Burg Nieder-Modau

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Burg Nieder-Modau
Schlossberg Modau (Fotomontage)

Schlossberg Modau (Fotomontage)

Entstehungszeit: 8./11. Jahrhundert
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Burgstall
Ort: Nieder-Modau
Geographische Lage 49° 48′ 24,7″ N, 8° 44′ 29,4″ OKoordinaten: 49° 48′ 24,7″ N, 8° 44′ 29,4″ O
Höhe: 280 m ü. NHN
Burg Nieder-Modau (Hessen)
Burg Nieder-Modau

Die Burg Nieder-Modau ist eine abgegangene Höhenburg auf dem Schlossberg bei Modau, einem Stadtteil von Ober-Ramstadt, im Landkreis Darmstadt-Dieburg in Hessen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der nahezu kegelförmige und heute wieder bewaldete Schlossberg liegt ungefähr 12 Kilometer südöstlich der Stadt Darmstadt in Südhessen, im Gebiet des vorderen Odenwalds, nördlich von Nieder-Modau und südlich Ober-Ramstadts und ist ca. 280 Meter hoch. Heute führt der Wanderweg O4 der Stadt Ober-Ramstadt, der Silberbergweg, auch über den Burgberg. Der Berg wird von Südwesten nach Norden von der Modau in einer halben Schleife umflossen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Der Zeitpunkt der Errichtung einer Burg, die angeblich bis 1382 auf dem Schlossberg stand, ist bis heute nicht bekannt. In einem Band „Zur Geschichte des Schloßbergs bei Nieder Modau“ von Arthur Funk (erschienen 1985), wird von Rudolf Kunz vermutet, dass die Burg um 1200 von den Herren von Crumbach errichtet worden sein muss.

Der Roßdorfer Geometer Georg Wilhelm Justin Wagner beschrieb die Anlage im Jahr 1837 wie folgt:

"Die Ebene auf dem Schloßberg hat die Form einer Ellipse, deren lange Axe 284 und deren kurze 184 Fuß lang ist und einen Umfang von 73 1/2 und einen Flächengehalt von 410 Klaftern hat. Diese Fläche scheint von einer Ringmauer umgeben gewesen zu sein, wenigstens finden sich an einzelnen Stellen noch Reste dieser sehr festen und dicken Mauer, die theilweise noch einige Fuß Uber dle Erde hervorragt, Diese Mauer ist nach Außen hin von elnem Graben begrenzt, der Jetzo noch, nach der Mauerseite, eine Tiefe von 20 Fuß hat. Die Fläche selbst ist von vielfachen Mauerfundamenten nach allen Richtungen durchkreuzt, die im Jahr 1827, wo hier Steine zum Pflastern ausgebrochen wurden, sich entdeckten.[1] [...] Es fragt sich nun, wer waren die Besitzer dieser Burg und zu welcher Zeit ist dieselbe zerstört worden? Diese Frage dürfte sich nur annähernd lösen lassen. Der Verfasser erlaubt sich, seine Meinung und seine Ansichten hier mitzutheilen und überläßt die Prüfung derselben dem Urtheile eines geschicktern Forschers [...]".[2][3]

Wappen der Kalb von Reinheim
Burgwall 2006
Burgwall 2006
Burgdarstellung (Rekonstruktionsversuch) und kurzer Geschichtsabriss im Museum Ober-Ramstadt, links das Wappen Kalb von Rheinheims; das rechte Wappen wird den von Nieder-Ramstadt zugeordnet und ist wegen räumlicher Nähe und Wappengleichheit als Familienzweig der Herren von Wallbrunn anzusehen.[4]

Heute ist von den angesprochenen Mauerresten nichts mehr zu sehen. 1830 ließ der Oberförster Friedrich Heyer die noch übrig gebliebenen Mauerreste entfernen, die Fläche wurde eingeebnet und mit Schwarzkiefern aufgeforstet, die 1953/54 wieder gefällt und durch Linden ersetzt wurden. Sehr gut lassen sich jedoch die Wälle und der südliche Zugang zur Burg im Gelände ausmachen.

Die Geschichte der Burg vor 1375 ist unbekannt. Letzter Burgherr war angeblich Ritter Werner Kalb aus Reinheim, der als Raubritter in die Geschichtsbücher einging.[5][6] Nachdem er sich zunächst am 25. August 1375 gegen die Zahlung von 12 Pfund der Stadt Frankfurt am Main verpflichtet hatte „auf alle Ansprüche gegenüber der Stadt Frankfurt und ihrer Verbündeten zu verzichten“, ließ er dieselben am 19. November 1377 wissen:

„Wisset, Bürgermeister und Rat zu Frankfurt, um solches Geld, das Ihr mir gegeben habt, das will ich aufsagen und darum nimmermehr verbunden seln. Schickt mir meinen Brief wieder, den Ihr von mir habt. Auch laß ich Euch wissen, daß es mich dünkt, daß Ihr die Abmachung mit mir überfahren habt‚ und wil gerne zu uch redin zu eyme gelegelichin dage und wil ein Wandel dar ume von uch nemen. Erkennen aber meine Freunde, daß Ihr mir keinen Wandel (Änderung) schuldig wäret, so kannt Ihr Euch eine Verteidigungsrede ersparen. Gegeben mit meinem Ingesiegel.“

Werner Kalb

Mit einem Schreiben vom 21. September 1381 bittet der Rat der Stadt Worms „Frankfurt als Eidgenossen um Unterstützung bei der Bekämpfung der Übeltäter“[7], die „die Wormser durch Wegnahme von Gütern und durch Gefangennahme von Leuten geschädigt“[7] haben. Auf dem diesem Schreiben beigefügten Zettel mit Namen findet sich auch Werner Kalb von Reinheim „Anhänger des Heinrich von Beckingen“.

