Burg Neuscharfeneck

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Burg Neuscharfeneck
Neuscharfeneck Torturm aussen.jpg
Entstehungszeit: unsicher: um 1300
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Ruine
Ständische Stellung: Ministerialen
Ort: Flemlingen (Waldgemarkung)
Geographische Lage 49° 15′ 9,8″ N, 8° 1′ 18,5″ OKoordinaten: 49° 15′ 9,8″ N, 8° 1′ 18,5″ O
Höhe: 500 m ü. NHN
Burg Neuscharfeneck (Rheinland-Pfalz)
Burg Neuscharfeneck

Neuscharfeneck ist die Ruine einer Burg im Pfälzerwald. Sie liegt im Flemlinger Wald östlich von Ramberg und Dernbach[1] und ist als Denkmalzone von Flemlingen gelistet.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ruine der Höhenburg erhebt sich im östlichen Teil des Pfälzerwalds in etwa 500 m Höhe auf dem westlichen Ausläufer des Kalkofenbergs.

Ganz in der Nähe liegt der Zimmer(manns)platz aus der Bauzeit der Burg, an dem die Landauer Hütte steht. Die Ruine ist über Waldwege und Wanderwege von dort, von der Passhöhe Drei Buchen oder von Dernbach her zu erreichen.

Blick von der Neuscharfeneck nach Süden

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Neuscharfeneck

Die Annahme, die Anlage sei um 1232 durch Johann von Scharfeneck vermutlich als Vorwerk für die heute völlig zerstörte Burg Alt-Scharfeneck errichtet worden, stammt von einer gefälschten Urkunde aus dem 16. Jahrhundert. Die Scharfeneck-Metz gehörten einer Seitenlinie der älteren ausgestorbenen Scharfenecker an, die zu Beginn des 13. Jahrhunderts die Burg Alt-Scharfeneck am Eingang des Hainbachtals bei Frankweiler erbaut hatten. Nach dem Aussterben der Hauptlinie um 1250 erbten die Ritter von Scharfeneck-Metz auch die Burg Alt-Scharfeneck.

Bereits im späten Mittelalter war Neu-Scharfeneck der Hauptsitz der Familie, während Alt-Scharfeneck zerfiel. Nachfolgender Besitzer von Neuscharfeneck waren Heinrich III. von Scharfeneck und seine Frau Lukardis von Kellenbach; Heinrich legte den Beinamen Metz ab. Er stiftete in Dernbach eine neue gotische Kirche.[2] Auf dem Wappen von Scharfeneck ist dargestellt „in Rot ein hersehender, gekrönter, silberner Löwe“.[3]

Infotafel zum Geschützstand auf der Schildmauer

Die Herren von Scharfeneck stammten aus der Reichsministerialität im Umfeld des Trifels. Nach dem Ende der Stauferherrschaft konnten sie ihre unabhängige Stellung nicht mehr halten und lehnten sich an die mächtigsten Territorialherren im Pfälzer Raum an, die Pfalzgrafen bei Rhein. 1363 erhielt der Kurfürst das Öffnungsrecht an der Burg. Die Scharfenecker trugen ihm im selben Jahr ihre Burg als Lehen an und erhielten sie als Mannlehen zurück; aus ehemaligen Reichsvasallen wurden Dienst- und Lehensleute der Kurfürsten von der Pfalz. Im 14. Jahrhundert verschlechterte sich die finanzielle Lage der Scharfenecker zusehends, weshalb sie Teile ihrer Burg an die Ritter von Kirrweiler und an das Hochstift Speyer verpfändeten. Sie traten auch häufig in kurpfälzischen Kriegs- oder Verwaltungsdienst ein. 1416 starb mit Friedrich von Scharfeneck der letzte des Geschlechts Scharfeneck-Metz, und die Burg fiel an die Wittelsbacher Kurfürsten von der Pfalz.

