Burgruine Wolfstein (Isar)

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Burgruine Wolfstein

Bauernhof von 1800 mit einbezogenen Resten der Burg Wolfstein

Staat Deutschland
Ort Landshut-Wolfstein
Entstehungszeit 12. Jahrhundert
Burgentyp Höhenburg, Spornlage
Erhaltungszustand Ruine
Ständische Stellung Edelfreie, Könige, Kaiser, Herzöge, Markgrafen, Freiadelige
Bauweise Mauerreste aus Backstein, Kellergewölbe in Fels gehauen
Geographische Lage 48° 35′ N, 12° 16′ OKoordinaten: 48° 35′ 0″ N, 12° 15′ 48″ O
Höhenlage 450 m ü. NN
Burgruine Wolfstein (Bayern)

Die Burg Wolfstein ist die Ruine einer hochmittelalterlichen Höhenburg auf 450 m ü. NN oberhalb der südlichen Isarhangleite, wenige Kilometer südwestlich von Niederaichbach im östlichen Teil (Stadtteil Auloh) der kreisfreien Stadt Landshut in Niederbayern. Sie liegt in der Gemarkung Wolfsbach bzw. im Stadtbezirk 07 Frauenberg.

Lageplan der Burgruine Wolfstein (Isar) auf dem Urkataster von Bayern

Die ehemalige Burganlage ist als Bodendenkmal mit der Nummer D-2-7439-0066 vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und der Beschreibung „mittelalterlicher Burgstall "Wolfstein"“ erfasst. Das Bauernhaus mit den verbauten Resten der Burg wurde als Baudenkmal mit der Nummer D-2-61-000-612 in die Denkmalliste aufgenommen und ist Teil der Baudenkmäler in Landshut-Frauenberg.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ältere Quellen berichten, dass in römischer Zeit auf dem Gelände von Burg Wolfstein entweder ein Kastell oder ein Wachturm stand.[2] Des Weiteren wird angenommen, dass sich im 8. Jahrhundert auf einem Hügel, der sich in der Mitte des Burghofes erhob und im 19. Jahrhundert abgetragen wurde, ein Turm oder eine Warte befand.[3]

Gründungszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 12. Jahrhundert waren die Berggipfel, auf denen sich heute die Ruine Wolfstein, der benachbarte Burgstall Schaumburg und der Burgstall Neudeck befinden, Sitz des Edelgeschlechts de Scovenburg. Damit ist wahrscheinlich das Adelsgeschlecht der Schauenburger mit der Schauenburg als Stammsitz gemeint. Aus einem Schenkungsbuch des Stifts Obermünster geht hervor, dass Ulrich von Schawenberg, der Sohn von Henricus de Scovenburg,[Anm. 1] die Burg erhielt und sich deshalb Ulrich von Wolfstein („Udalricus de Wolfstain“) nannte. Gemeinsam mit seinem Bruder Heinricus dem Jüngeren, der die benachbarte Veste Schaumburg bekam, übte er von 1110 bis 1141 das Amt des Vogtes im Kloster Sankt Emmeram aus.[4] Mit dem Erbe der Schaunberger kam Wolfstein dann um 1170 an die Wittelsbacher.

Zeit der Wittelsbacher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am bekanntesten ist Burg Wolfstein, weil auf ihr 1252 Konradin, der letzte legitime männliche Erbe aus der Dynastie der Staufer, geboren wurde. Die Eltern des späteren Königs von Jerusalem und Sizilien waren der deutsche König Konrad IV. und Elisabeth von Bayern, eine Tochter von Herzog Otto II. dem Erlauchten. Das Schicksal Konradins, der 1268 mit nur 16 Jahren in Neapel hingerichtet wurde, bewegte die zeitgenössische Gesellschaft und auch noch nachfolgende Generationen.[5]

