Bung-Tomo-Klasse

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Bung-Tomo-Klasse
Alle 3 Korvetten bei James Fisher Marine Services im Hafen Barrow-in-Furness, Vereinigtes Königreich
Schiffsdaten
Schiffsart Korvette
Bauwerft BAE Systems Marine
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
89,9 m (an der Wasserlinie); 95 m (Lüa)
Breite 12,8 m
Tiefgang max. 3,6 m
Verdrängung 1940 t
Maschinenanlage
Maschine 4 × MAN B&W / Ruston Dieselmotoren
Maschinen-
leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
Insgesamt 30,2 MW
Höchst-
geschwindigkeit
30 kn (56 km/h)
Propeller 2
Bewaffnung

Mitgeführte Flugzeuge:
1 × Eurocopter AS 565 Panther[2]

Sensoren
  • Ultra Electronics/Radamec Serie 2500 elektro-optisches Waffenleitsystem.
  • Thales Underwater Systems TMS 4130C1 am Rumpf montiertes Sonar.
  • BAE Systems Insyte AWS-9 3D Luft- und Oberflächenradar im E- und F-Band.
  • BAE Insyte 1802SW I/J-band Radar Tracker.
  • Kelvin Hughes Type 1007 Navigationsradar.
  • Thales Nederland Scout Radar für Oberflächenbeobachtung.[3]
  • Thales Sensors Cutlass 242 Täuschkörper.[3]

Die Bung-Tomo-Klasse umfasst drei indonesische Multifunktions-Patrouillen-Korvetten. Sie wurden ursprünglich als F2000-Korvetten der Nakhoda-Ragam-Klasse für die Royal Brunei Navy gebaut, aber letztlich von der indonesischen Marine gekauft und umbenannt.[4] Die Klasse ist nach Bung Tomo, einem Anführer der indonesischen Unabhängigkeitsbewegung, benannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte: Nakhoda-Ragam-Vertragsstreitigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zunächst wurden die drei Schiffe als Korvetten der Nakhoda-Ragam-Klasse von BAE Systems Marine (heute BAE Systems Maritime – Naval Ships) für die Royal Brunei Navy gebaut. Der Vertrag war 1995 an GEC-Marconi vergeben worden und die Schiffe, eine Variante der F2000, liefen im Januar 2001, Juni 2001 und Juni 2002 in der Werft der damaligen BAE Systems Marine in Scotstoun, Glasgow vom Stapel.

Brunei weigerte sich aber, die drei Korvetten der Nakhoda-Ragam-Klasse von BAE Systems abzunehmen. Die Vertragsstreitigkeiten wurden in einem Schiedsverfahren zugunsten von BAE System beigelegt. Die Schiffe wurden im Juni 2007 an die Royal Brunei Technical Services ausgehändigt. Brunei beauftragte die deutsche Lürssen-Werft, einen neuen Kunden für die drei Schiffe zu finden, die schließlich zu jeweils einem Fünftel des ursprünglichen Stückpreises von der indonesischen Marine gekauft wurden.[5]

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schiffe sind mit Stand von 2017 im Dienst der indonesischen Marine.

Die Schiffe sind mit MBDA Exocet Block II Seezielflugkörpern und MBDA Sea Wolf Kurzstreckenflugabwehrraketen bestückt. Die Hauptbewaffnung besteht aus einer Oto Melara 76 mm und zwei fernbedienten 30mm DS30M Mark 2 Bordkanonen. Die Schiffe haben außerdem je zwei dreifach Torpedorohre und eine Landeplattform für einen Helikopter vom Typ Eurocopter AS 565 Panther.[6]

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schiffe wurden auf die Namen KRI Usman Harun, KRI Bung Tomo und KRI John Lie getauft, in Erinnerung an die Dienste, die diese der indonesischen Nation erbracht hatten.

Usman und Harun waren Mitglieder des KKO (Operations Corps Command), das inzwischen in TNI Navy Marines Corps umbenannt wurde. Usman und Harun waren Mitglieder einer Spezialeinheit, die Singapur von 1963 bis 1966 während der indonesischen Konfrontation gegen Malaysia infiltriert hatte. Bung Tomo war ein Anführer der indonesischen Widerstandsbewegung gegen die alliierten britischen und niederländischen Streitkräfte in der Schlacht von Surabaya am 10. November 1945.

John Lie war ein Peranakan-chinesischer Unabhängigkeitskämpfer und Kommandeur eines Schiffes mit dem Namen The Outlaw. Lie schmuggelte landwirtschaftliche Produkte von Sumatra nach Phuket, Malacca und andere Teile von Malaya, um Waffen für die indonesische Unabhängigkeitsbewegung von 1945 bis 1949 zu kaufen.

