Burg Meersburg

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Burg Meersburg
Die Burg über der Unterstadt von Meersburg (2004)

Die Burg über der Unterstadt von Meersburg (2004)

Alternativname(n): Alte Burg
Entstehungszeit: um 600 bis 700/ 1548
Burgentyp: Hangburg, Ortslage
Erhaltungszustand: Erhalten oder wesentliche Teile erhalten, Museum
Ständische Stellung: Staufer, Fürstbischöfe von Konstanz, Freiherr von Laßberg, Droste von Hülshoff, von Mayerfeld, von Miller, Privatbesitz
Ort: Meersburg
Geographische Lage 47° 41′ 38″ N, 9° 16′ 13″ OKoordinaten: 47° 41′ 38″ N, 9° 16′ 13″ O
Höhe: 444 m ü. NN
Burg Meersburg (Baden-Württemberg)
Burg Meersburg

Die Burg Meersburg, auch Alte Burg oder Altes Schloss, in Meersburg am Bodensee gilt durch die Erbauung der ersten Burg an dieser Stelle im 7. Jahrhundert als älteste bewohnte Burg Deutschlands, doch ist aus jener Zeit keine Bausubstanz mehr erkennbar. Die Burg wird auch als Altes Schloss im Gegensatz zu dem gegenüber liegenden, in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichteten Neuen Schloss, bezeichnet.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hangburg liegt an einem dem Bodensee zugeneigten Südhang auf einer Höhe von 440 m ü. NN und befindet sich heute in Ortslage.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehungstheorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonderbriefmarke „1000 Jahre Meersburg“ der Deutschen Bundespost von 1988

Eine früher angenommene Ersterwähnung Meersburgs in einer im Original verlorenen Urkunde Ottos III. vom 27. August 988 (MG. DD. O. III. 446‒448, Nr. 46) ist nach der jüngeren Forschung eher auf Merseburg zu beziehen und scheidet für die Frühzeit der Burg (und des Ortes) Meersburg daher aus.[1][2][3]

Es bestehen zwei Theorien über die Erbauung der Meersburg. Die Erste nennt den Merowingerkönig Dagobert I. als Erbauer des „Dagobertsturms“, dem Bergfried der Meersburg, im Jahre 630. Bekannt ist, dass Dagobert in dieser Zeit in der Bodenseeregion war und sich dort mit der Christianisierung der Alemannen befasste. Als Beleg für diese Theorie dient eine Quelle aus dem Jahre 1548, sie ist seither vor allem durch Joseph von Laßberg, der 1837 die Burg kaufte und bis 1855 dort lebte, vertreten worden. Die „Merdesburch“ wurde im Jahr 1147 erstmals urkundlich erwähnt. Ein Luitpolt de Merdesburch wird allerdings bereits 1113 erstmals urkundlich als Zeuge in einer Vergabung der Herzöge Berchtold und Conrad von Zähringen an das Kloster St. Peter auf dem Schwarzwald, erwähnt.[4]

Architekturhistorisch ist das Megalithquadermauerwerk des Dagobertsturms mit zahlreichen Bergfrieden des 12.- 13. Jahrhunderts der Region zu vergleichen; der Mauerwerksverband aus großen Felsblöcken ist nach modernen Untersuchungen dieses Typs als eine lokale Variante des Buckelquadermauerwerks zu sehen.

Die zweite Theorie stützt sich vor allem auf die Beobachtung, dass sich in der Bodenseeregion im 7. Jahrhundert keine Burgengründungen, im 12. und frühen 13. Jahrhundert hingegen auffällig viele verorten lassen. Wie bereits erwähnt, lassen sich architektonische Ähnlichkeiten zu den Burgen des 12. und 13. Jahrhunderts in der Gegend finden. Die Vermutung nach einer früheren, dann aber zerstörten Anlage existiert schon seit Joseph von Laßberg, lässt sich aber nicht unterstützen.

Die Vermutung, Karl Martell könnte kurzfristig im Dagobertsturm gelebt haben, ist somit in das Reich der Legenden zu verweisen.

