Burg Vilsegg

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Burg Vilsegg
Burg Vilsegg – Der Burgfelsen mit dem Bergfried aus südwestlicher Richtung

Burg Vilsegg – Der Burgfelsen mit dem Bergfried aus südwestlicher Richtung

Entstehungszeit: um 1220 bis 1230
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Ruine
Ständische Stellung: Ministeriale
Ort: Vils
Geographische Lage 47° 33′ 24″ N, 10° 37′ 34″ OKoordinaten: 47° 33′ 24″ N, 10° 37′ 34″ O
Höhe: 887 m ü. A.
Burg Vilsegg (Tirol)
Burg Vilsegg
Blick von Osten auf die Ruine des Bergfriedes

Die Burg Vilsegg ist eine ehemalige Wehranlage in Tirol und liegt etwa einen Kilometer nordwestlich des Städtchens Vils, zwischen Pfronten und Füssen, wenige hundert Meter von der deutsch-österreichischen Grenze entfernt.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ruine der Höhenburg liegt etwa 60 Meter über dem Vilstal auf einem 887 Meter hohen felsigen Hügel am Rande des Salober-Berges, auf dem heute die Staatsgrenze zwischen der BRD und Österreich verläuft.

Der Burghügel fällt ringsum steil ab, dadurch war die Veste trotz ihrer relativ niedrigen Lage über dem Tal nur schwer angreifbar. Vilsegg liegt etwa 350 Meter tiefer als die – bereits auf deutschen Staatsgebiet liegende – Nachbarburg Falkenstein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1263 wird mit Heinrich von Vilsegg ein Dienstmann der Herren von Hohenegg auf der Burg erwähnt. Die Hohenegger waren ihrerseits Lehnsmänner des Stiftes Kempten. Die Burg dürfte jedoch bereits um 1220/30 errichtet worden sein und gilt als eines der bedeutendsten Beispiele staufischer Baukunst in Tirol.

Die Ministerialen von Vilsegg werden 1314 letztmals urkundlich erwähnt, anschließend sitzen die Hohenegger selbst auf der Burg.

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts versuchte Graf Meinhard II. von Tirol (?) sein Territorium auf Kosten seiner Nachbarn zu vergrößern. Er bemächtigte sich auch einiger Burgen der Hohenegger, so etwa der nahen Höhlenburg Loch bei Pinswang, diese hielten Vilsegg jedoch noch bis 1408 als Lehen des Stiftes Kempten. Anschließend belehnte das Stift den Herzog von Österreich mit der Burg und der Herrschaft, der beides als Afterlehen an die Hohenegger zurückgab.

1671 starb mit Johann Franz der letzte Hohenegger, das Afterlehen fiel zurück an Österreich, der römisch-deutsche Kaiser wurde also rechtlich bezüglich der Herrschaft Vilsegg zum direkten Lehnsmann des Stiftes. Die Burg wurde noch mindestens bis 1709 von den österreichischen Pflegern bewohnt, wird aber bereits auf dem von Peter Anich 1774 veröffentlichten Atlas Tyrolensis als Ruine verzeichnet.

Das Jahr 1806 brachte den Übergang an Bayern, 1816 mussten Stadt, Burg und Herrschaft nach dem Wiener Kongress jedoch endgültig an Österreich abgetreten werden.

1939 stürzten größere Mauerpartien nach einem Erdbeben ein (so etwa die Ostwand des Bergfriedes mit dem Hocheingang), 1953 erfolgte die Sicherung des Bergfriedes durch das österreichische Bundesdenkmalamt. Zurzeit werden die übrigen Mauerreste des Palas und der Befestigung freigelegt und saniert. Zur Erhaltung der Burgruine wurde am 12. Juli 1981 die "Interessengemeinschaft zur Erhaltung der Ruine Vilsegg" unter Obmann Artur Hartmann gegründet, dieser hat bis 1993 den Bergfried und die nördliche Ringmauer saniert.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der relativ kleinflächigen Gipfelburg ist im Wesentlichen nur der mächtige, sechsgeschossige Bergfried erhalten.

Die Burgstelle befindet sich auf einem rund 75 Meter langen und maximal etwa 15 Meter breiten, von West nach Ost gerichteten rechteckigen Gipfelplateau, das rundum steil zu Tal abfällt. Das Westende der Burg nahm der etwas erhöht liegende, nahezu quadratische Bergfried mit den Maßen von 10,7 mal 10,1 Meter ein. Der im Zeitraum um 1220/30[1] erbaute mächtige Turm scheint zumindest zeitweise bewohnbar gewesen zu sein (Fensteröffnungen) und hatte ursprünglich vier ungewölbte Stockwerke und eine zinnenbekrönte Wehrplattform. Später wurde der Turm erhöht und durch ein Satteldach abgeschlossen. Die Mauerstärke des Untergeschosses beträgt knapp zwei Meter, die Ostwand fehlt seit dem Erdbeben von 1939. Das Mauerwerk des 17 Meter hohen Bergfriedes besteht aus Bruchsteinen mit Eckquaderung, im Dachaufbau zeigen sich auch Ziegelsteine. An die Nordost- sowie an die Südostecke des Bergfriedes schloss sich die polygonale Ringmauer an, die den westlichen Teil des Gipfelplateaus umzieht, von ihr haben sich nur wenige Reste erhalten. Im inneren der Burg lag neben dem Bergfried ein 17,50 mal 15 Meter messender Burghof, ihm folgte der Palas. Außerhalb der Ringmauer an der östlichen Schmalseite der Burg wurde das Gipfelplateau durch zwei Quergräben in kleinere Plateaus geteilt, die vermutlich ebenfalls bebaut oder befestigt waren.

Die Auffahrt zur Burganlage erfolgte von der Nordseite des Burgberges. Unterhalb des Bergfriedes überquerte der Burgweg einen äußeren Graben, und traf nach einer Kehre auf das äußere Burgtor. Dieses Tor ist durch eine Schenkelmauer mit der Nordostecke des Bergfriedes verbunden, die Mauer ist noch weitgehend erhalten. Hinter dem äußeren Burgtor soll sich ein Brunnen befunden haben, welcher aus dem Fels gehauen und bis zur Talsohle des Baches neben dem Burgweg gereicht hat. Nach weiteren 50 Metern steilem Anstieg stößt man auf das innere Burgtor an der Nordostecke der Kernburg, ihm folgte noch ein Zwinger. Als zusätzliche Sicherung der Anlage wurden nordwestlich unterhalb des Bergfriedes zwei bogenförmige Gräben mit Außenwall angelegt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Beatrix Pinzer, Egon Pinzer: Burgen, Schlösser, Ruinen in Nord- und Osttirol. Edition Löwenzahn Verlagsgesellschaft, Innsbruck 1996, ISBN 3-7066-2122-3, S. 59.
  • Toni Nessler: Burgen im Allgäu, Band 2: Burgruinen im Westallgäu und im angrenzenden Vorarlberg, im württembergischen Allgäu, im nördlichen Allgäu um Memmingen, im nordöstlichen Allgäu um Kaufbeuren und Obergünzburg sowie im östlichen Allgäu und im angrenzenden Tirol. 1. Ausgabe. Allgäuer Zeitungsverlag, Kempten 1985, ISBN 3-88006-115-7, S. 252–261.
  • Oswald Trapp: Tiroler Burgenbuch. Band 7: Oberinntal und Ausserfern. Athesia u. a., Bozen/Innsbruck/Wien 1986, ISBN 88-7014-391-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burg Vilsegg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Oswald Trapp: Tiroler Burgenbuch. Band 7: Oberinntal und Ausserfern