Burg Kronberg

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Burg Kronberg
Die Burg über der Altstadt von Kronberg

Die Burg über der Altstadt von Kronberg

Entstehungszeit: vermutlich ab Mitte des 12. Jh.
Burgentyp: Höhenburg, Felslage
Erhaltungszustand: Erhalten oder wesentliche Teile erhalten
Ständische Stellung: Freiadlige
Ort: Kronberg im Taunus
Geographische Lage 50° 10′ 51,6″ N, 8° 30′ 23,8″ OKoordinaten: 50° 10′ 51,6″ N, 8° 30′ 23,8″ O
Höhe: 285 m ü. NHN
Burg Kronberg (Hessen)
Burg Kronberg

Die Burg Kronberg ist eine Felsenburg in Kronberg im Taunus, einer Stadt im Hochtaunuskreis (Hessen). Sie besteht aus einer Oberburg aus der Stauferzeit des Hochmittelalters sowie einer spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Mittelburg, die eher Schlosscharakter hat und bis zum Bau des nahe gelegenen Schlosses Friedrichshof (1894) von den Kronbergern „das Schloss“ genannt wurde.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anlage wurde auf einem knapp 285 m ü. NN hohen Sporn des Altkönigs am Südhang des Taunus errichtet und wurde Namensgeber sowohl für das ehemalige Rittergeschlecht, als auch für die unterhalb der Burg entstandene Stadt Kronberg. Sie erlaubt eine Fernsicht über Frankfurt und die Rhein-Main-Ebene bis zum Odenwald und Spessart, auf der Rückseite auch auf den Altkönig und zum Schloss Friedrichshof. Touristisch ist sie in den 3-Burgen-Weg KönigsteinFalkenstein–Kronberg des Taunusklubs e.V. eingebunden.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der staufischen Burggründung bis zum Erlöschen der Herren von Kronberg 1704[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung geht vermutlich auf die Spätzeit Kaiser Konrads III. oder die Frühzeit Friedrichs I. (Kaiser Barbarossa) in der Mitte des 12. Jahrhunderts zurück, als Ministeriale von Eschborn im Auftrag des Kaisers auf Krongut eine Anlage, vermutlich zunächst in Holzbauweise, errichteten, die als Schutz für die Stadt Frankfurt mit der damaligen Königspfalz und auch für die Region dienen sollte. Die heute sichtbaren Bauwerke entstanden überwiegend in der Zeit von 1170 bis 1505, allerdings mit Ergänzungen im Rahmen zweier großer Restaurierungsphasen um und nach 1900 sowie nach 2000.

Der älteste erhaltene Steinbau ist vielleicht der schätzungsweise um 1170 erbaute Fünfeckturm, vermutlich ein ehemals deutlich höherer Wohnturm, der in späterer Zeit (wohl um 1500) in eine im Inneren viereckige und mit Schutzgewölbe versehene Kasematte umgewandelt worden ist. Ähnlich alt ist die Torkapelle, die den Eingangsbereich in die Oberburg repräsentiert. An deren Eingangsbogen erkennt man einen für die damalige romanische Bauphase charakteristischen Zweifarbenwechsel von weißem Kalkstein und schwarzem Lungstein (eine Basaltform). Der heute rund 43 m hohe „Freiturm“ wurde als Bergfried wohl erst um 1200 erbaut; sein sich bis 13 m Höhe (beim kleinen Mauerwerkrücksprung) erstreckender Basissockel datiert noch von damals. Der Turm hat eine Grundfläche von 8,4 mal 8,4 Meter und einen benutzbaren Hocheingang in 7 Meter Höhe. Seine heutige Gesamthöhe und Form erhielt der Turm wohl um 1500 zusammen mit einer Innenverstärkung und dem Bau von Bollwerken an der Nord- und Westseite der Burg, alles Reaktionen auf die wirksamer werdenden Angriffswaffen damaliger Feinde. Im oberen Teil des Sockels wohnte und wachte bis 1839 ein Türmer. Die Wendeltreppe wurde erst Ende 1891 durch den Taunusclub eingebaut; zuvor waren Turm und Türmerwohnung nur über Leitern und Zwischenböden besteigbar.[2] An Mauerabsätzen der Oberburganlage sind neben den genannten drei Gebäuden auch die Orte früherer Anbauten von Wohnhäusern, darunter des Palas direkt am Freiturm, erkennbar. Ferner findet sich in einer Ecke der ehemalige Burgbrunnen. Der Zugang zur Oberburg war ehemals anders und führte sicher nicht über die heutige Treppe.

