Bundesverband mittelständische Wirtschaft

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Bundesverband mittelständische Wirtschaft
(BVMW)
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Rechtsform eingetragener Verein
Gründung 1975
Sitz Berlin
Schwerpunkt Mittelstand
Vorsitz Mario Ohoven
Website www.bvmw.de

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft – Unternehmerverband Deutschlands e. V. (BVMW) ist ein Wirtschaftsverband mit Sitz in Berlin.

Der BVMW ist eine branchen-neutrale Interessenvertretung der mittelständischen Wirtschaft in Deutschland und vertritt kleine und mittlere Unternehmen und Selbständige. Der Verband gibt an, dass er unter Einbeziehung der Mitglieder der rund 30 kooperierenden Fach- und Branchenverbände in der Mittelstandsallianz, darunter der Bund der Steuerzahler (BdSt), die Interessen von mehr als 900.000 Stimmen vertrete und damit die größte, freiwillig organisierte und branchenübergreifende Interessenvereinigung des deutschen Mittelstandes — in Abgrenzung zum Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), der Dachorganisation der deutschen Industrie- und Handelskammern sei.

Nach Recherchen des Handelsblatts im Jahr 2015 sind die vom BVMW angegebenen Mitgliederzahlen maßlos übertrieben.[1] Im Jahr 2015, gab der BVMW an, 270.000 Unternehmen zu vertreten. Die Mitgliedszeitschrift des Verbands hatte zu diesem Zeitpunkt aber weniger als 17.000 Abonnenten und interne Zahlen aus dem Verband ließen darauf schließen, dass der BVMW nur gut 15.000 Mitglieder besitzt.[2]

Der BVMW vertritt die wirtschaftspolitischen Interessen seiner Mitglieder mit eigenen Büros in allen deutschen Bundesländern und mit etwa 40 Auslandsbüros unter anderem in Brüssel, der Volksrepublik China, Indien, Italien, Japan, Polen, der Ukraine und der Türkei. Neben der Lobbyarbeit konzentriert sich der Verband auf die Vernetzung seiner Mitglieder untereinander, die Förderung des unternehmerischen Austauschs mit dem Ziel der Wettbewerbsstärkung u. a. gegenüber Großkonzernen und die außenwirtschaftliche Unterstützung.

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der BVMW wurde 1975 in Bonn gegründet. Einige Mittelständler versuchten, mit Parlamentariern in Bonn einen Dialog aufzubauen, damit Wirtschaftspolitik sich nicht nur an den Konzernen orientiert, und haben mit dieser Zielsetzung den Verband gegründet. Auslöser war eine Pleitewelle unter mittelständischen Unternehmen in Nordrhein-Westfalen. Der Verband finanziert sich nach eigenen Angaben seit seiner Gründung ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und freiwilligen Leistungen.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präsident und Geschäftsführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Spitze des Vereines steht der Vorstand mit einem Präsidenten. Dieses Amt hat seit 1998 der Unternehmer Mario Ohoven inne — zugleich auch Präsident der Europäischen Vereinigung der Verbände Kleiner und Mittlerer Unternehmen CEA-PME (Confédération Européenne des Associations de Petites et Moyenne Entreprises). Vizepräsidenten sind Willi Grothe und Hans-Michael Pott, Bundesgeschäftsführer des Verbandes ist Markus Jerger. Der Geschäftsleitung gehören an: Michael Woltering, Patrick Meinhardt, Michael Dammenhein und Christian Hohendorf.

Regionalverbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der BVMW ist in etwa 300 Kreisverbänden organisiert. Seit 2004 baut der BVMW Regionalverbände im Ausland auf. Über Vertretungen des BVMW im Ausland ist der Verband mittlerweile weltweit von der Schweiz über Indien bis nach Japan präsent.

Funktionsträger, Arbeitsweise, Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Betreuung der einzelnen Unternehmen in den Regionen erfolgt durch selbständige Verbandsbeauftragte. Diese vernetzen die Mitgliedsunternehmen, veranstalten regionale Events und leisten unternehmerische Unterstützung vor Ort. Zusätzlich werden regelmäßig überregionale sowie internationale Veranstaltungen abgehalten. Der BVMW versteht sich hierbei als Vermittler von Kontakten, Informationen, Wissen und Dienstleistungen im lokalen, nationalen wie auch internationalen Kontext.

Die Bundeszentrale in Berlin erarbeitet politischen und medialen Einfluss im Sinne der deutschen Mittelständler und kämpft für bessere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen. Sie bündelt Themen und unterhält Gremien und Kommissionen, z. B. zu den Themen Arbeit und Soziales, Digitales, Energie, Gesundheit, Steuern und Finanzen sowie Unternehmenssicherheit.

Begleitet wird die Arbeit des BVMW durch einen Politischen Beirat.[3]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Kritik, der BVMW übertreibe die eigene Bedeutung in der Außendarstellung[2], gibt es Vorwürfe, Präsident Ohoven vermische Geschäftliches mit Privatem. Die "Welt am Sonntag" berichtete im Juni 2019 über eine Geburtstagsfeier für den Präsidenten, bei der die Kosten für die Musiker von rund 26.000 Euro über eine andere Verbandsveranstaltung abgerechnet worden sein sollen. Zudem arbeiten mit Geschäftsführer Jerger und Art Directorin Chiara Ohoven gleich zwei Mitglieder der engeren Präsidentenfamilie an exponierter Stelle für den BVMW. Offenbar bezahlte der Verband den beiden auch Rechnungen von Luxushotels.[4]

Weiterhin berichtet die Welt, dass die Präsident Mario Ohoven und Geschäftsführer Jerger auf der Verbandswebseite die Titel "Prof. Dr. h.c." führen. Sie hätten die Ehrenprofessuren und -doktortitel von russischen Universitäten erhalten. Die Hochschulgesetze der Bundesländer schreiben jedoch vor, dass Ehrentitel ausländischer Universitäten in der Originalform mit Herkunftsangabe geführt werden müssen.[4] So heißt es etwa in §69 Abs. 3 des Hochschulgesetzes von NRW: "Ein ausländischer Ehrengrad [...] kann nach Maßgabe der für die Verleihung geltenden Rechtsvorschriften in der verliehenen Form unter Angabe der verleihenden Stelle geführt werden."[5]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der BVMW gibt alle zwei Monate das bundesweite Magazin „DER Mittelstand.“ heraus.

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der BVMW ist Mitglied im Netzwerk Europäische Bewegung.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andreas Dörnfelder, Miriam Schröder: Der Schein-Riese. In: Handelsblatt. 1. Oktober 2015, abgerufen am 23. April 2019.
  2. a b Sandro Schroeder: Wenn die Stimme zum Stimmchen wird. In: Detektor.fm. 1. Dezember 2015, abgerufen am 23. April 2019.
  3. Bundesverband mittelständische Wirtschaft: Der Politische Beirat des BVMW. Abgerufen am 2. Februar 2016
  4. a b Manuel Bewarder: Mittelstand-Verband: Mario Ohoven, das Verkaufstalent. Hrsg.: Welt am Sonntag. 23. Juni 2019 (welt.de [abgerufen am 25. Juni 2019]).
  5. §69 des Hochschulgesetzes NRW. Ministerium des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 25. Juni 2019.
  6. Mitgliedsseite im EBD. Abgerufen am 18. Mai 2015.