Burgund

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Burgund (Begriffsklärung) aufgeführt.
Burgund
Flagge der Region Burgund Wappen der Region Burgund
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Über dieses Bild
Basisdaten
Verwaltungssitz Dijon
Präsident des Regionalrats François Patriat[1] PS
Bevölkerung

 – gesamt 1. Januar 2012
 – Dichte

1.641.130 Einwohner
52 Einwohner je km²

Fläche

 – gesamt
 – Anteil an Frankreich:

31.582 km²
5,0 %

Départements 4
Arrondissements 15
Kantone 174
Gemeinden 2.046
ISO 3166-2-Code FR-D

Burgund (französisch Bourgogne [buʀˈgɔɲ]) ist eine Region im Zentrum Frankreichs, die aus den Départements Côte-d’Or, Nièvre, Saône-et-Loire und Yonne besteht. Sie hat eine Fläche von 31.582 km² und 1.641.130 Einwohner (Stand 1. Januar 2012). Hauptstadt der Region ist Dijon.

Geographie[Bearbeiten]

Physische Karte Burgunds

Im Osten grenzt Burgund an die Region Franche-Comté, im Norden an Champagne-Ardenne und Île-de-France. Westlich liegt die Region Centre-Val de Loire, während im Süden die Regionen Auvergne und Rhône-Alpes angrenzen.

Burgund hat mit dem Morvan, einem Ausläufer des Zentralmassivs, Anteil an den alten Kristallingebieten. Ansonsten bilden mesozoische Sedimente (zumeist aus dem Jura) den Gesteinsuntergrund. An der Ostflanke leiten Bruchstufen zur Saône-Furche über.

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: Das Wappen ist geviert; Feld 1 und 4 bestreut mit goldenen Lilien auf Blau und eine rot-weiße Zwölfer-Stückelung im Bord (Neuburgund), und die anderen Felder (2,3) und drei blaue Schrägbalken in Gold, mit rotem Bord (Altburgund).

Das Wappen geht auf die beiden burgundischen Häuser, das ältere, und das jüngere, zurück.

Geschichte[Bearbeiten]

Burgundia als Teil des Fränkischen Reiches zu Zeiten der Merowinger.

Die Geschichte der heutigen französischen Region Burgund ist von der komplexen Entwicklung der unterschiedlichen Gebiete zu unterscheiden, deren Name seit der Zeit der Völkerwanderung zu bestimmten Zeiten mit dem Namen des ostgermanischen Stammes der Burgunder verbunden worden ist (siehe dazu Burgundische Geschichte); die heutige Region ist als geographisch-kulturell gewachsene Einheit mit Kerngebiet in der Saônesenke, die weitgehend dem vom 10. Jahrhundert bis zur Französischen Revolution bestehenden Herzogtum Burgund entspricht, die einzige geographische Großeinheit, die sich auf diese Tradition heute noch namentlich bezieht. Das Folgende bezieht sich ausschließlich auf dieses Gebiet.

Frühgeschichte[Bearbeiten]

Die heutige Region war schon im Palaeolithikum von Menschen besiedelt. Funde am Felsen von Solutré weisen schon für die Zeit um 15.000 v. Chr. eine dichte Besiedelung nach.

Vom 6. Jahrhundert v. Chr. bis zur Ankunft der Römer ist die keltische Kultur der Gallier vorherrschend, vor allen Dingen vertreten durch die Haeduer und die Mandubier, die in Caesars De bello gallico Erwähnung finden. Bedeutende Ansiedlungen der Stämme waren Bibracte in der Nähe des heutigen Autun und Alesia nahe Dijon.