Die erste schriftliche Nennung derer von Kronberg, wie sich die Dienstmannen aus Eschborn wohl ab etwa Anfang des 13. Jahrhunderts nannten, stammt von 1230. Die Burganlage war zu Lehen gegeben worden und verblieb der Familie, solange männliche Erben auftraten. Durch den gemeinsamen Besitz über verschiedene Familien und Einzelpersonen repräsentierte die Anlage eine Ganerbenburg. Sie umfasste früh auch weitere Burgteile: So bewohnten die im 14. Jahrhundert abzweigenden Familienlinien des Ohrenstamms (ausgestorben 1461) und des Flügelstamms (ausgestorben 1617) Häuser der „Unterburg“ in der Nähe des heutigen Burgtors, während der bis 1704 überlebende Kronenstamm im Prinzip die Mittelburg bewohnte. Die Häuser der Unterburg wurden nach dem Aussterben der entsprechenden Linien abgerissen und sind nur noch in Resten und im Kellerbereich vorhanden. Auch die nahe dem Burgtor befindliche (1342 geweihte, 1943 aber weitgehend zerstörte) Burgkapelle gehört zur Anlage, ist allerdings, da dem Haus Hessen als Begräbnisstätte verblieben, nicht öffentlich zugänglich. Auf der Burganlage waren seit der Gründung wohl auch viele Holzhäuser, deren Reste aber nicht mehr nachweisbar sind. Zur Stadt existierten (nicht mehr zugängliche) unterirdische Verbindungsgänge. Wohl ab dem 15. Jahrhundert siedelten sich manche Kronberger Ritter auf herrschaftlichen Gütern innerhalb der Stadt Kronberg an, so auf der Westerburg und auf dem Hellhof.

Der Bau der Mittelburg wurde Anfang des 14. Jahrhunderts begonnen und erlangte seine ungefähre heutige über Eck gebaute Form kurz nach 1500. Der Westflügel wurde schon etwa um 1320 errichtet und weist etliche gotische Bauelemente auf, der Nordflügel wurde zwischen 1500 und 1505 und an der Stelle eines Vorgängerbaus errichtet. Die beiden Flügel sind lange Zeit auch „Altes Schloss“ und „Neues Schloss“ bzw. (aufgrund einer heute als unrichtig angesehenen Zuordnung) als "Kronenstammhaus" und "Flügelstammhaus" bezeichnet worden. An diese durchaus schlossähnliche Gebäudeanlage ist der (ursprünglich niedrigere) Fahnenturm angebaut, ebenso ein Treppenhaus angesetzt. Letzteres hat auch einen Zugang zum erst um 1900 erbauten (frei rekonstruierten) Wehrgang mit Prinzenturm. Der Nordflügel enthält eine eindrückliche Schlossküche mit großer Esse und mit eigenem Küchenbrunnen. Die Höhe der Schildmauer beträgt 12,5 Meter.[3] Im 17. Jahrhundert wurden die ehemaligen Treppengiebel, wie sie auch noch auf alten Stichen zu sehen sind, durch die jetzigen Schweifgiebel ersetzt.

Nach 1505 erfolgten nur noch wenige Veränderungen durch die Herren von Kronberg. Sie lebten seit etwa dem 30-jährigen Krieg, als nur noch der Kronenstamm übrig geblieben war, überwiegend auf anderen Besitzungen, darunter in Böhmen. 1704 starb der letzte männliche Nachfahre kinderlos auf Burg Hohlenfels im Hintertaunus. Teile der Burganlage verfielen allmählich, wurden abgerissen oder zweckentfremdet.

Nutzung und Restaurierung in späterer Zeit: 1704–1992[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg kam 1704 an das Kurfürstentum Mainz, zu dem bereits seit Jahrhunderten vielfache Beziehungen bestanden. Der kurmainzische Amtmann nahm für einige Zeit seinen Amtssitz in der Mittelburg. Teile der Gebäude wurden nun als katholische Schule genutzt. Im 18. Jahrhundert dürfte der Eibenhain am Nordabhang angelegt worden sein, der später verwildert ist, heute aber, nach pflegerischen Maßnahmen, einen eindrücklichen kleinen Eibenwald bildet. Während der napoleonischen Kriege wurde die Burg von französischen Truppen besetzt, verändert und beschädigt; der Fahnenturm wurde im unteren Teil als Gefängnis, die Kapelle zeitweise als Pferdestall genutzt. Ab 1802/03 kamen Stadt und Burg zu Nassau-Usingen bzw. ab 1806 zum Herzogtum Nassau. 1866 wurden Burg und Stadt von Preußen übernommen.

Alle verbliebenen Burggebäude waren inzwischen stark baufällig, teilweise einsturzgefährdet und ohne Fenster und Türen. Die Gesamtanlage wurde jedoch von Preußen als erhaltenswertes Gut taxiert, das in hervorragender Weise verschiedene Baustile seit der Romanik nebeneinander zeigte. Victoria von Großbritannien und Irland, die Gattin des späteren Kaisers Friedrich III. und Mutter des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II., ließ die Anlage Ende des 19. Jahrhunderts, nachdem sie ihren Witwensitz im heutigen Bad Homburg eingenommen hatte, durch den renommierten Architekten und Baurat Louis Jacobi unter Angleichung an den früheren Bauzustand restaurieren und als Museumsanlage konzipieren. Aus Potsdam brachte sie eine große Waffensammlung mit und organisierte durch Zukauf eine insgesamt reichhaltige Innenausstattung, die an den ungefähren Zustand der frühen Neuzeit erinnern sollte. Hierzu gehörten neben den Waffen viele Möbel und andere Gegenstände aus etwa dem 16. bis 19. Jahrhundert. Nach ihrem Tod (1901) wurden die Arbeiten von ihrem Schwiegersohn Friedrich Karl von Hessen-Kassel-Rumpenheim fortgesetzt.

