Burg Kronberg

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Burg Kronberg
Die Burganlage über der Altstadt von Kronberg

Die Burganlage über der Altstadt von Kronberg

Entstehungszeit: ca. 1170 bis 1505, mit späteren Modifik./Ergänz.
Burgentyp: Höhenburg, Felslage
Erhaltungszustand: Wesentliche Teile erhalten
Ständische Stellung: Freiadlige
Ort: Kronberg im Taunus
Geographische Lage 50° 10′ 51,6″ N, 8° 30′ 23,8″ OKoordinaten: 50° 10′ 51,6″ N, 8° 30′ 23,8″ O
Höhe: 285 m ü. NHN
Burg Kronberg (Hessen)
Burg Kronberg

Die Burg Kronberg ist eine Burganlage in Kronberg im Taunus, einer Stadt im Hochtaunuskreis in Hessen. Sie besteht aus einer hochmittelalterlichen Oberburg der Stauferzeit sowie einer spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Mittelburg, die eher Schlosscharakter hat und bis zum Bau des nahe gelegenen Schlosses Friedrichshof (1894) von den Kronbergern „das Schloss“ genannt wurde.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anlage wurde auf einem ca. 285 m ü. NN liegenden Sporn des Altkönigs am Südhang des Taunus errichtet und wurde Namensgeber sowohl für das ehemalige Rittergeschlecht, als auch für die unterhalb der Burg entstandene Stadt Kronberg. Die Fernsicht nach Süden reicht über das Rhein-Main-Gebiet vom Spessart über Frankfurt am Main, den Odenwald, die Oberrheinische Tiefebene bis zum Donnersberg in der Pfalz. Im Norden schaut man auf die Taunushöhen mit der Burgruine Falkenstein, dem Altkönig und Schloss Friedrichshof.

Touristisch ist sie in den 3-Burgen-Weg KönigsteinFalkenstein–Kronberg des Taunusklubs e.V. eingebunden.[1]

Überblick zur Bau- und Familiengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung der heutigen Oberburg geht auf die Spätzeit Kaiser Konrads III. oder die Frühzeit Friedrichs I. (Kaiser Barbarossa) in der Mitte oder zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts zurück. Damals errichteten Ministeriale von Eschborn im Auftrag des Kaisers auf Krongut die Anlage, vielleicht in einer ersten Phase noch in Holzbauweise. Als relativ gesichert gilt, dass bald nach 1170 die drei Türme der Oberburg errichtet wurden, danach erst die verbindenden Mauern zwischen den Türmen. Parallel dazu dürften im unmittelbaren Umfeld auch Siedlungen in Holzbauweise für Bedienstete und Handwerker entstanden sein, insbesondere im Bereich der heutigen Mittelburg; entsprechende Reste sind allerdings nicht bekannt.

Als Anlass für den Bau werden unterschiedliche Beweggründe angenommen: 1) Die Anlage mag als Teil eines Burgen-Schutzkreises um das Krongut Wetterau (zusammen mit Burg Münzenberg und der Ronneburg) errichtet worden sein. 2) Sie mag als Schutz der Reichsstadt Frankfurt mit der damaligen Königspfalz gebaut worden sein. 3) Sie mag als zusätzlicher Schutz (neben der Burg Königstein) für die in Sichtweite vorbeiführende Handelsstraße Frankfurt–Köln errichtet worden sein.

Burgeingangstor, rechts Kassenhaus, links hinten Burgkapelle, im Hintergrund Prinzenturm
Die 18.11.1943 zerstörte und nur teilweise wieder aufgebaute Burgkapelle aus dem 14. Jh.