Römerzeit[Bearbeiten]

Um 59 v. Chr. besiegten die Römer unter Julius Caesar die Helvetier und andere gallische Stämme bei Bibracte (heute Saint-Léger-sous-Beuvray), auf dem Mont Beuvray, zwischen Autun und Le Creusot. Im Jahr 52 v. Chr. schlugen die Römer, wiederum unter Caesar, bei Alesia, dem heutigen Alise-Sainte-Reine, den gallischen Aufstand unter Vercingetorix nieder. Es folgte die Eingliederung Galliens in das Römische Reich und die langsame sprachliche und kulturelle Romanisierung seiner Einwohner.

Um 43 v. Chr. wurde Augustodunum (Autun) gegründet. Um 280 begann der Weinbau in der Region.

Teil des Frankenreichs[Bearbeiten]

Seit 534 bezeichnete der Name Burgundia ein fränkisches Teilreich (Königreich Burgund), das 843 im Vertrag von Verdun bei der Aufteilung des Fränkischen Reichs in eine östliche und eine westliche Hälfte zerschnitten wurde: Im Osten entstand das neue Königreich Burgund (Hochburgund), im Westen ein französisches Lehnsherzogtum, das der Ausgangspunkt für die heutige Region ist.

Herzogtum und Provinz[Bearbeiten]

Hauptartikel: Herzogtum Burgund

Das Herzogtum Burgund wurde 1032 bis 1361 von einer Seitenlinie des französischen Königshauses, den Kapetingern, regiert (Älteres Haus Burgund). Es ging 1363 an Philipp von Valois über, der das Haus Burgund als Seitenlinie des französischen Königshauses der Valois begründete. Dieses Haus Burgund setzte auf eine umfangreiche territoriale Ausdehnung, die zur Bildung eines Zwischenreichs zwischen Frankreich und Heiligem Römischem Reich führte, dessen südlicher Teil das alte Herzogtum Burgund sowie zeitweise die Freigrafschaft und dessen nördlicher Teil die Niederlande waren. Nach dem Tod des letzten männlichen Herzogs aus dem Haus Valois, Karls des Kühnen, in den Burgunderkriegen (1477) wurde dieser Herrschaftskomplex aufgeteilt. Das Haus Habsburg sicherte durch die Heirat Maximilians mit der Erbtochter Karls des Kühnen, Maria von Burgund, die (wirtschaftlich) bedeutendsten Teile des Reiches, namentlich Flandern und die Freigrafschaft. Das Herzogtum selbst hingegen, also der westliche Teil des burgundischen Kerngebiets, wurde von der französischen Krone als Mannlehen wieder eingezogen, da die Herzogswürde an die Tochter Karls des Kühnen Maria von Burgund gefallen war. Das Herzogtum wurde während des gesamten Ancien régime nicht wieder verliehen, sondern gehörte zur Eigenherrschaft der französischen Krone. Es wurde jedoch nicht Teil der Domaine royal, sondern blieb als Provinz mit eigenem Parlement selbstverwaltet.

Auflösung nach der Französischen Revolution (1790)[Bearbeiten]

Das Herzogtum wurde nach der Französischen Revolution im Zuge der Einteilung des Staates in Départements 1790 aufgelöst; mit ihm verschwand die Bezeichnung Burgund für eine politisch-administrative Einheit.

Karte der 1948 eingerichteten Igamien mit Dijon (stahlblau) im zentralen Osten

Igamie Dijon (1948–1964)[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden am 21. März 1948 jeweils einige Départements Frankreichs unter die Aufsicht jeweils eines Sondergesandten der Zentralregierung (Akronym: IGAME) zu größeren territorialen Verbünden, den sogenannten Igamien, zusammengefasst. Darunter war die Igamie Dijon, die die acht Départements umfasste, die später zu den französischen Regionen Bourgogne und Franche-Comté wurden, also erstmals seit dem Frühmittelalter die administrative Trennung zwischen den westlichen und östlichen Kerngebieten Burgunds aufhob. Die Igamie bestand bis 1964.

