Burgsolms

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Burgsolms
Stadt Solms
Wappen von Burgsolms
Koordinaten: 50° 32′ 19″ N, 8° 24′ 21″ O
Höhe: 150 m ü. NN
Fläche: 6,86 km²[1]
Einwohner: 4565 (31. Dez. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 665 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1971
Postleitzahl: 35606
Vorwahl: 06442
Karte
Lage von Burgsolms in Solms
Luftaufnahme 2007
Luftaufnahme 2007
Heimatmuseum
Industriemuseum

Burgsolms ist mit rund 4500 Einwohnern der größte Ortsteil der mittelhessischen Stadt Solms im Lahn-Dill-Kreis.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es liegt am unteren Solmsbach kurz vor dessen Mündung in die Lahn. Burgsolms liegt am Rande des östlichen Hintertaunus, (Wetzlarer Hintertaunus), sowie des Naturpark Taunus.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ältesten Funde lassen darauf schließen, dass das Gebiet des heutigen Burgsolms bereits seit der La-Tène-Zeit besiedelt war.

Für das Jahr 788 wird im Lorscher Codex die Schenkung einer Kirche am Flusse Sulmissa, dem heutigen Solmsbach, erwähnt. Um die Frage, ob nun Burgsolms oder der benachbarte Ort Oberndorf, in urkundlichen Quellen auch Obersolms genannt, der älteste Solmser Stadtteil ist, besteht auch heute noch ein die beiden Orte trennender Streit, obwohl sie bereits fest zusammengewachsen sind.

Die Oberndorfer Kirche soll die 788 erwähnte Kirche gewesen sein, da in der urkundlichen Überlieferung die Kirche in Burgsolms stets als Tochterkirche bezeichnet wird. Funde lassen aber eher Burgsolms als den älteren Teil vermuten. Ein Zeichen dafür ist z. B. eine bei Bauarbeiten zum Evangelischen Gemeindehaus in den 50er Jahren gefundene Krypta einer karolingischen Kirche sowie eine karolingische Ringwallanlage, dem „Freien Stein“. Erst 1129 tauchen beide Solms in Urkunden getrennt voneinander auf.

Um das Jahr 1100 herum wurde Burgsolms der Sitz der Edlen von Solms. Die Solmser, die seit 1223 den Grafentitel trugen, bauten einen von ihnen bewohnten befestigten Hof zu einer Wasserburg aus, die schließlich zum Namenspatron des Solmser Stadtteils wurde. 1384 wurde die stark befestigte Burg durch den Wetterauer Städtebund auf Betreiben der Reichsstadt Wetzlar belagert. Graf Johann von Solms-Burgsolms floh auf die benachbarte Burg Greifenstein, und die Anlage wurde durch den Städtebund zerstört und nicht wieder aufgebaut. Die letzten Reste der Burg, die etwa 14 Meter hohe „Storchenmauer“, wurde 1952–54 auf Grund immer wieder auftretenden Steinschlags abgetragen.

Burgsolms war im Mittelalter stark befestigt. Belegt ist eine Stadtmauer mit vier Falltoren, von der heute ebenfalls keine Reste mehr existieren.

Auch wenn in den 1960er Jahren Fachwerkhäuser dem Bau einer größeren Straße durch den Ort weichen mussten und zum Teil durch Flachdachbauten ersetzt wurden, ist doch einige historische Bausubstanz erhalten geblieben. Insbesondere in der Lindenstraße und angrenzenden Straßen besteht eine denkmalgeschützte Gesamtanlage, die den nordwestlichen Bereich des alten Ortskernes umfasst. Hier findet sich eine ungewöhnlich dichte historische Substanz aus zahlreichen Einzeldenkmälern sowie weiteren bedeutenden Bauten.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1971 schloss sich im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin eigenständigen Gemeinden Burgsolms und Oberndorf auf freiwilliger Basis zur neuen Gemeinde Solms zusammen.[3] Am 1. Januar 1977 folgte kraft Landesgesetz der Zusammenschluss mit den Gemeinden Bielhausen und Niederbiel zur neugeschaffenen Großgemeinde Solms.[4][5]

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Burgsolms unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Solmisse (1300) [Urkundenbuch der Stadt Wetzlar 2, Nr. 192]
  • Burgsolmße, zue (1332) [Urkundenbuch der Stadt Wetzlar 1, Nr. 1196]
  • Borgsolmesze, vor (1361) [Urkundenbuch der Stadt Friedberg 1, Nr. 845 B, S. 588]
  • Burg Solmsz (1385) [Urkundenbuch der Stadt Friedberg 1, Nr. 654, S. 348]
  • burg Solms (1386) [Urkundenbuch der Stadt Friedberg 1, Nr. 665, S. 358]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Burgsolms lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burgsolms: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2017
Jahr  Einwohner
1834
  