Die erste schriftliche Nennung derer von Kronberg (ehemals Cronberg, Cronbergk oder auch Cronenberg geschrieben), wie sich die Dienstmannen aus Eschborn ab Anfang des 13. Jahrhunderts nannten, stammt von 1230. Die Burganlage wurde ab jetzt auch fest zu Lehen gegeben und sollte der Familie gehören, solange männliche Erben zu verzeichnen waren. Durch den gemeinsamen Besitz über verschiedene Familienzweige und Einzelpersonen repräsentierte die Anlage eine Ganerbenburg. Sie umfasste früh auch weitere Burgteile: So bewohnten die im 14. Jahrhundert abzweigenden Familienlinien des Ohrenstamms (ausgestorben 1461) und des Flügelstamms (ausgestorben 1617) Häuser der „Unterburg“ direkt neben Burgtor und Burgkapelle, während der bis 1704 überlebende Kronenstamm die Mittelburg bewohnte. Die Häuser der Unterburg wurden wohl in den Jahrzehnten nach dem Aussterben des Flügelstammes (1617) abgerissen und sind nur in Resten im ehemaligen Kellerbereich erkennbar. Das jetzige Burgtor entstand in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts anstelle eines früheren Tores, das wohl an anderer Stelle war. Sein Obergeschoss diente dem Pförtner als Wohnung. Die heutigen eichernen Torflügel stammen allerdings aus der Restaurierungszeit um 1900. Die an das Burgtor anschließende Burgkapelle wurde 1342 geweiht. Sie wurde 1943 durch Bombenabwurf zerstört und danach nur vereinfacht wieder aufgebaut. Da sie seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und auch heute noch dem Haus Hessen als Familien-Begräbnisstätte dient, ist sie nicht öffentlich zugänglich. Unterirdisch zur Stadt hin wurden (heute zugeschüttete) Verbindungsgänge von der Burg aus angelegt. Wohl ab dem 15. Jahrhundert siedelten sich manche der herrschaftlichen Familien auf Gütern innerhalb der Stadt Kronberg an, so auf dem Hellhof und auf der Westerburg, die auch noch in Resten im Stadtbild erkennbar sind. Daneben entstanden auch weit entfernte Besitzungen bis nach Böhmen.

Die Herren von Kronberg und ihre Familien entwickelten vielfache verwandtschaftliche und berufliche Verflechtungen mit anderen Herrschaftsfamilien und -einrichtungen. Ein Grund dafür dürfte gewesen sein, dass das Reichslehen Kronberg, einer der kleinsten Bestandteile des Heiligen Römischen Reiches, nicht ausreichte, um die Familien derer von Kronberg zu versorgen. Daher verdingten sie sich vielfach bei benachbarten Territorialherren, so in der Kurpfalz und im Erzbistum Mainz. Ihr Lebensmittelpunkt war dadurch vielfach nicht mehr die Burg Kronberg selber, doch diente diese weiter als Identifikationspunkt für das Geschlecht.

Die heute noch sichtbaren Bauwerke der Burganlage entstanden überwiegend in der Zeit von 1170 bis 1505, allerdings mit Ergänzungen im Rahmen dreier größerer Umbau- und Restaurierungsphasen

  1. Anfang des 17. Jahrhunderts mit einem Umbau der Mittelburg und deren Giebel; Abriss der Unterburg;
  2. um 1875 bis 1912 durch den Taunusklub mit verbesserter Zugänglichkeit zur Oberburg sowie durch Kaiserin Victoria, der Gattin von Kaiser Friedrich III., die sich nach dem Tod ihres Gatten Kaiserin Friedrich nannte, und danach durch ihren Schwiegersohn (Friedrich Karl von Hessen) mit vielfältiger Sanierung und Ergänzungen der Mittelburganlage;
  3. nach 2000, als die gesamte Anlage einer erneuten Sanierung, Restaurierung und Anpassung an Besucherströme und neue Nutzungen unterworfen wurde. Die Sanierungen sind teilweise noch im Gange.
Mauer der Oberburg mit Kapellenturm-Rest, links nach oben führend heutige Zugangstreppe, rechts Teil des Freiturms

Die Oberburg der Stauferzeit (ab ca. 1170)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die noch heute prominent aufragenden drei turmartigen Bauten der Oberburg wurden wohl in der Zeit um 1170 bis 1200 erbaut, wobei die beiden niedrigeren Türme ehemals wohl höher, der hohe Turm hingegen damals niedriger war. Der heutige Zugang zur Oberburg erfolgt über eine Steintreppe, die von der Ebene der Mittelburg aus hoch führt und durch den Taunusklub am Ende des 19. Jahrhunderts angelegt worden ist. Am Torturm erkennt man einen für die romanische Bauphase charakteristischen Rundbogen aus weißem Kalkstein und schwarzem Lungstein (einer Basaltform). Seine kleine Treppe zum Hof wurde errichtet, um bequem auf das Niveau des über die Jahrhunderte durch Schutt und Abfall angehobenen Innenhof-Niveaus zu gelangen. Der Torturm wird wegen der Torkapelle im Obergeschoss auch Kapellenturm genannt. Der (öffentlich nicht zugängliche) Kapellenraum enthält einen kleinen Chor mit zwei Sakramentsnischen, der vom Burghof aus als gerundeter Erker erkennbar ist.

