Burg Greifenstein (Greifenstein)

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Greifenstein
Gesamtansicht der Burg

Gesamtansicht der Burg

Entstehungszeit: vor 1160
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Ruine, teilweise erhalten
Ständische Stellung: Edelherren, Grafen
Ort: Greifenstein
Geographische Lage 50° 37′ 13,5″ N, 8° 17′ 41″ OKoordinaten: 50° 37′ 13,5″ N, 8° 17′ 41″ O
Höhe: 441 m ü. NHN
Burg Greifenstein (Greifenstein) (Hessen)
Burg Greifenstein (Greifenstein)
Greifenstein – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655

Die Burg Greifenstein liegt im gleichnamigen Ort Greifenstein im Lahn-Dill-Kreis in Mittelhessen. Als Geopunkt ist sie Teil des Nationalen GeoParks Westerwald-Lahn-Taunus.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Höhenburg liegt auf einem Berg des Dillwesterwaldes und bietet eine gute Aussicht über das Dilltal. Mit 441 Meter über NN ist sie die höchstgelegene Burg des Lahn-Dill-Kreises. Die Burg ist eine weithin sichtbare Landmarke; an der Bundesautobahn 45 weisen Hinweistafeln auf sie hin.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Höhenburg wurde im Jahr 1160 erstmals urkundlich erwähnt. 1298 wurde die Burg durch die Nassauer und Solmser Grafen zerstört, ebenso wie auch die Burg Lichtenstein, die nicht mehr aufgebaut wurde. Kraft von Greifenstein verkaufte die Ruine Greifenstein 1308 ohne die Einwilligung des Oberlehensherren, des Hochstifts Worms, an den König Albrecht von Österreich. Um 1303 kam Johann von Nassau-Dillenburg durch Erbteilung in den Besitz Beilsteins, doch bekam er den Wormser Teil des Kalenberger Zentes, zu dem auch Greifenstein gehörte, erst 1308 als Lehen, als Widerspruch darauf, dass Kraft Greifenstein dem König verkauft hatte. 1314 bekam Johann von Nassau-Dillenburg Greifenstein dann ganz offiziell als Königslehen von Friedrich dem Schönen, als Belohnung dafür, dass Johann ihn zum König gewählt hatte. Friedrich der Schöne verpfändete Greifenstein noch zweimal an Johann von Nassau-Dillenburg: 1315 und 1321.[1][2] Die 1322 durch König Ludwig IV. erteilte Erlaubnis an Graf Gottfried von Sayn zum Bau der Burg Greifenstein auf Reichsboden und zur Errichtung einer befestigten Stadt unterhalb der Burg mit Frankfurter Stadtrecht blieb folgenlos, der saynische Burgenbau wurde nicht verwirklicht.[3]

Nachdem die Burg Greifenstein unter verschiedenen Besitzern bis 1676 verfallen war, wurde sie von Graf Wilhelm Moritz von Solms-Greifenstein zu einem barocken Schloss ausgebaut. Nach der Übersiedlung des Grafen nach Braunfels 1693 verfiel die Anlage zur Ruine.

1969 wurde die Burgruine dem neu gegründeten Greifenstein-Verein geschenkt, der sich bis heute um den Erhalt der öffentlich zugänglichen Anlage, in die ein Restaurant integriert ist, kümmert. Die Burg ist ein Kulturdenkmal aufgrund des Hessischen Denkmalschutzgesetzes. Ihre Restaurierung wurde seit 1995 auch von der Bundesrepublik Deutschland gefördert, da sie als Denkmal von nationaler Bedeutung eingestuft wurde.

Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rundgang über das Burggelände führt zu einem Gefängnis mit Folterwerkzeugen, Waffen- und Weinkeller, Wohnkammern und über eine Wendeltreppe in den doppeltürmigen Bergfried. Auf dem spitzen Dach des Bruderturms befindet sich ein Greif als Wetterfahne, im Turm das Glockengeläut mit drei Glocken (Schlagtöne: fis1, a1 und c2).

Sehenswert ist neben dem Dorf- und Burgmuseum eine der wenigen Doppelkapellen in Deutschland: 1462 entstand die St. Katharinenkapelle als Wehrkirche im gotischen Stil. Beim Barock-Umbau wurde der Burghof mit Erde aufgeschüttet, so dass die Kapelle heute unterirdisch gelegen ist. Dort befinden sich Fresken und Schießscharten sowie Kasematten mit Deckenwölben und Verteidigungskammern. Die von 1687 bis 1702 über der Wehrkirche aufgebaute Barockkirche enthält eine umfangreiche Stuckdekoration und ist in die Zeit des italienischen Frühbarocks einzuordnen. Ober- und Unterkirche sind durch eine Treppe miteinander verbunden.

Wanderwege rund um die Burg sowie ein Kräuterlehrgarten machen die Anlage zu einem beliebten Ausflugsziel.

Glockensammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg beherbergt seit 1984 im Bollwerk (Geschützturm) „Roßmühle“ eine Glockensammlung. Besucher können über 40 Glocken besichtigen und auch selbst ausprobieren. Die Technik und die Geschichte der Glockenherstellung werden erklärt.

Kommunale Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Standesamt der Gemeinde Greifenstein unterhält seit Mai 2005 ein Trauzimmer auf der Burg.[4]

Bildgalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Ulrich Großmann: Mittel- und Südhessen : Lahntal, Taunus, Rheingau, Wetterau, Frankfurt und Maintal, Kinzig, Vogelsberg, Rhön, Bergstraße und Odenwald. DuMont, Köln 1995, ISBN 3-7701-2957-1 (=DuMont Kunst-Reiseführer), S. 45–48.
  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen: 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Aufl. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 287–288.
  • Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990, S. 148–150, ISBN 3-89214-017-0.
  • Daniel Schneider: Die Städtepolitik der Grafen von Sayn im Spätmittelalter, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 41 (2015), S. 33–49.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burg Greifenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://singalu.com/anno1320.html
  2. Baugeschichtliche Beschreibung der Burg Greifenstein (PDF; 81 kB)
  3. Vgl. Daniel Schneider: Die Städtepolitik der Grafen von Sayn im Spätmittelalter. S. 37–39.
  4. Standesamt der Gemeinde Greifenstein