Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

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Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
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Gründung 1915 (Vorläufer 1879)
Trägerschaft staatlich
Ort Halle (Saale)
Bundesland Sachsen-Anhalt
Land Deutschland
Rektor Dieter Hofmann
Studenten 1.059 WS 2012/13[1]
Website www.burg-halle.de
Burg Giebichenstein. Gesamtansicht von Westen

Die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle (Burg Halle) ist die Kunsthochschule in Halle an der Saale. Der englische Name lautet Burg Giebichenstein University of Art and Design Halle. Sie hat ihren Sitz auf der Burg Giebichenstein oberhalb des rechten Saaleufers am nördlichen Stadtrand (Campus Kunst) und am Neuwerk östlich des Mühlgraben (Campus Design).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heutige Kunsthochschule Burg Giebichenstein geht auf die Gewerbliche Zeichen- und Handwerkerschule der Stadt Halle zurück. Diese Schule entstand 1879 aus der Vereinigung der seit 1852 bestehenden Provinzial-Gewerbeschule Halle und der seit 1870 bestehenden Gewerblichen Zeichenschule. Mit seinem Amtsantritt als Direktor am 1. Juli 1915 gab der Architekt Paul Thiersch der Schule neue Impulse. Die Schule hieß nun Handwerker- und Kunstgewerbeschule Halle. Thiersch reformierte sie im Sinne der Ideen des Deutschen Werkbundes und es entstanden die Klassen für Malerei, Grafik, Bildhauerei, Architektur, Textilgestaltung, Fotografie sowie die Tischlerei. 1922 bezog die Schule erstmals Räume in der Unterburg der Burg Giebichenstein, wo sie die Bezeichnung Werkstätten der Stadt Halle, Staatlich-städtische Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein führte.

Nach Auflösung des Bauhauses in Weimar im Jahr 1925 kamen zahlreiche ehemalige Bauhäusler als Lehrer an die Burg, unter ihnen der Bildhauer Gerhard Marcks, der von 1928 bis 1933 das Amt des Direktors bekleidete. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 mussten Marguerite Friedlaender, Gerhard Marcks, Charles Crodel und Erwin Hahs die Schule verlassen. Die Schule wurde durch das nationalsozialistische Regime beschnitten und als Handwerkerschule weitergeführt.

In der Nachkriegszeit wurde die Burg Giebichenstein als Kunstschule wiederaufgebaut. Unter dem Direktor Walter Funkat wurde 1958 der Grundstein für die Hochschule für industrielle Formgestaltung gelegt, die bis 1989 eine der einflussreichsten Ausbildungsstätten für Designer und Künstler und mit der Ausbildung in den Fachrichtungen der angewandten Kunst bestimmend für die besondere künstlerische Qualität des Kunsthandwerks in der DDR war. Von 1965 bis 1975 wurde die Bildende Kunst als Lehrfach zugunsten der Formgestaltung zurückgedrängt, erst nach 1975 erhielt die „Burg“ wieder ihre alte Struktur wie in den 1920er Jahren und konnte sich durch neue Fächer (Glas, Medienkunst, Kommunikationsdesign) erweitern. Im Jahr 1976 installierte der Rektor Paul Jung die Abteilung Theorie und Methodik (Leitung Horst Oehlke, Rolf Frick). In dieser Gruppe arbeiteten bis zu 25 Wissenschaftler unterschiedlicher Fachdisziplinen an der Designmethodik, der Designtheorie und intensiv an der Einsatzvorbereitung der Computertechnik für das Design.

1989 fand die Umbenennung in Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle statt. Die Hochschule stellt sich dem gesellschaftlichen Wandel, der Internationalisierung und den komplexen Aufgaben in Kunst und Design. Ein Alleinstellungsmerkmal bleibt dabei weiterhin die fundierte künstlerisch-wissenschaftliche Grundlehre.

Auf dem Design-Campus wurden 2003 umfangreiche Sanierungsarbeiten begonnen, die im Herbst 2007 abgeschlossen wurden. Während der Fachbereich Kunst auch heute noch zu großen Teilen in der Unterburg angesiedelt ist, verteilt sich der Fachbereich Design auf verschiedene Gebäude im Stadtteil Giebichenstein, vornehmlich in der Seebener Straße und im Neuwerk.

Die Einführung von Bachelor-Studiengängen im Fachbereich Design erfolgte zum Wintersemester 2005, die der Master-Studiengänge zum Wintersemester 2008.

2010 wurde der Name der Hochschule in Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle geändert, um den Status der Kunsthochschule und den damit verbundenen universitären Status deutlicher werden zu lassen. Im selben Jahr wurde Axel Müller-Schöll zum neuen Rektor gewählt, nachdem sein Vorgänger Ulrich Klieber nicht mehr für dieses Amt kandidiert hatte. Zurzeit studieren etwa 1100 Studenten an der Hochschule. Seit dem Herbstsemester 2014 ist der Designer Dieter Hofmann Rektor.

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Torturm der Oberburg

Die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle hat in zwei Fachbereichen 10 Studiengänge und 21 fachspezifische Studienrichtungen:

Bekannte Professoren, Dozenten und Absolventen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direktoren und Rektoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

– chronologisch geordnet –

  • Paul Thiersch, Architekt, Direktor 1915–1928
  • Gerhard Marcks, Plastiker, Direktor 1928–1933
  • Gustav Weidanz, Plastiker, Kommissarischer Direktor 1933
  • Hans Willi Michel, Zeichner, Direktor 1934
  • Hermann Schiebel, Zeichner, Direktor 1934–1945
  • Gustav Weidanz, Plastiker, Kommissarischer Direktor 1945
  • Ludwig E. Redslob, Jurist, Direktor 1945–1946
  • Wilhelm Nauhaus, Buchgestalter, Direktor 1946
  • Hanns Hopp, Architekt, Direktor 1946–1949
  • Walter Funkat, Grafiker, Direktor und Rektor 1950–1964
  • Erwin Andrä, Formgestalter, Rektor 1964–1971
  • Paul Jung, Formgestalter, Rektor 1971–1987
  • Jochen Ziska, Formgestalter, Rektor 1987–1989
  • Paul Jung, Formgestalter, Rektor 1989–1996
  • Johannes Langenhagen, Formgestalter, Rektor 1996–1998
  • Ludwig Ehrler, Maler, Rektor 1998–2003
  • Ulrich Klieber, Maler, Rektor 2003–2010
  • Axel Müller-Schöll, Innenarchitekt, Rektor 2010–2014
  • Dieter Hofmann, Designer, Rektor seit 2014

Lehrer, Meister und bekannte Absolventen vor 1933[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

– alphabetisch geordnet –

Professoren und Lehrkräfte nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

– alphabetisch geordnet –

Absolventen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

– alphabetisch geordnet –

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Nauhaus: Die Burg Giebichenstein. Geschichte einer deutschen Kunstschule 1915 - 1933. Leipzig: Seemann, 1981 / Neuauflage Leipzig: Seemann, 1992, ISBN 3-363-00539-3.
  • Burg Giebichenstein (Hrsg.): Burg Giebichenstein – Dokumente 1915 bis 1933. Verlag der Burg Giebichenstein Halle/Saale 1990;
  • Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle (Hrsg.): 75 Jahre Burg Giebichenstein 1915 – 1990: Beiträge zur Geschichte. Ausgewählt und eingeleitet von Renate Luckner-Bien. Halle/Saale 1990.
  • Design und Kunst: Burg Giebichenstein 1945 – 1990. Ein Beispiel aus dem anderen Deutschland. Herausgegeben von Florian Hufnagl. Die Neue Sammlung, Staatliches Museum für angewandte Kunst, München. München 1991.
  • Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle. Katalog zur Ausstellung im Schloss Mainau 1991. Herausgegeben von der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle. Halle/Saale 1991.
  • Katja Schneider: Burg Giebichenstein: Die Kunstgewerbeschule unter Leitung von Paul Thiersch und Gerhard Marcks 1915 – 1933. Weinheim: VCH, 1992, ISBN 3-527-17725-6.
  • Staatliche Galerie Moritzburg Halle; Badisches Landesmuseum Karlsruhe; Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle (Hrsg.): Die hallesche Kunstschule von den Anfängen bis zur Gegenwart. Halle/Saale und Karlsruhe, 1993
  • Ute Brüning, Angela Dolgner, Helmut Brade, Eva Natus-Salamoun, Jens Semrau: Walter Funkat. Vom Bauhaus zur Burg Giebichenstein. Dessau 2000, ISBN 3-910192-33-5.
  • Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle. Katalogbuch mit CD-ROM: Die Burg in Detail. Herausgegeben von Prof. Rudolf Schäfer für die Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle. Halle/Saale 2002, ISBN 3-86019-030-X.
  • Design. Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle / University of Art and Design Halle. Herausgegeben von der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle, Fachbereich Design, Halle 2006, ISBN 3-86019-047-4.
  • Designfunktion und Gestalterischer Entwicklungsprozess, 1. Kolloquium zu Fragen der Theorie und Methodik der Industriellen Formgestaltung, Oktober 1977, Hochschule für Industrielle Formgestaltung, (1977) Halle - Burg Giebichenstein.
  • Möglichkeiten und Grenzen rechnerunterstützter Formgestaltung, 7. Kolloquium zu Fragen der Theorie und Methodik der Industriellen Formgestaltung, Oktober 1983, Hochschule für Industrielle Formgestaltung, (1983) Halle - Burg Giebichenstein.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt: Studierendenzahlen Studierende und Studienanfänger/-innen nach Hochschularten, Ländern und Hochschulen, WS 2012/13, S. 66-113 (abgerufen am 3. November 2013)

Koordinaten: 51° 30′ 10″ N, 11° 57′ 18″ O