Einen ungewöhnlichen Umriss hat der Fünfeckturm im hinteren Bereich der Oberburg, vermutlich ein ehemaliger Wohnturm mit heute nicht mehr erkennbaren Eingang in mittlerer Höhe. Er ist wohl gegen 1500 in eine im Inneren viereckige und mit Schutzgewölbe versehene Kasematte umgewandelt worden und erhielt die wehrtechnisch seltenen Schlitzmaulscharten[2]. Der heutige Eingang in den Fünfeckturm ist durch Verwendung eines Grenzsteins als Türsturz um 1900 erstellt worden, hatte an dieser Stelle aber wohl schon zuvor einen Behelfseingang erhalten, um unter anderem als Lager oder Stall für den Türmer zu dienen. Der heutige Fußboden ist neuen Datums. Die im Innern aufgestellten fünf Holzstelen und Holzsitze wurden 2018 aus einer im Jahr zuvor umgestürzten Buche geschnitzt.

Der „Freiturm“ der Oberburg, dessen ungefähre heutige Form er um 1500 erhielt

Schließlich ist auch der bis zu zwei Dritteln besteigbare rund 43 m hohe Freiturm als Bergfried in der Zeit um 1175 bis 1200 erbaut worden; sein sich im unteren Drittel (bis zum kleinen Mauerwerkrücksprung) erstreckende Basissockel weist wohl auf den ehemaligen Abschluss hin. Der Turm hat eine Grundfläche von 8,4 mal 8,4 Meter und einen Hocheingang auf der Burginnenseite in (heute) 7 Meter Höhe. Seine heutige Höhe und Form erhielt er wohl um 1500 zusammen mit einer Innenverstärkung und dem Bau von zusätzlichen Bollwerken an der Nord- und Westseite der Burganlage, alles Maßnahmen zum Schutz gegen wirksamer werdende Angriffswaffen. Die heutige Wendeltreppe im Turminnern wurde erst um 1875 durch den Taunusklub eingebaut[3]. Zuvor waren Turm und Türmerwohnung vermutlich nur über steile, aber massive Treppen besteigbar.[4] Im öffentlich nicht zugänglichen oberen schmalen Turmteil wohnte und wachte bis 1839 ein Türmer mit Familie.

Neben den drei heute noch sichtbaren Gebäuden sind an Mauerabsätzen der Oberburganlage auch die mutmaßlichen Orte früherer Anbauten erkennbar. Einen eigentlichen repräsentativen Palas hatte die Burg aber wohl nicht. In einer Ecke in Richtung Mittelburg findet sich der Sockel eines kleines Rundbaus, der als Rest eines Turmes gedeutet wird.

Westflügel mit Standerker, vorne der Schlossgarten ("Prinzengarten" mit "Prinzenturm" von 1915)

Die Mittelburg des 14. bis 17. Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Westflügel der Mittelburg sowie der angebaute mächtige Fahnenturm gehen in der Anlage auf die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts zurück und weisen etliche gotische Bauelemente auf. Der vom Schlosseingang rechts stehende Nordflügel wurde hingegen erst um 1505 und im Stil der Renaissance-Zeit an der Stelle eines Vorgängerbaus, errichtet. Ein ca. 70 cm tiefer gelegene Fundament des Vorgängerbaus ist im Hausinnern im Küchenbereich sichtbar gemacht worden. Durch die Kombination des West- und Nordflügels erlangte die Mittelburg die heutige über Eck gebaute Form. Die beiden Gebäudeflügel wurden seit dem Bau von Schloss Friedrichshof gemeinsam als „Altes Schloss“ bezeichnet. Die zeitweise verwendeten Bezeichnungen „Kronenstammhaus“ und „Flügelstammhaus“ für West- und Nordflügel werden heute als eine irrtümliche Familienstamm-Zuordnung betrachtet und nicht mehr verwendet.