Französische Region (seit 1956)[Bearbeiten]

Bei der Einteilung Frankreichs in Programmregionen im Jahre 1956 wurde aus vier Départements die Region Burgund (Bourgogne) in ihren heutigen Grenzen gebildet. 1972 erhielt die Region den Status eines Établissements public unter Leitung eines Regionalpräfekten. Durch die Dezentralisierungsgesetze von 1982 erhielt auch die Region Burgund den Status einer Collectivité territoriale (Gebietskörperschaft), wie ihn bis dahin nur die Gemeinden und die Départements besessen hatten. 1986 wurde der Regionalrat der Region Burgund erstmals in Direktwahl gewählt. Seitdem wurden die Befugnisse der Region gegenüber der Zentralregierung in Paris schrittweise erweitert.

Mit dem deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz verbindet die Region seit 1962 eine Regionalpartnerschaft, die mit dem CRB Haus Burgund in Mainz institutionalisiert wurde. Der Ministerpräsident Kurt Beck wurde 2012 zum 50. Jahrestag der Partnerschaft zum Ehrenbürger Burgunds erklärt.[2]

Zum 1. Januar 2016 wird die Region Burgund mit der benachbarten Region Franche-Comté fusionieren.

Städte[Bearbeiten]

Die bevölkerungsreichsten Städte der Region Burgund sind:

Stadt Einwohner (Jahr) Département
Dijon 152.071 (2012) Côte-d'Or
Chalon-sur-Saône 44.564 (2012) Saône-et-Loire
Nevers 35.327 (2012) Nièvre
Auxerre 35.096 (2012) Yonne
Mâcon 32.917 (2012) Saône-et-Loire
Sens 25.106 (2012) Yonne
Le Creusot 22.574 (2012) Saône-et-Loire
Beaune 21.806 (2012) Côte-d'Or
Montceau-les-Mines 18.956 (2012) Saône-et-Loire
Autun 14.124 (2012) Saône-et-Loire

Politische Gliederung[Bearbeiten]

Die Region Bourgogne untergliedert sich in vier Départements:

Département Präfektur ISO 3166-2 Arrondissements Kantone Gemeinden Einwohner (Jahr) Fläche
(km²)
Dichte
(Einw./km²)
Côte-d’Or Dijon FR-21 3 43 706
000000000527403.0000000000527.403 (2012)
000000000008763.00000000008.763 000000000000060.200000000060,2
Nièvre Nevers FR-58 4 32 312
000000000216786.0000000000216.786 (2012)
000000000006817.00000000006.817 000000000000031.800000000031,8
Saône-et-Loire Mâcon FR-71 5 57 573
000000000555039.0000000000555.039 (2012)
000000000008575.00000000008.575 000000000000064.700000000064,7
Yonne Auxerre FR-89 3 42 455
000000000341902.0000000000341.902 (2012)
000000000007427.00000000007.427 000000000000046.000000000046

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Weinberge Haute Côte de Nuits

Burgund ist eine landwirtschaftlich geprägte Region, die vor allem für ihre Rotweine aus den Weinregionen Côte de Nuits und Côte de Beaune sowie für die Weißweine aus dem Mâconnais und dem Chablis weltbekannt ist. Außerdem wird in Burgund Viehzucht betrieben; typisch für die Region sind Charolais-Rinder und Bressehühner. In Südburgund, an der Grenze zur Auvergne, finden sich noch einige alte Ölmühlen für Nuss- und Pflanzenöle, darunter die älteste, historische Ölmühle Jean Leblanc, die noch heute in Betrieb ist.

Landschaftsbild mit Charolais-Kühen

Die Industrie Burgunds ist trotz seiner günstigen Lage nur schwach entwickelt und konzentriert sich vor allem im Gebiet um Dijon. Die im 19. Jahrhundert blühende Metallindustrie um Le Creusot ist bedeutungslos geworden. Heute finden sich viele mittlere Betriebe der Kunststoffverarbeitung im Gebiet um Dijon aufgrund der Nähe zu einem großen Chemiewerk in Tavaux, welches selbst zur Region Franche-Comté gehört. In Chalon-sur-Saône findet sich Elektroindustrie und ein beachtlicher Schiffbau, unter anderem für Unterseeboote. Die Schiffe werden über die Saône und die Rhône zum Mittelmeer gebracht.