Am 28. November 1381 wenden sich die Frankfurter an Diether VIII. von Katzenelnbogen. Dem Schreiben beigefügt ist eine Notiz:

„Wir und unsere Verbündeten sind geschädigt und angegriffen worden aus eurem Schloß Reinheim von Eberhard Schelm und seinen Helfern.[7]

Diether VIII. von Katzenelnbogen

Schelm stand auch als „Anhänger des Heinrich von Beckingen“ auf der Räuber-Liste, die die Wormser an die Frankfurter geschickt hatten. Da Diether VIII. von Katzenelnbogen noch am gleichen Tag antwortete, dass er in der Angelegenheit von Eberhard Schelm mit diesem sprechen und dann Frankfurt antworten wolle, nimmt Arthur Funk an, dass Schelm und Kalb „Vasallen des Grafen Diether waren und in eigener Regie – aber mit Wissen des Grafen – Raubzüge gegen die Frankfurter und Wormser unternommen hatten.“[7]

Nach dieser Zuspitzung der Situation trafen sich auf der Burg Tannenberg bei Seeheim erneut alle 18 Mitstreiter, die bereits am 29. August 1379 auf der Burg Tannenberg bei Seeheim einen Burgfrieden geschlossen hatten. Zu diesen Mitstreitern zählen Werner Kalb und Graf Wilhelm II. von Katzenelnbogen, letzterer ein Gründungsmitglied des am 13. Oktober 1379 gegründeten Löwenbundes.

Der Löwenbund zeichnete sich durch die feindschaftliche Politik gegenüber den Städten aus. So gehörten auch die Herrschaften Reifenberg und Kronberg, zwei erklärte Feinde Frankfurts zu den Gründungsmitgliedern[8][7]

Der zunehmende Einfluss des Löwenbundes, der sich stark nach Süden ausdehnte und zahlreiche neue Mitglieder bekam, zu denen auch Werner Kalb von Reinheim gehört haben soll, veranlasste die betroffenen Städte zu einem ähnlichen Bündnis. Am 20. März 1381 vereinbarten die Städte Mainz, Straßburg, Worms, Speyer, Frankfurt, Hagenau und Weißenburg einen Bund zu gegenseitigem Schutz und Trutz (siehe auch: zweiter Rheinischer Städtebund). Dieses Bündnis, vorläufig nur geltend bis Weihnachten 1384, wurde schon am 6. Juni 1382 erweitert und auf 10 Jahre ausgedehnt und schloss sich schon im Gründungsjahr mit dem Schwäbischen Bund zum Süddeutschen Städtebund zusammen. In dieser Schutzgemeinschaft wurde entschieden, dass die Städte Frankfurt, Mainz und Worms einem der Hauptübeltäter, Werner Kalb von Reinheim, das Handwerk legen sollten.

Schlossberg bei Nieder Modau Dezember 2006
Blidenstein, hier bei Burg Tannenberg

Arthur Funk rekonstruierte das weitere Geschehen wie folgt:

„Die 3 Anführer dieser gemeinsamen Streitmacht waren offenbar gut informiert über ihren Auftrag. Von Gernsheim aus zogen sie zur Besichtigung des Tannenberg an die Bergstraße, wobei ihr besonderes Interesse dem Anführer Werner Kalb galt, der im Dienst der Ganerben stand. Unverrichteter Dinge marschierte die Truppe über Ober-Beerbach und Neutsch ins Modautal. Der Kriegsführung der damaligen Zeit entsprechend muß diese Streitmacht, von Walther Möller auf eine Gesamtstärke von 150 bis 160 Glevenern geschätzt, barbarisch in den Dörfern Nieder-Modau, Ober-Modau, Rohrbach, Wembach und Neutsch gehaust haben.“