Kurfürst Friedrich I. der Siegreiche ließ die Burg großräumig ausbauen. Unter seiner Herrschaft entstanden die Vorburg, die Schildmauer und der große Wohnbau. Dieser löste das kleine Ritterhaus auf dem Burgfelsen ab, das abgerissen wurde. 1469 stiftete Friedrich seinem Sohn Ludwig (1463–1524) (aus der Verbindung mit der Augsburgerin Clara Dett) die Herrschaft Scharfeneck mit der Burg Neu-Scharfeneck als Zentrum.

Ludwig war von 1477 bis 1523 Herr von Scharfeneck. 1488 erhielt er Stadt und Burg Löwenstein im Landkreis Heilbronn. Er nannte sich fortan Graf von Löwenstein, Herr von Scharfeneck und war Begründer des späteren Fürstenhauses Löwenstein-Wertheim.

In der Regierungszeit seines Sohnes und Nachfolgers Graf Friedrich I. von Löwenstein (1502–1541) wurde im Jahr 1525 die Burg im Pfälzischen Bauernkrieg vom Nußdorfer Bauernhaufen niedergebrannt. Der Haufen konnte die Burg ohne größere Probleme einnehmen, da es der Burghauptmann versäumt hatte, die Burg mit Schießpulver zu versehen. Nach dem Bauernkrieg wurde die Burg in Fronarbeit als Schlossanlage wieder aufgebaut.[4]

In den Händen der Löwenstein-Scharfeneck verblieb die Burg bis zu ihrer Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg. Sie wurde um 1629 oder aber 1633 von den Schweden „mit Pulver in die Luft geschickt“ und ist seitdem Ruine. 1828 gelangte sie durch die Teilung der Haingeraiden als Steinbruch in den Besitz der Gemeinde Flemlingen. Der Bayerische König Ludwig I. erließ jedoch ein Abbruchverbot, das zum Erhalt der Ruine führte.[5]

Zur Erhaltung der Burg wurde 1971 der „Scharfeneck-Verein e. V.“ gegründet, welcher die Burg gepachtet hat. In der Zeit bis 2016 investierte er über 260.000 Euro und viele Arbeitsstunden in die Burg.[6][7] Am 27. Oktober 2013 besuchte Alois Konstantin Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg die Stammburg seiner Vorfahren; er wurde dort vom Scharfeneck-Verein offiziell empfangen und durch die Anlage geführt. Der Verein hat zahlreiche Infotafeln mit QR-Codes aufgestellt, um einen Eindruck auch vom früheren Inneren der Anlage zu vermitteln.

Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rekonstruktionszeichnung von Werner Meyer, um 1981
Rekonstruktionsmodell von Erwin Merz, 2012

Die erste Burganlage des 13. Jahrhunderts war wesentlich kleiner als die heutige Ruine. Von der hochstaufischen Burg sind nur geringe Reste erhalten.

Die gesamte Anlage misst etwa 150 × 60 m. Ihre von etwa 1212 bis 1232 erbaute, in den Jahren 1470 und 1530 erweiterte Schildmauer ist mit 58 m Länge[8] und 12 m Stärke die mächtigste der Pfalz. Innerhalb der Schildmauer befinden sich einige begehbare Gänge, Kammern und Kasematten. Die Schildmauer trug den nicht mehr erhaltenen Geschützstand und diente hauptsächlich der passiven Deckung der dahinter befindlichen Burg.[9] Der ursprüngliche Zugang erfolgte über eine Zugbrücke durch die Schildmauer in die Burg. Es gibt noch einen teilweise erhaltenen Torbau mit Flankierungsturm.

Vier im 13. Jahrhundert in den Felsen geschlagene Wasserbecken wurden als Zisternen mit Regenwasser und ab dem 16. Jahrhundert aus einer 2 km entfernten Quelle am Roßberg über Ton- und Deichelleitungen versorgt. Im Burggarten wurden seltene Kräuter wie Weiß Bülsen, Ingräu und Kloster Hysop angepflanzt.