Während vieles durchaus auch gemäß heutigen Ansprüchen professionell und in Anlehnung an den vermuteten Zustand des 16. Jahrhunderts restauriert wurde, sind andere Partien frei ergänzt worden, darunter der Einbau verschiedener Öfen (es gab ehemals lediglich die eingebauten Kamine) sowie im äußeren Anbau der 1911 fertig gestellte Wehrgang mit Prinzenturm, dessen Tor aus Frankfurt-Praunheim stammt.[4] Manche Ausstattungen, etwa rekonstruierte Malereien und Inschriften im Wappensaal des Westflügels, weisen auch Merkmale des Historismus und Jugendstils auf. Auch der Kamin des Terracottasaals ist neoromanisch. Am 25. Mai 1912 wurde die Burg als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, das Hauptgebäude am 1. Juni 1913.[5] Durch die beiden Weltkriege, Besetzungen und fehlende Aufsicht während der Wirrnisse kamen viele Gegenstände in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder abhanden, andere wurden weggebracht oder verkauft.

Situation, Nutzung und Neueinrichtung seit 1992[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1992 erwarb die Stadt Kronberg die Burg, allerdings praktisch ohne Inventar, aus dem Besitz der Hessischen Hausstiftung; 1994 wurde in Kronberg die Stiftung „Burg Kronberg im Taunus“ gegründet. Daraufhin wurde 2001–2002 zunächst die Oberburg, danach bis zunächst 2004 die Mittelburg grundsaniert. 2012 bis 2017 erfolgten aufwändige weitere Restaurierungen und Sanierungen des Westflügels, welche insbesondere durch eine private Großspende in Höhe von 2 Millionen Euro ermöglicht wurde.[6] Aus Gründen der Betriebssicherheit und eines erleichterten Zugangs zu den Obergeschossen wurde im hinteren und von vorne nicht einsehbaren Teil eine moderne Treppen- und Liftanlage angebaut. 2016 wurde der Wappensaal im 1. Obergeschoß des Westflügels mit den 1899 durchgeführten Restaurierungen und auch Ergänzungen der Wappen sowie mit bildlichen und inschriftlichen Ergänzungen (wo nicht original erhalten) der Öffentlichkeit übergeben.[7] Einige weitere Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten sind derzeit im Gange, einige Bereiche daher noch nicht zugänglich (z.B. ein Teil der Gartenanlage).

Inzwischen wird die Burganlage für museale Führungen und Besichtigungen sowie auch für kulturelle und private Veranstaltungen genutzt. Besucher können sie nur zu den offiziellen Öffnungszeiten (gegen eine Gebühr, die dem Unterhalt dient) betreten. Die gärtnerische Pflege und die Führungen in der Burganlage werden weitgehend ehrenamtlich durch Mitglieder des Burgvereins Kronberg e.V. durchgeführt. Diese bedienen auch das im Eingangsbereich zur Burg eingerichtete Stadtmuseum, das bei freiem Eintritt einen anschaulichen Überblick über die Geschichte der Stadt Kronberg bietet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sofie Bauer: Burg Kronberg. Verlag Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1993; ISBN 3-7686-6039-9
  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen: 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Aufl. Wartberg-Verlag. Gudensberg-Gleichen 2000. ISBN 3-86134-228-6, S. 468.
  • Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990, ISBN 3-89214-017-0, S. 223f.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burg Kronberg – Sammlung von Bildern
 Commons: Burgmuseum Kronberg – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 3-Burgen-Weg Königstein – Falkenstein – Kronberg bei taunusklub.de
  2. G. Strickhausen & N. Strickhausen-Boden: Burg Kronberg, DRV-Kunstführer 671, München 2011, ISBN 978-3-422-02324-6.
  3. Eintrag zu Burg Kronberg in der privaten Datenbank „Alle Burgen“
  4. Alfred Hansmann: 1200 Jahre Praunheim. Eine Reise in Praunheims Vergangenheit. Frankfurt-Praunheim 2004: Vereinsring Praunheim. ISBN 3-00-013189-2, Seite 61
  5. Leitartikel Cronberger Anzeiger vom 25. Mai 1912
  6. Flügelstammhaus braucht einen neuen Namen in FAZ vom 9. Mai 2012, Seite 41
  7. Schon Kaiserin Friedrich ließ den Saal auf alt trimmen in FAZ vom 13. Juni 2016, Seite 42