Im Vergleich mit dem BIP der Europäischen Union, ausgedrückt in Kaufkraftstandards, erreichte die Region 2006 einen Index von 94,8 (EU-27 = 100).[3]

Die Hauptverkehrsrouten für den überregionalen Straßenverkehr sind die Autobahnen A6 Paris-Burgund-Provence, A31 Metz-Nancy-Burgund-Lyon und A36 Mülhausen-Burgund-Lyon, die wichtigsten überregionalen Bahnstrecken sind die LGV Sud-Est (ParisLe CreusotMâconLyon) und die LGV Rhin-Rhône (Dijon–BesançonBelfortMülhausen). Es gibt über 1000 km schiffbare Wasserwege.

Kulturdenkmäler[Bearbeiten]

Romanische Kirche in Ameugny bei Taizé

Neben zahlreichen Sakralbauten befinden sich im Burgund viele Schlösser und Burgen, welche im eher ländlich geprägten Herzen Frankreichs weit verstreut liegen.[4]

Zu den bedeutenden Kirchen und Klöstern zählen:

Die genaue Anzahl der Schlösser, Burgen und Festungen ist schwer zu ermitteln; die Angaben dazu schwanken zwischen 400 und 700. Besonders bekannte Schlösser und Burgen sind:

Zu den Sehenswürdigkeiten gehören auch:

Rezeption[Bearbeiten]

Burgund wird mit zahlreichen, teils historisch inspirierten Figuren im Nibelungenlied erwähnt. Dort ist jedoch nicht die hier beschriebene Region Burgund gemeint, sondern das Burgundenreich.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Bußmann: Burgund. Kunst, Geschichte, Landschaft. Burgen, Klöster und Kathedralen im Herzen Frankreichs… 12. Auflage. DuMont, Köln 1992, ISBN 3-7701-0846-9. (DuMont Kunst-Reiseführer)
  • Heinz-Joachim Gund: Burgund. Artemis, München, Zürich 1987, ISBN 3-7608-0795-X.
  • Hermann Kamp: Burgund. Geschichte und Kultur. C. H. Beck, München 2007, ISBN 3-406-53614-X.
  • Hermann Kamp: Kultur und Politik am Hof der Herzöge von Burgund. In: Klaus Herbers, Florian Schuller (Hrsg.): Europa im 15. Jahrhundert. Herbst des Mittelalters – Frühling der Neuzeit? Regensburg 2012, ISBN 978-3-7917-2412-6, S.71–90.
  • Norman Davies: Burgund. Fünf, sechs oder sieben Königreiche (um 411-1795). In: ders.: Burgund. Fünf, sechs oder sieben Königreiche (um 411-1795). In: Verschwundene Reiche. Die Geschichte des vergessenen Europa. London 2011, ISBN 978-3-8062-2758-1. (eBook: 978-3-8062-2511-2, Titel der engl. Originalausgabe: Vanished Kingdoms – The History of Half Forgotten Europ. London 2011, S. 101–171. Rezension).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bourgogne – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma
 Wiktionary: Burgund – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.region-bourgogne.fr/Les-acteurs-de-la-Region,1007,2341 abgerufen am 25. April 2015
  2. Ministerpräsident ist neuer Ehrenbürger von Burgund. In: Rheinland-Pfalz.de vom 5. Juli 2012.
  3. Eurostat Pressemitteilung 23/2009: Regionales BIP je Einwohner in der EU27 (PDF-Datei; 360 kB)
  4. Hermann Kamp: Burgund. Geschichte und Kultur. Beck, München 2007, ISBN 3-406-53614-X, Kapitel Das Land der Kirchen und Klöster, S. 48–60.

47.24754.1513888888889Koordinaten: 47° N, 4° O