Die 30 m lange Oberburg, der 1212 bis 1232 auf dem zentralen Felsen errichtete erste Wohnbau, ist nicht mehr vorhanden. Erhalten sind eine unzugängliche in den Fels gehauene Kammer sowie Treppen und der Brunnenbau.

Der neuere Wohnbau (Palas) mit doppeltem Abort­schacht wurde um 1470 erbaut und um 1530 schlossartig umgestaltet. Der Abortschacht hat eine lichte Weite von 0,75 bis 2,75 m und stellt eine Weiterentwicklung der hochmittelalterlichen Aborte dar, die lediglich als unten offener Erker ausgeführt waren.[10] Der eingestürzte Giebel des Palas wurde 1978/79 wieder aufgebaut. Vom Wohnbau gibt es einen Durchgang zu den Kammern in der Schildmauer. Darunter liegt ein Keller, der 1891 freigelegt und zugänglich gemacht wurde. Weiter zu sehen sind auch Reste von Küche und Schmiede.

Zu Ehren ihrer in den Weltkriegen gefallenen Mitglieder hat die Sektion Landau des Deutschen Alpenvereins ein Denkmal mit Edelweiß und Namen in die der Schildmauer gegenüberliegende Felswand gehauen; eine Bronzetafel gibt den Text wieder. Eine weitere Bronzetafel erinnert an den Bund der Scharfenecker.

Im November 2016 wurde gemeldet, dass die Ruine zusehends verfalle und nur mit finanziellem Aufwand im oberen sechsstelligen Bereich gesichert werden könne, den allerdings weder der Verein als Pächter noch die Gemeinde aufzubringen vermöge.[11]

Sagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einiger Sagen war der Ritter Einaug von Scharfeneck ein böser Schlossherr. Die Bauern des Dernbachtales mussten ihm den Zehnt geben, ihm Frondienste leisten und Zins zahlen. Er überfiel und tötete auch vorbeiziehende Kaufleute und Geistliche. Wer in seinem Wald Holz holte, wurde mit Kerkerhaft bei Wasser und Brot bestraft. Brautpaare mussten nach der Heirat die erste Nacht auf seiner Burg in getrennten Zimmern verbringen, manche Jungfrau soll er dabei entehrt haben. Außerdem begehrte er die Gemahlin seines Nachbarn, des Ritters von Ramberg auf der Ramburg. Alle Versuche des Einaug, sie zu überreden, ihren Mann zu verlassen und ihn als Gemahl zu nehmen, scheiterten. Er versprach daher seinem Knecht eine hohe Belohnung, wenn er seinen Rivalen ermorden wolle. Der Knecht kletterte nachts unbemerkt auf die Mauern der Ramburg. Als der Ritter von Ramberg sich in früher Morgenstunde über den Hof in Richtung der Kapelle begab, schoss ihm der Knecht einen vermeintlich tödlichen Pfeil durch die Brust und konnte unerkannt entkommen.

Doch der Ritter von Ramberg überlebte und genas schnell. Der Einaug nannte seinen Knecht einen Stümper, gab ihm aber eine zweite Chance. Gemeinsam ritten sie zur Ramburg und besuchten den Ritter von Ramberg unter dem Vorwand, dass sie sich um ihn sorgten und sich von seiner guten Genesung überzeugen wollten. Der Ramberger ahnte den Betrug nicht und freute sich über den Besuch. Zusammen zechten sie bis in die Nacht hinein.

Der Ramberger lud seine Gäste ein, über Nacht zu bleiben. Bevor sie ihre Zimmer bezogen, merkte sich der Knecht das Zimmer des Rambergers. In der Nacht suchte er dieses auf, um den Ritter mit dem Dolch zu töten. Das Zimmer war aber leer, denn der Ramberger war kurz austreten gegangen. Der Knecht wähnte sich im falschen Zimmer und wählte die nächste Tür. Hier schlief jedoch sein eigener Herr. Erst als er diesen erstochen hatte, bemerkte er seinen Fehler. Vom Ramberger auf frischer Tat ertappt, wurde der Knecht wegen Mordes gehängt.