Der Westflügel war ehemals wohl stärker in Einzelräume unterteilt als heute, enthielt aber durchaus auch schon repräsentative Großräume. An der Südwand wurde Anfang des 16. Jahrhunderts außen ein zweigeschossiger Standerker angebaut. Der Fahnenturm in der Ecke der Gesamtanlage geht in seinen Anfängen wohl ins 13. Jahrhundert zurück. Er war ehemals niedriger und oben flach und mit Zinnen besetzt. Seine zwei hoch angebrachten und zum Hof weisenden Erkeranbauten wurden im 15. Jahrhundert angesetzt, die hinteren zwei Erkeranbauten allerdings erst im Rahmen der Restauration um 1900.

Achteckturm am Nordflügel, rechts Wehrgang (historisierender Anbau, um 1900)
Zugang über die Gesindekammer zu den Innenräumen (Museumsteil), äußerer Treppenaufgang nicht historisch

Der Nordflügel enthält im Erdgeschoss eine Großküche mit einer Esse und einem alten, bereits 1367 erwähnten und damals noch im Freien stehenden Brunnen. Vor der rechten Seite des Gebäudes steht der Achteckturm mit enger Wendeltreppe neben dem heutigen (von Kaiserin Friedrich so gestalteten) kleinen Aufgang in den Museumsbereich. Die Wendeltreppe diente dem Gesinde als Verbindung vom Erdgeschoss zu den Gemächern der Burgherrschaft. Eine breitere Wendeltreppe findet sich in der Ecke hinter dem Fahnenturm. Sowohl vom Achteckturm als auch vom sogenannten Wappensaal des Westflügels aus hat man einen Zugang zum erst um 1900 erbauten Wehrgang und zum um 1915 errichteten so genannten Prinzenturm. Während die tragende Mauer teilweise einem historischen Mauerverlauf folgt, ist der Wehrgang selber eine freie Ergänzung und nach Vorbildern in Nürnberg und Rothenburg ob der Tauber entworfen, um Besuchern das Prinzip eines spätmittelalterlichen Wehrgangs zu zeigen.

Die ehemaligen gestuften Treppengiebel der beiden Flügel, wie sie auf den ältesten Stichen noch an den beiden Gebäuden zu sehen sind, wurden im frühen 17. Jahrhundert durch die jetzigen Rollwerks- oder Schweifgiebel ersetzt. Ferner entstand damals wohl auch erst die heutige Form des Standerkers am Westflügel. Darüber hinaus kam es äußerlich nur zu wenigen Veränderungen, wohl allerdings Veränderungen in der Raumaufteilung und -ausgestaltung.

Schon 1617 verstarb der letzte männliche Nachfahre des Flügelstamms im heute noch erhaltenen Hellhof in der Stadt Kronberg, 1704 der letzte männliche und kinderlose Nachfahre des Kronbenstamms auf Burg Hohlenfels im Hintertaunus. Allerdings lebte das Geschlecht schon seit etwa dem 30-jährigen Krieg (1618–1648) überwiegend auf anderen Besitzungen, darunter in Böhmen. Teile der Burganlage verfielen nun allmählich infolge fehlenden Unterhalts, wurden abgerissen oder zweckentfremdet.

Spätere Nutzungen und Veränderungen (1704–1992)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Aussterben der Herren von Kronberg im Jahre 1704 kam die Burg zum Kurfürstentum Mainz, zu dem seit Jahrhunderten Beziehungen bestanden hatten. Der lokale kurmainzische Amtmann nahm seinen Amtssitz für einige Zeit in der Mittelburg ein. Teile der Gebäude wurden als katholische Schule und Lehrerwohnung genutzt und unterhalb des Schlossgartens (heute "Prinzengarten" genannt) wurde der heute noch bestehende Schulgarten angelegt. Während der napoleonischen Kriege wurde die Burg von französischen Truppen besetzt, teilweise etwas verändert und beschädigt; der Fahnenturm wurde im unteren Teil als Gefängnis, die Burgkapelle zeitweise als Pferdestall genutzt. Ab 1802/03 kamen Stadt und Burg zu Nassau-Usingen bzw. ab 1806 zum Herzogtum Nassau. 1866 wurden Burg und Stadt von Preußen übernommen. Genutzt wurde der Westflügel mittlerweile sehr unterschiedlich, unter anderem von einer kleinen Schreinerei, war aber schon stark baufällig geworden.

