Burgstein

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Burgstein (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen der ehemaligen Gemeinde Burgstein

Burgstein war eine Gemeinde im Vogtlandkreis in Sachsen. 1994 wurde sie gebildet aus den Orten Geilsdorf, Großzöbern, Gutenfürst, Heinersgrün, Kemnitz, Krebes und Schwand mit ihren jeweiligen Ortsteilen. 1999 wurde zusätzlich Dröda eingemeindet. Am 1. Januar 2011 wurde sie mit allen Ortsteilen in die benachbarte Gemeinde Weischlitz eingegliedert, mit der zuvor die Verwaltungsgemeinschaft Weischlitz bestanden hatte.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burgstein liegt etwa 12 Kilometer südwestlich von Plauen und etwa 13 Kilometer nordöstlich von Hof. Der Norden der Gemeinde wird vom Oberlauf der Weißen Elster durchzogen.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Burgstein ist eine der typischen Erhebungen des Vogtländischen Kuppenlandes. Er besteht aus einer vulkanischen Paläobasaltbrekzie des Oberdevon (Erdaltzeit) und erhebt sich auf 546 m ü. NN. Dort sind die dicht nebeneinanderstehenden Ruinen zweier spätmittelalterlicher Kirchen erhalten. Das Wandergebiet um den Burgstein ist Landschaftsschutzgebiet und Teile davon befinden sich im Grünen Band, dem ehemaligen Grenzschutzstreifen der DDR.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil Kemnitz

Zu Burgstein gehörten folgende Ortsteile:

  • Berglas, 468 m ü. NN
  • Dröda, 401 m
  • Geilsdorf, 448 m
  • Grobau, 552 m
  • Großzöbern, 500 m
  • Gutenfürst, 550 m
  • Heinersgrün, 510 m
  • Kemnitz, 510 m
  • Kleinzöbern, 454 m
  • Krebes, 549 m
  • Pirk, 390 m
  • Ruderitz, 450 m
  • Schwand, 520 m
  • Steins, 490 m
  • Türbel

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Reste des Schlosses in Geilsdorf
Wohnhaus von Hermann Vogel im Ortsteil Krebes

Im Westen des Vogtlands gelegen, waren die Orte im 14. Jahrhundert im Besitz des vogtländischen Adelsgeschlechts von Sack.

Auf dem Burgstein ist zumindest für die 1420er Jahre ein Adelssitz archivalisch belegt („... daß [Edel-]lewt sein gesessen zu Burckstein[,] die haben geheyßen die Pucher“).

1474 entstand nach einer Marienerscheinung eine Wallfahrt, verbunden mit der Errichtung einer Wallfahrtskapelle (heute westliche Burgsteinruine), die der Pfarrei des Nachbarortes Krebes unterstellt war und somit zum Bistum Bamberg gehörte. Nicht zuletzt die Lage unmittelbar an der Grenze der Bistümer Bamberg und Naumburg führte zwischen beiden zu langjährigen Streitigkeiten um die sicher nicht unbeträchtlichen Wallfahrtseinnahmen, die erst 1487 vertraglich beigelegt wurden.

Die Errichtung der zweiten, östlichen Burgsteinkirche ist im Zusammenhang mit der 1489 erfolgten Erhebung zur eigenständigen Pfarrei zu sehen (sie wäre demnach die Pfarrkirche der neuen Kirchgemeinde gewesen). In den Jahren 1512 und 1512 stiftete Kurfürst Friedrich der Weise (1463–1525), der zuständige Landesherr, dem Burgstein textile Ausstattungsgegenstände. Mit der Durchsetzung der Reformation im Vogtland und der damit verbundenen Ablehnung der katholischen Wallfahrtspraxis setzte der Niedergang der Doppelkirchenanlage ein. Schließlich verfügte der sächsische Kurfürst Johann Friedrich 1540 den Abriss beider Burgstein-Sakralbauten, die in der Folge zwar nicht vollständig abgetragen, aber doch dem Verfall preisgegeben wurden. Die Mitglieder der Burgstein-Pfarrgemeinde wurden an die Kirche des Nachbarortes Geilsdorf verwiesen.[1] Durch das Burgstein-Gebiet verlief bis ins 19. Jahrhundert die vogtländische Amtsgrenze. Während die nördlichen Orte Geilsdorf, Grobau, Gutenfürst, Kemnitz, Krebes mit Schwarzenreuth, Ruderitz, Schwand und Steins zum Amt Plauen gehörten, wurden die südlichen Orte Berglas, Großzöbern, Kleinzöbern, Dröda, Heinersgrün, Pirk und Türbel vom Amt Voigtsberg verwaltet.[2]

Ein 1875/77 auf dem Burgstein erbautes Gasthaus erhöhte die Attraktivität des Ortes bis Anfang der 1950er Jahre beträchtlich und war vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts Treffpunkt eines illustren Künstlerkreises um den Malerpoeten Hermann Vogel.[3]

Im Ort Krebes befindet sich neben einer kleinen Museumsstube das Haus des vogtländischen Malers und Grafikers Hermann Vogel (1854–1921), eines spätromantischen Zeichners, der in der Nachfolge von Ludwig Richter durch seine Buch- und Märchenillustrationen, vor allem im Verlag Braun & Schneider, München, bekannt geworden ist. [4] Im Haus befindet sich eine Außenstelle des Vogtlandmuseums Plauen mit einer Dauerausstellung zu Leben und Werk von Hermann Vogel.

