Burgstall Waldau

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Burgstall Waldau
Lageplan und Standort der Burgteile der Wasserburg aufgrund der Ausgrabungen

Lageplan und Standort der Burgteile der Wasserburg aufgrund der Ausgrabungen

Entstehungszeit: 12. bis 13. Jahrhundert, erste Erwähnung 1255
Burgentyp: Niederungsburg
Erhaltungszustand: Burgstall
Ort: Grasellenbach- Wahlen
Geographische Lage 49° 36′ 33,9″ N, 8° 51′ 11,9″ OKoordinaten: 49° 36′ 33,9″ N, 8° 51′ 11,9″ O
Höhe: 350 m ü. NN
Burgstall Waldau (Hessen)
Burgstall Waldau
Infotafel und Blick auf das überbaute Gelände des Burgstalles

Der Burgstall Waldau ist eine abgegangene Wasserburg am Ulfenbach südlich des Ortsteils Wahlen der Gemeinde Grasellenbach im Odenwald im heutigen Kreis Bergstraße in Hessen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg wurde 1255 erstmals urkundlich mit Berthold von Waldau erwähnt.

Weiter folgen unterschiedliche vermutete Besitzabfolgen: Knappe sieht die (wohl spätestens Ende des 13. Jahrhunderts ausgestorbene) Adelsfamilie von Waldau als Lehensbesitzer des Klosters Lorsch an, deren Waldauische Lehen nach Auflösung des Klosterbesitzes 1232 an die Pfalzgrafen gekommen sei. 1359 ist der durch Pfalzgraf Ruprecht bewilligte Verkauf von Waldau durch Hartmut von Cronberg (Mainzer Burggraf auf der Starkenburg) an Rudolf von Beckingen den Jungen beurkundet.[1] 1423 wurde die Burg letztmals erwähnt.

Steinmetz dagegen vermutet die Burg später im Besitz der Schenken von Erbach, die aber in den Auseinandersetzungen um das Erbe des Reichsklosters Lorsch nicht gehalten werden konnte und gewaltsam zerstört wurde. Als direkter Nachfolger ist für ihn die Burg Güttersbach im benachbarten Güttersbach anzusehen.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panorama des Burgstallgeländes; ansatzweise ist im Gras noch ein Burggraben zu erkennen

Nach Ausgrabungen von 1890 auf dem Burgstall unter Heinrich Giess zeigte sich eine kreisrunde Wasserburg mit über 50 Metern Durchmesser und mit zwei umlaufenden Wassergräben, diese mit einem Gesamtdurchmesser von etwa 100 Metern. Im Inneren der Burganlage wurde als einziges Gebäude eine freistehende Kapelle (7,50 × 6,30 m mit einer 2,50 m tiefen Apsis; Mauerstärke zwischen 85 und 95 cm) sowie Mauerreste im Graben, die auf eine Ringmauer hinweisen, ergraben. Der rechteckige Teil der Kapelle lässt aber auch eine Deutung als Bergfried zu.

Innerhalb des Areals, welches von dem inneren Graben umfasst ist, wurden mit Ausnahme der Kapelle, keine Gebäudefundamente aufgefunden. Dies stützt die Annahme, dass die Gebäude wohl im Wesentlichen aus Holz gefertigt waren. Der Zugang erfolgte wahrscheinlich über eine aus Eichenstämmen erbaute Bockbrücke in nordöstlicher Richtung. Die Funde aus den Jahren 1890 und 1893 waren Fragmente irdener Gefäße, Hufeisen, eiserne Nägel, zahlreiche Holzgegenstände und 16 Kugeln aus Sandstein mit einem Durchmesser von 12 bis 16 cm.

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde die Burg wohl systematisch zerstört. Die hölzernen Funde wiesen Brandspuren auf, so dass eine Zerstörung der Burg durch Brand vermutet werden kann.

1937 fanden unpublizierte Ausgrabungen durch Karl Nahrgang statt und 1993 ein unpublizierter Suchschnitt durch das Hessische Landesamt für Denkmalpflege. Von Knappe als Buckelquader der Burg identifizierte Steine sollen sich in alten Bauernhäusern des Ortes wiederfinden lassen.[2]

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute weist nur noch eine Informationstafel des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald auf die Burgstelle hin. Die Burgstelle selbst ist heute aufgrund einer Industrieansiedlung nicht mehr erkennbar.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Giess: Ausgrabungen auf der Stätte der ehemaligen Burg Waldau bei Wahlen im Odenwald. In: Quartalblätter des Historischen Vereins für das Großherzogtum Hessen. NF Bd. 1, 1891/1895, ZDB-ID 517940-3, S. 427–433.
  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 1994, ISBN 3-86134-228-6, S. 575.
  • Thomas Steinmetz: Burg Waldau – Vorposten der Herrschaft Waldau im Ulfenbachtal. In: Gelurt. Odenwälder Jahrbuch für Kultur und Geschichte. 2010, ISSN 0947-4870, S. 78–84.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burgstall Waldau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heidelberger historische Bestände - digital Koch, Adolf; Winkelmann, Eduard (Hrsg.) Regesten der Pfalzgrafen am Rhein 1214–1508, Band 1: 1214–1400, Innsbruck, 1894, S. 187
  2. Siehe dazu die Fotos im Lagis Weblink