Im 14. Jahrhundert war die Burg unter dem römisch-deutschen Kaiser Ludwig dem Bayern ein Jagdschloss, das er 1347 seiner zweiten Ehefrau Margarethe I. von Holland als Unterpfand für ihre Mitgift überschrieb.[3] Ein Jahr später wurde urkundlich festgehalten, dass auch die Söhne des Kaisers, Ludwig V., Stephan II. und Ludwig VI., berechtigt waren, die Burg zur Jagd und für Vergnügungen zu nutzen.[6] Des Weiteren lebte Otto V. nach seiner Entmachtung als Markgraf von Brandenburg auf Wolfstein und verstarb dort im Jahr 1379. Der Sage nach soll er hier ein Verhältnis mit einer schönen Müllerin von einer nahegelegenen Mühle, namens Margret oder Margareth („Gretl“), gehabt haben, nach der der heutige Ortsteil Gretlmühle benannt sein soll.[7][Anm. 2] Nach seinem Tod wurde Otto im Kloster Seligenthal in Landshut bestattet.[8]

Heinrich XVI. beherbergte 1417 auf Burg Wolfstein Jörg von Gundelfingen. Dieser war ein Gläubiger von Stephan III. und Gegner von Ludwig VII. bei dessen langjährigem Konflikt mit Heinrich nach der bayerischen Landesteilung von 1392. Am 21. Oktober 1418 gab Heinrich XVI. die Burg als Leibgedinge an Schweiker den Jüngeren, dem Bruder Jörg von Gundelfingens.[9]

Späte Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1568 wurde Wolfstein auf den Bairischen Landtafeln von Philipp Apian als Ruine dargestellt

In späteren Jahren soll Wolfstein eine Raubritterburg gewesen sein,[3] was allerdings angezweifelt wird, da aus den Jahren 1456, 1493, 1496 und 1499 Rechnungen von Abgaben, Zehnten und Bauarbeiten erhalten sind.[6]

1517 wurde damit begonnen, die Dächer und Teile der Gebäude der Burg abzutragen. Wann der vollständige Abriss bis auf die Grundmauern erfolgte, ist nicht überliefert. Belegt ist, dass man noch 1521 Anleit an die Burg gezahlt hatte. „Anleit“ meint „die Einweisung eines Berechtigten in den Besitz eines Grundstückes, eines Bauerngutes, eines städtischen Hauses oder einer sonstigen Liegenschaft“ bzw. das dafür zu entrichtende Entgelt.[10] 1523 wurden Bauarbeiten an einer Tafernwirtschaft auf Wolfstein vorgenommen.[6] Herzog Ludwig X. ließ 1536/1537 die Steine der Burg nach Leonsberg bei Pilsting transportieren, um das dortige Schloss, das 1504 im Landshuter Erbfolgekrieg zerstört wurde, wieder aufbauen zu lassen.[11]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundriss von Wolfstein (1872):
A. Wirtsgebäude
a–b alte Mauer
B. Ökonomie-Gebäude
C. Stadel
D. Gärtchen
E. 2 kleine Nebengebäude
F. freier Platz, teils mit Kies, teils mit Rasen bedeckt
G. Ab- und Zufahrt
H. Feldgründe
I. kleines Sommerhaus

Burg Wolfstein hatte ähnlich große Ausmaße, wie die nahegelegene Burg Trausnitz, was man am Grundriss des Geländes erkennen kann.[6] Die Reste der Burg bestehen heute aus Grundmauern und drei verschieden großen, rechteckigen Kellern mit einem Tonnengewölbe aus dem 16. Jahrhundert, von denen der größte eine Mittelsäule hat.

An der Stelle des ehemaligen Hauptgebäudes steht heute ein landwirtschaftliches Anwesen, das um 1800 erbaut wurde. Die erhaltenen Teile der Burg Wolfstein wurden in den Bau miteinbezogen. Insbesondere eine 15 bis 18 Meter lange und 1,5 bis 2 Meter breite, leicht geknickte Mauer der ehemaligen Burg bildet an der Westseite die Schlusswand des heutigen Hauses. Sie verläuft in Richtung des Steilhangs an ihrem äußersten Rand entlang.[3]

Das Bauernhaus ist ein zweigeschossiger Walmdachbau mit gemauertem Erdgeschoss und einem Obergeschoss in verschlemmter Blockbauweise. Der langgestreckte Stall mit flachem Tonnengewölbe in Stichkappenform wurde Anfang des 19. Jahrhunderts errichtet.