Streitigkeiten wegen der Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Außenminister von Singapur, K. Shanmugam beschwerte sich in Jakarta darüber, dass die indonesische KRI Usman Harun nach zwei indonesischen Marinesoldaten Usman Hj Mohd Ali und Harun Said benannt wurde, die am 10. März 1965 im MacDonald House in Singapur eine Bombe gelegt und gezündet hatten.[7]

Sie waren für schuldig befunden worden, durch die Explosion der Bombe drei Menschen getötet und 33 weitere verletzt zu haben. Daraufhin wurden sie in Singapur hingerichtet. Singapur hatte dieses schwierige Kapitel der bilateralen Beziehungen eigentlich im Mai 1973 für abgeschlossen betrachtet, nachdem der damalige Premierminister Lee Kuan Yew die Gräber der beiden Marinesoldaten besucht und mit Blumen geschmückt hatte.

Wichtige Einsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende Dezember 2014 war die KRI Bung Tomo in Search and Recovery Aufgaben nach dem Absturz des Indonesia-AirAsia-Flugs 8501 in der Javasee zwischen den Inseln Belitung und Borneo involviert.[8] Kurz darauf, Anfang Januar 2015, lief die KRI Usman Harun aus, um nach den Black-Box-Flugschreibern zu suchen, da das Schiff mit am Rumpf montierten Thales Underwater Systems TMS 4130C1 ausgestattet ist.[9][10]

Nachgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brunei bestellte sich vier Hochseepatrouillenboote der Darussalam-Klasse bei Lürssen, nachdem diese Werft die Korvetten der Nakhoda-Ragam-Klasse verkauft hatte. Die ersten beiden Schiffe wurden im Januar 2011 geliefert. Das zweite Los mit zwei weiteren Schiffen wurde 2014 geliefert.[11]

Schiffe der Klasse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nummer Pennant-Nummer Name Schiffswerft Stapellauf Inbetriebnahme Status
1 357 (30) KRI Bung Tomo (ex KDB Jerambak) BAE Systems Marine, Scotstoun 22. Juni 2002[12] 11. Juli 2014[13] im Dienst
2 358 (29) KRI John Lie (ex KDB Bendahara Sakam) BAE Systems Marine, Scotstoun 13. Januar 2001[14] 18. Juli 2014[13] im Dienst
3 359 (28) KRI Usman-Harun (ex KDB Nakhoda Ragam) BAE Systems Marine, Scotstoun 23. Juni 2001[15] 18. Juli 2014 im Dienst

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Passing Exercise KRI FKO-368 Dengan Kapal Perang Baru TNI AL Di Laut Mediterania. In: tnial.mil.id. Indonesian Navy, 19. September 2014, archiviert vom Original am 30. Juni 2015, abgerufen am 8. Februar 2016 (indonesisch).
  2. Ridzwan Rahmat: Indonesian Navy to equip Bung Tomo corvettes with Panther ASW helicopters. Archiviert vom Original am 10. November 2014. Abgerufen am 16. März 2015.
  3. a b Nakhoda Ragam Class Offshore Patrol Vessels, Brunei. In: Naval Technology. Abgerufen am 28. Februar 2009. 
  4. Former TNI-AD chief of staff calls for ban on Singapore warships entering Indonesian waters. Archiviert vom Original am 25. Februar 2014. Abgerufen am 21. Februar 2014.
  5. Tiga Kapal Ex-Brunei Dibeli dengan Nilai 20% dari Harga Jual. 5. November 2012. Abgerufen am 8. Februar 2016.
  6. Nakhoda Ragam Class Offshore Patrol Vessel. In: Industry Projects. Naval Technology. Abgerufen am 26. Dezember 2007.
  7. Scott Cheney-Peters: Troubled Waters: Indonesia's Growing Maritime Disputes. The Diplomat. 19. Februar 2014. Abgerufen am 19. Februar 2014.
  8. Fabian Januarius Kuwado: KRI Bung Tomo Berhasil Angkat Enam Jenazah Diduga Korban AirAsia QZ8501. In: kompas.com. 30. Dezember 2014, abgerufen am 7. Juni 2017 (indonesisch).
  9. Indonesia Deploys Controversial KRI Usman Harun to QZ8501 Search Site. In: TheRealSingapore.com. 4. Januar 2015, archiviert vom Original am 4. Januar 2015, abgerufen am 7. Juni 2017 (englisch).
  10. Indonesia deploys controversial KRI Usman Harun for AirAsia plane search. In: channelnewsasia.com. Channel NewsAsia, 4. Januar 2015, archiviert vom Original am 4. Januar 2015, abgerufen am 7. Juni 2017 (englisch).
  11. http://www.bt.com.bn/files/digital/COD/Issue31/BT15Aug.4.pdf
  12. KDB Jerambak. Abgerufen am 8. Februar 2016.
  13. a b Ridzwan Rahmat: Indonesia commissions first two of three Bung Tomo-class corvettes. Jane’s Information Group. 23. Juli 2014. Abgerufen am 25. Juli 2014.
  14. KDB Nakhoda Ragam. Abgerufen am 8. Februar 2016.
  15. KDB Bendahara Sakam. Abgerufen am 8. Februar 2016.