In den nächsten Jahren sind unter anderen Friedrich II. und Konradin, der letzte legitime männliche Staufer vor seinem Untergang in Neapel, in der Meersburg nachgewiesen. [5]

Die Ostseite der Burg Meersburg, Blick vom Neuen Schloss
Die Burg Meersburg vom See aus gesehen
Die Meersburg aus der Luft

Zeit der Konstanzer Fürstbischöfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts war die Burg in Besitz der Fürstbischöfe von Konstanz. Im Jahr 1233 erhielt Meersburg das Stadtrecht des Wochenmarktes. Die Stadt florierte daraufhin, und die Unterstadt wurde um 1300 durch Aufschüttungen erweitert.

Die Meersburg war mehrere Male Schauplatz von Belagerungen, so in der „Bischofsfehde“ von 1334, in der nach einer Doppelwahl zwei Bischöfe um das Amt kämpften. Während Nikolaus von Frauenfeld, auch Nikolaus von Kenzingen genannt, von der päpstlich gesinnten Mehrheit des Domkapitels gewählt wurde und Unterstützung bei Papst Johannes XXII. fand, wurde sein Konkurrent Albrecht von Hohenberg von Kaiser Ludwig dem Bayern unterstützt. Nikolaus von Frauenfeld verschanzte sich vierzehn Wochen lang in der Burg, belagert von kaiserlichen Truppen, die schließlich erfolglos abziehen mussten. Während dieser Belagerung wurden, nach verschiedenen Quellen, zum ersten Mal auf deutschem Boden Feuergeschütze eingesetzt. Der papsttreue Nikolaus von Frauenfeld wurde schließlich vom Kaiser anerkannt. Kaiser Ludwig der Bayer hatte vor Meersburg eine politische Niederlage hinnehmen müssen, die seine Schwabenpolitik beeinträchtigte und nicht zuletzt die Position der Habsburger stärkte.

Übergang zwischen Burg Meersburg (links) und Neuem Schloss

1414 weilte Kaiser Sigismund anlässlich des Konstanzer Konzils auf der Burg. 1458 kam es zum Aufruhr zwischen Stadtbewohnern und dem Bischof um eine Erweiterung der Stadtrechte, der jedoch niedergeschlagen wurde.

Den Staffelgiebel verdankt der Turm dem Konstanzer Fürstbischof Hugo von Hohenlandenberg (Amtszeit 1496–1532), der hier nach Konflikten mit der Stadt Konstanz 1526 seinen ständigen Wohnsitz einrichtete. Die Meersburg wurde vorübergehend Hauptsitz der Bischöfe. 1647 schossen die Schweden während des Dreißigjährigen Kriegs den Dachstuhl in Brand.

Anfang des 18. Jahrhunderts begannen die Bischöfe schließlich mit dem Bau des Neuen Schlosses als moderner Residenz. Nach 1750 diente die Burg nur noch Verwaltungszwecken.

Nutzung nach der Säkularisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Modell der Meersburg

Durch die Säkularisation 1802 fiel die Meersburg an das spätere Großherzogtum Baden. Zunächst nutzte dann die Provinzialbehörde des „Oberen Fürstentums am See“ das Alte Schloss. Im Jahr 1814 befanden sich im Alten Schloss nur noch die Obereinnehmerei und die Wohnungen von vier pensionierten fürstbischöflichen Unterbeamten. Von 1814 bis 1836 wurde dort das neu errichtete Hofgericht des badischen Seekreises untergebracht, eine Zweigstelle zum Donaueschinger Gericht.

Der Sammler mittelalterlicher Schriften und Bücher Joseph von Laßberg erwarb die Meersburg nach langwierigen Verhandlungen für 10.000 Gulden im Februar/März 1838 von der Domänenkammer in Karlsruhe und zog am 7. September 1838 mit seiner Frau Maria Anna von Droste zu Hülshoff, auch Jenny genannt, und seinen Zwillingskindern ein. In dem gewölbten hellen Saal, dem ehemaligen Archiv, bewahrte er seine Sammlung auf, im anschließenden runden Raum (Turmzimmer) richtete er sein Studien- und Schreibzimmer ein. Von Laßberg rettete das Alte Schloss durch seinen Kauf vor dem Verfall.