Vom 19. Jahrhundert bis 1965/1970 gehörte zu dem Hof ein Wirtshaus, dessen Vorgänger eine Tafernwirtschaft war. Am Haus ist eine Gedenktafel an die Geburtsstätte von Konradin aus dem Jahr 1873 angebracht.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Henricus de Scovenburg wird erstmals im Jahr 1108 urkundlich erwähnt. Er begründete das Adelsgeschlecht der Schauenburger mit der Schauenburg als Stammsitz. In mehreren Urkunden aus den Jahren 1110, 1125 und 1127 wird ein Graf Heinrich II. von Schaumburg genannt, der Hiltiburg heiratete, die aus einem Adelsgeschlecht entstammte, das sich Dornberg nannte und ihren Stammsitz auf Burg Dornberg in Erharting hatte. Seitdem nannten sich auch die Nachkommen der Hauptlinie der Schaumburger von Dornberg. Es wird angenommen, dass sich die Grafschaft der Schaumburger im Isartal im Bereich zwischen dem heutigen Kerngebiet der Stadt Landshut und der Ortschaft Niederviehbach befand (vgl. Otmar Reiter: Die Schaumburg). Des Weiteren existierte ein Henricus († 1187), der sich ab 1161 de Scovenburg benannte und der Linie der Edlen von Julbach-Schaunberg entstammte, von denen sich die Grafen von Schaunberg mit der Burg Schaunberg als Stammsitz ableiten (vgl. Quellen und Erörterungen zur Bayerischen Geschichte, S. 184). Letztendlich ist die Genealogie des Edelgeschlechts de Scovenburg und ihr Zusammenhang mit den österreichischen Schaunbergern, den Schauenburgern oder anderen Adelsgeschlechtern mit ähnlichem Namen, wie die Grafschaft Schauenburg, nicht eindeutig erforscht (vgl. Einöde Wolfstein bei Landshut, S. 24).
  2. Tatsächlich handelt es sich bei Gretlmühle um einen Flur- und Ortsnamen. Der Wortteil „Gret“ bedeutet, dass damals eine an der Mühle vorbeiführende Straße (= Gret) existierte. (vgl. Werner Hübner: Römerstraßen im Isartal – Spuren und Geschichte antiker Straßenzüge. Landshut 1996, S. 28)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Burgruine Wolfstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Denkmalliste für Landshut (PDF) beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege
  2. Johann W. Melchinger: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Baiern. Verlag der Stettinschen Buchhandlung, Ulm 1797, S. 642
  3. a b c d Joseph von Obernberg: Reisen durch das Königreich Baiern. Lentner, München / Leipzig 1816, S. 147–149
  4. Commission zur Herausgabe bayerischer und deutscher Quellen-Schriften: Quellen und Erörterungen zur Bayerischen Geschichte. Band 1. Verlag Georg Franz, München 1856, S. 52, 183–184
  5. Romedio Schmitz-Esser: Italienzug Konradins, 1267/68 – Rezeption. In: Historisches Lexikon Bayerns. 2015, abgerufen am 9. Mai 2019.
  6. a b c d Franz C. Höger: Einöde Wolfstein bei Landshut: Conradins, des letzten Hohenstaufen, Geburtsort. Thomann, Landshut 1872, S. 24–28
  7. Brüder Grimm: Die Gretlmühl. In: Deutsche Sagen. Nicolai, Berlin 1818, Band 2, S. 204–205 (Wikisource)
  8. Felix EscherOtto V. der Faule. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. 677 f. (Digitalisat).
  9. Bernhard Glasauer: Herzog Heinrich XVI. (1393–1450) der Reiche von Bayern-Landshut: Territorialpolitik zwischen Dynastie und Reich. Herbert Utz Verlag, München 2009, S. 149 ff. ISBN 978-3-8316-0899-7
  10. Wilhelm Volkert: Adel bis Zunft. Ein Lexikon des Mittelalters. C.H. Beck, München 1991, ISBN 3-406-35499-8, S. 18.
  11. Armin Gugau: Untersuchungen zum Landshuter Erbfolgekrieg von 1504/1505 – Die Schäden und ihre Behebung. Herbert Utz Verlag, München 2015, ISBN 978-3-8316-4387-5, S. 135