Bureau International Permanent de la Paix

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Logo des International Peace Bureau
Vorstandstreffen des Internationalen Ständigen Friedensbüros in Bern 1899.

Das Bureau International Permanent de la Paix, englisch International Peace Bureau, zu deutsch Internationales Ständiges Friedensbüro, ist eine Organisation, welche auf der 3. Interparlamentarischen Konferenz der Interparlamentarische Union am 13. November 1891 in Rom gegründet wurde, um Fragen und Anträge für künftige Friedenskonferenzen zu erarbeiten. Für das von diesem Büro ausgehende Engagement erhielt es 1910 den Friedensnobelpreis.

Geschichte und Wirken[Bearbeiten]

Als geistige Väter des Bureau International Permanent de la Paix wirkten der dänische Parlamentsabgeordnete Fredrik Bajer, der französische Journalist und Professor für Philosophie Charles Lemonier sowie der britische Pazifist Hodgson Pratt. Die Aufgaben der Organisation waren vor allem die Organisation und Durchführung der Internationalen Friedenskongresse, die Propaganda für den Frieden sowie die Kontaktpflege und -koordination zwischen pazifistischen Gruppen, Instituten und Personen. Auf der Basis des Völkerrechts formulierten sie ihre Prinzipien:

  1. Das Prinzip der Pflichten und der Moral der Nationen ist das gleiche wie das der Moral und der Prinzipien der Individuen
  2. da niemand das Recht hat, Selbstjustiz zu üben, kann auch kein Staat einem anderen Staat den Krieg erklären.
  3. alle Differenzen zwischen den Völkern müssen auf dem Rechtsweg geklärt werden.
  4. alle Völker stehen sich als Wesenheiten gegenüber und haben wie Individuen das Recht auf gesetzmäßige Verteidigung.
  5. es existiert kein Recht durch Eroberung.
  6. die Völker haben das unveräußerliche und unabdingbare Recht, frei über sich selbst zu verfügen.
  7. das Recht jeder Nation auf Selbstbestimmung ist unverletzlich.

Als erster Präsident der Organisation wirkte bis 1907 Frederik Bajer, der 1908 als Ehrenpräsident ebenfalls einen Friedensnobelpreis erhielt. Élie Ducommun wurde der erste Generalsekretär und erhielt in dieser Funktion den Friedensnobelpreis bereits 1902. Als Sitz der Organisation wurde die Stadt Bern in der Schweiz gewählt und das oberste Entscheidungsgremium stellte die jährliche Mitgliederversammlung dar.

Ducommun führte die Amtsgeschäfte der Organisation bis zu seinem Tod 1906, sein Nachfolger wurde der Schweizer Jurist Charles Albert Gobat, der 1902 als Vertreter der Interparlamentarische Union gemeinsam mit Ducommun den Nobelpreis erhalten hatte. Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 begann die erste Krise für die Organisation, vor allem durch die Einstellung der Geldmittel durch die Carnegie-Stiftung für Internationalen Frieden. Diese gründete in Paris ein konkurrierendes Internationales Friedensbüro. Als Gobat 1914 starb übernahm Henry Golay die Geschäfte und versuchte, das Büro aus der Krise zu bringen. Während des Krieges unterstützte das Büro vor allem die Mächte gegen Deutschland und Österreich-Ungarn, doch erst nach dem Kriegseintritt der USA sowie der Oktoberrevolution in Russland folgten Stellungnahmen der Organisation.

Nach dem Krieg spielte das Büro keine entscheidende Rolle in der Friedenspolitik. 1924 wurde das Sekretariat nach Genf verlegt, die Teilnehmerzahlen an den organisierten Konferenzen gingen jedoch weiter zurück und das Interesse an einer Zusammenarbeit mit anderen Gruppen schwand und nahm auch während des Zweiten Weltkriegs nicht wieder zu. Golay verstarb im Jahr 1950, das Friedensbüro wurde im gleichen Jahr aufgelöst. 1964 wurde es als International Peace Bureau wiedergegründet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Enrica Costa Bona: Le Bureau international de la paix et la Société des Nations. In: Marta Petricioli und Donatella Cherubini (Hrsg.): Pour la paix en Europe. Institutions et société civil dans l'entre-deux-guerres. P.I.E. Peter Lang, Brüssel u.a. 2007, ISBN 978-90-5201-364-0 (L'Europe et les Europes - 19e et 20e siècles. Band 7), S. 19–39.
  • Helmut Mauermann: Das Internationale Friedensbüro 1892 bis 1950. Silberburg Wissenschaft 284. Stuttgart 1990, ISBN 3-925344-78-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: International Peace Bureau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien