Burg Kalsmunt

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Reichsburg Kalsmunt
Reste der Reichsburg Kalsmunt

Reste der Reichsburg Kalsmunt

Alternativname(n): Carols Mons, Carlmund oder Carlmont
Entstehungszeit: event. schon frührömischer Ursprung oder um 785, Karl der Große; ausgebaut durch Friedrich Barbarossa um 1180
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Bergfried, Reste von Torturm und Wohngebäuden
Ständische Stellung: Kaiser, Könige, Adlige
Bauweise: Mauerstärke des Bergfried bis zu 3 Meter
Ort: Wetzlar
Geographische Lage 50° 32′ 57,7″ N, 8° 29′ 44″ O50.5493611111118.4955555555556256Koordinaten: 50° 32′ 57,7″ N, 8° 29′ 44″ O
Höhe: 256 m ü. NN
Burg Kalsmunt (Hessen)
Burg Kalsmunt

Die Ruine der Höhenburg Kalsmunt, einer alten Reichsburg, ist noch heute auf einem 256 m hohen Basaltkegel über der Stadt Wetzlar in Hessen zu sehen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die alte Reichsburg Kalsmunt: Nach Karl Metz[1] soll diese Burg/Schloss bereits eine frühe römische Gründung sein. Für Zedler [2] hat dieses Schloss Karl der Große um das Jahr 785 erbaut, um die demnach bereits bestehende Stadt dadurch besser im Zaume halten zu können. Sie soll von ihm Carols Mons (Carlmund oder Carlmont) genannt worden sein. Auf der Reichsburg Kalsmunt wurden die kaiserlichen Münzen für Wetzlar geprägt.

Innere Toranlage (Aufgang)
Innere Toranlage (Hofseite)
Nahaufnahme der Reichsburg-Ruine

Die Erklärung von J. P. Chelius aus dem Jahr 1664 ist bisher nicht widerlegt, der den Namen von „Carolus mons“ ableiten will und annimmt, Kaiser Karl der Große habe den Turm um 800 erbauen lassen.

Die Reichsburg wurde um 1180 von Friedrich Barbarossa über Wetzlar ausgebaut, um sie die Stadt und die Stellung der Reichsvogtei zu schützen und um die umliegende Wetterau als Reichsland zu sichern.

Der Kalsmunt war Reichsmünzstätte, doch ist kein Prägejahr bekannt. Ein unter Friedrich Barbarossa geschlagener Denar zeigt einen auf einem Faltstuhl thronenden Gekrönten mit einem Lilienszepter und Palmzweig und der Umschrift: Calsmund. Die Münzstätte lag wohl kaum auf dem Kalsmunt, sondern in der Handelsstadt Wetzlar, und ihr Entstehen kann auf etwa 1160 angesetzt werden; ein Arnoldus monetarius ist in Wetzlar seit 1241 nachweisbar.

1226 wird erstmals mit einem Winterus von Kalsmunt auch eine Person erwähnt, die den Namen trägt.

1252 wird die Burg zur Befestigung ausgebaut. Eine Reihe von Burgmannen wird urkundlich genannt. Im Jahr 1257 wird die Stadtbefestigung Wetzlars urkundlich bestätigt.

Im Jahr 1284 tritt Tile Kolup als Kaiser Friedrich II. auf. Die Bevölkerung glaubt ihm zunächst, aber bald siegt das Misstrauen und er wird auf dem Kalsmunt zunächst inhaftiert und verhört. Am 7. Juli 1285 wird er schließlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Am 28. Juni 1285 wird eine Vereinbarung zwischen den Burgleuten und der Stadt Wetzlar getroffen, keine Feinde der Stadt in der Burg aufzunehmen. Hintergrund der Vereinbarung ist der Streit der Stadt mit dem römischen König, in welchem sich die Burg unparteiisch hält. Die Burg wird nie angegriffen.

König Rudolf von Habsburg bestellte Graf Adolf von Nassau im Jahr 1286 zum Burghauptmann auf der Burg Kalsmunt. Adolf behielt das Amt bis er selbst zum König des Römisch-Deutschen Reich gewählt wurde. Bereits 1292 übertrug er das Amt des Burghauptmann an Gottfried von Merenberg.[3]

Die Herren von Merenberg waren im Gebiet um Burg Gleiberg reich begütert. Nach dem Tod Hartrad VI. von Merenberg kam die Herrschaft Merenberg, und mit ihr die Burghauptmannschaft des Kalsmunt, an das Haus Nassau-Weilburg. Diese setzten die Burghauptmannschaft mehrfach als Pfandobjekt ein.

Um 1500 hat die Burg keine militärische Bedeutung mehr, als Reichslehen ist die Befestigung völlig im Besitz der Herren von Haus Nassau-Weilburg. Graf Philipp III. von Nassau-Weilburg übergab die Vogtei Wetzlar und die Burg Kalsmunt 1536 an Philipp den Großmütigen. Der Landgraf von Hessen wurde Burghauptmann der Burg. Dieses war Teil eines umfangreichen Gebietstausches.[4]

1609 lässt der Landgraf von Hessen den Bestand der Ruine aufnehmen und vermessen. Der älteste Grundriss des Kalsmunt wird gezeichnet.

Im Jahr 1740 erlebt die Burg noch einmal eine Renaissance, da ein Ausbau zur Festung geplant wird. Dieser scheitert dann aber aus Kostengründen.

Seit 1803 ist die Burg im Besitz der Stadt Wetzlar.

