: Ebenso wie andere Übersetzer- und Dolmetscherverbände hat der BDÜ die folgenden Ziele:

  • Informationen über das Übersetzen und Dolmetschen,
  • Regelung des Berufszugangs,
  • Sicherung der Qualität im Sprachendienstleistungsbereich,
  • Verbesserung der Aus- und Weiterbildung durch mehr Praxisbezug und Vermittlung von Fachwissen (fachliche Spezialisierung),
  • Vereinheitlichung des Prüfungswesens
  • Bundeseinheitliche Regelung von Beeidigung, Ermächtigung und öffentlicher Bestellung
  • Bundeseinheitliche Richtlinien für Urkundenübersetzungen
  • Organisation von Weiterbildungen für Dolmetscher und Übersetzer,
  • Aufbau und Entwicklung von Netzwerken für Dolmetscher und Übersetzer,
  • Beratung (potentieller) Auftraggeber,
  • Interessenvertretung der Übersetzer und Dolmetscher in gesetzgebenden Gremien, bei Behörden, Gerichten und Spitzenverbänden der Wirtschaft,
  • Aufzeigen der Bedeutung von Zuverlässigkeit und Qualität im Bereich Übersetzen und Dolmetschen.

Die Arbeit der Berufsverbände ist in diesem Fachbereich besonders wichtig, da die Berufsbezeichnungen „Dolmetscher“ und „Übersetzer“ (zumindest in Deutschland und Österreich) nicht geschützt sind, sodass die Forderung nach bestimmten Ausbildungs- und Qualitätsstandards schwer durchzusetzen ist.

Geschichte des Verbandes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der BDÜ ging am 30. September/1. Oktober 1955 aus dem Zusammenschluss mehrerer eher regional geprägter Übersetzerverbände hervor. Die Mitgliederzahl lag zu diesem Zeitpunkt bei 580 (ohne Berlin). Damals, wie auch heute noch, stand der Einsatz für die Anerkennung des Berufsstandes und für gute Ausbildungsbedingungen im Vordergrund des verbandlichen Engagements.

In den 1980er-Jahren traf die Outsourcing-Welle in der Industrie auch viele angestellte Übersetzer und Dolmetscher. Der Schwerpunkt der verbandlichen Arbeit verlagerte sich auf die Unterstützung der freiberuflichen Tätigkeit von Übersetzern und Dolmetschern in allen Facetten.

Seit dem Jahrtausendwechsel verstärkte der BDÜ seine Fortbildungstätigkeit, um seinen Mitgliedern kostengünstige Möglichkeiten zu geben, sich im sprachlichen, fachlichen, translatorischen und unternehmerischen Bereich weiterbilden zu können. Darüber hinaus intensivierte der Verband seine politische Lobbyarbeit zugunsten der Anliegen von Übersetzern und Dolmetschern.

Fachzeitschrift MDÜ[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner (auch im Abonnement für Nichtmitglieder) erhältlichen Fachzeitschrift MDÜ [6] informiert der BDÜ in derzeit sechs Ausgaben pro Jahr über berufsrelevante Themen und die Arbeit des Verbands. Das MDÜ ist Plattform für Fachleute aus der Branche zur Diskussion aktueller Fragen, berichtet über neue Entwicklungen und vermittelt aktuelles Wissen zur professionellen Berufsausübung.

BDÜ Weiterbildungs- und Fachverlagsgesellschaft mbH[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2003 gründete der BDÜ seine Service GmbH, um geschäftliche Aktivitäten wie das Verlegen von Fachbüchern, die Durchführung von Seminaren wie auch von Kongressen wirtschaftlich von den Aktivitäten des Verbandes zu trennen. Im Jahr 2010 erfolgte die Änderung des Gesellschaftsnamens, in dem sich deren Geschäftsfelder besser widerspiegeln sollten. Das Verlagsprogramm umfasst sowohl Bücher zu allgemeinen Themen des Übersetzens und Dolmetschen als auch Titel zu Spezialthemen der Branche. Darüber hinaus bietet die BDÜ Weiterbildungs- und Fachverlagsgesellschaft mbH [7] mehrtägige Fachseminare wie zum Beispiel Auslandsseminare im Fachbereich Recht an. Ferner organisierte die BDÜ Weiterbildungs- und Fachverlagsgesellschaft mbH 2009 und 2012 die Fachkonferenzen „Übersetzen in die Zukunft“ [8] mit 1.600 bzw. 1.200 Teilnehmern sowie 2014 den FIT Weltkongress „Im Spannungsfeld zwischen Mensch und Maschine“ [9] mit 1.600 Teilnehmern aus aller Welt

Honorare für Übersetzungs- und Dolmetschdienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Honorare für Übersetzungs- und Dolmetschdienstleistungen müssen für die Leistungserbringer auskömmlich sein. Preisempfehlungen des Verbandes sind aufgrund der vielfältigen Faktoren, die in den Preis für eine Sprachdienstleitung einfließen, und aufgrund der Vorgaben des Bundeskartellamtes nicht möglich. Die Preise für Übersetzungs- und Dolmetschdienstleistungen für Gerichte sind im Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz (JVEG) [10] in der aktuellen Fassung vom 1. August 2013 geregelt. Danach wird eine Zeile mit 55 Zeichen inkl. Leerzeichen mit 1,55 Euro (1,75 Euro bei nichteditierbaren Texten) und bei erschwerten Texten mit 1,85 Euro (2,05 Euro bei nichteditierbaren Texten) vergütet. Eine Dolmetschstunde bei Gericht wird mit 70 Euro (konsekutiv) und 75 Euro (simultan) vergütet. [11]

Alle anderen Honorare für Dolmetsch- und Übersetzungsdienstleistungen werden zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer frei ausgehandelt. Als Information für alle Beteiligten führt der BDÜ alle zwei Jahre eine Honorarumfrage in der Branche durch und veröffentlicht deren Ergebnisse aufgeschlüsselt nach Sprachrichtungen und Auftraggebertypen in seinem Honorarspiegel (aktuelle Fassung von 2014). [12]

Qualitätssicherung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die Berufsbezeichnungen „Dolmetscher“ und „Übersetzer“ in Deutschland nicht geschützt sind, gilt eine Verbandsmitgliedschaft als Qualitätssiegel, da alle Mitglieder vor dem Beitritt zum Verband ihre Qualifikation nachweisen müssen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e. V., Berlin, Vereinsregister-Nr.: VR 22468, Amtsgericht Charlottenburg.
  2. Fédération Internationale des Traducteurs
  3. Verband der Konferenzdolmetscher e. V. (VKD)
  4. Bundesvorstand
  5. BDÜ e. V.: Ziele und Aufgaben.
  6. MDÜ
  7. BDÜ Weiterbildungs- und Fachverlagsgesellschaft mbH
  8. Übersetzen in die Zukunft
  9. Im Spannungsfeld zwischen Mensch und Maschine
  10. Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz (JVEG)
  11. BDÜ aktuell: BDÜ-Informationen zum neuen JVEG. Was sich bei der Zusammenarbeit mit Übersetzern und Dolmetschern geändert hat. Ein Leitfaden.
  12. BDÜ e. V. (Hrsg.): Honorarspiegel für Übersetzungs- und Dolmetschleistungen für 2014