Burgwall Lossow

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Burgwall Lossow
Blick zum mit Büschen bestandenen Burgwall

Blick zum mit Büschen bestandenen Burgwall

Entstehungszeit: ca. 10. Jahrhundert v. Chr.
Burgentyp: Niederungsburg
Erhaltungszustand: Burgstall
Ort: Lossow
Geographische Lage 52° 17′ 18″ N, 14° 34′ 19″ OKoordinaten: 52° 17′ 18″ N, 14° 34′ 19″ O
Burgwall Lossow (Brandenburg)
Burgwall Lossow

Der Burgwall Lossow bezeichnet den Burgstall einer ehemaligen slawischen Burgwalls im heutigen Lossow, einem Ortsteil der kreisfreien Stadt Frankfurt (Oder). Er ist in der Bodendenkmalliste Brandenburg gelistet.[1]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anlage befindet sich sieben Kilometer südlich von Frankfurt (Oder). Sie liegt westlich der Oder. Im Norden und Westen ist der innere Bereich durch eine Holz-Erde-Mauer in sechs Meter Höhe, im Osten zur Oder hin durch die Steile Wand, ein Naturdenkmal im Berliner Urstromtal, und im Süden durch ein natürliches Tal geschützt. Die heute messende Befestigung des Walls nimmt eine Fläche von 4,8 Hektar ein.

Burgwall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der Burg beginnt mit der Ansiedlung vorslawischer Stämme der Bronzezeit im 12. Jahrhundert v. Chr. als befestigte Siedlung oberhalb der Steilen Wand, einer natürlichen Hochfläche des westlichen Oderlaufs.

Vermutlich begann der Bau des Burgwalls im 10. Jahrhundert v. Chr. Dies belegen Grabungen von technischen Anlagen zur Keramikherstellung. Bruchstückteile von Gussformen zeugen von handwerklicher Tätigkeit der Bronzeverarbeitung; Reste von Haus- und Wildtieren, Fischen und Pflanzen geben Auskunft über die Ernährungsgewohnheiten. Die Burg beherbergte bis zu 1800 Menschen.

In der frühen Eisenzeit, ca. 800–600 v. Chr., besiedelte die sogenannte Göritzer Gruppe das Gebiet. Der Burgwall wurde im 6. Jahrhundert v. Chr. aufgegeben, bis Slawen das Gebiet wieder bevölkerten. Im 8. Jahrhundert erfolgte der Wiederaufbau der Burg, die jedoch im 10. Jahrhundert abbrannte.[2]

1844 wurden beim Bau der Eisenbahnstrecke Berlin–Breslau archäologische Funde bekannt.[3] Im Jahre 1898 begann die wissenschaftliche Erforschung des Burgwalls durch den Historischen Verein Frankfurt (Oder). Weitere Ausgrabungen im Auftrag des Berliner Völkerkundemuseums erfolgten 1909 und 1919.[4] Die Arbeiten wurden auf Grund der vorherrschenden Krise und Inflation unterbrochen und konnten erst ab 1926 unter Leitung von Wilhelm Unverzagt fortgeführt werden. Zu Tage gebracht wurden 60 Schächte, die als „Opferschächte“ gedeutet wurden. In verschiedenen Schichten fanden sich in bis zu acht Metern Tiefe, in denen sich Gefäße, Schmuck, Waffen, menschliche und tierische, teilweise zerstückelte Skelette.[5] Weitere Grabungen folgten 1968 durch das Museum für Ur- und Frühgeschichte Potsdam, von 1980 bis 1984 durch das Deutsche Historische Museum in Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität zu Berlin und 2009 im Rahmen einer zehnwöchigen Lehrgrabung mit Studierenden der Humboldt-Universität Berlin und der Freien Universität Berlin. Die auf mehrere Hundert brunnenförmige Schächte[6][5] enthielten menschliche und tierische Knochen. Schnittmarken und Hiebspuren an den Knochen legen nahe, dass hier Opferhandlungen stattgefunden haben. Bei den geopferten Menschen handelt es sich vornehmlich um Kinder und Jugendliche.[7] Die Forschung am Burgwall wurde von Ines Beilke-Voigt übernommen und fortgeführt. [8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burgwall Lossow – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Burgwall Lossow. (Memento vom 12. Januar 2014 im Internet Archive) (private Website Ines Beilke-Voigt (Archäologin))
  2. Eintrag zu Wallburg Lossow in der privaten Datenbank „Alle Burgen“, abgerufen am 17. September 2015.
  3. Burgwall Forschungsgeschichte. (Memento vom 12. Januar 2014 im Internet Archive) (private Website Ines Beilke-Voigt (Archäologin))
  4. Ur- und Frühgeschichte. (Memento vom 18. Februar 2010 im Internet Archive) Humboldt Universität Berlin
  5. a b Ein Burgwall der späten Bronze- bis frühen Eisenzeit und der mittelslawischen Periode bei Lossow. (Memento vom 7. Januar 2013 im Internet Archive) Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum
  6. Lossow I. Alte Forschungen und neue Projekte.
  7. Burgwall von Lossow PDF
  8. Burgwall Forschungsgeschichte. (Memento vom 12. Januar 2014 im Internet Archive) (private Website Ines Beilke-Voigt (Archäologin))