Bundesverwaltungsamt

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Bundesverwaltungsamt
– BVA–
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Staatliche Ebene Bund
Stellung Bundesoberbehörde
Aufsichtsbehörde Bundesministerium des Innern
Gründung 14. Januar 1960
Hauptsitz Köln, Nordrhein-Westfalen
Behördenleitung
  • Präsident:
Christoph Verenkotte
  • Vizepräsidentin:
Silvia Bechtold
  • Vizepräsident:
Dr. Manfred Schmidt
Bedienstete 5.500[1]
Website www.bundesverwaltungsamt.de
Hauptsitz des Bundesverwaltungsamtes in Köln

Das Bundesverwaltungsamt (BVA) ist eine deutsche Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern (BMI) mit Hauptsitz in Köln und verschiedenen Außenstellen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorläufer des BVA war die Bundesausgleichsstelle des Bundesministeriums des Innern (1951), ab 1955 die Bundesstelle für Verwaltungsangelegenheiten. Dieser Behörde oblag die Unterbringung der verdrängten Angehörigen des öffentlichen Dienstes.

Als Folge einer Organisationsprüfung beschloss das Bundeskabinett auf Vorschlag des Bundesbeauftragten für die Wirtschaftlichkeit in der Verwaltung am 26. Februar 1958, mit dem Bundesverwaltungsamt eine neue Behörde zu schaffen, in der zunächst 196 Planstellen entstanden.[2] Im Bundesgesetz vom 28. Dezember 1959 wurde das BV A mit Wirkung zum 14. Januar 1960 als selbständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern mit Sitz in Köln am Habsburgerring 9–13 errichtet. Zum Gründungszeitpunkt umfasste die neue Behörde bereits 299 Mitarbeiter. Weitere zusätzliche Aufgabenbereiche sorgten für stetiges Wachstum der Behörde. Im Oktober 1965 übernahm das BVA die Verwaltungsaufgaben des zivilen Ersatzdienstes, im Oktober 1968 übernahm es das Auslandsschulwesen. Im Jahre 1971 fiel die Entscheidung für ein neues Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen, im April 1895 in Dienst gestellten Barbara-Kaserne im Kölner Stadtteil Riehl, das dem Bund gehörte. Die offizielle Einweihungsfeier in der Barbarastraße 1/Ecke Amsterdamer Straße fand im Juni 1984 statt. Nach der Deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 übernahm das Bundesverwaltungsamt u.a. die Abwicklung von Vermögen des Ministeriums für Staatssicherheit und des Amtes für nationale Sicherheit der ehemaligen DDR. Die 90er Jahre waren von einem Wandel der technischen Ausstattung gekennzeichnet. Das BVA setzte auf moderne Technologien und gehörte zu den Vorreitern des papierlosen Büros in der Öffentlichen Verwaltung. Ein wegweisender Schritt war die Gründung des Dienstleistungszentrums (DLZ), in dem das BVA erstmals Querschnittsaufgaben für verschiedene Behörden zentralisierte.Bei den Dienstleistungen gab es in jüngster Vergangenheit den größten Aufgabenzuwachs. Zum 1. Juni 2017 gingen die Aufgaben des Bundesamts für Zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV) auf das BVA über – mit Ausnahme der offenen Vermögensfragen. Im Zuge dieser Fusion wechselten rund 1.500 BADV-Beschäftigte ins BVA.[3] Bereits vor vier Jahren, im Juli 2013, hatte das Bundesministerium für Verteidigung dem BVA große Teile der Personalabrechnung für die Bundeswehr übertragen.  Rund 1.400 Beschäftigte der Bundeswehr waren damals zum BVA hinzugekommen.[4]

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bundesverwaltungsamt erledigt eine Vielzahl unterschiedlicher Verwaltungsaufgaben des Bundes und ist dabei auch für andere Bundesministerien und ihre Geschäftsbereiche tätig.

Es ist unter anderem für die Rückforderung der BAföG-Darlehen sowie die Bewilligung und Einziehung des Bildungskredites im Rahmen der Förderbestimmungen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zuständig.

Außerdem vollzieht es das Bundesvertriebenengesetz, erfüllt Aufgaben im Bereich des Auslandsschulwesens, entscheidet über Staatsangehörigkeitsangelegenheiten von Deutschen im Ausland und zieht von Deutschen im Ausland erhaltene Konsulardarlehen ein. Eine besondere Aufgabe ist die Bearbeitung der Anträge von im Ausland lebenden Personen auf Wiedereinbürgerung, denen in der Zeit des Nationalsozialismus die deutsche Staatsbürgerschaft „aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen entzogen“ wurde.[5] Noch heute erreichen das Bundesverwaltungsamt Jahr für Jahr rund 3000 Anträge, mittlerweile überwiegend von Nachkommen der Holocaust-Überlebenden, denen eine Wiedereinbürgerung gemäß Art. 116 des Grundgesetzes ebenfalls zusteht.