1836 ließ der „Wetzlarische Verein für Geschichte und Altertumskunde“ unter seinem Vorsitzenden Paul Wigand den ebenerdigen Eingang in die drei Meter dicke Mauer des Bergfrieds brechen. Der Zugang erfolgte zuvor im ersten Stock über ein Turmaufgangsgebäude.

Das Stadtbauamt Wetzlar veranlasst 1928 Grabungen, über die Carl Metz in Lieb Heimatland, 1928, Nr. 27 und 28 berichtet. 2014 möchte der www.foerderverein-kalsmunt.de umfangreiche archäologische Forschungsarbeiten rund um den Kalmunt beginnen.[5]

Namensherkunft[Bearbeiten]

Die heutige Benennung wird folgendermaßen gedeutet: Kals- = Karls und -munt = Vasall, d. h. ein Lehensmann des Fränkischen Hofes. Zedler schreibt: Karl der Große nannte es Carols Mons, Carlmund oder Carlmont. Andere Quellen halten den Namen für vorgermanisch oder keltisch wie: The name Kalsmunt is of Celtic origin and means “barren hill”, mit der Bedeutung nutzlos/fruchtlos/unfruchtbarer Hügel. Der mit dem altdeutschen Wort munt = Vasall oder Schutz zusammengesetzte Name lässt wohl als ursprüngliche Aufgabe der Burg den Schutz des Wetzlarer Königsgutes vermuten.

Geschlecht Kalsmunt[Bearbeiten]

Auch Calsmunt, Calsmund und Marburg-Kalsmunt.

1226 wird erstmals ein Winterus von Kalsmunt erwähnt. Conrad von Calsmunt wurde als Sohn des Winters von Calsmunt, Burggraf zu Friedberg und der Mathildis von Krüfftel auf Burg Calsmunt geboren. Er gehörte von 1250 bis 1300 zur Ritterschaft des silbernen Kreuzes.

Marburg-Kalsmunt: Ihr Sitz war die Reichsburg in/bei Wetzlar, dem Domberg gegenüber, heute Ruine. Schon um 1200 hatte ein v. Marburg-Kalsmunt eine Merenberg zur Frau. Zeitweise waren die v. K. Fulder Lehnsleute. 1318 hatten sie einen Burgsitz in Marburg. 1280 in Ginseldorf Güter und die Fischerei und 1325 den Zehnten.

Wappen: Dasselbe wie die v. Bicken, mit denen sie eines Stammes waren.

Literatur[Bearbeiten]

  • Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste ... Von Johann Heinrich Zedler, Johann Peter von Ludewig und Carl Günther Ludovici. S. 1451–1478.
  • Karl Metz: Der Kalsmunt, Früh- und spätrömische Forschung über die Aliso - Halisin - Solisin und den Ursprung der Stadt Wetzlar. Druck und Verlag: Schnitzlersche Buchdruckerei und Buchhandlung, 1940 Wetzlar.
  • Herbert Flender: Die Reichsburg Kalsmunt, in: Leitz objektiv. Werkzeitung für die Mitarbeiter der Ernst-Leitz Wetzlar GmbH, Jahrgang 1980, Heft 3/4, wiederabgedruckt in: Flender, Herbert, Vom historischen Erbe der Stadt Wetzlar, Wetzlar, 2¸1993, S. 137–146. (= Schriften zur Stadtgeschichte, Sonderheft).
  • Friederun Friedrichs: Burgen und Städte als politisch-wirtschaftliche Kristallisationspunkte der staufischen Wetterau, in: Wetterauer Geschichtsblätter 16, 1967, S. 19–49.
  • Wolfgang Hess: Städtegründungen und Anfänge der Münzprägung in der staufischen Wetterau, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 117, 1981, S. 97–111 (= Der Reichstag von Gelnhausen. Ein Markstein in der deutschen Geschichte 1180-1980, hg. von Hans Patze, Marburg/Köln 1981, S. 97–111).
  • August Schoenwerk: Die Reichsburg Kalsmunt bei Wetzlar und ihre Burgmannen (Hrsg. von Heinz F. Friederichs), Frankfurt am Main 1962 (= Forschungen z. hessischen Familien- u. Heimatkunde, 35).
  • Christian Spielmann: Geschichte der Stadt und Herrschaft Weilburg. Stadt Weilburg 1896 (Neuauflage 2005)
  • Alexander Thon, Stefan Ulrich, Jens Friedhoff: „Mit starken eisernen Ketten und Riegeln beschlossen ...“. Burgen an der Lahn. Schnell & Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-2000-0, S. 78–81.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burg Kalsmunt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl Metz: Der Kalsmunt, Früh- und spätrömische Forschung über Aliso - Halisin _ Solisin und den Ursprung der Stadt Wetzlar; Stadt Wetzlar, 1940
  2. [1].(Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste ... Von Johann Heinrich Zedler, Johann Peter von Ludewig und Carl Günther Ludovici. S. 1451–1478, hier S. 1477)
  3. Spielmann: Geschichte der Stadt und Herrschaft Weilburg; Stadt Weilburg, 1896 (Neuauflage 2005) S. 35–55
  4. Spielmann: Geschichte der Stadt und Herrschaft Weilburg; Stadt Weilburg, 1896 (Neuauflage 2005) S. 86
  5. http://www.mittelhessen.de/lokales/region-wetzlar_artikel,-Ende-Maerz-wird-gegraben-_arid,251888.html