Arthur Funk

"Es wurde also nicht nur das Hauptziel, die kalbsche Burg auf dem Schloßberg bei Nieder-Modau, sondern das ganze Umfeld gebrandschatzt und vernichtet. Kühe, Pferde, Schweine, Schafe sowie Hausrat nahm man den Bauern ab, warf die Brandfackel in ihre gefüllten Scheunen und Wohnhäuser und verwüstete ihre Gärten. Von Toten, die es sicherlich auch gegeben hat, liegen uns keine Nachrichten vor. Bei dieser Auseinandersetzung wurde nicht nur Kalbscher Besitz – unter anderem die bezeugten großen Kalbenhöfe in Ober- und Nieder-Modau – vernichtet, sondern auch viele Höfe der Grafen von Katzenelnbogen und vermutlich auch anderer Herren und Ritter Opfer von Raub und Flammen. Aus den Schadenslisten, die auf Befehl des Grafen Diether VIII. erstellt wurden und in denen der Schaden seiner ‚armen luden‘ (seiner Hörigen) aufgeschrieben wurde, geht eine Anzahl von 35 Pferden und 46 Kühen hervor. Walther Möller wird mit seiner Gesamtschadensschätzung von etwa 70 Pferden und ebensovielen Kühen der Wahrheit näher komen."[9]

Rund um den Schlossberg wurden zahlreiche Geschosssteine gefunden, die vermuten lassen, dass sowohl die Angreifer, als auch die Verteidiger Bliden einsetzen.[10] Die Burg wurde angeblich in dieser Auseinandersetzung zerstört und nicht wieder aufgebaut. Ihre Reste dienten jahrhundertelang als Steinbruch.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. zitiert aus: Arthur Funk: Zur Geschichte des Schloßbergs bei Nieder Modau. Ober Ramstadt 1985, S. 15.
  2. Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde, S. 403. Darmstadt 1837.
  3. Wer waren die Herren vom Schloßberg? In: Odenwälder Nachrichten 1938.
  4. Rekonstruktionszeichnungen der Burganlage und weitere Bemerkungen finden sich in:
    Hans von der Au: Die Flurnamen der Gemarkungen Ober- und Nieder-Modau im Odenwald. Elwert Verlag, Gießen/Marburg 1942, S. 9 u. 71 ff. (= Hessisches Flurnamenbuch 27).
  5. Darmstädter Kreisblatt, 22. September 1982: Ritter Werner Kalb raubte am liebsten Kaufleute aus.
  6. Die Reichsministerialen von Dornberg (vor 1160 jene von Hagen-Münzenberg) sind (…) bis zu ihrem Aussterben als maßgebliche Herrschaftsträger im oberen Modautal sowie als wahrscheinlichste Erbauer und Besitzer der Burg bei Nieder-Modau zu vermuten. Thomas Steinmetz: Der Südwestzipfel des Wildbanns Dreieich im Odenwald – ein Beitrag zur Geschichte des oberen Modautales und der Burg Nieder-Modau. In: Der Odenwald, Zeitschrift des Breuberg-Bundes, 2014, Nr. 2, S. 59.
  7. a b c d e aus Arthur Funk: Zur Geschichte des Schloßbergs bei Nieder Modau. Ober-Ramstadt 1985.
  8. Karl E. Demandt: Die Geschichte des Landes Hessen.
  9. Arthur Funk: Die Geschichte des Schloßbergs bei Nieder-Modau. Ober-Ramstadt 1985, S. 58.
  10. Mehr Informationen zu Bliden und ihren Einsatz: Die Zerstörung der Burg Tannenberg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans von der Au: Die Namen der Gemarkungen Ober- und Nieder-Modau im Odenwald. Gießen/Marburg 1942. S. 71 ff.
  • Karl Ernst Demandt: Geschichte des Landes Hessen. Stauda, Kassel 1980 (revidierter Nachdruck der 2., neubearbeiteten und erweiterten Aufl. 1972), ISBN 3-7982-0400-4.
  • Arthur Funk: Zur Geschichte des Schloßbergs bei Nieder Modau. Ober-Ramstadt 1985.
  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Auflage, Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 527.
  • Walter Möller: Die Zerstörung der Burg Modau. In: Der Odenwald. Zeitschrift des Breubergbundes, Jg. 2 (1955), S. 51.
  • Konrad Ruser: Zur Geschichte der Gesellschaften von Herren, Rittern und Knechten in Süddeutschland während des 14. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte, Jg. 34/35 (1975/1976), S. 1–100.
  • Thomas Steinmetz: Der Südwestzipfel des Wildbanns Dreieich im Odenwald – ein Beitrag zur Geschichte des oberen Modautales und der Burg Nieder-Modau. In: Der Odenwald. Zeitschrift des Breuberg-Bundes, Nr. 61/2 (2014), S. 43–62.
  • Olaf Wagener: Die Belagerung und Zerstörung der Burg in Nieder-Modau 1382 – Neue Erkenntnisse zu Belagerungsanlagen. In: Der Odenwald. Zeitschrift des Breuberg-Bundes, Nr. 60/1 (2013), S. 23–28.
  • Georg Wilhelm Justin Wagner: Der Schloßberg bei Niedermodau. In: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde. Abschnitt XXIII, Band 1, Verlag Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1835, S. 401–405.
  • Georg Wilhelm Justin Wagner: Schloßberg. In: Wüstungen im Großherzogtum Hessen, Hofbuchhandlung G. Jonghaus, Darmstadt 1862, S. 108–109.
  • Helfrich Bernhard Wenck: Hessische Landesgeschichte. Band 1 mit einem Urkundenbuch und geographischen Charten. Darmstadt und Gießen 1783.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]