Vom Burgstein führt ein Weg durch das Kemnitzbachtal zur Kienmühle, einer im 17. Jahrhundert erbauten Mahl- und Schneidmühle. Im Ort Ruderitz befindet sich ein restaurierter Gasthof aus dem 18. Jahrhundert. In Geilsdorf ist die restaurierte Ruine eines Wasserschlosses sowie ein artesischer Thermalbrunnen zu sehen. Auf einer Anhöhe über dem Dorf Heinersgrün steht St. Clara, die weithin sichtbare Grabkapelle der Familien von Feilitzsch und von Pölnitz aus dem späten Mittelalter.

Auf dem Gemeindegebiet existierte bis in die 1960er Jahre das Dorf Ramoldsreuth, ein Platzdorf mit Waldhufenflur, das 1968 nach Großzöbern eingemeindet und infolge Baus der Feilebachtalsperre abgebrochen wurde.
siehe auch Burg Türbel

Der zu Krebes gehörige Ortsteil Schwarzenreuth wurde infolge der Grenzsicherungsmaßnahmen der DDR beseitigt.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(jeweils zum 31. Dezember):

  • 1998: 2169
  • 1999: 2160
  • 2000: 2168
  • 2001: 2161
  • 2002: 2151
  • 2003: 2076
  • 2004: 2053
  • 2007: 1996
  • 2008: 1987
Datenquelle: Statistisches Landesamt Sachsen

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burgsteinruinen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlage Ruine Burgstein
Ruine der oberen Burgstein-Kirche
Ruine Burgstein, innen

Die Ruinen der Wallfahrts- und Pfarreikirche sind Kulturdenkmale und beliebte Wanderziele. Im Auftrag der Stadt Plauen wurden sie in den 1990er Jahren restauriert. Dabei wurde das Mauerwerk mit Mörtel verstrichen und die Mauerkronen erhielten abgerundete Betonköpfe. Das Areal in und um den Ruinen wurde von Baumbewuchs bereinigt. Der Innenraum ist durch verzinkte Gitterstabtüren gesichert. Nur bei Veranstaltungen ist der Zutritt frei. Es besteht seit 2008 eine Vereinigung namens Burgstein-er-Leben e.V. die sich zur Aufgabe gesetzt hat die Umgebung zu beleben, dort werden bei Voranmeldung Führungen angeboten.

Elstertalbrücke (A 72) bei Pirk
Bahnhof in Gutenfürst, ehemaliger stark gesicherter Grenzbahnhof zwischen DDR und BRD

Die Kirchen wurden von den Bistümern Bamberg und Naumburg gebaut, dies wurde durch die Lage nahe der Bistumsgrenzen ermöglicht und von Kasper Sack zu Geilsdorf unterstützt. Aufgrund einer Marienerscheinung von zwei Bergleuten wurde dort zuerst eine Wehrkirche errichtet, diese wurde später erweitert. Als das Bistum Naumburg von den hohen Besucherzahlen erfuhr, wurde die zweite Kirche in Auftrag gegeben. Im Zuge der Reformation wurden die Kirchen niedergebrannt und vergessen. Erst in den Zeiten der Romantik wurden sie unter Hermann Vogel und dessen Freunden wieder neu belebt.

Durch den Sperrstreifen im Grenzgebiet wurde der Burgstein erneut verschlossen und für den größten Teil der Bevölkerung wieder unzugänglich.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gebiet der Gemeinde verläuft die Autobahn A 72 mit einer Anschlussstelle in Pirk sowie mit der bekannten Elstertalbrücke.

Weiterhin wird das Gemeindegebiet von Nordost nach Südwest von der Bahnstrecke Leipzig–Hof durchquert. Haltepunkte gibt es in Grobau und Gutenfürst. Der Bahnhof Gutenfürst war zu Zeiten der DDR Grenzbahnhof und hatte eine wichtige Bedeutung.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Hartwig (1915–2014), der Vizeadmiral der Bundesmarine und Befehlshaber der Flotte wurde am 14. September 1915 in Steins, einem Ortsteil der ehemaligen Gemeinde Burgstein, geboren, die heute in die Gemeinde Weischlitz eingegliedert ist

Siegfried Rudert (1932–1980), Maschinenbauingenieur und Professor für Automatisierungstechnik / Regelungstechnik, geboren in Großzöbern

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinz Mocker: Register für die Kirchenbücher des Pfarramtes Großzöbern 1642-1912. Kopie des Manuskripts. Plauen 1987, laut Bestandsverzeichnis Teil IV der Deutschen Zentralstelle für Genealogie, S. 542

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martina Bundszus, Neue Dokumente zum alten Burgstein - Eine Wallfahrtskirchenanlage im Spannungsfeld territorialer Interessen. In: Das Vogtland. Schrift zu Kultur und Geschichte des Vogtlandes, Heft 2006, Plauen 2006, S. 9–57. ISBN 3-928828-37-1. - Martina Bundszus, Weiteres zum Burgstein. Ein Nachtrag zum Artikel "Neue Dokumente zum alten Burgstein - eine Wallfahrtskirchenanlage im Spannungsfeld territorialer Interessen"; (Heft 3/2006) . In: das Vogtland, Schrift zu Kultur und Geschichte des Vogtlandes, Heft 2009, Plauen 2009, S. 30–35. ISBN 978-3-928828-48-2.
  2. Historisches Ortsverzeichnis Sachsen
  3. Rolf Ketzel, Die Burgsteinwirte und ihre Gäste, Plauen 2004. ISBN 3-928828-30-4.
  4. Frank Weiß, Malerei im Vogtland. Bildwerke und Maler aus neun Jahrhunderten (Leipzig 2002) S. 35–36. ISBN 3-363-00775-2.
  5. Schwarzenreuth im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burgstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 25′ 9″ N, 11° 59′ 7″ O