In der preußischen Zeit waren alle verbliebenen Burggebäude in einem desolaten Zustand, teilweise einsturzgefährdet und an vielen Stellen ohne intakte Fenster und Türen. Die Gesamtanlage wurde jedoch von Preußen als erhaltenswertes Denkmal taxiert, das in hervorragender Weise verschiedene Baustile von der Romanik bis in die frühe Neuzeit vereinigte. Kaiserin Friedrich ließ die Anlage Ende des 19. Jahrhunderts, nachdem sie ihren Sommer-Witwensitz im heutigen Bad Homburg eingenommen hatte, durch den Architekten und Baurat Louis Jacobi unter Angleichung an den früheren Bauzustand restaurieren und als öffentliche Museumsanlage konzipieren. Aus Potsdam brachte sie eine große Waffensammlung mit und organisierte durch Zukauf eine reichhaltige Innenausstattung, die an den ungefähren Zustand der frühen Neuzeit im 17. Jahrhundert erinnern sollte. Zu dem von ihr erworbenen zeitgemäßen Inventar gehörten viele Möbel, Öfen und andere Gegenstände aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. Nach ihrem Tod (1901) wurden die Arbeiten von ihrem Schwiegersohn Friedrich Karl von Hessen fortgesetzt.

Während vieles durchaus auch gemäß heutigen Ansprüchen professionell und in Anlehnung an den vermuteten Zustand des 16. und 17. Jahrhunderts restauriert wurde, sind andere Partien relativ frei ergänzt worden, darunter der Einbau verschiedener Öfen und Kamine. Der spätgotische Kamin im Terracottasaal stammt aus der Stadtwaage-Gebäude Frankfurts. Der Kamin des Terracottasaals ist neoromanisch. Frei konzipiert sind auch der Wehrgang und der Prinzenturm. Das durch die Wehrgangsmauer führende Tor stammt aus Frankfurt-Praunheim.[5] Manche Innenausstattungen, etwa rekonstruierte Malereien und Inschriften im Wappensaal des Westflügels, weisen auch Merkmale des Historismus und Jugendstils um 1900 auf. Eine geplante Verbindung zwischen Mittel- und Oberburg wurde konzipiert (wie an durchgebrochenen Türen ersichtlich ist), aber nicht umgesetzt. Am 25. Mai 1912 wurde die restaurierte Burg als Museumsanlage der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, das Hauptgebäude am 1. Juni 1913.[6] Durch die beiden Weltkriege und ihre Folgen, durch Besetzungen und fehlende Aufsicht während der Wirrnisse kamen viele Gegenstände in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder abhanden, andere wurden weggebracht oder verkauft.

Der zur heutigen Burganlage gehörende Eibenhain nördlich des um Ober- und Mittelburg ziehenden Zwingers wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg vom Hause Hessen erworben und gehörte zum Gartenareal eines früheren Privathauses in Holzbauweise am Ort des heutigen kleinen Burgparkplatzes an der Königsteiner Straße. Er war wohl im 18. Jahrhundert angelegt worden, könnte aber teilweise auch autochthonen Ursprungs sein. Er war bei der Burgübernahme durch die Stiftung ein verwildertes Dickicht aus verschiedenen Baum- und Straucharten und wurde durch ehrenamtliche Pflegemaßnahmen besucher- und erholungsgerecht umgewandelt. Heute ist er ein Ort der Ruhe mit rund 200 Eiben stark unterschiedlichen Alters sowie mit Sitzbänken, bietet aber auch vielen Vogelarten Lebens- und Rückzugsraum.