Im Jahr 1841 zog Jennys Schwester Annette von Droste-Hülshoff in die Burg und verbrachte dort einen Teil ihrer letzten acht Lebensjahre. Der Burg hat sie das Gedicht von 1841/42 „Das Alte Schloss“ gewidmet („Auf der Burg haus´ ich am Berge, Unter mir der blaue See…“). Sie verstarb am 24. Mai 1848 auf der Burg.[6]

Nach dem Tod von Joseph von Laßberg im Jahr 1855 ging die Burg zu je einem Viertel an seine Erben Jenny, Karl, Hildegard und Hildegund. Letztendlich verkauften die Zwillingstöchter Hildegard und Hildegund 1877 das Alte Schloss für 12.000 Mark an den Münchner Carl Mayer von Mayerfels, der ein Mittelaltermuseum einrichtete. Nach dem Tod des von Meyerfels im Jahr 1883 ging das Schloss an seine Witwe, dann 1910 an seine Tochter und nach deren Tod 1939 an deren Tochter Maria Naeßl, geb. von Miller.[7] Bis heute ist die Burg in Privatbesitz und dient – neben dem für Besucher zugänglichen Museum – den Erben als Wohnsitz.

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burg Meersburg, Ritterhalle
Annette von Droste-Hülshoffs Sterbezimmer in der Meersburg

Der Rundgang durch das Burgmuseum gibt Einblick in mehr als 30 eingerichtete Räume.[6] Darunter auch die alte Burgküche, die Dürnitz, den Palas, die Brunnenstube, die Waffenhalle, Wehrgänge, Rittersaal, Burgverlies, zwei Kapellen, Stall, Nordbastion und vieles mehr. Auch die Wohnräume und das Sterbezimmer der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff sind in diesem Rundgang enthalten. Im Rahmen einer Führung ist zudem die Besteigung des „Dagobertsturmes“ mit Aussicht auf die Stadt, den See und die Alpen möglich.[8] Im Turm ist eine Gefängnisstube aus dem 19. Jahrhundert sowie der Renaissancesaal mit Schatzkammer zu sehen. Im tiefsten Teil des Turmes gibt die Folterkammer Einblick in die Gerichtsbarkeit im Mittelalter.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burg Meersburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ronald Neumann: Die Tausendjahrfeier der Stadt Meersburg (1988). 'Irrtum von Amt' oder berechtigtes Jubeljahr?, in: Archiv für Diplomatik (AfD) 37 (1991), S. 49-54.
  2. Hermann Schmid: Meersburg 988 oder Merseburg 988?. Altes und Neues zur unhaltbaren Meersburger Tausendjahrfeier 1988 in Gestalt einer Entgegnung, in: Archiv für Diplomatik (AfD) 39 (1993), S. 9–18.
  3. Hermann Schmid: Meersburg 988 oder Merseburg 988? Altes und Neues zur unhaltbaren Meersburger Tausendjahrfeier 988 in Gestalt einer Entgegnung, 1993.
  4. Schoepflin: Hist. Zaringo-Badens. V, 48 und Neugart: Episcop. Const. II, 14–15
  5. Lilly Braumann-Honsell: Bodensee ahoi! Oberbadische Verlagsanstalt Merk & Co., K.-G., Konstanz 1947. (Segelturn von der Reichenau, unter der Rheinbrücke nach Konstanz, Überlingen, Friedrichshafen, Lindau, Bad Schachen, Rorschach, Allensbach, Stein am Rhein. Eine Rundfahrt aus Seesicht im Plauderton.), S. 40
  6. a b Burg Meersburg. In: Sauwettertipps. Sonderheft der Bodensee Ferienzeitung. Ausgabe 2/2009. Südkurier GmbH Medienhaus, Konstanz 2009, S. 9
  7. Adolf Kastner: Joseph Freiherr von Laßberg rettet die alte Meersburg (1837/1838). In: Badische Heimat, 1955, Heft 1, S. 1–10
  8. Dagobertsturm auf badische-seiten.de
  9. Sauwettertipps. In: Sauwettertipps. Sonderheft der Bodensee Ferienzeitung. Ausgabe 2/2009. Südkurier GmbH Medienhaus, Konstanz 2009, S. 4f.