Burg Heiligenburg

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Heiligenburg
Heiligenberg mit Heiligenburg

Heiligenberg mit Heiligenburg

Entstehungszeit: 12. Jahrhundert
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Ruine
Ständische Stellung: Grafen
Ort: Felsberg-Gensungen
Geographische Lage 51° 7′ 58″ N, 9° 27′ 30″ OKoordinaten: 51° 7′ 58″ N, 9° 27′ 30″ O
Höhe: 393 m ü. NHN
Burg Heiligenburg (Hessen)
Burg Heiligenburg
Ansicht des Turms der teilrestaurierten Ruine Heiligenburg auf dem Heiligenberg

Die Burg Heiligenburg auf dem Heiligenberg ist die Ruine einer Höhenburg bei Felsberg im Schwalm-Eder-Kreis in Nordhessen.

Der 393 m ü. NN hohe Basaltkegel liegt oberhalb des Felsberger Ortsteils Gensungen an der Eder. Der Name des Berges stammt von einer der ältesten Kirchen Hessens. Vom Berg und der Ruine hat man einen herrlichen Rundblick, so dass der Heiligenberg ein beliebtes Ausflugsziel ist. Die Ruine mit Turm ist frei zugänglich.

Die nachweislich älteste bildliche Darstellung der Burg Heiligenberg findet sich in Wigand Gerstenbergs Landeschronik von Thüringen und Hessen.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die vorgeschichtliche Zeit lässt sich eine mögliche Befestigung schon während der Eisenzeit (La Tène B) feststellen. Bei Grabungen wurden u.a. zwei Bügeljochfibeln (La Tène A/B) gefunden, zum anderen konnten Grabungen des Vor- und Frühgeschichtlichen Seminars Marburg eine mögliche Wallstruktur aus dieser Zeit und Keramik aus der fortgeschrittenen Frühlatènezeit (La Tène B) dokumentieren.[1] In der frühchristlichen Zeit existierte auf dem Berg eine Allerheiligenkapelle. Dies wird durch den Fund eines alten Glockenklöppels belegt, der aus der kleinen Kirche stammen könnte.

Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Berg gehörte vor seiner Bebauung den Edlen bzw. Vizegrafen von Felsberg von der nahen Felsburg. Ab dem 12. Jahrhundert stritten die thüringischen bzw. hessischen Landgrafen mit den Mainzer Erzbischöfen um den Besitz des Berges. Erzbischof Konrad I. errichtete in den Jahren 1180 bis 1186 auf dem strategisch günstig gelegenen Basaltkegel eine starke Burg zum Schutz gegen den Landgrafen Ludwig III. Kurz darauf entfachte der Bau erbitterte Kämpfe, denn die Festung lag zwischen Felsberg, Gudensberg, und Melsungen und bedrohte zusammen mit dem stark befestigten Fritzlar, dem Zentrum kurmainzischer Macht in Nordhessen, das geografische Herz der Landgrafschaft Hessen. 1193 wird ein Heinrich von Heiligenberg urkundlich erwähnt, wahrscheinlich ein Abkömmling der Herren von Uttershausen, und von 1196 bis zu ihrem Aussterben 1263 bewohnte die Familie Isfried von Heiligenberg die Burg als Mainzer Burgmannen, mit der Aufgabe, die Festung und Umgebung zu schützen.

Zerstörung, Wiederaufbau, Verfall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Felsberg (Mitte), Heiligenberg (rechts), Kartause Eppenberg (rechts hinten) - Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian dem Jüngeren 1655

1232 eroberte und zerstörte Konrad von Thüringen, der seit 1231 für den Landgrafen von Thüringen die herrschaftlichen Rechte in den hessischen Landesteilen der Ludowinger ausübte, sowohl die Stadt Fritzlar als auch die Burg Heiligenberg. 1247 wurde die Burg durch Mainzer Burgmannen aus Wolfershausen wieder aufgebaut. 1273 zerstörte Landgraf Heinrich I. von Hessen die Burg wiederum. Sie wurde zunächst nicht mehr aufgebaut und blieb in Trümmern liegend ungenutzt.

Erst 1401 bis 1403 wurde eine kleinere Burg von Landgraf Hermann II. gebaut. Diese verfiel, bis 1471 sein Enkel, Landgraf Ludwig II., die Burg dem nahe gelegenen Kartäuserkloster Eppenberg übertrug und die Mönche verpflichtete, in einer auf dem Berg zu errichtenden Kapelle allwöchentlich für sein Seelenheil zu beten. Trotzdem verfielen die Mauern der Burg und schließlich auch die Kapelle. Im 15. Jahrhundert wurde diese Kapelle urkundlich als Bergkapelle erwähnt.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Siebenjährigen Krieg fanden am Heiligenberg mehrere kleine Gefechte statt. Französische Truppen lagerten 1761 sieben Wochen lang auf dem Heiligenberg. Ihre Verbündeten hatten ihr Lager auf der Felsburg aufgeschlagen. Zwei Schanzen am Abhang des Berges erinnern noch an das französische Lager.

Um 1860 begann der Forstmeister Faber mit der Aufforstung des Heiligenbergs. Es wurden eine Schutzhütte und ein Wirtschaftsgebäude errichtet. Zur Erhaltung wurde der so genannte Heiligenbergklub gegründet. 1885 wurde eine größere Schutzhütte gebaut und bald darauf um eine kleine Gaststätte erweitert. Von 1902 bis 1922 stand ein hölzerner Aussichtsturm auf dem Berg. 1934 reifte der Plan, die Ruinenreste auszugraben, und von 1935 bis 1939 wurde der Heiligenberg unter Leitung von Regierungsbaurat Georg Textor ausgegraben und teilrestauriert. Auf Anordnung der Gauleitung wurde der Heiligenberg Gauehrenmal im Gau Kurhessen.

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1952 wurde im Burgtor eine Glocke für die als Folge des Zweiten Weltkriegs Heimatvertriebenen eingeweiht. Von 1956 bis 1960 wurde vom Heiligenbergverein die Restaurierung fortgesetzt. An der Festwiese wurden ein Hotel und Restaurant eingerichtet. 2002 wurde ein Kunstwanderweg Ars Natura mit Werken lokaler Künstler angelegt, der rund um den Heiligenberg führt. Einmal jährlich findet auf der Heiligenburg ein Rockfestival statt.

Literarische Erwähnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schriftsteller Heinrich Ruppel dichtete über den Heiligenberg:

„Der Mader Stein ist nur ein Zwerg gemessen an dem Heil`genberg.“

– Aus: Heinrich Ruppel, Humor in der Schule, A. Bernecker Verlag, Melsungen, 1983, 3.Auflage

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Auflage. Wartberg-Verlag. Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6 S. 80f.
  • Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990, S. 113, ISBN 3-89214-017-0
  • Heinrich Ruppel, Humor in der Schule, A. Bernecker Verlag, Melsungen, 1983, 3.Auflage

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burg Heiligenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uni-marburg.de/fb06/vfg/forschung/eisenzeit