Stiftung „Burg Kronberg im Taunus“ (seit 1992/1994)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1992 erwarb die Stadt Kronberg die Burg, allerdings praktisch ohne Inventar, aus dem Besitz der Hessischen Hausstiftung; 1994 wurde die Stiftung „Burg Kronberg im Taunus“ gegründet. Von 2001 bis 2002 wurde zunächst die Oberburg, danach bis zunächst 2004 die Mittelburg grundsaniert. 2012 bis 2017 erfolgten aufwändige Restaurierungen und Sanierungen im Westflügel, welche auch durch eine private Großspende unterstützt wurden.[7] Aus Gründen der Betriebssicherheit und eines erleichterten Zugangs zu den Obergeschossen wurde im hinteren und von vorne nicht einsehbaren Teil eine moderne Treppen- und Liftanlage angebaut. 2016 wurde der Wappensaal im 1. Obergeschoss des Westflügels mit den 1899 durchgeführten Restaurierungen und auch Ergänzungen der Wappen sowie mit bildlichen und inschriftlichen Ergänzungen (wo nicht original erhalten) der Öffentlichkeit übergeben[8], 2017 auch der darüber liegende Saal, der seitdem vorwiegend für Ausstellungen verwendet wird. Einige weitere Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten sind derzeit im Gange, insbesondere Mauersanierungen im Bereich der Burg- und Stadtmauer hinter der Mittelburg sowie im Bereich der Kapelle und des Schulgartens. Diese sind daher derzeit (2018/19) nicht öffentlich zugänglich.

Die Burganlage kann gegen eine Gebühr, die dem Unterhalt dient, frei betreten werden. Sie wird auch für kulturelle und private Veranstaltungen genutzt. Besichtigungen der Räume und rekonstruierten Inneneinrichtung, speziell vom Nordflügel, sind nur im Rahmen einer Führung möglich. Die gärtnerische Pflege und die Führungen werden weitgehend ehrenamtlich durch Mitglieder des Burgvereins Kronberg e.V. geleistet. Diese bedienen auch das vor dem Burgtor eingerichtete Museum für Stadtgeschichte, das mit zahlreichen Exponaten einen Überblick über die Geschichte der Stadt Kronberg bietet.

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Permanente Ausstellung im Museum für Stadtgeschichte (jeweils Sa, So und Feiertage von 13–17 Uhr, Zugang im Kassenbereich, Eintritt frei, jeden 2. Sonntag 14:30 Kurzführung). Zahlreiche Exponate, Modelle, Fotografien, geschichtliche Zusammenhänge
  • Temporäre Ausstellungen im Rheinberger-Saal im Westflügel der Burg (2. Stock, Lift): u. a. 14. Juni bis 18. August 2019 Ausstellung über Ernährung. Geöffnet während der Öffnungszeiten der Burg, Eintritt im Burgeintrittspreis enthalten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burg Kronberg – Sammlung von Bildern
 Commons: Burgmuseum Kronberg – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 3-Burgen-Weg Königstein – Falkenstein – Kronberg bei taunusklub.de
  2. G. Strickhausen: Schlitzmaulscharten auf der Oberburg Kronberg im Taunus. In: Festungsjournal. Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Festungsforschung e.V., Heft 21 (Dez. 2003), S. 52–56
  3. Ludwig Friedrich Christian Karl Freiherr von Ompteda: Die von Kronberg und ihr Herrensitz : eine kulturgeschichtliche Erzählung aus elf Jahrhunderten 770 bis 1898. Frankfurt a. M. : Keller, 1899. Digitalisat
  4. G. Strickhausen & N. Strickhausen-Boden: Burg Kronberg, DRV-Kunstführer 671, München 2011, ISBN 978-3-422-02324-6.
  5. Alfred Hansmann: 1200 Jahre Praunheim. Eine Reise in Praunheims Vergangenheit. Frankfurt-Praunheim 2004: Vereinsring Praunheim. ISBN 3-00-013189-2, Seite 61
  6. Leitartikel Cronberger Anzeiger vom 25. Mai 1912
  7. Flügelstammhaus braucht einen neuen Namen in FAZ vom 9. Mai 2012, Seite 41
  8. Schon Kaiserin Friedrich ließ den Saal auf alt trimmen in FAZ vom 13. Juni 2016, Seite 42