Wegen seiner Freveltaten kam Einaug in die Hölle. Als verwunschener Geist soll er auf der Burg Scharfeneck fortan 700 Jahre weiterhin sein Unwesen treiben. Von Zeit zu Zeit soll er in dunklen Nächten auf dem Schlossberg und im nahe liegenden Ort Dernbach auftauchen und alle erschrecken, die einem unehrlichen Beruf nachgehen.[12][13]

Eines Tages folgte der Geist des Einaug einem Pottaschesieder von Dernbach durch den Wald bis zu dessen Hütte. Der Pottaschesieder sah in ihm nur einen blassen und erbärmlichen Mann, er bat ihn in seine Hütte und war gastfreundlich. Der Geist des Einaug bat den Pottaschsieder, ihn von seiner 700-jährigen Verwünschung zu befreien. Der Pottaschsieder stimmte zu. Der Geist des Einaug gab ihm eine goldene Rose, mit dieser müsse er in die Burg Scharfeneck gehen und im letzten Gemach eine schwarze Kiste öffnen, dann sei er erlöst von seiner Verwünschung. Bei der Burg sah der Pottaschesieder ein großes Tor, wie er es zuvor noch nie auf der Burg gesehen hatte. Er durchschritt es sowie viele Räume, in denen Rüstungen an den Wänden hingen oder in einem anderen eine feine Gesellschaft am reich gedeckten Tisch saß. Im letzten Raum entdeckte er die Kiste, doch darauf saß ein großes und dunkles Untier. Gerade als er die Rose in das Schloss stecken wollte, riss das Untier sein Maul auf. Der Pottaschesieder bekam es mit der Angst zu tun, ließ die Rose fallen und rannte davon. Wenn die 700 Jahre noch nicht vorüber sind, geht der Einaug immer noch als Geist umher.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burg Neuscharfeneck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesvermessungsamt Rheinland-Pfalz: Topographische Karte Annweiler am Trifels, 4. Auflage 1999, ISBN 3-89637-288-2.
  2. Rolf Übel: Pfälzisches Burgen-Lexikon III I-N. Kaiserslautern 2005, ISBN 3-927754-51-X, S. 755–771.
  3. Bernhard Peter: Die Details des Wappens von Löwenstein-Wertheim-Virneburg. In: Photos schöner alter Wappen Nr. 290. Abgerufen am 12. September 2016: „Feld 9: Scharfeneck, in Rot ein silberner Löwe, gekrönt.“
  4. Günter Stein: Burgen und Schlösser in der Pfalz. Frankfurt 1976, ISBN 3-426-04405-6.
  5. Neuscharfeneck und Ramburg – herrliche Burgen im Pfälzerwald. In: Pfalz Express. 20. März 2015, abgerufen am 12. September 2016 (Abbruchverbot).
  6. Website des Scharfeneck-Vereins
  7. http://www.echo-online.de/lokales/nachrichten-rhein-neckar/schildmauer-der-burgruine-neuscharfeneck-ist-marode_17447865.htm Echo Online, Rhein-Neckar, 5. November 2017
  8. Arndt Hartung: Pfälzer Burgenbrevier. Landau 1985, ISBN 3-9801043-0-3.
  9. Otto Piper: Burgenkunde. In: Weltbild. Augsburg 1996, S. 276.
  10. Otto Piper: Burgenkunde. In: Weltbild. Augsburg 1996, S. 490 f.
  11. Bericht in SWR1 am 12. November 2016
  12. Die Rheinpfalz – Südwestdeutsche Zeitung – 16. Juni 2007
  13. Viktor Carl: Pfälzer Sagen und Legenden. Edenkoben 2000, ISBN 3-9804668-3-3, S. 387–396.
  14. Tatjana Stegmann: Der Einaug von Scharfeneck. In: Oma Nagers Pfälzer Sagen – Von Teufeln, Gespenstern und bösen Rittern. RHEINPFALZ-Verlag, 2008, ISBN 978-3-937752-06-8.