Das Bundesverwaltungsamt beglaubigt im Auftrag des Auswärtigen Amtes Unterschriften auf deutschen öffentlichen Urkunden für die Verwendung in zurzeit 20 Staaten und erteilt Apostillen auf Bundesurkunden für die Verwendung in Ländern, die dem Haager Übereinkommen vom 5. Oktober 1961 beigetreten sind.

Darüber hinaus ist es im Bereich der Förderung von Sport und Kultur, der politischen Stiftungen, der Kinder- und Jugendhilfe etc. tätig.

In den letzten Jahren hat das Amt vor allem zentrale Dienstleistungen für andere Bundesbehörden übernommen, wie Zahlbarmachung von Bezügen, Beihilfe, Reise(kosten)management, Zeiterfassung oder Personalgewinnung. Aus den eigenen Erfahrungen bei der Verwaltungsmodernisierung entstand der Bereich Organisationsberatung für Ministerien und andere Behörden.

Das Bundesverwaltungsamt ist darüber hinaus die zentrale Ausbildungsbehörde für die Ausbildung von Beamten der Laufbahnen des gehobenen und mittleren nichttechnischen Dienstes in der allgemeinen und inneren Verwaltung des Bundes. Die von den Bundesbehörden des Ausbildungsverbundes Köln/Bonn bzw. Berlin eingestellten Auszubildenden zum Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement[6] und zum Verwaltungsfachangestellten nehmen im Bundesverwaltungsamt an theoretischen und praxisbezogenen Lehrveranstaltungsphasen teil. Ein zentrales Arbeitsfeld stellt die Öffentliche Sicherheit dar. Das Bundesverwaltungsamt betreibt nationale und europäische Informationssysteme für verschiedene Sicherheits- und Migrationsbehörden, u. a. das Nationale Waffenregister[7] und das Ausländerzentralregister[8]. Auch die Kunstverwaltung und das Münzwesen des Bundes werden seit 1. Juni 2017 vom Bundesverwaltungsamt wahrgenommen. Dazu gehören u.a. die Gestaltung, die Beauftragung zur Herstellung und der Vertrieb von Euro-Umlauf- und Gedenkmünzen sowie Sammlermünzen.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 1. Januar 2001 wurde das ehemalige Bundesamt für Zivilschutz (BZS) als Abteilung 5 in das Bundesverwaltungsamt integriert (Bundesverwaltungsamt – Zentralstelle für Zivilschutz (BVA-ZfZ)). Die Aufgaben des Zivilschutzes und des Schutzes kritischer Infrastrukturen wurden am 1. April 2004 in das neue Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ausgelagert.

Im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr wurden die Wehrbereichsverwaltungen der Bundeswehr zum 30. Juni 2013 aufgelöst. Das Bundesverwaltungsamt nimmt seitdem, zusammen mit zwei neuen, beim Bundesministerium der Verteidigung angesiedelten Behörden, Aufgaben der ehemaligen Wehrbereichsverwaltungen wahr.[9]

Präsident des Bundesverwaltungsamtes ist Christoph Verenkotte. Vizepräsidenten sind Silvia Bechtold und Dr. Manfred Schmidt.[10]

Präsidenten des Bundesverwaltungsamts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bundesverwaltungsamt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der zen­tra­le Dienst­leis­ter des Bun­des. Abgerufen am 2. September 2016.
  2. 50 Jahre Bundesverwaltungsamt. Abgerufen am 2. Dezember 2015.
  3. BVA wird größter Dienstleister des Bundes. ; abgerufen am 1. Juni 2017.
  4. Bundesverwaltungsamt übernimmt Aufgaben für die Bundeswehr. 1. Juni 2013; abgerufen am 30. Oktober 2013.
  5. Art. 116 Abs. 2 GG.
  6. Ein gemeinsamer Beruf für Wirtschaft und Verwaltung. 10. April 2014; abgerufen am 1. Mai 2014.
  7. Die zentrale Komponente des Nationalen Waffenregisters beim Bundesverwaltungsamt startet pünktlich zum 1. Januar 2013. 28. Dezember 2012; abgerufen am 28. Dezember 2012.
  8. Digitalisierung von Asylverfahren. 10. November 2016; abgerufen am 10. November 2016.
  9. Bundesverwaltungsamt übernimmt Aufgaben für die Bundeswehr. 1. Juli 2013; abgerufen am 30. Oktober 2013.
  10. Begrüßung des Zweiten Vizepräsidenten im Bundesverwaltungsamt. 16. September 2013; abgerufen am 30. Oktober 2013.

Koordinaten: 50° 58′ 12″ N, 6° 58′ 14″ O