512
1840
  
634
1846
  
716
1852
  
760
1858
  
781
1864
  
863
1871
  
918
1875
  
1.125
1885
  
1.341
1895
  
1.464
1905
  
1.615
1910
  
1.748
1925
  
1.889
1939
  
2.087
1946
  
2.667
1950
  
2.983
1956
  
3.054
1961
  
3.518
1967
  
3.998
1970
  
4.181
1987
  
4.072
2010
  
4.616
2013
  
4.565
2015
  
4.622
2017
  
4.686
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1][7][8][9][10] (2010, 2015, 2017 mit Nebenwohnsitzen)

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1834: 504 evangelische, 2 katholische, 6 jüdische Einwohner
• 1961: 2589 evangelische (= 73,59 %), 856 katholische (= 24,33 %) Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1960 wurde dem Ort durch den Hessischen Innenminister ein Gemeindewappen nebst Gemeindefahne verliehen. Das Wappen zeigt einen rotgequaderten Schild mit einem goldenen Schrägrechtsbalken. Darauf ein blauer, rotbewehrter Löwe.

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge wurde am 30. September 1969 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

„Von Gelb und Blau gespalten, im oberen Viertel verwechselt, belegt mit dem Gemeindewappen.“[11]

Kulturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft verfügt über eine Anschlussstelle an der autobahnähnlichen Bundesstraße 49. Von dort führt die L 3283 durch Burgsolms weiter nach Bonbaden und Neukirchen. Im Ort zweigt die K 378 nach Leun-Lahnbahnhof ab.

Am nördlichen Ortsrand besitzt Burgsolms einen Haltepunkt an der Lahntalbahn. Von 1912 bis 1985 hatte Burgsolms auch einen Haltepunkt an der den Ort durchlaufenden und mittlerweile abgebauten Solmstalbahn.

Industrie und Handel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burgsolms war von 1986 bis zum Frühjahr 2014 der Sitz der Firma Leica Camera AG. Außerdem besteht mit dem Solmser Gewerbepark ein großes Industrie- und Gewerbegebiet im Nordosten des Stadtteils.

In der Vergangenheit war für den Ort jedoch seit den 1870er Jahren die Eisenindustrie wichtig. Infolge guter Konjunktur auf dem Rohstoffmarkt entschied sich das Fürstlich-Braunfelsische Haus, das Eisenerz aus seinen Gruben selbst zu verhütten. Daher wurde auf dem Gebiet des heutigen Gewerbeparks, direkt an der Lahntalbahn, in den Jahren 1873 und 1874 ein Hüttenwerk errichtet: die Georgshütte. Erbauer waren Fürst Ernst zu Solms-Braunfels sowie seine Brüder Albrecht und Georg, nach welchem die im historistischen Stil gestaltete Hütte benannt wurde. Die Baukosten der Hütte betrugen 2.75 Millionen. Die Öfen waren 18,8 m hoch, fassten 259 Kubikmeter und wiesen einen Durchsatz von 60–65 Tonnen pro Tag auf. Der erste Hochofen wurde am 26. Januar 1875 angeblasen. Der für die Verhüttung nötige Kalk wurde in der Nähe abgebaut, das hergestellte Puddelroheisen fand Absatz an der Dill, in Westfalen und Düsseldorf. Am 16. Juli 1883 kauften die Gebrüder Buderus das Werk für 1.8 Millionen. Sie modernisierten es, ergänzten es 1888 um einen dritten Hochofen und vergrößerten die alten Öfen. Zeitweise arbeiteten mehr als 200 Personen in der Georgshütte. Die dort angefallene Schlacke wurde zur Herstellung von Bausand verwendet. Die letzten Erzbrocken wurden 1927 geschmolzen und die Georgshütte wurde 1930 abgerissen. Lediglich eine Lagerhalle sowie Wohnhäuser der Arbeiter zeugen heute noch von der Eisenverarbeitung.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Burgsolms, Lahn-Dill-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 25. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Die Stadtteile im Internetauftritt der Stadt Solms, abgerufen im August 2016.
  3. Gemeindegebietsreform in Hessen: Zusammenschlüsse und Eingliederungen von Gemeinden vom 21. Juni 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 28, S. 1117, Punkt 988; Abs. 26. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,0 MB]).
  4. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 14 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 380–381.
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Haushaltsplan 2012, Vorbericht. (PDF; 629 kB) Stadt Solms, S. 38, archiviert vom Original; abgerufen am 19. Juni 2018.
  8. Stadtteile. In: Internetauftritt. Stadt Solms, abgerufen im Februar 2019.
  9. Haushaltsplan 2017, Vorbericht. (PDF; 629 kB) Stadt Solms, S. 45, archiviert vom Original; abgerufen am 19. Juni 2018.
  10. Haushaltsplan 2019, Vorbericht, Statistische Angaben. (PDF; 8,7 MB) Stadt Solms, S. 78 des pdf-Docs, archiviert vom Original; abgerufen am 19. Juni 2018.
  11. Genehmigung eines Wappens und einer Flagge der Gemeinde Burgsolms, Landkreis Wetzlar vom 30. September 1969. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1969 Nr. 41, S. 1702, Punkt 1416 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,9 MB]).